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Sehr ehrwürdiger Meister vom Stuhl,
Liebe Brüder alle, liebe Gäste.

Ich darf Sie alle recht herzlich hier im Logenhaus zum heutigen Vortrags- und Diskussionsabend begrüßen.

Das Thema meines Vortrags lautet: Lichtsuche – Lichtsucher

Als ich vor einigen Jahren die ersten Öffentlichkeits-Veranstaltungen der Freimaurer in diesem Raum besuchte, begrüßte mich als erstes eine brennende Kerze als das Symbol des Lichtes, der Sonne und der Wärme.
Über eine tiefergehende Symbolik machte ich mir damals noch wenig Gedanken. Bei Versammlungen, Diskussionen und Logentreffen wurde eine Kerze entzündet, später dann als Lehrling und Geselle durchschritt ich das musivische Pflaster. Schwarze und weiße Felder wechseln sich ab. Sie erinnern uns an das Leben mit seinem »Ist«-Zustand von Licht und Schatten, Freude und Schmerz, Geburt und Tod. Beim Eintritt in den Bund der Freimaurer zeigen die Anwesenden ihre Zustimmung oder Ablehnung durch die Kugelung. Weiße und schwarze Kugeln symbolisieren ein »Ja oder Nein«. Ein leuchtendes (weißes) Ergebnis wird angestrebt.
Wir alle sind in die Gegenpole Weiß und Schwarz, als Symbol für gut und böse, zeitlebens eingebunden. Meistens jedoch verbringen wir unser Leben in einer gemischten helleren oder auch dunkleren Lebens-Zone. Auch die demokratische Rechtsprechung bemüht sich um eine ausgewogene Urteilsfindung, ohne die Ausschließlichkeit von Schwarz und Weiß. Das Symbol des schwarz-weißen musivischen Pflasters kommt aus dem Griechischen (mouseion = Mosaik), d. h. zu den Musen gehörend. Die Musen waren in der Antike die Schutzgöttinnen der Kunst. Sie umfassen Musik, Tanz, Dichtung und später dann auch die Wissenschaften.
In der Gemeinschaft der Freimaurer überlebten viele Traditionen der Antike in den Logen, die sich als Nachfolger der Bauhütten betrachten. Vor allem die rechnerisch-wissenschaftlichen Symbole von Lot, Zirkel, Dreieck und Maßstab ohne die kein Tempel, keine Kirche oder kein Schloss errichtet werden kann, sind seit Jahrhunderten fester Bestandteil der Freimaurerei. Auch die Zahlen Symbolik und Zahlenabhängigkeit der Architektur des Mittelalters findet in Freimaurer-Denken eine Fortsetzung: z B. die Zahl 3 – auch sichtbar im strahlenden Dreieck, das Pythagoreische Dreieck oder Bauhütten-Zeichen. Geometrie wird in jeder Form als Ordnung und Harmonie der Welt verehrt und geliebt.

Freimaurer haben einige Licht, Sonnen- und Feuerrituale in Ihre Lehre und Lebensart übernommen. Der Tempel, unser Versammlungsort, wird mit Kerzen erleuchtet. Die Einweihung nennen wir Lichtereinbringung.
Die Sommersonnenwende am 24. Juni wird mit Johannisfesten gefeiert. Die Wintersonnenwende, kurz vor Weihnachten, wird im Christentum der Ankunft des göttlichen Lichtes zugeordnet.
Der Ursprung von vielen Bräuchen und Zeichen der Freimaurer liegt dabei in der Vergangenheit und lässt sich leider meistens nicht wissenschaftlich genau verfolgen und zuordnen. Dazu gehören auch die jahrtausende alten Lichtrituale anderer Kulturen, beginnend bei den Sonnen- und Feuerkulten der Germanen. Der Sonnenkönig der Ägypter – Aton – (d. h. Sonnenscheibe) wurde als Sonnenscheibe dargestellt. Bei Wandbildern in Ägyptischen Tempeln fließen Aton die Strahlen der Sonne in seine Hand und er gibt sie als das Schriftzeichen – Leben – lebenspendend weiter auf die Erde.
Bei vielen Sonnenkulten galt der Sonnengott-König meistens als Schöpfer und Erhalter der Welt.
Ein Sonnengott war bei den Ägyptern der Gott »Re«, später dann Osiris.
In Babylon gab es den Sonnengott »Schamasch«, in Griechenland »Helios« – danach »Apollon«.
In Italien wurde der Sonnengott »Sol« genannt. Im Jahre 330 erklärte Kaiser Konstantin das Christentum zur Staatsreligion und ersetzte den alten Sonnengott »Sol Invictus« kurzerhand durch den Christengott »Lux Mundi« (Licht der Welt).
Bei den Bantuvölkern in Afrika hat der jeweilige Herrscher den Namen »Sonne«.
Auch bei den Inkas und Azteken gab es Sonnenkönige.
(Bei Wikipedia unter »Sonnengottheiten« – ist eine genaue Auflistung und Beschreibung lesenswert.)
Die Sonnenscheibe der Ägypter, in der veränderten Form als strahlende dreieckige Ausführung, ist für Freimaurer seit Jahrhunderten ein alltägliches Symbol des strahlenden allsehenden Auges.
Doch zurück zum Anfang des Lichtes.
In der Schöpfungsgeschichte der Bibel heißt es im Buch Mose für den 1. Tag (Kapitel 1 – Vers 19): Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Die Erde war wüst und unheimlich – dann weiter im Text: Da befahl Gott: Licht soll ausstrahlen und es wurde hell. Gott hatte Freude an dem Licht, denn es war gut.
Haydn hat in seinem Oratorium »Die Schöpfung« ein Ton Monument erschaffen, welches diesen Sachverhalt emotional erlebbar macht.

