litterata  :  Reportagen  :  Ruhen in der Zeit  
Veranstaltungen
Freundeskreis
Reportagen
Mironde Verlag
      login
  E-Mail  
  Passwort  
      login
  Registrieren Sie sich hier oder bearbeiten Sie Ihr Profil
Suche  
   

Im Refektorium des Kloster war für 19.30 Uhr die Premiere eines Filmes über das Zisterzienserinnen-Kloster und seine Bewohnerinnen angekündigt. Nach und nach füllte sich der wohlproportionierte Raum. Schließlich waren fast alle Stühle besetzt. Äbtissin Laetitia vom Orden der Zisterzienser begrüßte die Gäste und leitete zur Premiere des Filmes »Ruhen in der Zeit« über. Der Regisseur Professor Eberhard Görner und seine Mitarbeiter hätten das Leben der Nonnen von September 2007 bis September 2008 begleitet. Der Film sage viel über die bernhardinisch-zisterzienserische Lebensweise. Bernhard von Clairvaux habe einmal gesagt: »Der ruhige Gott erfüllt alles mit Stille«. Diese Stille und Zurückgezogenheit sei andererseits die Voraussetzung für ein aktives Leben. Damit erhalte das Leben der Zisterzienserinnen durch den unscheinbaren Alltag hindurch Gewicht.
Dem Zuschauer werde mittels des Filmes ein Einblick in die innerste Klausur gewährt. Die Arbeit an dem Film schenkte sowohl der Film-Mannschaft als auch den Klosterinsassen eine kostbare Zeit.

 
 

Das Refektorium

Die Zuschauer folgten dem 90-minütigen Film aufmerksam. Mit dem Gebet am frühen Morgen setzten die Aufnahmen ein und mit dem letzten nächtlichen Gebet endet der Film. In ruhigen Einstellungen wird der Tagesablauf mit dem Jahreslauf synchronisiert. Landschaftsaufnahmen dokumentieren den Wechsel der Jahreszeiten. Keinerlei Filmmusik, nur originaler Ton. Dazwischen immer wieder Interviews mit den sieben Zisterzienserinnen. Nach der letzten Einstellung etwa zwei Minuten Stille. Dann herzlicher Beifall.

 
 

Professor Eberhard Görner dankte in bewegten Worten für den Beifall. Seine Mitarbeiter und er wollten mit dieser Dokumentation eine Kulturlandschaft ins europäische Bewusstsein heben, die einst die Mitte Europas ausmachte. In den einjährigen Dreharbeiten habe er diese Landschaft kennen und schätzen gelernt. Gleichzeitig seien die Dreharbeiten für ihn eine Art Fernkurs in katholischem Glauben, in Kunst und Architektur gewesen.
Der Film mache deutlich, dass das Erzgebirge, heute in Sachsen, Böhmen und Bayern gelegen, einst eine europäische Region darstellte. Die Kultur dieser Region sei von den Zisterziensern gestiftet worden. An dieser Kultur gelte es anzuknüpfen. Die Ruhe, Liebe und Glaubwürdigkeit des Klosters ziehe schon heute immer mehr Menschen an.

 
 

Foto: Äbtissin Laetitia (5. v. li.) überreicht Blumen an Prof. Eberhard Görner (li.) und seine Mannschaft

Äbtissin Laetitia dankte Professor Görner und seinen Mitarbeitern und überreichte Blumen. Ein interessanter Abend ging zu Ende. Auf der Rückfahrt ging mir durch den Kopf, dass die sieben, zierlichen Zisterzienserinnen eine gewaltiges kulturelles Erbe aus Jahrhunderten bewahren. Der Film vermochte uns die Ruhe und Besonnenheit des Klosterlebens zu vermitteln. In unserem Alltag herrscht dagegen hektische Betriebsamkeit, Lärm und Stress. Irgendwie scheint sich Max Weber geirrt zu haben: der Kapitalismus kann gar nicht dem Geist des Protestantismus entsprungen sein. War nicht Luther ein Kenner der Schriften von Johannes Tauler und Meister Eckhart? Wir sollten weniger danach fragen, was wir wollten, als was wir seien, meinte Eckhart. Unser Leben, unsere Existenz, unsere Art zu sein gebührt unsere ganze Aufmerksamkeit. Ein geistig aktives Leben ist aber nur möglich, wenn wir alles Überflüssige fallen und Ruhe einziehen lassen. Vielleicht ist eine Alternative zum konsumbestimmten Leben auch außerhalb eines Klosters möglich. Der Abend und der Film regten dazu an.
Den Zisterzienserinnen und der Mannschaft um Professor Eberhard Görner gebührt Dank.
Johannes Eichenthal

 
 

Copyright © 2009 Mironde Verlag.
Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Die Nachrichten sind nur für die persönliche Information bestimmt. Jede weitergehende Verwendung ist untersagt.

Ruhen in der Zeit
Filmpremiere im Kloster Waldsassen
 

Wer am Nachmittag des 28. März auf der A 93 durch Franken fuhr, der erlebte die hoffentlich letzten, schwachen Versuche des diesjährigen Winters, die Initiative nocheinmal an sich zu reißen. Dunkle Wolken jagten über die Berge und ließen ihre Fracht auf uns herabstürzen. Aber Schneeflocken brachte der alte Herr nicht mehr zustande. Die Regenschauer mochten noch so kalt sein, mehr als Wasser konnte er nicht mehr aufbieten. In Waldsassen, dem Ziel unserer Reise, dominiert die barocke Basilika des Zisterzienserinnen-Klosters die kleine Stadt. Mit einem Rundgang kann man die Dimension des Klosteranlage erfassen.

Artikel versenden
Artikel drucken
Mapsite
litterata