litterata  :  Reportagen  :  S25 AM und Peter Zumthor  
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Foto: Bruder-Klaus-Feldkapelle in der Eifel – Blick zum Himmel

Martin Heller, Mitglied des Stiftungsrates des Schweizerischen Architekturmuseums, eröffnet den Abend mit ein paar kurzen begrüßenden Worten in Deutsch, um dann den ganzen Abend in Englisch zu gestalten. Im internationalen Rahmen der »Art 40 Basel« nicht weiter verwunderlich.
Regierungsrat Dr. Hans-Peter Wessels, Vorsteher des Bau- und Verkehrsdepartements in Basel, freute sich ganz besonders auf den Vortrag von Peter »Zumstein«.  Dieser Versprecher machte es nahezu unmöglich der weiteren Rede Gehör zu schenken, die ohne Spickzettel auskam, der es leider aber auch an Inhalt mangelte. Im Wesentlichen brachte der Redner seine Freude zum Ausdruck, vor so vielen Menschen reden zu dürfen.
Französisch und Deutsch – Dr. Urs Staub, Bundesamt für Kultur, Chef Sektion Kunst und Design, erlaubte sich in den zwei wichtigsten Sprachen der Schweiz zu referieren. Erst er war es, der einen Einblick in die Leistungen des Architekturmuseums gab. Er erklärte auch ehrlich und glaubhaft die besondere Bedeutung des einzigen Architekturmuseums der Schweiz, und den Willen und die guten Gründe diese Institution zu fördern.

 
 

Foto: Benefizveranstaltung zum 25-jährigen Jubiläum des Schweizerischen Architekturmuseums

Endlich, der Redner darf das Wort ergreifen, der wohl Grund für das Kommen des Großteils der circa 600 Anwesenden ist: Peter Zumthor scheint seinen Vorgänger nachzuahmen, und beginnt in Deutsch, besser gesagt Schwitzerdütsch. Erleichterung, zumindest bei den Nichtschweizern, als nach einigen Sätzen auch er die Englische Sprache wählt.
Der gebürtige Baseler, nun sesshaft in der Gemeinde Haldenstein bei Chur, beginnt zunächst seine Wohnung zu erklären. Etwas ungewöhnlich. Bald wird aber seine Arbeits- und Lebenswelt erkennbar, kein unwichtiger Bestandteil seiner Arbeiten. Arbeiten und Leben, leben und arbeiten, die Grenzen zerfließen, erst toben immer wieder die Kinder hindurch, mittlerweile die Enkel. Das u-förmig bebaute Anwesen erlaubt Blickkontakt ins Büro und umgekehrt. Wer beobachtet hier wen? Es ist wichtig klein zu bleiben. Ein Büro mit fünfzehn bis zwanzig Mitarbeitern ist ideal. Nebenan in Rufweite der Statiker, der all die Bauten mit konzipiert. 

 
 

Foto: Architekt Peter Zumthor – Pritzkerpreisträger

Seine Auftraggeber sind vielschichtig, so wie die Projekte – und der Lohn für getane Arbeit nicht immer schnöder Mammon. Am liebsten sind ihm Aufträge bei denen der Besitzer noch nicht weiß was er will. Für viele andere wohl eher eine Horrorvorstellung. Er mag es wenn sich die Dinge erst entwickeln. Gemeinsam.
Man hat Glück wenn die gebauten Werke nicht nur von Architekten und Architekturinteressierten bepilgert werden. Die Bruder-Klaus-Kapelle in der Eifel ist so eines. Vorgabe der Bauern war, möglichst viel Eigenleistung, um die Kosten gering zu halten. So wurden auch Materialien, für die sich zu Haus keine Verwendung mehr finden lies herbeigeführt, und prägten den Gestaltungsprozess. Eine Art Tipi aus Baumstämmen, weit über hundert, natürlich selbst gefällt im eigenen Wald, bildete die innere Schalung. Dessen äußere Erscheinung verwandelte sich bald durch schichtweise gestampftem Beton in einen aufrechten Quader. Die Baumstämme wurden verbrannt und es blieb eine geschwärzte Struktur mit Rauchgeruch. Der Boden wurde mit Blei ausgegossen – im Nachhinein betrachtet vielleicht eines der Dinge, die man nicht unbedingt zweimal im Leben macht.
Eine alte Stätte mit Resten einer Kapelle in Domnähe in Köln. Hier soll das Kolumba entstehen. Träger ist des Erzbistum Köln. Kunst. Ein Kunstmuseum. Kein kirchliches Museum, wie der Auftraggeber, mehrfach gefragt, versicherte. Ein Museum das funktioniert und durch seine Räume wirkt und nicht auf die künftigen Werke, die es beherbergen soll, zugeschnitten ist. Wie baut man auf alte Gemäuer auf, wenn die DIN hier nicht vorhandene Standnachweise fordert? Der Nachbar hat es möglich gemacht.  
Vardø, Finnmark, Norwegen, eine Gedenkstätte für die Opfer der Hexenverbrennungen ist ein aktuelles Projekt in Zusammenarbeit mit der Künstlerin Louise Bourgeois aus New York. Er darf beginnen. Ein langer Schlauch aus Textil, gehalten durch ein Holzgerüst. Kleine Fenster mit je einer Lampe – in Finnland hat man immer Lampen im Fenster. Sein Entwurf, bereits als Modell in 1 : 1 in Chur errichtet. Ihre Antwort ein A 4 Fax, eine Skizze mit Stühlen aus deren Sitzflächen Flammen züngeln. Zurück an den Start für den Architekten? Nein. Der Künstlerentwurf soll ein eigenes Gebäude erhalten.
In Devon, künftig ein Ort zum Treffen und Zeit verbringen. Vorbereitung für Musiker, aber nicht nur. Kleine Felsen, Moose und Äste werden immer wieder neu zusammengesetzt – Modelle, die weit mehr über Licht- und Raumwirkung auszusagen vermögen als moderne Computeranimationen.
Eine Oase in der Atacamawüste, umgeben von einem Gebäudering der ein Hotel beherbergen wird. Verschiedene Ebenen sollen öffentlich und privat teilen. Es erinnert ein wenig an Oscar Niemeyer, und ist wirklich als Referenz an ihn gedacht. Man darf gespannt sein.
Seine Werke brauchen Zeit, man sagt ihm eine gewisse Kompromisslosigkeit nach, ja sogar Eigensinnigkeit. Berlin hat sich mit ihm überworfen. Oder vielleicht auch nur Konsequenz mit Sturheit verwechselt.
Kathrein Jünemann

 
 

Information
www.sam-basel.org – Architekturmuseum Basel
www.pritzkerprize.com – Architekturpreis
www.feldkapelle.de – Eifel, Bruder-Klaus-Kapelle
www.kolumba.de – Köln, Museum des Erzbistums Köln
www.niemeyer.org – Oscar Niemeyer
www.topografie.de – Berlin, abgebrochenes Zumthorprojekt

 
 

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S25 AM und Peter Zumthor
Ein Abend in Basel
 

Mit dem 25-jährigen Jubiläum des Schweizerischen Architekturmuseums und dem dritten Schweizer der den Pritzker-Preis – den wohl bedeutendsten Preis für Architekten – erhält, fallen zwei besondere Ereignisse aufeinander. Der Abend ist beiden gewidmet, wobei letzteres bei weitem überstrahlt. 25 Franken Eintritt. Eine Benefizveranstaltung, die überwiegend durch die Arbeiten eines Mannes darauf verweist, was Architektur alles (sein) kann.


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