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Foto: Weitblick - von seinem Denkmal blickt Gotthilf Heinrich Schubert weit

Gotthilf Heinrich Schubert wurde zunächst vom Vater unterrichtet, der nach einer Tätigkeit als Hilfsgeistlicher, die Nachfolge seines Schwiegervaters Gotthilf Werner im Pfarrersamt antrat. Nach Schulbesuchen in Lichtenstein und Greiz wanderte der junge Schubert 1797 nach Weimar, um das dortige Gymnasium unter Karl August Böttiger zu besuchen.
In Weimar freundete er sich schnell mit Emil Herder, einem Sohn des Generalsuperintendenten Johann Gottfried Herder an. Der große Gelehrte beeindruckte den jungen Schubert stark. Auch wenn dieser sich zunächst in jugendlichem Eifer für Herders »Ideen zu einer Philosophie der Geschichte der Menschheit« begeisterte, bestärkte ihn Herder in der Suche nach einem eigenen Lebensweg. Auf Wunsch seines Vaters studierte Schubert Theologie in Leipzig. In Briefen an die Eltern hob er jedoch hervor, dass er auch Geologie, Botanik, Zoologie, Philosophie usw. studierte, und dass Herder bescheinigt habe, dass sich diese Wissenschaften gut mit Theologie vertrügen. (In der Tat war einer der Haupteinwände Herders gegen den Kritizismus seines ehemaligen Lehrers Immanuel Kant, dass es keinen Beleg dafür gäbe, dass der Gottesbegriff die Wissenschaft behindern würde. Man muss vielleicht hinzufügen, dass Herder, im Unterschied zu Kant, von einem überpersonalen Gottesbegriff ausging, etwa in der Linie von Meister Eckhart, Martin Luther, Jakob Böhme und Benedikt Spinoza.)
Letztlich erhielt Schubert aber die elterliche Genehmigung zum Medizinstudium in Jena. In der Saalestadt hörte er nicht nur medizinische Vorlesungen, sondern auch bei dem jungen Star-Philosophen Friedrich Wilhelm Joseph Schelling und dem jungen Experimental-Physiker und Literaten Wilhelm Ritter. Im Jahre 1803 wurde Schubert in Medizin promoviert und ließ sich in Altenburg als praktischer Arzt nieder. Der Berufsstart erwies sich jedoch als sehr schwierig. Schubert behandelte aus Mitleid viele Patienten, die ihn nicht bezahlen konnten, und die, die ihn hätten bezahlen können, zahlten nicht. Daher habe sich Schubert als Schriftsteller betätigt, um die Haushaltskasse zu füllen. 1804 erschien auf Vermittlung Ritters der Abenteuerroman »Die Kirche und die Götter« im Verlag Ferdinand Dienemann in Penig. Held des Buches ist ein junger Arzt, allerdings ist die Handlung in das 16. Jahrhundert zurückverlegt. Wolfgang Hallmann fügte hier an, dass sich Schubert lange Zeit genierte, sich als Autor dieses Romanes, der wenig mit klassische Literatur zu tun hatte, zu bekennen. Aber er war mit einem Verlag zusammengekommen, in dem seinerzeit wichtige junge Schriftsteller publizierten. 1805 verzog Schubert mit seiner jungen Frau nach Freiberg. Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit hörte er auch Vorlesungen bei Abraham Werner. 1806 folgte der Umzug nach Dresden. In der Elbestadt hielt Schubert Vorträge im Palais Carlowitz, die 1808 unter dem Titel »Ansichten von den Nachtseiten der Naturwissenschaften« publiziert wurden.
Spätestens mit diesen Vorträgen errang Schubert einen großen Einfluss in der Jugendbewegung, die man später mit dem Etikett »Romantik« versah. Einerseits wird deutlich, dass diese Bewegung zwischen Jena und Dresden ihren Ursprung hat. Andererseits machen solche Gestalten wie Ritter und Schubert deutlich, dass diese Bewegung von universalen Geistern begründet wurde und universale Ziele verfolgte. Dennoch, oder vielleicht gerade deshalb konnte Schubert seine junge Familie kaum ernähren. Zum rechten Zeitpunkt kam aber der Ruf auf den Rektorposten eines Nürnberger Gymnasiums, der von Schelling vermittelt worden war. In Nürnberg empfing Schubert nicht nur die gesicherten finanziellen Verhältnisse mit Dankbarkeit, er nahm auch mit Begeisterung an Zusammenkünften der Bürgerschaft teil, die in der Nachfolge des sogenannten Mystikers Jakob Böhme stand. Nach Schuberts eigenen Erinnerungen lernte er hier die Bibel völlig neu zu lesen.
1814 konnte Schubert sein Buch »Die Symbolik des Traumes« veröffentlichen. Hier wird die romantische Intension deutlich: es geht nicht um eine Abkehr vom Rationalismus, aber um eine Überwindung des verengten Rationalismus, wie er besonders mit Kant zu großer Verbreitung kam. Kant reduzierte die Ratio auf ein quasimathematisches Verfahren. Sinnlichkeit, sinnliche Erkenntnis, Bilder, Symbole, Mythen waren ihm ein Gräuel. Schubert dagegen orientierte seines Darstellung an der Kultur- und Religionsgeschichte. Nicht nur »Ur-Bilder« machte er in den Träumen der Menschen aus, er gebrauchte auch den Ausdruck »Unbewusstes«, um zu belegen, dass Verstand mehr ist, als Kalkül.
Wolfgang Hallmann bezeichnete die Symbolik des Traumes als das Buch, was ihn am meisten beeindrucke. Damit ist er in guter Gesellschaft. Nicht nur Sigmund Freud war ein Leser Schuberts, wobei sich seine Meinung vom Buche dem Anschein nach, von anfänglicher Skepsis, von Lektüre zu Lektüre verbesserte. (Nachzulesen in den Traumdeutungen).