Für Freimaurer ist der Begriff Licht mit hoher Wertschätzung besetzt.
Wenn eine Loge eröffnet wird, liegen die »Drei großen Lichter« bereit: Bibel oder ein heiliges Buch der unterschiedlichen Religionen, Zirkel und Winkelmaß.
Die drei kleinen Lichter werden in Form von Kerzen auf Säulen entzündet. Sie bedeuten Weisheit, Stärke und Schönheit. In unserem Bemühen um Humanität unterstützen sie unsere Arbeit. Sie sind uns gedankliche Hilfe und Ziel. Wir stehen im Licht.
Was ist es eigentlich, was seit tausenden von Jahren die Menschen, Herrscher, Religionen und auch uns Freimaurer als Gemeinschaft mit ethischen, humanistischen Zielen und Grundlagen, Licht und Sonne als Symbol so anziehend macht?
Die physikalische Wärme von Feuer, Sonne und Licht, als lebensspendende Kraft der Naturgewalten, ist sicher eines der Hauptmotive. Dann auch die Identifikation mit der Stärke der Natur und Ihrer Macht, denen die Menschen nichts Gleichwertiges entgegensetzen können.
Aber nicht nur Kraft, Stärke, Feuer und Licht der uns umgebenen übergeordneten Physis ist es, was den Menschen bei der Sinn-Frage seines Lebens zu denken gibt, sondern das Symbol und die Metapher des Lichtes als eigener positiver personaler Bestandteil der Persönlichkeit, ist anziehend.
Die Aura der beseelten Ganzheit mag die Menschen auf der Suche nach dem personalen Licht beflügeln. Das Licht in allen seinen Auswirkungen beinhaltet eine tiefe Sehnsucht des Menschen: er möchte die Dunkelheit durch Helligkeit ersetzen. Gerade jetzt zur Weihnachtszeit können wir den kommerziellen Drang nach Umsatz mit Licht als Kaufstimulation im Übermaß erleben. Eine positive Licht Erfahrung findet dabei wahrscheinlich nicht statt.
In der heutigen Zeit, mit dem Aufkommen der Esoterik, ist der Ausspruch Moses vor dem brennenden Dornbusch: Ich bin, der ich bin! – und die damit verbundene Suche nach dem eigenen Ich – manchmal auch notwendigerweise nach dem »Über-Ich« – eine häufige Freizeitbeschäftigung, es ist Mode geworden.
Hinter jedem berufenen Fackelträger einen Licht-Träger zu vermuten, gehört zu den Irrtümern unserer Zeit. z B. erst kürzlich im Vorfeld der Wahl in Amerika, distanzierte sich Obama von den Sprüchen seines vertrauten Geistlichen, pädophile Priester stehen monatlich in der Zeitung.

