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In den neun Geschichten vermag der Autor mit einer Reihe von dokumentarisch anmutenden Erzählsträngen eine realistische Grundstimmung zu erzeugen. Seine Beobachtungen des Lebens in Indien sind präzise, ohne orientalistische Vorurteile oder Verklärung. Ob es das deutsche Fotomodell Pia ist, oder der indische Bettler Medab oder der Generalmanager Jantrib, wir erhalten einen realistischen Eindruck von den Lebensverhältnissen. An einem bestimmten Punkt der Erzählung erfährt die Erzählung dann eine unerwartete Wendung. Damit macht der Autor nicht nur plötzlich surrealistische Momente deutlich, er gibt den Erzählungen auch einen novellistischen Ton.
Insgesamt führt die Einfühlung des Autors in die indische Lebenswelt, die immer noch von uralten Traditionen und dem britischen Empire geprägt wird, dazu, dass sein Erzählstil auf den ersten Blick dem des 19. Jahrhunderts ähnelt. Damit vermag der Autor gewissermaßen eine Entschleunigung unseres heutigen Tempo-Gesellschafts-Stresses zu erreichen. Wir fühlen uns in eine Welt versetzt, in der die Uhren noch anders gingen.
Doch der Autor belässt es nicht dabei. Am Ende macht sich Pia von ihrem Mann frei und bleibt zu Filmaufnahmen in Indien, um der »Selbstverwirklichung« willen. Mit diesem Stichwort sind wir wieder in unserer Welt. »Indien« war bereits von Hermann Hesse bis Peter Sloterdijk ein Ziel europäischer Literaten, Aussteiger, Glückssucher und Selbstverwirklicher. Die Zahl prominenter Indien-Reisender ist Legion. Aber Günter Johne bedient gerade nicht die alten Klischees. Im Fall von Pia wird deutlich, dass »Selbstverwirklichung« vom Autor auch ironisch gebraucht wird.
Es ist dem Anschein nach ja auch absurd, dass sich Menschen aus dem »aufgeklärtem« Westen in eine Gesellschaft aufmachen, die noch immer vom feudalen Kastenwesen geprägt ist, um ihrer »Selbstverwirklichung« willen.
Günter Johne macht uns deutlich, dass wir das »Indien in uns« suchen müssen. Das Buch ist eine ideale Urlaubslektüre, man muss nicht einmal verreisen.

Der Autor Günter Johne wurde 1929 in Dresden geboren und lebt heute in Bonn und Dresden, sowie zwei Monate des Jahres in Indien. Er ist ausgebildeter Volkswirt und Islamwissenschaftler. Er absolvierte mehrjährige Aufenthalte in Kairo am Goethe-Institut und in Moskau (als Leiter der Handelsförderstelle). Seit 1987 Hinwendung zu Literatur und bildender Kunst. Zahlreiche Ausstellungen in Malerei und Graphik.
Johannes Eichenthal

Information
Günter Johne: »Endstation Pondicherry. Erzählungen aus Indien«
Books on Demand GmbH ISBN 978-3-8334-5467-7




 
 

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Endstation Pondicherry
Erzählungen aus Indien von Günter Johne
 

Indien? Was sollen wir dort?, fragt Pia, die Hauptperson einer der neun Geschichten, die Günter Johne unter dem Titel »Endstation Pondicherry. Erzählungen aus Indien« eben herausbrachte. Im Klappentext heißt es, dass von deutschen Frauen und Männern erzählt werde, die es auf eigene Faust nach Indien gezogen habe. Sie wichen Belastungsproben und Überraschungen nicht aus und gerieten in Konflikte, die den Kern der Erzählungen ausmachten. Der Kontakt mit den indischen Erzählpersonen veranschauliche eine eigenwillige Symbiose von Seltsamen und Märchenhaftem.

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