litterata  :  Reportagen  :  Reportagen von 2007  :  Ein Tag auf der Leipziger Buchmesse  
Veranstaltungen
Freundeskreis
Reportagen
Mironde Verlag
      login
  E-Mail  
  Passwort  
      login
  Registrieren Sie sich hier oder bearbeiten Sie Ihr Profil
Suche  
   

Am Stand der Chemnitzer Freien Presse wurde 11.30 Uhr Matthias Zwarg (li.), der Herausgeber des Bildbandes »Die Kirche mitten im Dorf. Sächsische Dorfkirchen« zu seinem Werk befragt. Das Buch verweist auf einen Reichtum der sächsischen Landschaft, denn wo gibt es derartige Bauwerke in vergleichbarer Dichte? Gleichzeitig deutet der Buchtitel auch an, dass es in einer Zeit der Globalisierung und Zentralisierung um die Bewahrung ländlicher Identität geht. (ISBN 978-3-937025-30-8, www.chemnitzer-verlag.de). Beim Wechsel in die nächste Halle bemerken wir: es schneit. Naja, bis Mittag, hatte der Wetterbericht gemeldet.



 
 

Die Gesellschaft Genikus – Gesellschaft zur Förderung der niederländischen Kultur und Sprache e. V. – stellte um 14.00 Uhr den Leipziger Lyriker Ralph Grüneberger und seine Übersetzerin Nicolette Zwijnenberger mit dem neuen Band »Im Vondelpark am Königinnentag. Amsterdamgedichte« vor. Ralph Grüneberger las einige Gedichte in deutscher Sprache und Nicolette Zwijnenberger ließ die niederländische Übersetzung folgen. Für die Zuhörer war dieses unmittelbare Aufeinandertreffen der beiden Sprachen ein Ereignis. Der Band wurde von Thomas Siemon in der edition carpe plumbum in Bleisatz hergestellt und liegt in limitierter Auflage vor.
(Die Gesellschaft Genikus wurde, wie der Moderator auf Nachfrage mitteilte, gegründet, um der für 2009 geplanten Schließung der Niederlandistik an der Leipziger Universität entgegenzuwirken, dem ältesten Fachbereich in Deutschland und dem drittältesten weltweit. Mittlerweile organisiert man regelmäßig Veranstaltungen zum Kennenlernen der niederländischen Kultur.)
Die edition carpe plumbum war in Leipzig zusammen mit der Kaefertalpresse mit einem eigenen Stand vertreten. Thomas Siemon und Thomas Paul Konietschke präsentierten Künstlerbücher, experimentelle Drucksachen und Grafik. Zusammen mit anderen Klein- und Kleinstverlagen fügen sie der Messe, die in der Medienwahrnehmung mitunter von anonymen Großverlagen, ergrauten Großautoren und immerneuen Millionenauflagen bestimmt wird, eine ganz besondere, eine farbige Nuance bei, die am ehesten mit dem Frühling vergleichbar ist. (www.carpe-plumbum.de)
Zwischendurch ein Blick aus dem Glasgang: es schneite ununterbrochen.


 
 

Am Stand des Deutschen Taschenbuchverlages finden wir eine Neuerscheinung von einem Autor aus unserer Region. Klaus Walther legte pünktlich zu seinem 70. Geburtstag ein Büchlein mit dem poetischen Titel: »Der schöne Monat Mai. Eine Erinnerung.« vor. Das Titelbild – der Autor als Schulanfänger mit Zuckertüte – suggeriert uns Kindheitserinnerungen. Freilich, solche finden wir auch in diesem Buch, doch der Autor versucht nicht zu verbergen, dass es Erinnerungen aus heutiger Sicht sind, die sich selbstverständlich von den Ereignissen unterscheiden. So wie wir uns erinnern – so ist es nicht gewesen (Christa Wolf). Das Reflexionsvermögen des Autors ermöglicht die Erzählung von Kriegsende und Nachkriegszeit um das Jahr 1945 gleichzeitig in einer beispielhaften Nüchternheit und in einer assoziationsreichen Sprache. Diese Sprache meidet ideologische Leerformeln und es gelingt damit allgemeinmenschliche, existenzielle Momente eines Umbruches verstehbar zu machen. Das ist der Stoff und der Stil großer Literatur. Damit ist der Literat Klaus Walther aber auch den Abstraktionen der Großhistorikern überlegen, denn Geschichte muss so erzählt werden, wie sie vor Ort geschah. Auf die Darstellung der Unterschiede und Differenzen, auf das Besondere kommt es an. Dies ist dem Autor ohne Zweifel gelungen. Wie nebenbei vermittelt uns Klaus Walther auch noch seine Entdeckung wichtiger Bücher. Leben und Literatur sind in dieser Darstellung eng verwoben, mitunter kaum zu unterscheiden. (ISBN 978-3-423-34398-5, www.dtv.de)

 
 

Das verschneite Leipzig hatte inzwischen ein fast sibirisches Klima bekommen. Und es schneite weiter. Durch die Schneemassen kämpften wir uns in die Innenstadt durch. Dort war um 19.00 Uhr im Café Puschkin eine Lesung mit Rainer Klis angesagt. Im Puschkin war man auf arktische Kälte und Schnee eingestellt. Eine Soljanka und ein russischer Tee stellten unsere normale Körpertemperatur wieder her. In gemütlicher Runde begann Rainer Klis seine Lesung. »Steinzeit« heißt sein neuer Roman (Rowohlt Verlag ISBN 3-87134-574-1, www.rowohlt.de). Die Gemütlichkeit wurde sofort erschüttert: das Buch begann mit einem Mord und einer Flucht nach Skandinavien. Es folgte eine Reise nach Kuba. Millionäre kamen zu Wort und weniger finanzkräftige Zeitgenossen, Ost- und Westdeutsche. Getrunken und gegessen wurde in großen Mengen. Die Helden rauchten selbstverständlich Zigarren. Gewürzt ist die lapidare Erzählweise mit einer Prise echt Klisschen Humors. So baute sich in der Lesung eine gewisse Spannung auf. Doch dann brach der Autor plötzlich ab, ohne zu verraten, wer der Mörder ist. Wir werden das Buch wohl selbst lesen müssen. Dann können wir anfangen und aufhören wo wir wollen.
Auf der Heimfahrt durch die Winterlandschaft hörten wir im Auto Weihnachtslieder. Von wegen Frühlingsanfang ...
Johannes Eichenthal


 
 

Copyright © 2009 Mironde Verlag.
Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Die Nachrichten sind nur für die persönliche Information bestimmt. Jede weitergehende Verwendung ist untersagt.

Ein Tag auf der Leipziger Buchmesse
Wahre Erlebnisse eines Lesers
 

Auf jeden Winter folgt ein Frühling. Bäume, Sträucher und Blumen beginnen zu blühen. In Leipzig beginnt die Buchmesse und lockt Freunde der Literatur an. Am 21. März, zur Eröffnung der Messe, hatte es überraschend geschneit. Doch der Wetterbericht verkündete, dass es nur noch am Vormittag des 22. März vereinzelt Schnee fallen werde, dann folge frühlingshaftes Wetter. So machten wir uns am 22. März in Frühlingserwartung auf den Weg nach Leipzig.


Artikel versenden
Artikel drucken
Mapsite
litterata