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Foto: Der Fichtelberg

Wilhelm Wauer wurde am 26. Oktober 1866 hier in Oberwiesenthal geboren. Noch im Kleinkindesalter zog William mit der Familie, der Vater war evang.-luth. Diakon, jedoch nach Dresden. Wauer besuchte Gymnasien in Dresden und Halle. Ab 1884 studierte Wauer zunächst an der Kunstakademie in Dresden und danach in Berlin. Im Anschluss reiste Wauer nach San Franzisko und New York. Zurück in Deutschland studierte er Kunstgeschichte und Philosophie in Leipzig, arbeitet als Kunstkritiker für eine Zeitschrift und als Feuilleton-Redakteur für eine Tageszeitung. Ende der 1890er Jahre lebte Wauer in Rom und gab danach eine Zeitschrift heraus. 1901 reiste Wauer nach Wien, danach arbeitet er in den Werbeabteilungen verschiedener Firmen in Dresden (Odol/Ligner u.a.) Ab 1905 arbeitete er mit Max Reinhardt am Deutschen Theater in Berlin zusammen. In Berlin studierte er auch Regie und arbeitet danach als Regisseur am Deutschen Theater und am Hebbel-Theater. 1911 kam es zu einer ersten und erfolgreichen Zusammenarbeit mit Herwarth Walden am Kleinen Theater unter den Linden. Die Zusammenarbeit mit Walden setzte sich danach fort. Allerdings endet Wauers Sommerdirektion des Theaters mit einem kommerziellen Fiasko. Ab 1911/12 war Wauer als Filmregisseur tätig. In der Presse fand seine Bild-Sprache große Beachtung. Der beginnende Erste Weltkrieg verhindert die Beendigung einiger Projekte. Gleichzeitig gründet Wauer 1916 seine Firma W.W.-Film Wauer & Co, wird aber zu einzelnen Projekten von großen Filmproduzenten engagiert.
1918 nahm Wauer erstmals mit Skulpturen an einer Ausstellung, gemeinsam mit Marc Chagall und Wassily Kandinsky in der Sturm-Galerie teil. Gleichzeitig war er weiter als Filmregisseur, Maler, Grafiker, Rundfunkredakteur und Designer für Porzellanwerkstätten aktiv.
1924 gründete Wauer die »Internationale Vereinigung der Expressionisten, Kubisten, Futuristen und Konstruktivisten«.
Auf der Berliner Kunstausstellung 1927 stellte Wauer Bronzebüsten der Reichspräsidenten Ebert und Hindenburg aus.
1933 wurde die Internationale Künstlervereinigung, deren Vorsitz Wauer inne hatte, verboten. 1937 wurde der Name Wauers im Begleitbuch zur Ausstellung »Entartete Kunst erwähnt«, 1941 belegte man ihn mit Arbeitsverbot.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges lebte Wauer in Berlin-West. Er war Dozent an der Volkshochschule, Vorstandsmitglied des Berliner Verbandes Bildender Künstler und verschiedener anderer Künstler-Vereinigungen. Wilhelm Wauer verstarb hochbetagt am 10. März 1962 in Berlin-West.


 
 

Foto: Gäste der Stelenenthüllung in Oberwiesenthal

Superintendent Führer begrüßte im Anschluss an die Stelenenthüllung die Gäste zur Eröffnung einer Ausstellung mit Malerei und Plastik William Wauers in der lichtdurchfluteten, weltoffenen Martin Luther-Kirche. Reinhold Lindner vertrat dankenswerter Weise mit seinem Festvortrag den erkrankten Kunsthistoriker Georg Brühl. Im Anschluss dankte Steffen Meyer Frau Gisela Wauer für die Schenkung des künstlerischen Nachlasses William Wauers an die Sammlung erzgebirgischer Landschaftskunst.
Steffen Meyer erinnerte daran, dass er, obwohl in Sachen Expressionismus interessiert, erst in der Berliner Expressionismus-Ausstellung von 1986 entdeckte, dass William Wauer in Oberwiesenthal geboren wurde. 1991 sei es zur ersten Begegnung mit Frau Wauer gekommen und zur ersten kleinen Ausstellung mit Wauer-Werken in Oberwiesenthal. Am 26. Oktober 1991 habe er zusammen mit einigen Aktivisten eine Gedenktafel von Heinz Schumann am Geburtshaus Wauers angebracht.
Mit der heute eröffnete Ausstellung habe man eine neue Dimension erreicht. Zu danken sei dies zuerst Frau Gisela Wauer, aber auch den vielen fleißigen Helfern im Hintergrund. Der Ausstellung in der Martin-Luther-Kirche seien viele Besucher zu wünschen. Vielleicht, so Steffen Meyer, sollte man an einem solchen Tagen auch einen visionären Gedanken wagen: im Jahre 2012 jährt sich der Todestag William Wauers zum 50. Male. Vielleicht könne die Stadt Oberwiesenthal bis dahin das Heimatmuseum renovieren, und vielleicht könne bei dieser Gelegenheit sogar ein Raum für die Ausstellung von Dauerleihgaben des Werkes William Wauers entstehen?

 
 

Foto: Eine Kleinplastik von William Wauer

Für uns war dieser Tag mit der Entdeckung William Wauers verbunden. Selbst auf den ersten Blick zeichnet sich das beeindruckende Lebenswerk Wauers ab. Die Frage bleibt, warum aus dem Raum Chemnitz-Erzgebirge so viele herausragende Künstler, Literaten und Techniker hervorgingen, und in der Regel nie zurück in die Region kamen. Vielleicht kann man diese Frage nie beantworten. Aber man kann vorerst an das Werk dieser Menschen erinnern. Der Stadt Oberwiesenthal, der Kirchgemeinde der Martin-Luther-Kirche und der Sammlung erzgebirgischer Landschaftskunst muss man für ihr Engagement zur Erinnerung an das international bedeutsame Werk William Wauers danken.
Johannes Eichenthal


 
 

Wasserfall (Bildausschnitt)

Information

Die Ausstellung in der Oberwiesenthaler Martin-Luther-Kirche ist zu den regulären Öffnungszeiten der Kirche (Mo–Fr 10–18 Uhr, Sa/So 14–15.30 Uhr) zu besichtigen. Gefördert wird das Projekt von der Stadt Oberwiesenthal, dem Kulturraum Erzgebirge und der Sparkasse Erzgebirge.

www.oberwiesenthal.de
www.kulturraum-erzgebirge.de

 
 

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William Wauer in Oberwiesenthal
Die Stadt am Fichtelberg ehrt ihren großen Sohn
 

Der 13. September 2008 war im Erzgebirge ein sonniger Herbsttag. Der kalte Wind jagte selbst die schlanken Wolken über den blauen Himmel. Bald wird hier schon der Winter Einzug halten. Die Freunde der Kunst zog es an diesem Sonnabend nach Oberwiesenthal, der Stadt am Fichtelberg, der höchsten Erhebung Sachsens. Zunächst wurde am Standort des ehemaligen Pfarrhauses, dem Geburtshaus William Wauers, durch Bürgermeister Mirko Ernst eine Stele des Bildhauers Volker Beyer mit der Gedenktafel enthüllt, die 1991 an dem inzwischen abgerissenen Haus angebracht worden war.


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