litterata  :  Reportagen  :  Reportagen von 2007  :  Zum Tod von Michael Hamburger  
Veranstaltungen
Freundeskreis
Reportagen
Mironde Verlag
      login
  E-Mail  
  Passwort  
      login
  Registrieren Sie sich hier oder bearbeiten Sie Ihr Profil
Suche  
   

Abbildung: Auszug aus einem Brief Michael Hamburgers vom 02.03.06.

Wir geben in der Folge einen Beitrag Michael Hamburgers wieder, den wir vor einigen Jahren zur Erinnerung an Gert Hofmann veröffentlichten:

Auszug aus: Nach der zweiten Sintflut. Zweiter Nachtrag
»Es gibt nichts, was die Leute so stimuliert wie die Wirklichkeit«, sagt Brissot in Gert Hofmanns genialer post-realistischen, super-realistischen Erzählung »Gespräch über Balzacs Pferd«, einer von vier Phantasien über Schriftsteller der Vergangenheit, die in diesem Buch mit dem gleichen Titel gesammelt wurden (1981). Die Erzählung spielt in einem Theater, in Balzacs Todesnacht, die zugleich die Nacht der Uraufführung seines Stücks »Le Bourgeois« ist. Er hat sich dorthin geschleppt, um es sich anzusehen, und zwar in der Gesellschaft Brissots, des Kloakeninspektors. Dieser soll ihn mit neuem Material für ein sensationell realistisches Werk versorgen. Brissot, so stellte sich heraus, hat jedoch sein eigenes Theater in den unterirdischen Abwasserkanälen von Paris, sein Theater aber ist eines der ganz realen lebendigen Brutalität, und das erweist sich als weitaus anziehender für die bessere Gesellschaft von Paris als Balzacs Vorspiegelungen des wirklichen Lebens. Die vielfältigen, in dieser Erfindung Hofmanns verkapselten Ironien brauchen hier nicht entwirrt zu werden. Gleich am Anfang erzählt Balzac Brissot, dass er in Wirklichkeit in seinem Bett liegt und stirbt. Dennoch beeinträchtigt dieses Eingeständnis in keiner Weise, auch für den Leser nicht, die Glaubwürdigkeit und das Pathos dieser Geschichte, die die Wahrheit über Balzac und über sich selbst als Fiktion erzählt. In all seinen Romanen und Erzählungen hat Hofmann beobachtete, aufgezeichnete oder erfundene Wahrscheinlichkeiten in genau dem Maße verwendet, wie eine Erzählung sie braucht, um bedeutungsvoll und stimulierend zu sein; aber er behauptet nie, weder vor sich selbst noch dem Leser gegenüber, dass es die Aufgabe einer Erzählung sei, Scheiben des wirklichen Lebens anzubieten oder mit der unbearbeiteten Wirklichkeit in Wettbewerb zu treten. Phantasie und Erfindung sind von grundlegender Bedeutung in seinem Werk, aber seine vorgestellten oder erfundenen Situationen haben ihrerseits ihre Wurzeln in ganz realer Erfahrung; anders als die Surrealisten interessiert Hofmann sich nicht besonders dafür, das Unbewusste zu ergründen oder ans Licht zu ziehen.
Wenn die Novellen in »Gespräch über Balzacs Pferd« Vorläufer ihrer Gattung in der deutschen Literatur haben, dann sind die bemerkenswertesten davon Georg Büchners »Lenz« (1836) und einige von Robert Walsers Studien von Epiphanien im Leben von Schriftstellern, wie etwa sein »Kleist in Thun«. Nicht nur erkennt Hofmann diese Vorläufer an, indem er J. M. R. Lenz, den Dramatiker des 18. Jahrhunderts, und Robert Walser zu Hauptfiguren von zwei weiteren der Novellen in dem Buch macht – die vierte ist Casanova –, sondern er fordert sie sogar heraus, indem er den Vergleich mit ihnen wagt, am eindrucksvollsten im Fall von Lenz. (Auch Casanova wurde literarisch bearbeitet, von Arthur Schnitzler in »Casanovas Heimfahrt« 1918). Hofmanns Lenz kann neben Büchners Lenz stehen, weil es nicht der Stoff ist, auf den es ankommt, sondern auf das, was jeder der beiden Schriftsteller daraus gemacht hat; aber auch das Thema erweist sich als vollkommen verschieden von Büchners, denn Hofmann hat sich auf einen anderen Augenblick in Lenz' Leben konzentriert und da wieder auf eine einzige Beziehung, nämlich auf die von Lenz zu seinem Vater, als die eines Verlorenen Sohnes, der nicht mit einem gemästeten Kalb willkommen geheißen, sondern mit vollkommenem Schweigen empfangen wird. Dieses Errichten von steinernen Mauern um ihn, das Lenz in den Tod treibt, wird mit erschreckend leichter Hand wiedergegeben, durch die sich Hofmann in all seinen Romanen und Erzählungen auszeichnet. Es war Büchners ganz besondere