Liebe Zuhörer, viele Beispiele lassen sich finden, in denen der Lichtbegriff den Menschen in positiver oder negativer Form bescheinigt wird:

z.B. positiv:
Ein heller Kopf
Es/Ihr kommt die Erleuchtung
Er /Sie ist eine Lichtgestalt
Sein Licht nicht unter den Scheffel stellen

Oder abwertend:
Er/Sie ist keine Leuchte
Er/Sie hat dunkle Gedanken
Er/Sie ist verblendet
Oder die Formulierung: Dunkle Machenschaften

Bei der Suche nach Sprüchen, die Lichtsymbolik enthalten, ist mir auch der eine oder andere Spruch beim »Brainstorming« eingefallen. Das Folgende ist nicht ganz ernst zu nehmen, führt beim Reflektieren jedoch mitten hinein in die Seele des Menschen. z B:

Positive Sprüche:
Morgens als Begrüßung: Wie geht's deinem Licht? Oder zum Schlafengehen: Mein Licht – flackere ruhig.

Oder Negativ:
Du alter Nachbrenner.
Bei dir flimmerts wohl.

Doch zurück zum Thema.

In vielen Logen sind spirituelle Gegenstände ausgestellt mit Abbildungen von Sonne, Mond und Sternen. Sie symbolisieren die himmlischen Lichter.
Loge bedeutet im Wortsinn: Weltall. (Ableitung von: Loges) Auch bei diesen leuchtenden Naturerscheinungen können wir feststellen: es gibt Mondfinsternisse. Der Mond ist verdunkelt.
Bei der Sonnenfinsternis sehen wir die Sonne einige Zeit nicht.
Für uns Menschen ist das Licht der Planeten überlebenswichtig. Ohne Licht gäbe es keine Pflanzen und Tiere. Das Leben auf dem Planeten Erde würde erlöschen.

Herder hat diesen Inhalt in einem Spruch auf den Punkt gebracht. Er ist in seine Grabplatte eingeschrieben: Licht – Liebe – Leben.
Was für die Natur und das physische Leben Grundvoraussetzung ist, gilt in gleicher Weise auch für das seelisch-psychische Leben und Erleben.
Herders: Licht – Liebe – Leben, als Ziel einer entwickelten Persönlichkeitsstruktur jedes einzelnen, ist heute wichtiger denn je. Ich habe manchmal das Gefühl, dass die Gesellschaft sich im ethischen, seelischen Bereich zurückentwickelt vor die Zeit der Aufklärung. Im Berufsleben ist es üblich geworden, mit zielgerichtetem, geschicktem Verhalten, genannt »Strategie«, ganze Industrie-Sparten, Firmen, Bankhäuser oder auch Einzelpersonen »über den Tisch zu ziehen«.
Beispiele für faires, lichtes Verhalten sind selten geworden. Erzeugende Beweggründe und nach außen geäußerte Beweggründe, müssen den gleichen Inhalt haben. Genomotivation und Phänomotivaton müssen identisch sein. Anderes Verhalten erzeugt eine Verzerrung der Geistigkeit des Menschen und seines seelischen Lichtpotenzials.
Was jedoch soll man von jenen Menschen halten, die vielleicht durch eine schwierige Vergangenheit oder Kindheit, oder schicksalhafte Verstrickungen innerlich unfähig sind, lichte Empfindungen in Ihrer Psyche zu entwickeln und auch zu integrieren. Im besten Fall kann ein solcher Mensch intuitiv erahnen und spüren, welche Lebenschancen eine ethische Gemeinschaft wie die unsere ihm bietet, um ihm dabei zu helfen eine bessere Identität nachzuentwickeln, um die Schatten einer fehlgeleiteten Entwicklung aufzuarbeiten.
In der analytischen Psychologie gibt es eine breite Palette eingeordneter Fehlentwicklungen bei Menschen. Nicht selten ist mangelnde Liebe, d h. ein Mangel an heller, freundlicher, liebender Atmosphäre im Kindesalter, Auslöser für späteres Fehlverhalten.
Nun ist es aber schon so, dass Fehlverhalten nicht nur in Extrempositionen von Persönlichkeiten sichtbar wird. Die meisten Menschen bemerken und fühlen mehr oder weniger stark in ihrem Bewusstsein Schattenbereiche – der Gegenpol des Lichtes treibt sie um. Der Psychologe C. G. Jung (1885–1961) beschreibt Schatten so: Es ist der Teil von uns, mit dem wir uns nicht identifizieren, den wir in die dunkelste Ecke unseres Bewusstsein verdrängen. Gleichwohl bildet er mit dem »Ich«, mit dem wir uns identifizieren, unser Individuum. Selbstverwirklichung nach Jung ist immer auch verbunden mit der Akzeptanz der Schattenintegration.
Die fürchterlichste und übelste Kategorie von Menschen jedoch sind wohl jene dunklen Geister, die bewusst Böses-Hinterhältiges tun, in der Absicht, helles Denken und Handeln zu zerstören. Gespaltene Persönlichkeiten, die mit Bewusstsein und Absicht Menschen Schaden zufügen.
Die Zahl psychotischer »Lichtsucher« in Form von Brandstiftern, ist in der Geschichte nicht selten. Man denke nur an Kaiser Nero, der im Jahr 64 nach Christus mehrere Bezirke Roms niederbrennen lassen haben soll, was allerdings nicht bewiesen ist. Waldbrände werden gelegt. Kriege, in denen Städte in Flammen sind, mögen die Älteren unter uns noch persönlich erlebt haben. Taten, die in der Psyche der Täter entstehen, und durch praktisches Tun Auswirkungen auf die Menschen haben.
Jedoch gibt es auch positive »Großlicht« Ereignisse. Wir alle sehen gerne Feuerwerke und in den letzten Jahren ist die Kunstrichtung Lichtkunst entstanden. Einer der weltweit tätigen Hauptvertreter dieser Kunstrichtung ist der Düsseldorfer Micha Kuball. Er hat gerade bei den Stadtwerken an der Kettwiger Straße mehrere Lichtskulpturen namens »Pace Maker« geschaffen, die man nach Einbruch der Dunkelheit leuchten sehen kann. Unter anderem wird der abgerissene Kühlturm als strahlendes Lichtmonument an seinen ehemaligen Ort gestellt.
In Unna gibt es ein Lichtmuseum, was allerdings keine freimaurerische Einrichtung ist.
Künstler, die dem Bund der Freimaurer angehören, haben schon seit jeher Lichtkunst geschaffen. Das Thema »Lichtkunstwerke« ist meines Wissens noch nicht wissenschaftlich aufgearbeitet und dargestellt worden. Als Beiwerk der Geschichtsschreibung sind Beispiele durch alle Kultur-Epochen häufig zu finden.
Für bewusst lebende und suchende Menschen unserer Vereinigung stellt sich dabei die Frage: Auf welcher Platte des musivischen Musters möchte ich stehen, wo stehe ich mit der Wirklichkeit meiner Denkposition und Lebensart.
In Mozarts Freimaurer Oper Zauberflöte findet das Symbol des Lichtpendels seinen Platz: Der Kampf zwischen Licht und Finsternis.