 
 

Foto: Die Hohensteiner St. Christophorikirche

Doch 1816 folgte Schubert einem Ruf nach Schwerin, um als Erzieher einer Prinzessin zu wirken. Dieser Schritt erwies sich als Fehler. Erst 1819 gelang es ihm aus der wenig anregenden Umgebung nach Erlangen zu flüchten, allerdings mittlerweile bereits als Professor. In Erlangen entstand das Buch »Die Urwelt und die Fixstern« (1823). Im Jahre 1827 folgte dann der Ruf an die Universität München. Hier traf Schubert nicht nur wieder mit Schelling zusammen, sondern auch mit manchem Studienfreund. An der Münchner Universität fühlte er sich wohl. Er hatte die Möglichkeit auf große Mineralien- und Gesteinssammlungen, zoologische Sammlungen u.a. zurückzugreifen. Gleichzeitig nutzte Schubert häufig Ausflüge in die nahen Alpen, um die Gesteins-, Pflanzen- und Tiersammlungen weiter zu ergänzen. In München entstanden Bücher zu vielen Wissensgebieten. Von der Entstehung des Kosmos bis hin zur Geschichte der Seele. Für Schubert stand, wie vordem für Herder, das alles in einem Zusammenhang.

 
 

Foto: rechts das Geburtshaus Schuberts

Wolfgang Hallmann fügte hier an, dass Schubert im Kontakt mit vielen Menschen stand. Das Spektrum reichte von hochgestellten Personen bis hin zu Außenseitern. Die damit im Zusammenhang stehende Menschenkenntnis sei nicht nur in seinen psychologischen Arbeiten von Bedeutung gewesen. Schubert habe in seinem umfangreichen schriftstellerischen Schaffen auf tatsächliche Erfahrungen zurückgegriffen. Ein Beispiel sei das Schicksal des Hohensteiner Leinewebers Stephan. Schubert habe den armen, kranken, alten Mann tatsächlich besucht.  Dies sei kein Einzelfall gewesen. Schubert habe eine große Zahl von Geschichten für die Jugend geschrieben. Es seien bis heute allein drei Versionen einer Art Robinsonade bekannt. Man gehe davon aus, dass Schubert etwa 70 Bücher hinterlassen habe. Davon seien 37 Bücher, und eine Übersetzung aus der Feder Schuberts, im Archiv der St. Christophorikirche. Aber eine historisch-kritische Untersuchung zu Schuberts Schaffen sei ihm nicht bekannt. Er halte es daher für möglich, dass sich hinter Pseudonymen noch weitere Romane und Erzählungen Schuberts finden ließen.
Ein weiteres Genre sei das der Reiseschriftstellerei. Besonders zu erwähnen ist hier der Bericht von Schuberts »Reise in das Morgenland«. Wolfgang Hallmann erwähnte an anderer Stelle, dass Schubert einzelne Briefe, die er während dieser Reise nach Hause sandte, mit »Hatschi Schubert« unterschrieb. Das passte zum Ort, denn in der St. Christophori wurde am 12. September 1880 von Pfarrer Alwill Laube ein späterer Hohensteiner Reiseschriftsteller getraut: Karl May.