Leistung, unter die Haut eines Charakters zu dringen, den man als »verrückt« beurteilte, Hofmanns Leistung, diesen Wahnsinn von außen, behaviouristisch, darzustellen in einem einzigen einseitig geführten Gespräch. In diesem Gespräch gelingt es jedoch genauso gut, das Wesentliche in Lenz' Person und Leben zu vermitteln. Gleiches gilt für die makabre Gegenüberstellung Casanovas mit seiner Mutter in Hofmanns Erzählung – auch wenn dieser Erfindung eine Freudsche Einsicht zugrundeliegt. Es gilt auch für die Konfrontation Walsers mit dem Schweizer Geschäftsmann, der diesem sozialen und literarischen Versager großzügig eine Lesung angeboten hat. (Auch hier spielt es keine Rolle, dass Hofmann für die Zwecke seiner Erzählung Walsers Tod absichtlich um einige dreißig Jahre vorverlegt hat, wenigstens im Bewusstsein des Geschäftsmannes.)
In Hofmanns Prosa triumphiert die Wahrheit über die Realität.
Gert Hofmanns erstes Medium war das Hörspiel, ein Medium, dessen besondere Bedeutung im Nachkriegs-Deutschland schon erwähnt wurde. (Seit den dreißiger Jahren war das Hörspiel auch ständig die Haupteinkommensquelle für viele der besten deutschsprachigen Schriftsteller, einschließlich von Dichtern wie Peter Huchel, Günter Eich, Wolfgang Weyrauch und Ingeborg Bachmann.) Hofmann veröffentlichte Theaterstücke, Hörspiele und Essays, ehe er spät, im Alter von 47 Jahren, als Autor von Werken erzählerischer Prosa hervortrat; und vielleicht verdanken seine Romane und Erzählungen gerade seiner Meisterschaft im Hörspiel eines der Charakteristika, die sie auszeichnen: ihre Verwendung von, wie Elias Canetti sie nannte, »akustischen Masken«. Hörspiele zeichnen einen Charakter akustisch, allein durch Sprache und Sprechstile, die weniger die des Autors sind als vielmehr die seiner Figuren. Hofmann tut das Gleiche in seiner Prosa, an deren Anfang die Novelle »Die Denunziation« (1979) steht. Obwohl seine Prosa sensibel und höchst stilisiert ist, wie akustische Masken es sein müssen, hat sie eine Unmittelbarkeit, die auf vieles von der ermüdenden Mechanik konventionellen Erzählens verzichten kann, seine Prosa hat einen Rhythmus, ein Tempo – sogar in seinen Romanen –, die weit eher die Raschheit von Gedanken und Gefühlen sind als die von berichteter Handlung. Diese Unmittelbarkeit und dieses Tempo werden auch nicht gemindert durch den außerordentlich komplizierten Sprechstil mancher Figuren – der sich z.B. auch in den Briefen findet, die der Erzähler Karl Hecht, ein Rechtsanwalt, in der »Denunziation« schreibt –, denn diese Komplexitäten geben komplizierte Gedanken und Gefühle wieder, extreme Spannungen, Zwiespältigkeit und Paradoxa.
Sie sind es auch vor allem, die den schwarzen, bösen Humor schaffen, Hofmanns eigentliche Domäne. Aus höchst unterschiedlichen Idiomen, die vom Bürokratisch-Formellen bis hin zum Grob-Gewöhnlichen reichen, hat Hofmann in seiner erzählenden Prosa ein höchst sensibles Instrument für Mimesis auf hohem Niveau geschaffen.
Ausgesprochene Ortsbeschreibungen oder eine Szenerie, die man identifizieren könnte, sollten wir in Hofmanns Arbeiten nicht suchen. Und dennoch würden sie den Leser nicht derartig in ihren Sog ziehen, wenn sie nicht das Konzentrat aus sowohl politischen und sozialen, als vor allem auch persönlichen Erfahrungen wären. Die Nazimentalität zum Beispiel geht nicht als Thema oder Anliegen in »Die Denunziation« ein, sondern als Reaktion Hechts auf den Tod seines Bruders in New York, als Reaktion auf die Lektüre der Notizen und Tagebücher seines Bruders, und das heißt auf Mahnungen, die an die Denunziation und den Tod ihrer Mutter kurz vor dem Zusammenbruch des Dritten Reiches erinnern. Diese Reaktionen vermischen sich mit Hechts Reaktion auf einen Mandanten, der sich in der Bundesrepublik Deutschland aus ideologischen Gründen diskriminiert fühlt. Hecht beschließt, ihn vor Gericht nicht zu vertreten. Der Roman »Unsere Eroberung« (1984); (»Our Conquest«) erzählt auch von den Ereignissen von 1945, aber so, als handle es sich um die Abenteuer einer Gruppe von Kindern, die von ihrer Mutter in die kleine Stadt geschickt werden, um möglichst Butterschmalz zu ergattern, das es im »Schweinehaus« oder