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Das Buch trägt den Untertitel »Allerlei aus Kräutern, Wurzeln und Blüten«. Regina Röhner wäre nicht Regina Röhner, wenn sie nicht selbst zu einem Kochbuch historische Recherchen anstellte. Sie begnügte sich nicht mit den Überlieferungen ihrer Großmutter, sondern ging bis in die Aufzeichnungen des 15./16. Jahrhunderts im sächsisch-thüringischen Raum zurück. Dabei konstatierte sie eine erstaunliche Vielfalt der verwendeten Kräuter. Pfarrer Paulus Jesenius stellt in zwei Kapiteln seiner Annaberg-Chronik Gärten und Pflanzen vor. Genannt werden von ihm Artischocken, Endivien, Erdbeerspinat, Gartenkürbis, Gartenrettich, Gemüseportulak, Grünkohl, Grüner Salat (Kopfsalat), Kohlrüben, Lattich, Linsen, Möhren, Paprika, Pastinaken, Radiesschen, Roter und Weißer Mangold, Rotkohl, Schnittkohl, Sellerie, Spargel, Steckrüben, Stoppelrüben, Tartofil (Kartoffeln), Wasserrüben, Erbsen und Weißkohl. Folgende Kräuter nennt der Pfarrer: Anis, Aschlauch (Schalotten), Basilikum, Blutampfer, Bockshornklee, Bohnenkraut, Borretsch, Breitblättrige Kresse, Damaszener Schwarzkümmel, Dill, Eberraute, Echte Engelwurz, Echter Alant, Echter Lavendel, Echter Meisterwurz, Echter Salbei, Echter Schwarzkümmel, Echter Ysop, Estragon, Fenchel, Gartenampfer, Gartenkresse, Gartenliebstöckel, Gartenmelde, Gartenpetersilie, Gartenringelblume, Gemeiner und Pontischer Beifuß, Gemeiner Dost, Gemeiner Nadelkerbel, Graslauch, Großer Baldrian, Grüne Minze, Hundsknoblauch (Bärlauch), Italienische Ochsenzunge, Kahles Süßholz, Klebriger Salbei, Kleines Basilikum, Kleiner Wiesenknopf, Knoblauch, Knoblauchsrauke, Koriander, Majoran, Märzveilchen, Meerrettich, Muskatellersalbei, Mutterkraut, Ölrauke, Poleiminze, Rosmarin, Rossminze, Schalotten, Schlangenknoblauch, Schnittlauch, Süßdolde, Wallwurz, Weinraute, Wiesensalbei, Zitronenmelisse und Zweiblütiges Veilchen.
Diese Vielfalt der verwendeten einheimischen Pflanzen und Kräuter lässt auf ein differenziertes Geschmacksvermögen der Menschen im 15./16. Jahrhundert schließen.

 
 

Regina Röhner macht im Hauptteil des Buches Vorschläge, wie man mit Kräutern und Pflanzen aus dem eigenen Garten interessante, abwechslungsreiche und gesunde Gerichte zubereiten kann. Aber nicht jeder Leser hat einen Garten und mancher Garten beherbergt nur »englischen Rasen«. Um in den Genuss der vorgestellten Köstlichkeiten zu kommen, bedarf es einiger Mühe. Aber gibt es überhaupt einen echten Genuss ohne Anstrengung? Zudem ist der Anbau von Pflanzen und Kräutern selbst schon eine sinnvolle Tätigkeit. Wir lernen wieder den Rhythmus der Natur schätzen und Erlangen durch unser Selbermachen eine gewisse Selbständigkeit.

 
 

Angesichts der Vielfalt an einheimischen Pflanzen und Kräutern im 15./16. Jahrhundert, der Zeit der Renaissance, erscheint unsere Zeit verarmt. Gibt es in Sachen Ernährung überhaupt einen Fortschritt? Die industriellen Massennahrungsmittel kamen in der Zeit eines explosionsartigen Bevölkerungswachstums und der massenhaften Industrialisierung in Europa auf. Doch diese Zeit ist vorbei. So vermögen wir heute Traditionen unserer Region wieder neu zu entdecken. Der Anbau einer Vielfalt von Pflanzen und Kräutern in unserm Garten ist nicht nur eine Bereicherung der Natur und unserer Küche, er lenkt unsere Aufmerksamkeit auch endlich wieder auf unsere Region und unsere eigenen Fähigkeiten. Zudem macht Regina Röhner auf die Vielfalt der Sinneswahrnehmung und den Genuss, die mit einer solchen Küche verbunden sind, aufmerksam. Die Qualität der Gartenpflanzen- und Kräuter wird durch die Möglichkeit nahezu sofortiger Verwendung und das jegliche Fehlen irgendwelcher globalisierter Transporte noch gesteigert. So ist ein differenzierter Genuss auf höchstem Feinschmeckerniveau möglich. Differenzierungsvermögen unserer Sinne ist aber eine Voraussetzung für differenziertes Denken. Dieses neue Kochbuch hat philosophisches Gewicht.
Mirjam Schwarzwald

 
 

Foto: Regina Röhner bei der Vorstellung ihres neuen Buches, am 13. März 2009,  auf der Leipziger Buchmesse

Information

Regina Röhner: Feine Naturküche. Allerlei aus Kräutern, Wurzeln und Blüten.
Buchverlag für die Frau. ISBN 978-3-89798-254-3
www.buchverlag-fuer-die-frau.de

Veranstaltungshinweis
Das nächste Literatencafé findet wieder am Dienstag, dem 5. Mai 2009, um 18.00 Uhr in der Café-Bar der Stadtbibliothek Chemnitz statt. Dr. Klaus Walther liest aus dem Manuskript seines neuen Kriminalromanes »Blut ist so rot wie Burgunderwein«, der zur Leipziger Buchmesse 2010 im Verlag Das Neue Berlin erscheinen wird. Im Anschluss erinnert Dr. Andreas Eichler an den am 18. Februar 2009 verstorbenen Schwarzenberger Skulpturisten und Buchautoren Prof. Hans Brockhage und sein letztes Buch »Paradies ist Sehnsucht«.

 
 

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Naturküche in Chemnitz
Regina Röhner stellte ihr neues Buch im Literatencafé vor
 

Am 7. April hatte das monatliche Literatencafé des Sächsischen Schriftstellervereins in der Café-Bar der Chemnitzer Stadtbibliothek einen kulinarischen Schwerpunkt. Die Schriftstellerin Regina Röhner, die bisher eher durch ihre sehr gut recherchierten Erzählungen vom Schicksal des Ritters Konrad von Kauffungen oder der Hexenverfolgung in unserer Region bekannt ist, stellte ihr neuestes Buch mit dem Titel »Feine Naturküche« vor. Selbstverständlich wurden den zahlreichen, vorwiegend weiblichen Gästen Kostproben der Kochkunst von Frau Röhner gereicht. Die Autorin erzeugte praktisch eine »Küchenatmosphäre«. Das Publikum kam auf seine Kosten.

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