litterata  :  Reportagen  :  Fünf Jahre Zündblättchen  
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Else Gold, die gemeinsam mit Wolfgang E. Herbst in der Künstlervereinigung Dreizeichen die Idee zu diesem Projekt entwickelte und seither gemeinsam für das Über-Leben der Zeitschrift Sorge trägt, wurde mit einem großen Besucherinteresse belohnt. Else Gold dankte allen Beteiligten des einzigartigen Projektes. Namentliche nannte sie die Vertreter der Bildenden Kunst: Wolfgang E. Herbst, Olaf Fieber, Osmar Osten, Ulrich Eissner, Barbara Toch, Eberhardt Dietzsch, Bärbel Voigt, FEI SU SCHIE, Dieter Anhut, Christian Lüttich, Kreuzmandel, Olaf Stoy, Irmgard Kramer, Stefan Voigt, Olaf Klepzig, Karen Roßgi, Dieter Pütz, Raphael Kleweta, Ion Isaila, Wolfgang Schwarzentrub, Matthias Jackisch, Franziska Kunath, Silvia Fenk, Kerstin Franke-Gneuß; und die Vertreter der Literatur: Olaf Stoy, Rolfrafael Schröer, Michael Arenz, Horst Kümhof, Ulrike Tillich, Hans Schütz, Peter Gruber, Kerstin Rose Schlageter, Annerose Kirchner, Dr. Treznok, Erich Sobeslavsky, Andreas Eichler, Wojciech Izaak Strugala, Peter Gehrisch, Manfred Keitel, Günter Abramowski, Florian Günther, Nikolaus Scheibner, Axel Aschenberg, Eugen Haas, Ille Chamier, Wolfram Liebing, Ilse Kilic, Wolfgang E. Herbst, Andreas Hegewald, Dirk Bierbaß, Wilhelm Bartsch, Carla Schwiegk, Ulrike Gramann, Fernando Zamora, Oskar Fahr.
Im Namen der Autoren dankte Andreas Eichler, ein promovierter Philosoph, Verleger und Computersätzer, Else Gold und Wolfgang E. Herbst für Ihre Herausgebertätigkeit. (Der Wortlaut der Dankesrede wird im Anhang wiedergegeben.)

 
 

Foto: Else Gold eröffnet die Jubiläumsveranstaltung

Drei Autoren lasen im Anschluss stellvertretend für alle Autoren aus ihren Werken. Olaf Stoy begann mit einem Text, der in Nr. 1 der Zündblättchen veröffentlicht wurde, ging zu Aphorismen über und steigerte sich zu furioser Lyrik.
Erich Sobeslavsky trug zunächst Gedichte vor, die in Nr. 11 der Zündblättchen veröffentlicht wurden. Die Rhythmik seiner Sprache erinnerte an das Mahlen einer Mühle, die unerbittlich die Oberflächlichkeit unserer Alltagssprache zu lyrischem »Mehl« verarbeitete.
Den Abschluss des Reigens bildete der Vortrag von Wolfgang E. Herbst, den er mit leichten musikalischen Tönen beginnen und mit Aphorismen von philosophischer Tiefe enden ließ.
Ohne Zweifel war die Lesung der drei Autoren ein unwiederholbares Ereignis. Glücklich können sich alle schätzen, die dabei waren.
Allen anderen kann man nur empfehlen, sich die Ausstellung anzuschauen oder/ und die Zündblättchen zu abonnieren.
Johannes Eichenthal

 
 

Foto: Olaf Stoy

 
 

