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Uwe Schneider veröffentlichte vor einigen Wochen den vorläufig letzten Teil seiner, in erzgebirgischer Mundart geschriebenen Memoiren, mit dem Titel »Wie iech dr Bürgermaaster war«. In der Sprache Uwe Schneiders erwachte der Text. Wir fühlten uns auf einmal in das Zwönitz Rathaus versetzt, erlebten den Bürgermeister und seine Sorgen, die das Auftauchen eines fahrende Völkchens mit Wohnwagen im Sommer 1990 verursachte. Im Unterschied zur Mehrheit heutiger Politiker verfügt der Autor aber über Humor, und so erfahren wir, dass Freud und Leid oft dicht beieinander liegen, dass wir mitunter vom Heulen ins Lachen übergehen müssen und umgekehrt. Die Geschichten Uwe Schneiders zeichnen sich darüber hinaus dadurch aus, dass er dem Volk und seiner Obrigkeit »aufs Maul zu schauen« vermag, wie es Martin Luther ausdrückte. Seine Geschichten widerspiegeln das Alltagsleben der letzten Jahrzehnte oft besser, als eine halbe Bibliothek voller wissenschaftlicher Untersuchungen. Der Beifall des fachkundigen Publikums war ihm sicher.
Zudem las Uwe Schneider noch aus seinem »Erzgebirgischen Dekameron«.  In Abwandlung des großen literarischen Vorbildes erzählen sieben Männer an sieben verschiedenen Tagen je eine Geschichte über ihre Beziehungen zu den Frauen.
Auch bei diesen Geschichten war dem Autor die ungeteilte Aufmerksamkeit der Zuhörer gewiss.
(Schneider, Uwe: Das Erzgebirgische Dekameron. Altis-Verlag, Berlin 2007. ISBN 978-3-910195-53-0 Preis: 16,80 €)

 
 

Uwe Schneider: Wie iech dr Bürgermaaster war. Bücher Walther 2008.
Mit Zeichnungen von Ute Leichsenring. Brosch, 11,5 × 19,2 cm, 112 Seiten, 10,90 €, ISBN  978-3-937654-30-0

 
 

Gerhard Birk las aus seiner eben erschienen Erzählung »Von der Katzbach bis an den Main«. Diese Erzählung hat einen autobiographischen Hintergrund. Im Jahre 1945 kam der Autor auf seiner Flucht aus Schlesien in Niederdorf bei Stollberg zu einer neuen Heimat. Die Erlebnisse auf seinem langen Weg nach Niederdorf beschäftigen den damals Achtjährigen sein Leben lang. Mit Bedauern bemerkte Gerhard Birk, dass das Schicksal von 14 Mio. Menschen, die 1945 ihre Heimat verloren, in der DDR, mit Rücksicht auf den politischen Bündnispartner nicht beim Namen genannt werden durfte. Als Historiker habe ihn diese Verdrängung besorgt und bedrückt. Erst nach 1990 habe er sich freigemacht, um über diese Zeit zu schreiben. Allerdings halte er mittlerweile die Wissenschaft nicht mehr für geeignet, solche Erinnerungsarbeit angemessen zu leisten. Deshalb habe er sich seit einigen Jahren der Literatur verschrieben. Im Anschluss las Gerhard Birk eine Passage, die einen tiefen Eindruck bei den aufmerksamen Zuhörern hinterließ.

 
 


Gerhard Birk: »Von der Katzbach bis an den Main«. Mironde-Verlag 2008. Mit Zeichnungen von Birgit Eichler. Fester Einband, gebunden, 14 × 20,6 cm, 212 Seiten, 19,50 €, ISBN 978-3-0937654-33-1


Wir verlassen die Chemnitzer Stadtbibliothek mit vielen Gedanken bepackt, so dass wir sie kaum zu tragen vermöchten. In der Stadt empfängt uns wieder der Weihnachtsvermarktungsgeruch. Aus Lautsprechern quälen sich Lieder vom Fest und von Freud. Die Menschen hetzen von einer besinnlichen Stunde zur anderen. Billigen wir dem braven Bürger seine Sehnsucht zu. Gönnen wir ihm seine teuren Anstrengungen. Wünschen wir ihm das Beste. Im Grunde aber wissen wir, dass man mit noch so vielen Märkten und Geschenken die Glückseligkeit nicht erlangen kann. Unser innerer Frieden erfordert statt dessen  Geist und Wachheit. Bei Matthäus steht geschrieben: »Darum wachet, denn ihr kennt weder den Tag noch die Stunde ...«
Johannes Eichenthal


Information
Das Literatencafé findet jeden ersten Dienstag im Monat in der Stadtbibliothek Chemnitz/Das Tietz statt.
www.stadtbibliothek-chemnitz.de

 
 

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Lesen im Advent
Uwe Schneider und Gerhard Birk in der Stadtbibliothek Chemnitz
 

In der Vorweihnachtszeit interessiert sich der brave Bürger vor allem für den Besuch von Weihnachtsmärkten, Bratwurstständen und Glühweinbuden. Der Kauf von irgendwelchen Geschenken nimmt das deutsche Volk im Advent derartig in Anspruch, dass es sich allen »unnützen«, bloß geistigen Tätigkeiten entsagen muss. Statt dessen wartet das Volk schon darauf, dass ihm jemand zum 24. Glückseligkeit und andere Geschenke bringe. Nur eine Minderheit interessiert sich in dieser Zeit noch für Literatur. Am 2. Dezember hatten Sächsischer Schriftstellerverein und Stadtbibliothek Chemnitz zum Literatencafé eingeladen. Zu Gast waren an diesem Nachmittag die Autoren Uwe Schneider und Gerhard Birk.

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