im Schlachthof geben soll. Selbst die Zahl und Identität dieser Kinder – nur »unser Edgar« hat einen Namen – bleiben offen. Ganz ohne das Tendenziöse des historischen Realismus erschafft Hofmann von neuem das Entsetzliche von Nationalsozialismus und Niederlage, indem er sich, ganz charakteristisch für ihn, auf einen einzigen Komplex von Reaktionen und auf eine einzige Situation konzentriert. Die allergewöhnlichsten Dinge – ein Messer, ein Grab, ein Anzug – oder der Umstand, dass der Vater der Kinder eine Fabrik besitzt, die Peitschen herstellte – werden in der Phantasie der Kinder – und daher auch in der des Lesers – vergrößert; jedoch hat Hofmann den makabren Humor der »Denunziation« und der »Fistelstimme« (1980), seines ersten Romans, in dieses Werk übernommen, das man sonst vielleicht als eine komplizierte Allegorie der Katastrophe schlechthin lesen würde. Hofmanns Verwandtschaft mit dem gleichaltrigen Österreicher Thomas Bernhard – bereits ein etablierter Romancier, als Hofmann anfing, Prosa zu veröffentlichen – ist in der »Denunziation« und der »Fistelstimme« offensichtlich, keineswegs jedoch aufdringlich, beide Erzählwerke sind lang durchgehaltene Monologe. Obwohl der Monolog in den Erzählungen im Band »Gespräch über Balzacs Pferd« auch noch stark hervortritt, besonders in der Titelgeschichte, gelingt Hofmann in diesem Buch der Durchbruch zu einer vollkommen eigenständigen Schreibweise. (Sein Thema war schon immer ganz verschieden von dem Bernhards.) Seine späteren Romane »Auf dem Turm« (1982, »The Spectacle at the Tower«) und »Unsere Eroberung« sind zwar auch Erzählungen in der ersten Person, aber sie werden nicht vollkommen von der Sensibilität und dem Stil einer einzigen Figur beherrscht.
Der kindliche Erzähler in »Unsere Eroberung« unterscheidet sich so wenig von seinen Gefährten, dass er, statt eines »Ich«, zu einem »Wir« wurde. Der nicht sympathische Erzähler von »Auf dem Turm« ist so sehr Gefäß und Vertreter der Kultur, die ihn hervorbrachte, bis zu den Kameras, mit denen er sich auf seinem erschöpfenden Gang zum Turm belädt – ohne dass er sie je brauchte –, dass er selbst zur Kamera wird für die zugleich realen und über-realen Ereignisse im Roman. Seine Grausamkeit gegen seine Frau, die er, eigentlich ohne jede Rechtfertigung, verlassen will, spiegelt die noch weit schlimmeren, widerlicheren und blutigeren Grausamkeiten wider, mit denen die beiden in Sizilien unterhalten werden. Verglichen mit dem jugoslawischen Hintergrund der »Fistelstimme«, ist der sizilianische Hintergrund ein wichtiges Element der Handlung in »Auf dem Turm«. Es ist um so erstaunlicher – und typisch für diesen Schriftsteller –, dass Hofmann lange in Jugoslawien gearbeitet hat, Sizilien aber noch nicht einmal besucht hatte, als er den späteren Roman schrieb. Nicht die mechanischen Wahrscheinlichkeiten eines literarischen Realismus sondern die Forderungen der Phantasie entscheiden darüber, welche Rolle dem Hintergrund in seiner Prosa zukommt. »Auf dem Turm« ist eine Erfindung, bei der alles glaubwürdig ist. Moralische und Gesellschaftskritik beherrschen jede Einzelheit der Handlung, ohne dass auch nur ein einziges Wort eines auktorialen Kommentars oder eine offensichtlich satirische Absicht sich eindrängte.
Die lange Erzählung »Der Blindensturz« (1985) ist ein weiteres Beispiel für Hofmanns Kraft, den überkommenen gesellschaftskritischen Realismus zu transzendieren, ohne in eine rein private Phantasie zu verfallen. Basierend auf Brueghels Gemälde »Der Blindensturz«, moralisiert Hofmanns Parabel nicht über die Grausamkeit, der diese Blinden ausgesetzt sind, einmal durch ihren Zustand, zum anderen durch die Behandlung, die sie von ihrer Umwelt erfahren. Diesmal jedoch lässt Hofmann theologische Implikationen zu, die ihm vielleicht durch das Thema oder den Ausgangspunkt seiner Erzählung, Brueghels Gemälde und Brueghels Welt, nahegelegt wurden. Menschliche Grausamkeit wird hier, wie immer bei Hofmann und seinen Figuren, als selbstverständlich hingenommen. Seine Blinden unterwerfen sich ihr mit bewegender Demut und Naivität, dargestellt in Dialog und Erzählstil. Durch ihren Zustand als heimatlose Ausgestoßene, die außer ihren Kleidern und ihren Blindenstöcken nichts besitzen, reduziert sich ihre Sprache auf eine karge und kindhafte Einfachheit. Ihr Wortschatz verringert sich ständig, einmal durch ihre Vergesslichkeit und zum anderen durch ihren Zweifel, ob die Dinge, die sie ja nicht sehen können, je existiert haben, je einen Namen hatten.
