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Rainer Klis führte zunächst kurz in seinen neuen Roman ein. Ursprünglich sei dieser als dritter Teil einer »Trilogie des Umbruchs« geplant gewesen. (»Abend des Vertreters« und »Nacht der Kavaliere« erschien bei Faber & Faber) Die Bücher stünden in einem thematischen Zusammenhang, es sei aber keine Fortsetzung einer Handlung mit den gleichen Personen o.ä. zu finden. Der Neue Roman sei keine reine Liebesgeschichte, die sei er zwar auch, aber nicht nur.
Wie bereits am 22. März in Leipzig begann der Autor mit der Schilderung eines Mordes und einer Flucht nach Lappland. Im Unterschied zu Leipzig erklärte er aber danach, dass jetzt eine Rückblende folge, und las dann ausschließlich Szenen, die die Lebensgeschichte eines nach 1989 in Ostdeutschland tätigen »Jungunternehmers« Namens »Meister« erhellten. Dieser Ostdeutsche war durch den Kauf einer Immobilie und den Ausbau zum Hotel zum Millionär mutiert. Bald trat eine wesentlich jüngere Angestellte »Nelly« in sein Lebens, die ihn an Unternehmergeist noch zu übertreffen schien. Doch nach einer ersten sexuellen Begegnung mit seiner Angestellten, bei dem sie ihn »Väterchen« nannte, zweifelte er, ob diese es etwa nur auf sein Geld abgesehen habe.
Dem Autor, der nach 1989 selbst als Unternehmer auftrat, gelingt hier eine beispielhaft distanzierte Darstellung des Lebens dieser sozialen Schicht, deren Sorgen und Freuden, einschließlich Rotary-Pflichtveranstaltungen u.ä.
Der Geldreichtum der einen ist aber die Geldarmut der anderen. Meisters Freund »Hassan«, der mit dem Umbruch nur Schulden einfährt und zudem vom Autor noch mit einer unheilbaren Krankheit geschlagen wird, tauchte in der Chemnitzer Lesung nur am Rande auf. Doch der Zusammenhang beider Extreme wird deutlich. Leider brach der Autor wieder die Lesung ab, ohne dem Hörer einen Weg aus dem Gehörten zu weisen. Wenn man aber die Darstellung der Kuba-Reise aus der Leipziger Lesung berücksichtigt, dann könnte man annehmen, dass uns der Autor klarmachen wird, dass Geldreichtum auch menschliche Armut und Geldarmut auch menschlichen Reichtum umfassen kann. Aber lassen wir uns überraschen, wie das Buch wirklich ausgeht. Der Autor weigerte sich auch auf Nachfrage zu erklären, warum der Titel »Steinzeit« gewählt wurde.
Das kleine und sachkundige Publikum verfolgte die einstündige Lesung sehr aufmerksam. Gekommen waren alle, denen die geistige Kultur von Chemnitz am Herzen liegt, auch einige der wenigen Schriftstellerkollegen, die es noch in der Stadt hält. Mit herzlichem Beifall dankten die Hörer am Ende dem Autor.
Als Fazit könnte man sagen, dass es sich bei dem vorgelegten Buch selbstverständlich nicht um einen Roman im strengen Sinne handelt. Eine abgeschlossene Darstellung einer abgeschlossenen Epoche ist hier auch kaum möglich. Die Nähe der Darstellung zur Zeitgeschichte ist künstlerisch problematisch. Andererseits unterscheidet sich der Autor in seiner reflexiven Distanz wohltuend von bestellten politisch konformen Auftragswerken wie von deren abstrakten Gegenpositionen. Wer einen wirklichen Eindruck von der geschilderten Zeit bekommen will, der sollte also das neue Buch von Rainer Klis lesen.

Andreas Eichler


Literaturhinweis
Rainer Klis: Steinzeit. Rowohlt Verlag ISBN 3-87134-574-1 (www.rowohlt.de)

Noch lieferbar:
Rainer Klis: Abend des Vertreters. Faber & Faber ISBN 3-932545-54-0
Rainer Klis: Nacht der Kavaliere. Faber & Faber ISBN 3-936618-15-1
(www.faberundfaber.de)

Weitere Veranstaltungen in der Chemnitzer Thalia Buchhandlung: www.thalia.de

 

 

 
 

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Rainer Klis in Chemnitz
Lesung in der Thalia Buchhandlung am Roten Turm
 

Am Abend des 3. April begrüßte Ralph Pötzsch, der Leiter der Thalia-Universitätsbuchhandlung am Chemnitzer Roten Turm, den gebürtigen Chemnitzer Schriftsteller Rainer Klis wenige Tage nach Beendigung der Leipziger Buchmesse zu einer Lesung aus dessen neuem Roman »Steinzeit«. Pötzsch betonte, dass es bereits die dritte Veranstaltung mit Rainer Klis sei, ebenso wie mit Michael Degen, den er vor einer Woche an dieser Stelle begrüßt habe. Das neue Buch von Rainer Klis sei erst 14 Tage auf dem Markt und er freue sich den Schriftsteller in seiner Geburtsstadt begrüßen zu können.


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