litterata  :  Reportagen  :  Hans Brockhage  
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Kein Tag ohne Suche! (Ein Marianne-Brandt-Zitat in der Handschrift von Hans Brockhage).


Wir geben im Anschluss zunächst das Nachwort von Andreas Eichler zu einer der letzten Publikationen von Hans Brockhage im Wortlaut wieder:

»Alle Gestaltungen beginnen mit einer Idee,
aber jede Idee gewinnt erst Form und Farbe durch den Menschen, der sie verwirklicht. Unausbleiblich muss eine geistige oder auch handwerkliche Schöpfung ihren ‹Machern› physiognomisch ähnlich werden, wie auch deren Rückwirkung. (Kopplung)
Nicht ohne Absicht werden in dieser Dokumentation über Hans Brockhage frühe Studien seiner ‹Kerbschnitte› aufgeführt – auch sein Haus als »Wohn- und Arbeitsmaschine« im Sinne und in Anlehnung an die Architektur von le Corbusier. Seine Eichenholz-Skulpturen blicken in sein und unser Antlitz, um vorauszuwissen, dass dieses Schaffen auch für ihn handwerklich eine Art Arbeitstheorie war, so wie es bei vielen Menschen immer wieder ähnlich geschieht.
Alles, was das Leben freudig und sinnlich macht, war in dieser für ihn so wichtigen Zeit seines Schaffens enthalten.
Wie mit einem scharfen Messer geschnitten, seine ersten, vielerorts, baugebundenen Flächenaufteilungen – als ‹Wände der Verheißung› interpretiert, und es ist, als ob ein inneres Arbeitsfieber das Blut in Erregung brachte.
Von frühester Jugend mit dem Schnitzmesser vertraut, ließ er später Bäume fällen und kleidete sie in mitleidloses Schwarz. Schwarz, dem Barett eines Basken ähnlich – halb Kaputze eines Mönchs, halb Sturmhaube eines Soldaten, deren ‹Sold› er nie haben wollte – ihn jedoch ein Leben lang ‹zahlte›.
Schwarz – immer sind seine Skulpturen der letzten Jahrzehnte schwarz. Immer die Farbe des Ernstes und der Unerbittlichkeit; denn – ‹Osiris ist ein schwarzer Gott› (Breton).
Hart gegen die Welt und gegen die Betrachter seiner Kunst, gegen die seine Förderer und die seiner Gönner und – nichts was sein Kunst-Handwerk trunken machen sollte.
So fordert er uns auf zu einem Tätigsein, welches sich gegen die autoritäre Ideologie allzu vielen Theoretisierens wendet; denn, – was zählt ist das Beispiel.
Seine freien und baugebundenen Arbeiten – so auch die ‹Fichtelbergwand› zu damaligem Einstieg, sind brillanteste Beispiele der Arbeiten dieses Bildhauers – sind Signum auch im Jahr 2008 – verführerisch durch den spontanen Umgang.
So auch die Architektur seines, aus einem Hinterhaus entstandenen Bauwerkes, ganz im Sinn der Moderne; denn es schützt – mit dem Rücken-zur-Stadt bis zu einem gewissen Grad vor Einblick und Verdacht und – vor allzu großem ‹marketing›. So sind seine Arbeiten in Holz aus Sehnsucht zu diesem Material entstanden – mit dem Blick über die Hügel seiner Heimat des Erzgebirges hinaus.
Bei Bertold Brecht habe er gelesen, ‹dass man die Umwelt mit fremden Augen beobachten soll›.«

(Mit freundlicher Genehmigung des Autors aus: Hans Brockhage: Signatur 2008. ISBN 978-3-937190-15-0)

 
 

Foto: Im Jahre 2003 wurden die wichtigsten Skulpturen von Hans Brockhage im gesamten Stadtzentrum von Weimar ausgestellt


MANCHMAL GLAUBE ICH,
IM HERBST

oder ähnlicher Jahreszeit öffnet
sich das Holz der Pfähle, Bretter,
Latten, Fachwerke usw., das
liegt in der Luft, im Regen,
und redet von seinem Tod ohne Klage,
ohne Vorwurf. Einfach das Holz,
längs der Maserung, stirn-
seitig, jahresberingt, behauen,
spricht für sich nicht nur, sondern
von sich, wie wirs gern täten.
Aber Holz arbeitet anders.
Und verzieht sich doch auch gern.
Und's nieselt. Die Nässe kraucht rein
in die Leute. Bäume wie bedeutende
Kerle sind selten. Zuviel wird abgesägt.
Doch im Herbst, glaube ich,
bricht selbst der letzte Löffel
aus Holz das Schweigen im Wald.

Für Brockhage


Hans Brinkmann-Chemnitz

Mit freundlicher Genehmigung des Autors aus: federn und federn lassen (1988)

 
 

Abbildung: Auszug aus einem Brief Hans Brockhages vom 1. September 2004


Professor Hans Brockhage war nicht nur ein international anerkannter Skulpturist und Formgestalter, sondern auch ein philosophischer Geist. Neben zahlreichen Artikeln veröffentlichte er auch gewichtige Bücher.

Eine Auswahl

Marianne Brandt: Hab ich je an Kunst gedacht. (Biographie) Chemnitzer Verlag 2000. Gemeinsam mit Reinhold Linder. ISBN 3-928678-63-9

Umgang mit Holz. Schwarzenberg 2004. ISBN 3-00-014404-8

Sie kamen aus Schlesien. Schnitzkunst aus dem Glazer Bergland, Adler- und Altvatergebirge. Schwarzenberg 2005. ISBN 3-00-017472-9

Signatur 2008. Schwarzenberg 2008. ISBN 978-3-937190-15-0

Johannes Eichenthal

 
 

Im Jahre 2008 stellte die Galerie Beethovenstraße in Düsseldorf die Skulpturen von Hans Brockhage aus (Foto: Ion Isaila)

Information
www.hans-brockhage.de

 
 

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Zur Erinnerung an Hans Brockhage (1925-2009)
International anerkannter Skulpturist aus dem Erzgebirge
 

Am 18. Februar 2009 verstarb der Skulpturist und Holzbildhauer Hans Brockhage in seiner Heimatstadt Schwarzenberg. Der Schüler und Assistent von Marianne Brandt war Dozent an der einst legendären Hochschule für industrielle Formgestaltung Burg Giebichenstein in Halle und Professor an der Fachschule für angewandte Kunst in Schneeberg. Hans Brockhage war nicht nur einer der wenigen bildenden Künstler der Region Chemnitz-Erzgebirge, die internationale Bedeutung erlangten, sondern auch ein Autor unserer Zeitschrift. Der geneigte Leser wird sich vielleicht an Interviews zum Schaffen von Marianne Brandt, le Corbusier oder zum Werk von Friedrich Emil Krauß erinnern.

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