Krieg, Elend, Hass, Mord, Habgier, Machtgier, Bosheit und Eitelkeit, Hassprediger in Politik und Religion umgeben uns. Wir versuchen und bemühen uns mit dem Bau des Tempel der Humanität einen Platz in uns und um uns zu schaffen, in dem Brüderlichkeit, Menschenliebe und die Erkenntnisse der großen Freimaurer Philosophen der Aufklärung, wie Hegel, Herder und Lessing, ihre Gültigkeit behalten. Wir sollten nicht die Ziele des Humanismus und der Aufklärung als etwas konservatives, gestriges hinter uns lassen und die Entwicklung rückgängig machen.

Bei der Beschäftigung mit dem Thema »Lichtsuche« erlebte ich mein persönliches »Aha Erlebnis« indem ich die Verbindung der Metapher des Lichtes als Oberbegriff des Guten im Menschen in fast allen Weltreligionen wieder fand.
Bei unseren jüdischen Brüdern bedeutet das Wort Thora »Lichtanweisung«. Ein bedeutendes Fest für sie ist das Channukka-Fest (d.h. Lichter-Fest) bei dem acht Tage lang jeden Tag eine Kerze mehr angezündet wird zur Erinnerung an den Wiederaufbau des Tempel Salomons, der auch für Freimaurer ein wichtiges Bauwerk mit Symbolcharakter darstellt. Der Legende nach, befand sich im Eingangsbereich ein musivisches Pflaster.