Foto: Erich Sobeslavsky (li.) und Wolfgang E. Herbst


Dokumentation der Dankesrede von Dr. Andreas Eichler an die Herausgeber


Sehr geehrte Damen und Herren,
wenn ein Mensch fünf Jahre alt wird, dann ist er noch lange nicht erwachsen, will es aber eigentlich schon lange sein.
Eine Kultur-Zeitschrift ist dagegen vom ersten Tag ihres Erscheinens an »erwachsen«, will sich aber die kindliche Offenheit bewahren.
Unser Geburtstagskind, das »Zündblättchen«, mit dem Untertitel »Überelbsche Blätter für Kunst und Literatur«, erblickte im Winter 2004 das Licht der Welt, in einer ehemaligen Fabrik, in der einst Zündschnüre mit genau bemessener Brenndauer hergestellt wurden.
Im Impressum der Nr. 1 wurde das Copyright der Künstlervereinigung DREIZEICHEN zugeordnet, darunter werden der Viktoria Verlag von Viktoria Hennig, die Werkstatt für Gestalt und Gestaltung von Steffi Leonhardt und die Herbst-Presse im Goldgrund von Wolfgang E. Herbst genannt.
Die Nr. 1 vereinte zwei Texte von Olaf Stoy mit Zeichnungen von Wolfgang Herbst.
Dieser Verbindung von Literatur und bildender Kunst blieb das Zündblättchen seither verpflichtet.
Mit Nr. 7 schied der Viktoria-Verlag als Mitherausgeber aus und die Künstlervereinigung Dreizeichen (Else Gold und Wolfgang E. Herbst) zeichnet als Herausgeber verantwortlich.
In den 30 bisher erschienen Ausgaben sind Texte von 7 Autorinnen und 23 Autoren zu lesen, sowie Arbeiten von 10 bildenden Künstlerinnen und 15 Künstlern zu sehen.
Das Zündblättchen vereint Künstlerinnen, Künstler, Autorinnen und Autoren aus Sachsen, Thüringen, Brandenburg und ganz Deutschland, aus Polen, Österreich, Frankreich und Spanien.
Die Edition Dreieichen war mit dem Zündblättchen in den letzten Jahren auf zahlreichen Buchmessen, Kunstbuchmessen und Grafikmärkten vertreten.
Freunde und Förderer aus ganz Deutschland unterstützen das bemerkenswerte Projekt.
Die Begründer des Projektes hatten mit der Wahl des Namens Zündblättchen wahrscheinlich eine geistige »Zündung«, einen Blitz des Gedankens vor Augen. Diese Intentionen erfüllt das Zündblättchen ohne Zweifel.
Darüber hinaus überschreitet das Zündblättchen aber systematisch Grenzen aller Art und bringt Menschen unterschiedlichster Auffassungen zusammen. Diese »überelbsche« Wirkung der kleinen Zeitschrift aus Meißen kann man nicht hoch genug schätzen.
Zudem stellt die Zeitschrift einen der wenigen heutigen Freiräume für das Sagen des Unsagbaren, für das Sichtbarmachen des Unsichtbaren, d.h. für Poesie dar.
Für diese ambitionierte Zielsetzung zahlen die Herausgeber jedoch einen hohen Preis: nur 30 Interessierte, darunter zwei Literaturinstitute, gehören bisher zu den Abonnenten des Zündblättchens.

