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Klaus Walther nahm die Ehrung gut gelaunt entgegen und fügte sogleich eine Anekdote an. Doch dann begann endlich die Lesung, auf die, die trotz des Sommerwetters und des drohenden langen Erster-Mai-Wochenendes, zahlreich erschienen Zuschauer so lange gewartet hatten.
Zunächst las er eine Episode vom Ende des ersten Drittels des Buches: »Nochmals ein erster Schultag«. Klaus Walther lässt seinen kleinen Helden die gemischten Gefühle durchleben, die dieser zur Wiederaufnahme des Unterrichts empfindet, der kriegsbedingt eingestellt worden war. Es folgte der Abschnitt »Stalin kommt ins Erzgebirge«. Wahrscheinlich kann nur kindliche Naivität die politischen Rituale angemessen einschätzen: Das Bild Stalins war allgegenwärtig und ein Stuhl wurde für ihn freigelassen. (Vor dem Ersten Weltkrieg bezeugte das  erwachsene Bürgertum dem sächsischen Monarchen auf diese Weise seine Unterwürfigkeit.) Abschließend folgte ein Stück aus dem Abschnitt »Hexen und Geister«. Die Lesung gipfelte in einem Ausspruch der Großmutter, die das Haus und ihren Laden nie verließ: Jeder muss seine Reise selbst bestimmen! Der Autor bekennt mit der Stimme seines kleinen Helden, dass es lange dauern sollte, bis er den Sinn dieses Satzes verstehen sollte.

 
 


Das Publikum folgte gespannt den Worten des Autors. Es nahm den Text mehrheitlich als Schilderung der heimatlichen Geschichte auf, zumal der Autor dann und wann den erzgebirgischen Dialekt aufblitzen ließ. Ohne Zweifel enthält der Text auch Momente der Heimatgeschichte, aber nicht nur. Der Autor vermeidet jedoch vordergründige Aktualisierung und vermag mit seinem lapidaren Stil allgemeinmenschliche Momente des Umbruchs von 1945 und weiterer »politische Umbrüche« zu erfassen. Dem Anschein nach gelingt ihm das gerade auch, weil er sorgsam politische oder ideologische Worthülsen vermeidet. Wenn er solche Leerformeln dennoch gebraucht, dann vermag er sie aus der Sicht seines kleinen Helden als »leer« darzustellen. Das Buch belegt ein weiteres Mal, dass die Literatur der Zeitgeschichtsschreibung der Universitätshistoriker weit überlegen sein kann.
Mit dem Signieren der Bücher durch den Autor ging dieser buchenswerte Tag im schönen Monat April zu Ende.
Johannes Eichenthal




 
 

Information

Klaus Walther: Der schöne Monat Mai. Eine Erinnerung. Deutscher Taschenbuch Verlag. München 2007. 158 S. 8,50 Euro ISBN 978-3-423-34398-5

Bei dtv erschien von Klaus Walther bisher:

Bücher sammeln (Kleine Philosophie der Passionen) ISBN 3-423-34142-4
Hermann Hesse (dtv-Portrait) ISBN 3-423-31062-6
Karl May (dtv-Portrait) ISBN 3-423-31056-1

Weitere Information unter: www.dtv.de



 
 

Hinweis
Soeben erschien das Buch von Klaus Walther - Was soll man lesen? - , das 2005 bei Faber & Faber in Leipzig erschienen war, als Taschenbuch-Ausgabe im Aufbau-Verlag Berlin (222 S., 7,95 Euro ISBN 978-3-7466-8150-4)
www.aufbau-taschenbuch.de

Noch lieferbar die gebundene Ausgabe:
Klaus Walther: Was soll man lesen? Ein Lese-Verführer. Faber & Faber. Leipzig 2005 ISBN 3-936618-67-4
www.faberundfaber.de

 
 

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Der schöne Monat Mai
Klaus Walther las in der Stadtbibliothek Zwönitz
 

Rechtzeitig vor Anbruch des Frühlingsmonats trat Klaus Walther mit einer Lesung aus seinem neuen Buch »Der schöne Monat Mai« in der Stadtbibliothek seiner Heimatstadt Zwönitz auf. Bürgermeister Uwe Schneider ließ es sich nicht nehmen die Lesung zu eröffnen. Wo findet man so etwas noch? Zudem verwies der Bürgermeister darauf, dass der Autor Klaus Walther mit seinem Schaffen über Jahrzehnte auf seine Heimatstadt aufmerksam gemacht habe. International bekannte Schriftsteller und Verleger, die vordem nicht einmal wussten, dass es Zwönitz gäbe, geschweige denn, wo es liege, seien bei Klaus Walther zu Gast gewesen. Diese Tätigkeit als »kultureller« Botschafter könne man nicht hoch genug schätzen.


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