Auch im Christentum hat das Licht seinen Niederschlag gefunden. Kerzen begleiten liturgische Handlungen. Eine Taufkerze wird Christen als Symbol des Glaubens für Ihr Leben mitgegeben, Weihnachten wird immer noch als das Fest des Lichtes und der Liebe gefeiert.
Christus wird im neuen Testament als Licht der Welt bezeichnet. Abbildungen von Gottes-, Heiligen- und Marien-Bilder werden mit Strahlenkranz versehen. Schon als Kind fand ich Maria, die Mutter Gottes beeindruckend, mit ihrem Lichter-Kranz und Ihrer strahlenden Erscheinung. Ich wohnte damals in Bethen bei Cloppenburg, einem Marien-Wallfahrtort.
Im Johannes Evangelium heißt es: Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht angenommen.
Man kann es so interpretieren: das Licht ist um und in uns, jedoch bemerkt es die Masse nicht. Das Bewusstsein dafür ist nicht vorhanden oder nicht entwickelt.
Im Buddhismus bedeutet das Wort Buddha: Licht/der große Erleuchtete. Das Licht ist also in den Namen der Gottheit eingegangen.
Ein Hauptmerkmal eines »echten Buddhas« ist die Lichtheit der Erscheinung, bei seiner Geburt leuchtet fünffarbiges Licht und bei seinem Tod leuchtet der Leichnam, es umgibt ihn eine Aura der Helligkeit.
Im japanischen Schintoismus, wird dem Buddha Mahavairokana die gleiche Sonnen-Identität wie der japanische Sonnengöttin Amaterasu aus einer früheren Epoche nachgesagt.
Auch in der chinesischen Philosophie und im Glauben finden sich zwei Grundprinzipien, die die existierende Welt durchdringen: »Yin« – das den Bereich des Dunklen und der Schatten bezeichnet und »Yang« – dem die Region des Lichtes zugeordnet wird. Dabei ist die Weltsicht der Chinesen mehr dem Licht zugewandt, d. h. Optimismus wird allgemein als Lebensphilosophie bevorzugt.

Das bekannte, runde Amulett für Yin und Yang, mit der weiß-schwarzen Halbierung, ist dem Symbol des Musivischen Pflasters in der Bedeutung ähnlich. Licht und Schatten als kosmisches Phänomen, und spirituelle Bereicherung sind Grundlagen der jeweiligen Philosophie.

Im Hinduismus spielt die Suche nach Erleuchtung für jeden Menschen eine große Rolle. Ein Guru ist ein Erleuchteter. Er ist seinen Weg als Suchender gegangen. Er war in dieser Funktion ein Sadu, ein »Liebender der Schöpfung«, um dann ein Erleuchteter zu werden.
Feuer und Licht Rituale haben auch im Hinduismus große Verbreitung. Sie feiern ein Lichterfest, in dem die rituelle Verbindung und Verschmelzung von Licht-Feuer und Wasser vollzogen wird. Sie übergeben Tote Menschen dem Feuer.

Im Islamischen Glaubengefüge, beginnt ebenso wie bei Juden und Christen die Schöpfung auf der Erde mit dem Licht als Voraussetzung für jedes irdische Leben. Das alte »Testament« als gemeinsame erste frühe Grundlage, wird gerade in unseren Tagen durch Papst Benedikt XVI. mit nicht wenig Erfolg als verbindende Kraft bemüht.
Der Islam kennt auch den Begriff des Licht-Suchenden. Der Suchende (Murid) vertraut sich der geistigen Führung eines Wissenden an (Arif), der ihm den Weg (Tarjq) zeigt, um in Versenkung und Meditation das überirdische Licht zu erleben.
Der Koran schildert in der 24. Sure – »Das Licht« – diesen Weg.

Zitat:
Gott ist das Licht. –
Gott führt zu seinem Licht, wen er will. –
Und wem Gott kein Licht verschafft, für den gibt es kein Licht. –
und weiter – Wer das innerer Licht erlebt hat, an dem wird das Wort wahr: »Wer sich selbst erkennt, der erkennt seinen Herren.«

Nach diesem kleinen Ausflug in die Welt der Religionen, zurück zum ethischen Licht der Freimaurer in unserer Zeit.

Bei der Beschäftigung mit dem Thema Licht fiel mir ein wissenschaftlicher Vortrag eines Logen Bruders aus Rapperswil von 2006 in die Hand. Darin werden für Nicht-Fachleute der Physik schwerverständliche Aussagen zur physikalischen Existenz des Lichtes im Universum gemacht. Der Verfasser und viele Physiker sehen es als bewiesen an, dass aufgrund der Erkenntnisse und Theorien von Albert Einstein, Fritjof Capra, Nils Bohr, Carlo Rubbia, Fritz Albert Popp, David Bohm und anderen, das Denken andere lebende Organismen und auch tote Materie beeinflusst.