Man könnte diesen eklatanten Widerspruch damit erklären, dass in unserer Zeit Literatur, Kunst und Geist keine große Rolle spielen.
Ein Blick in eine beliebige Tageszeitung bestätigt diese Vermutung.
 Diese Situation verleitet manche Künstler dazu, die Kunst gegen den Markt mit den Mitteln des Marktes glauben verteidigen zu müssen. Damit wird aber Kunst auf Kunstmarkt reduziert.
Mit einem abgewandelten Wort von Meister Eckhart könnte man sagen, dass wir diesen Kollegen wünschen, dass sie in den Kunst-Himmel kommen. Wir wissen aber, dass sie es nicht schaffen werden, denn sie sind Esel.
Ende der 1980er Jahre versuchten einige Autoren unter Verweis auf Michel Foucault das Leben selbst als Kunst, als Lebenskunst zu propagieren.
Zugegeben, das klang gut. Aber dieses Stichwort war wohl von Anfang eher für das gute Gewissen des braven Konsumenten gedacht.
Dem Künstler, der mit elementaren Widrigkeiten des Alltages zu kämpfen hat, nützte dieses Schlagwort wenig.
Die wichtigste Bedingungen für Kunst ist, wie der im letzten Jahr verstorbene Galerist Michel Hebecker aus Weimar einmal sagte, die Unabhängigkeit des Künstlers. Wie der Künstler diese erreiche, ob mit »Wasser und Brot« oder mit Hilfe eines Mäzens, sei gleichgültig.
Mitunter glauben »Besserverdienende«, dass echte Kunst nur entstehen könne, wenn der Künstler tatsächlich nur Wasser und Brot zur Verfügung habe. Doch so wichtig ein einfaches Leben für unseren inneren Frieden ist, so wenig garantiert äußerliche Armut schon ein nachhaltiges Werk.
Gerade diesen fehlenden Automatismus versuchte Meister Eckhart um 1300 Laienmystikerinnen klar zu machen, die in äußerlicher Armut und körperlichen Kasteiungen eine Alternative zum Leben in der Oberschicht sahen. Eckharts zentrales Argument lautete: der Weg zu Gott ist ein geistiger.
Dieser Satz hätte auch vom »Vater« unseres Zündblättchens stammen können, d.h. ich bin mir sicher, ihn von ihm gehört zu haben. Denn dieser Gedanke durchzieht die 30 bisher erschienenen Ausgaben. Dieser Satz erklärt die Ernsthaftigkeit, den Witz und die Tiefe, die dem Publikum offeriert werden.
Beim Nachdenken über den »Vater« des Zündblättchens dauerte es nicht lange, und ich hatte einen berühmten fahrenden Ritter aus La Mancha vor Augen. Ich sah, wie jener Ritter seine Rüstung aus Leder anlegte, sein treues Pferd »Mazda« sattelte, und gegen Meißen ritt. In alten Büchern hatte er wohl gelesen, dass hier einst die Romantiker zusammenkamen. Vielleicht suchte er den Geist der Romantik?
In den Augen des normalen Publikums ist das Urteil über jenen Ritter gefällt. Aber kein anderer als Ernst Bloch verwies darauf, dass bei der Lektüre dieses Romans von 1400 Seiten, die Komik bald einer Nachdenklichkeit weicht. Aber man muss das Buch wenigstens lesen.
Selbst Menschen, die nie eine Zeile des Romans gelesen haben, kennen des Ritters Kampf gegen Windmühlen. Für Don Quijote waren es aber keine Windmühlen, sondern Riesen. Er sah eben Riesen.
Wir haben in Büchern schon mehrfach von Riesen gelesen, aber noch nie einen gesehen. Vermutlich waren in der Wirklichkeit immer nur Windmühlen zu sehen. Allein die Riesen bleiben in der Literatur. Das ist der Punkt.
Es sei daran erinnert, dass der Pfarrer in der enormen Literaturkenntnis und der umfangreichen Bibliothek des Ritters die Wurzel allen Übels sah. Es wird vielleicht deutlich, dass Don Quijote auszog, um für die Poesie zu streiten. Doch dieser Kampf ist mit Gefahren verbunden. Man wird aus dem Sattel geworfen, die Rüstung erhält Beulen und es werden einem Beschädigungen zugefügt.
Ist nicht unser Dasein immer wieder von der Gefahr des Scheiterns bedroht? Gewinnen wir aber nicht mit bestandenen Gefahren unsere Erfahrungen? Ist nicht menschliche Größe eher im Scheitern darstellbar?
So steht Don Quijote nach jedem Sturz wieder auf und sucht das nächste Abenteuer. Am Ende variiert der Autor des Ritterromanes, der uns noch weiß machen will, der eigentliche Autor sein ein arabischer Geschichtenerzähler, wiederholt ein Bibel-Zitat: Don Quijote zog seine Straße.
Es ist sicher kein Zufall, dass Anton Reiser ebenfalls mehrfach diesen Satz hervorbringt.
Genau das ist es auch, was mich an den Zündblättchen begeistert: Möge diese Zeitschrift noch lange ihre Straße ziehen.


Information
Das Zündblättchen. ISSN 1866-1726
Einzelheft 1,50 € (zzgl. Versandkosten)
Bestelladresse: Edition Dreizeichen
Goldgrund 15, 01662 Meißen
Tel. 03521/459104
E-Mail: diedreizeichen@aol.com

www.kunstverein-meissen.de

www.elsegold.de

www.weherbst.de




 
 

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Fünf Jahre Zündblättchen
Ausstellungseröffnung des Kunstvereines Meißen
 

Am 1. Februar hatte der Kunstverein Meißen e.V. zu einer Ausstellungseröffnung in das St.-Benno-Haus am Markt 9 (1. Stock) eingeladen. Anlass war das fünfjährige Jubiläum des Erscheinens der Zeitschrift »Das Zündblättchen. Überelbsche Blätter für Kunst und Literatur.« In den 30 bisher erschienen Ausgaben wurde jeweils das Werk einer Autorin/ eines Autors und das einer bildenden Künstlerin/Künstlers veröffentlicht. Der Kunstverein präsentiert nun bis zum 14. März 2009 in seinen Räumen eine Auswahl Originale, der in der Zeitschrift veröffentlichten Werke.

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