litterata  :  Reportagen  :  Von der Katzbach bis an den Main  
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Gerhard Birk, ein promovierter Historiker, der auch als Archivar tätig war, bemerkte vorab, dass er am 21. Januar 1945, im Alter von acht Jahren, zusammen mit seiner Mutter vor der heran rollenden Front aus Breslau fliehen musste. Der Vater blieb zurück. Sein Leben lang habe er sich mit dieser Flucht aus Schlesien beschäftigt. Als junger Historiker musste er in der DDR erfahren, dass seine eigenen Lebenserfahrungen von seinem Doktorvater als »irrelevant« abgetan wurden. Nach 1990 habe sich auch in diesem Punkt die Situation gravierend verändert. Es gäbe mittlerweile etwa 500 persönliche Darstellungen der Flucht aus Schlesien. Er vermisse aber in vielen Publikationen die Reflexion von Zusammenhängen. Es sei unstrittig, dass den Flüchtenden damals keine Zeit für die Reflexion blieb. Doch die Erinnerungen würden heute, mit einem zeitlichen Abstand geschrieben. Man könne daher nicht so tun, als ob es keine Zusammenhänge gäbe.

 
 

Gerhard Birk ließ dann den Weg seines jungen Helden Lothar in den Köpfen der Zuhörer vorbeiziehen. Man erlebte die Leiden und Freuden der Flüchtenden direkt mit, und verglich mit dem eigenen Leben. Es war daher nicht verwunderlich, dass die Zuhörer nach dem Ende der Lesung von ihrem eigenen Schicksal erzählten. Eine Zeitzeugin meinte, dass sie eigentlich auch ein Buch schreiben könnte. Mittlerweile gibt es die technischen Voraussetzungen für solch individuelle Erinnerung. Gerhard Birk ermunterte die Zeitzeugen ausdrücklich zum Verfassen der eigenen Erinnerungen und verwies auf einen Dokumentationsband mit dem Titel »Von der Memel bis zur Mulde«, in dem Laien-Historiker Interviews mit mehr als 50 Zeitzeugen führten. (Gerhard Birk verfasste den Einleitungsartikel zu diesem Band.) Solche Laien-Bewegungen sind zwar nicht spektakulär, aber gerade deshalb gelingt es den »Laien« die Geschichte zu dokumentieren, wie sie vor Ort ablief. Eine andere Geschichte als die vor Ort gibt es aber nicht. Am Ende verwies Gerhard Birk darauf, dass auch heute Millionen Menschen auf der Flucht sind. Den Zuhörern war das bewusst, und sie vermögen die Leiden der heute Flüchtenden nachzuvollziehen. Aber gerade deshalb ist es um so bedauerlicher, dass junge Menschen, die solche Erfahrungen hoffentlich nie machen müssen, nicht den Weg in die Bibliothek fanden.
Dank gilt der Stadtbibliothek Limbach-Oberfrohna, dass sie solche Themen zur Diskussion stellt. Dank gilt aber auch der Kulturstiftung Sachsen und dem Sächsischen Schriftstellerverein e.V., die diese Veranstaltung unterstützten.
Johannes Eichenthal

 
 

Foto: Christine Erler, die Leiterin der Stadtbibliothek Limbach-Oberfrohna, dankt dem Autor nach der Lesung für sein Engagement


Information


Gerhard Birk: Von der Katzbach bis an den Main. Eine Erzählung. ISBN 978-3-937654-33-1

Von der Memel bis an die Mulde. Die Ankunft der Evakuierten, Flüchtlinge und Vertriebenen in der Region, während und nach dem zweiten Weltkrieg. ISBN 978-3-937654-32-4
(Mit einem Grundsatzartikel von Gerhard Birk)

Die Bücher sind in jeder guten Buchhandlung oder direkt beim Verlag erhältlich (verlag@mironde.com)


 
 

 
 

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Von der Katzbach bis an den Main
Buchlesung in der Stadtbibliothek von Limbach-Oberfrohna
 

Der Abend des 1. Oktober wurde von kaltem Wind und Regenwetter getrübt. Nur wenige Menschen waren um 19.00 Uhr noch in den Straßen von Limbach-Oberfrohna unterwegs. Aber die Stadtbibliothek war erleuchtet. Das Interesse hatte erfreulich viele Gäste in das Bücher-Paradies geführt. Die Hörer waren nahezu ausschließlich vom »älteren Semester«. Junge Leute fanden leider den Weg in die Bibliothek nicht. Dafür waren die Gäste um so interessierter, denn zum großen Teil hatten sie ein ähnliches Schicksal, wie der Autor Gerhard Birk, der an diesem Abend aus seinem neuen Buch »Von der Katzbach bis an den Main« lesen wollte.

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