Zitat: Die Kommunikation der Welt vollzieht sich im nicht sichtbaren Reich der atomaren und subatomaren Welt von Heisenberg. – Zellen und DNA kommunizieren über Frequenzen miteinander.
(Anmerkung: Licht verbreitet sich über Frequenzen.) –
Lebendiges Bewusstsein ist keine isolierte Einheit, sondern erhöht die Ordnung im Rest der Welt. – Wir sollten in das Verständnis hineinwachsen, das unser Körper Licht ist, verdichtete Schwingungen und das wir ein Teil des Ganzen sind. –
Weitere Forscher machten die erschütternde Schlussfolgerung, dass Bewusstsein Wirklichkeit erzeugt.
(Zitat Ende)

Zurück zu einfacheren Denkmodellen.
Jeder Mensch, der zu den Freimaurern gefunden hat, ist in der Lage, sein inneres Licht-Schatten Verhalten durch die uns eigene Arbeit am rauhen Stein zu verbessern. (Wir sind ja der Stein, der zunächst selbst von uns zu bearbeiten ist.)
Wir können zu einem personalisierten Lichtsucher und Lichtträger werden, wenn wir es im Herzen zulassen. Die durch Jahrhunderte bei uns entwickelte Denkweise ethischer Gedanklichkeit und humanistischer Normgestaltung als Freimaurer, habe ich persönlich bei den ersten Kontakten mit dem Freimaurertum als einen Fingerzeig des Schicksals bewertet, um mein Licht-Schatten-Verhalten zu durchdenken und zu verbessern. Das Symbol einer Waage war dabei ein wichtiger Helfer.
Auch Nicht-Freimaurer sind dazu berufen im aufrechten Gang, quasi rechtwinklig und hellen Sinnes, ihren persönlichen Beitrag für eine bessere Welt zu leisten. Wir kennen alle den Begriff des Freimaurers ohne Schurz, der gleichsam freimaurerisch sein Leben gestaltet.
Viele Menschen haben die Fähigkeit mit hellen Gedanken ihr Leben zu verbringen. Sie wissen häufig nicht, wie nahe sie den Wertvorstellungen der Freimaurer, auch Lichtsucher genannt, sind.
Es gibt im Freimaurertum in der Vergangenheit und heutigen Zeit gute Beispiele von Freimaurern, die einem solchen Anspruchsverhalten gerecht werden, z. B. Lessing, Mozart, Gershwin, Carl v. Ossietzky, der bekennende Freimaurer Karl Heinz Böhm und viele tausende mehr.
Wir alle sind in der Lage, uns zu lichthaften Einzelseelen zu entwickeln. Zünden wir unser freimaurisches Licht an. Wagen wir den Versuch in diesem Denken zu leuchten und Menschen zu erwärmen. Wir stehen in einer stolzen Kette von Brüdern, die über jahrhunderte das personalisierte Licht suchten und häufig genug fanden.

Beenden möchte ich meinen Vortrag mit einem Bittgebet des Propheten
Muhammad, das ein Islamischer Teilnehmer bei einem interreligiösen Friedensgespräch in Köln vorgelesen hat.

O Gott – bringe in unsere Herzen Licht, in unsere Ohren Licht, in unsere Zungen Licht!
O, Gott – bringe zu unserer Rechten Licht und zu unserer Linken Licht!
O Gott –  bringe über uns Licht und unter uns Licht, vor uns Licht und hinter uns Licht!
O Gott – bringe uns in unsere Seelen Licht!

Zum Schluss möchte ich mich für Eure und Ihre Aufmerksamkeit bedanken. Dieser Vortrag war Ehre und Inspiration für mich, und hat meine Beurteilungsfähigkeit der Menschen beeinflusst.

 
 

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Licht - Liebe - Leben
Lichtsuche und Lichtsucher
 

Liebe Leserinnen und liebe Leser der Litterata,
am Ende des Jahres 2008, und Anfang des Jahres 2009, möchten wir die öffentliche Rede eines Freimaurers anlässlich seiner Meisterzeichnung im November 2008 dokumentieren. Der Redner trägt auf beispielhafte Weise seine eigene Auffassung mit solch großer Offenheit vor, so dass er andere Anschauung zu respektieren vermag. Zudem verweist er auf die grundsätzliche Tatsache: wenn wir etwas in der Welt ändern wollen, dann müssen wir uns selbst ändern.
Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir den Namen des Autors nicht nennen können.
Die Redaktion



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