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Foto: Heute werden die Fotos bereits vor dem Ereignis gemacht: Pressefotograf Andreas Seidel und Autor Klaus Walther

Der Autor pflegte von der ersten Minute an eine angenehme Konversation. Obwohl er den Vergleich mit jenen pensionierten britischen Diplomaten ablehnte, die aus Langeweile Kriminalroman schrieben, erinnerte sein Understatement doch ein wenig an einen Gentleman. Doch Langeweile ist es bei ihm sicher nicht. In Vergangenheit und Gegenwart tat er sich durch eine intensive Tätigkeit als Autor und Herausgeber von Biographien, Reise- und Landschaftsbüchern hervor. Daher war es eher der Wechsel des Genres, der für Überraschung bei Kennern der Literaturszene hervorrief. Sein Buch, das als erster Band einer auf drei Bände angelegten Reihe gedacht ist, wurde daher mit Spannung erwartet.

 
 

Klaus Walther stellte zunächst klar, dass er nicht gewillt sei, seinen literarischen Anspruch gegen eine Massenauflage zu verkaufen. Das Genre Kriminalroman werde heute leider von pseudorealistischen Gewaltdarstellungen und sublimatärer Pornographie dominiert. Er gestehe, dass er nicht dazu in der Lage sei, seine Seele zu verkaufen. Mit guten Büchern könne man nicht reich werden. Wenn das so ist, dann könne der Autor aber auch seine Leidenschaften thematisieren. Heinrich Mann habe hervorgehoben, dass Kriminalromane nützlich seien, wenn sie Vergnügen bereiteten. Diesem Ethos fühle er sich verpflichtet. Der Leser solle unmittelbar teilnehmen können an der Aufklärung.

 
 

Die Lesung gestaltete sich dann auch amüsant. Umberto Eco meinte einmal, dass das Lachen eine wesentliche Eigenschaft des Menschen sei, der Weise lächle aber lediglich. Nun, mitunter lächelten wir bei Klaus Walthers Erzählerstimme etwas lauter. (Es ist eben nicht so einfach, weise zu sein.) Doch bereits bei der Darstellung des Milieus stutzen wir: Hauptkommissar Maier ermittelt in Niederstein-Lustthal. Da kann es sich doch nur um Hohenstein-Ernstthal handeln. Und so geht das weiter. Die Aufklärung beginnt also fast beim ersten Satz. Der Hauptkommissar wird mit dem Anschein nach mit einem Mord konfrontiert, der an der Witwe eines europaweit bekannten Philatelisten begangen wurde, zu dessen Sammlung auch ein 6-er-Streifen der berühmten sächsischen Briefmarke gehört haben soll. Keine Frage: die Ermittlungen werden im Milieu der Philatelisten geführt. Maier  muss in kurzer Zeit fehlendes Fachwissen in der Philatelie erwerben, einer Wissenschaft für sich. Zudem grübelt Maier aus Passion und stellt Dinge in Frage, die der brave Durchschnittsmensch in der Regel so schluckt, wie die heutigen Medien sie ihm vorsetzen. Einmal lässt der Autor den Kommissar, mit seiner erstaunlichen Wachheit, auf den Einwurf, dass sei ja, wie in einem schlechten Kriminalroman, antworten: das Leben ist ein schlechter Kriminalroman.
Der Autor, der nebenbei auch ein großer Wieland- und Herder-Kenner ist, führt die Intentionen der Autoren des 18. Jahrhunderts in unserer Zeit weiter. Wenn schon unser Alltag von niveaulosen Gestalten beherrscht wird, dann wollen wir wenigstens gute Bücher lesen. Ohne Zweifel wird dieses Buch seine Leser finden, heute, und vielleicht auch über die Zeiten.
Johannes Eichenthal




 
 

Information
Klaus Walther: Der Sachsendreier Mord. Kriminalroman. Verlag Das Neue Berlin.
ISBN 978-3-360-01953-0
www.das-neue-berlin.de



 
 

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Der Sachsendreier-Mord
Buchpremiere in der Chemnitzer Stadtbibliothek
 

Für den Abend des 4. September 2008 hatten die Chemnitzer Stadtbibliothek, die Eulenspiegel-Verlagsgruppe und der Sächsische Schriftstellerverein zu einer Buchpremiere eingeladen. Etwa 40 Besucher waren der Einladung in das Bibliotheks-Café im Kulturkaufhaus Tietz gefolgt. Uwe Hastreiter von der Chemnitzer Stadtbibliothek begrüßte den Autor und die Gäste. Der Autor, Klaus Walther, promovierter Literaturwissenschaftler, Ex-Verlagsleiter, Herausgeber, Verfasser zahlreicher Bücher, Lektor und Buchhändler vom Jahrgang 1937, stellte ein neues Buch vor: »Der Sachsendreier-Mord«. Der Kriminalroman erscheint im Verlag »Das Neue Berlin«.

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