litterata  :  Reportagen  :  Reportagen von 2008  :  Lesungen im Haus des Buches  
Veranstaltungen
Freundeskreis
Reportagen
Mironde Verlag
      login
  E-Mail  
  Passwort  
      login
  Registrieren Sie sich hier oder bearbeiten Sie Ihr Profil
Suche  
   

Allein diese Verbindung von Lesezeit-Sendung und MDR-Literaturwettbewerb machte die Wertschätzung wahrnehmbar, die der MDR seit Jahren der Literatur angedeihen lässt. Immerhin ist es schon der 13. Wettbewerb. Trotz einiger Zugangshürden, man musste bereits Veröffentlichungen vorweisen, beteiligten sich 1958 Autoren aus Deutschland, Europa und der ganzen Welt am diesjährigen Wettbewerb. Ende November 2007 war der Einsendeschluss. Von Januar bis April wählte eine Vorjury stufenweise die für sie besten Texte aus. Im Ergebnis dieser gewaltigen Arbeit wurden sieben Autoren »destilliert«, deren je etwa Fünfzehn-Minuten-Lesungen im Mittelpunkt des Abends stehen sollten. Eine Abendjury war für die offizielle Bewertung zuständig. Zudem hatte das Publikum die Möglichkeit eine eigene Abstimmung vorzulegen.
Aufgelockert wurde die angespannte Atmosphäre von einer jungen Band.
Leider mussten wir das Haus am Gerichtsweg nach der letzten Lesung, und vor der Verkündigung des Jury-Urteils bereits verlassen. Deshalb können wir nur unsere eigene Wertung vorlegen.

 
 

Foto: Ralf Eggers

Eigentlich ist es kaum möglich die verschiedenen Ansätze der Autoren zu vergleichen. Die Jury, die das praktizierte, ist zu bewundern. Selbstverständlich waren alle Texte interessant. Selbst die Themenwahl ist aufschlussreich. Leider überwogen aber in vielen Texten »realistische« Beschreibungen, das Streben nach »Aktualität«, auch Gewaltdarstellungen. Doch bereits der erste Autor setzte Maßstäbe. Ralf Eggers legte unter dem Titel »Geständnis« einen Dialog mit einem Polizeibeamten vor, der jedoch nie zu Wort kommt. Dieser Text hatte handwerkliches Niveau und Witz. Der Autor vermochte wichtige Dinge zu sagen, indem er sie nicht aussprach. Diese Sprache besitzt Assoziationsvermögen. Der Schwachpunkt des Textes lag vielleicht darin, dass der Zuhörer den Ausgang der Erzählung bereits zu sehr ahnen konnte.

 
 

Foto: Iris Schmidt, im Hintergrund die beiden MDR-Moderatoren Michael Hametner und Ulf Heise

An fünfter Stelle las Iris Schmidt ihren Text mit dem Titel »Blau«. Auch sie verfügt über die handwerklichen Voraussetzungen, um unser Assoziationsvermögen anzuregen. Die Geschichte erzählt von einer Angestellten eines Großraumbüros, der es aus unbekannten Gründen plötzlich die Sprache verschlägt, die nur noch kratzende oder zischende Geräusche hervorzubringen vermag. Die Idee selbst ist mindestens doppelsinnig: erzählt wird davon, wie die Sprache als Mittel des Konformismus versagt. Die Autorin vermag uns mit ihrer, dem Anschein nach harmlosen Schilderung des Büroalltages, unsere eigenen Verstörungen und Abgründe deutlich zu machen, so dass es uns kalt den Rücken herunterläuft. Schwachpunkt ist vielleicht der noch zu wenig ausgearbeitete Schluss.
Harry Frandzen


 
 

Information
Das offizielle Wettbewerbsergebnis und die Texte finden Sie unter: www.mdr.de/mdr-figaro

 
 

Copyright © 2009 Mironde Verlag.
Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Die Nachrichten sind nur für die persönliche Information bestimmt. Jede weitergehende Verwendung ist untersagt.

Lesungen im Haus des Buches
Literaturwettbewerbsfinale in Leipzig
 

Langsam füllte sich der Saal im Leipziger Haus des Buches am Gerichtsweg, am Abend des 5. Mai 2008. Ein Stuhl nach dem anderen wurde besetzt. Hier und da irritierten sperrige Reservierungsschilder. Doch wer suchte, der wurde fündig. Aus den Lautsprechern ertönte auf einmal eine Erzählerstimme. War das schon der Wettbewerbssieger? Sind wir vielleicht in eine virtuelle Veranstaltung geraten? Nein, wir hörten die Sendung der MDR-Lesezeit in Echtzeit. Pünktlich um 19.34 Uhr traten die beiden MDR-Moderatoren Michael Hametner und Ulf Heise vor das Publikum, hoben um eine halbe Minute später synchron ihre Mikrofone – und stimmten um 19.35 Uhr passgenau in das laufende MDR-Programm ein.

Artikel versenden
Artikel drucken
Mapsite
litterata