»Lebt man noch, wenn man sich an so wenig erinnert?« ist die Frage, die sie stellen. Diese zweifache Armut wird fast zu einem Zustand der Gnade, der an den Heiligen Franciscus erinnert. Nur einer der sechs Blinden flucht und protestiert noch. Nur einer von ihnen wurde von Menschenhand geblendet, als Strafe, weil er eine Heiligenreliquie aus einer Kirche gestohlen hat.
Die anderen verloren ihr Augenlicht durch Krähen, Raben oder Dohlen in einem Wald, aus Gründen, die sie nicht verstehen. Der Erzähler ist auch hier wieder ein nichtidentifizierter Sprecher für die sechs Blinden, die sich gleichwohl in anderer Hinsicht voneinander unterscheiden. »Wenn auch einer für alle spricht, leidet doch jeder für sich selber«, erfahren wir am Anfang der Geschichte.
Brueghels Welt hat auch zur Charakterzeichnung der Figuren beigetragen, die sowohl sehen als auch gesehen werden können. Mögen diese auch die Blinden barsch oder grob behandeln, denn ihr Sehenkönnen ist ohne Einsicht und Mitleid, teilen sie doch die bäuerliche Einfachheit der Blinden. Nur der Maler, der die Blinden zum Gegenstand seiner Kunst macht, ist eine Ausnahme, denn er nimmt, als Künstler, mehr wahr. Grausamkeit und Leiden sind ihm bis zur Obsession bewusst. Und dennoch machen ihn die Forderungen der Kunst – grausam auch sie – nicht weniger unempfindlich für die Gefühle der Blinden. Obwohl er ihnen auf seine Kosten zu essen geben lässt, verlangt er, sobald er zu malen anfängt, dass sie immer wieder von neuem in den Graben stürzen, einfach, weil dieses Stürzen sein Thema ist. Am Ende sind sie ganz mit Rissen und Wunden bedeckt. Hier finden wir auch einen Schlüssel zu Hofmanns Kunst, zu seiner unnachgiebigen mitleidlosen Konzentration auf das Wesentliche in seiner Erzählung und für sein Einfühlungsvermögen, das in allem, was die Geschichte erzählt, impliziert ist. Ja, sein Mitleid besteht in diesem Einfühlungsvermögen, das sich jedoch nirgends an der Oberfläche zeigen darf. Das wäre nur Ablenkung vom Wesentlichen und ein Verfallen in Sentimentalität.
»Empfindungen auf dem Lande« (»Country Sentiments«) ist der zweideutige und ironische Titel einer weiteren klassisch makellosen Erzählung, die 1985 in der Halbjahreszeitschrift »Literatur-Magazin« veröffentlicht wurde. Genauso wie das Motiv männlicher Überlegenheit in »Auf dem Turm« kunstvoll hineingewoben ist, ist das Motiv sexueller Eifersucht als Begleitumstand von Rassismus in diesen Bericht hineingearbeitet. Ein Verwaltungsbeamter in einer kleinen dörflichen Gemeinde und ein Polizist versuchen, eine Gruppe schwarzer Flüchtlinge in einer Anzahl bayerischer Dörfer zu verteilen, gegen den Protest der Ortsansässigen, der weniger fremdenfeindlich oder rassistisch als wirtschaftlich bedingt ist. Obwohl die Dorfbewohner Gewalt angedroht und bereits das Gebäude niedergebrannt haben, in dem die meisten der Flüchtlinge untergebracht werden sollten, ist es schließlich der Polizist, der »zufällig« auf einen der Flüchtlinge schießt. In dem Durcheinander nach ihrer Ankunft im Dorf verwundet er einen Schwarzen aus Ghana, den man wegen seines majestätischen Aussehens »Der Prinz« nennt, in den Geschlechtsteilen. Der Schuss fällt in dem Augenblick, als die Kellnerin des Gasthofs, die zuvor die Annäherungsversuche des verheirateten Polizisten zurückgewiesen hatte, zeigt, dass sie sich von dem Schwarzen angezogen fühlt. Die Erzählung spielt in unserer Zeit und an einem mehr oder weniger wiederzuerkennendem Ort. Allein aus diesem Grund mag sie realistischer und aktueller erscheinen als andere Erzählungen Hofmanns. Ihre große Kraft jedoch liegt zum einen wieder darin, dass Hofmann mit seiner Phantasie zu den Urbildern jenseits der Gegebenheiten der Geschichte durchdringt, zum anderen in seiner stilistischen Meisterschaft. Und diese beiden Eigenschaften kennzeichnen alle Arbeiten Hofmanns.