 
 

Foto: Die Tür zu Schuberts Geburtshaus

Da Schubert zu verschiedenen Zeiten in adligen Familien als Hauslehrer tätig war, unter anderem bei der späteren Kaiserin »Sissy«, sei er 1853 nobilitiert worden.
1860 verstarb Schubert in Laufzorn bei München.
Wolfgang Hallmann erinnerte daran, dass es bis mindestens 1936 einen Werner-Schubertschen Familienverein gegeben habe, der beim Amtsgericht München eingetragen worden sei. (Die offizielle Bezeichnung lautete: Verband der Nachkommen des Pfarrers Gotthilf Werner und des Naturphilosophen Gotthilf Heinrich von Schubert e.V.)
In Hohenstein erinnerten eine Schubert-Straße an den Gelehrten. Aber auch das Poetengässchen ist auf Schubert bezogen. In der Jugend habe Schubert mehr als 600 Gedichte geschrieben, diese aber leider selbst vernichtet. Das Geburtshaus Schuberts, auf die Landes-Denkmalliste gesetzt, obwohl nicht mehr als Pfarrhaus genutzt, konnte bislang noch vor dem drohenden Abriss gerettet werden.
1880, zum 100. Geburtstag, sei ein Denkmal Schuberts an der Kirche eingeweiht worden. 1930, zum 150. Geburtstag, habe Pfarrer Kurt Rietzsch am Denkmal eine Festansprache gehalten.
Das Denkmal sei von Bankier Conrad Clauß ermöglicht worden. Er habe die finanzellen Mittel dazu über Spenden aufgebracht. Claus sei auch der Initiator der ersten Kinderbewahranstalt (entspricht einem heutigen Kindergarten) von Hohenstein gewesen, der 1882 mit dem Namen »Schubert-Stift« eingeweiht wurde. Selbst vom damaligen sächsischen König habe Claus eine Spende von 300 Mark erwirkt. 50 bis 80 Kinder wurden hier betreut.
Wolfgang Hallmann fügte am Ende seines Vortrages an, dass er einst von Herrn Wendt für Schubert begeistert wurde. Diesem sei er bis heute dankbar.
Dem Vortrag schloss sich eine interessante Diskussion an. Pfarrerin Anke Indorf dankte im Namen aller Gäste Wolfgang Hallmann für sein vielfältiges Engagement und seine interessanten Anregungen.
Johannes Eichenthal

Informationen
www.hohenstein-ernstthal.de
www.christophori.de

 
 

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Erinnerungen an Gotthilf Heinrich Schubert
Arzt, Naturwissenschaftler, Theologe, Philosoph, Schriftsteller
 

Die Feierlichkeiten zum 250jähriges Erbauungs-Jubiläum der Hohensteiner St. Christophorikirche beging die Kirchgemeinde mit einer Reihe von Veranstaltungen. Eine davon war Gotthilf Heinrich von Schubert gewidmet, der am 26. April 1780 im Pfarrhaus von St. Christophori das Licht der Welt erblickte. Der Kulturhistoriker Wolfgang Hallmann ließ es sich nicht nehmen, vor den interessierten Gästen ausführlich an Leben und Werk dieses berühmten Sohnes der Stadt zu erinnern: Schubert gehöre zur 250jährigen Geschichte der Kirche, obwohl er nicht das Amt eines Pfarrers ausübte und nur wenige Jahre hier lebte.


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