Aus: Erinnerungen an Gert Hofmann Teil II. Zuerst erschienen in: Michael Hamburger: »Nach der zweiten Sintflut« (Essays zur deutschen Nachkriegsliteratur. Manchester und New York. 1986) 2. Nachtrag (Mit freundlicher Genehmigung von Michael Hamburger. Aus dem Englischen von Eva Hofmann)

Weitere Information
Das Werk von Michael Hamburger wurde von mehreren Verlagen betreut. U.a. vom Ullstein-Verlag, vom Fischer-Verlag und vom Hanser-Verlag.
In den letzten Jahren bemühte sich der Folio-Verlag Wien-Bozen um eine Werkausgabe von Michael Hamburger. Mehrere Bände sind bereits erschienen.
www.folioverlag.com

 
 

Copyright © 2009 Mironde Verlag.
Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Die Nachrichten sind nur für die persönliche Information bestimmt. Jede weitergehende Verwendung ist untersagt.

Zum Tod von Michael Hamburger
Zur Erinnerung an den Dichter, Literaturwissenschaftler, Übersetzer und Philosophen
 

Hörer des Deutschlandfunkes erfuhren am 8. Juni 2007, dass der Dichter, Literaturwissenschaftler und Übersetzer Michael Hamburger am 7. Juni in seinem Haus in Suffolk verstarb. Die Frankfurter Rundschau erinnerte am 9. Juni an den Dichter und sein Werk. Hamburgers Tod ist ein weiteres Anzeichen dafür, dass dem Anschein nach ein Periode der europäischen Geistesgeschichte zu Ende geht. Er verkörperte eine Intellektualität, die heute von bürgerlichen Kreisen nicht mehr angestrebt wird. Die philosophische Bedeutung seines dichterischen und literaturwissenschaftlichen Werkes wird bislang kaum gesehen. Als Übersetzter übertrug er Autoren der deutschen Klassik und Romantik ins Englische. Er war aber auch Freund, kritischer Begleiter und Übersetzer des Namensgebers unseres Freundeskreises: Gert Hofmann.


Artikel versenden
Artikel drucken
Mapsite
litterata