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Für den Abend war eine Buchvorstellung in der weltberühmten Stiftsbibliothek des Klosters angekündigt. Der paradiesisch anmutende Raum, überwölbt von Deckengemälden, die zisterziensische Ideale thematisieren, beherbergt eine traditionsreiche Büchersammlung. Die mit lebensgroßen Holzplastiken von Karl Stilp verzierten Regale tragen einen nicht unwichtigen Teil der geistigen Erbschaft des Ordens. Eine Lesung in diesem Ambiente ist für alle Bücherfreunde ein Erlebnis. So war es auch nicht verwunderlich, dass der Raum die vielen Gäste kaum aufzunehmen vermochte.

 
 

Äbtissin Laetitia Fech OCist stellt den erwartungsvollen Gästen das Buch des geistigen Spirituals der Abtei, Pater Dr. Gabriel K. Lobendanz OCist, mit dem Titel Kloster-Aphorismen vor. Herausgeber des Bandes ist der Filmregisseur und Autor Professor Eberhard Görner. Das Buch erscheint in der Kammweg-Reihe des Kulturraumes Erzgebirge-Mittelsachsen und des Sächsischen Schriftstellervereins.
Gemeinsam mit Ludwig Spreitzer, dem Stellvertreter des Bezirkspräsidenten, las die Äbtissin einzelne Texte.
Die Besucher hörten aufmerksam zu. Zum Teil hätte man eine Stecknadel zu Boden fallen hören können. Der Autor versuchte Lebenserfahrungen zu formulieren. Niederlagen, Rückschritte, Krankheit und Verlust verlangen uns viel Kraft ab. Mitunter lächelten oder lachten die Zuschauer aber auch angesichts des Witzes, den die Sprache des Paters ebenso mitschwingen lässt.

 
 

Foto: Pater Gabriel K. Lobendanz OCist beim Signieren des letzen Buches. Stehend von links Schwester Sophia OCist, Äbtissin Laetitia Fech OCist und der glückliche Besitzer des signierten Buches


Nach der Lesung wurde der zurückhaltende und bescheidene Autor von den Gästen mit Signierwünschen nahezu bestürmt. Über eine Stunde lang schrieb Pater Gabriel geduldig freundliche Widmungen in die Bücher der Gäste. Die Gesichter der Besucher drückten Dankbarkeit aus. Man kann davon ausgehen, dass das kleine Büchlein auch gelesen wird. Die konzentrierte Fassung des Textes, die großzügige Buchgestaltung und die Kalligraphien von Birgit Eichler befördern ein angenehmes Leseerlebnis.

 
 

Am Sonntag, dem 11. Oktober wurde im benachbarten Tirschenreuth der Film »Im Herzen Europas« von Professor Eberhard Görner uraufgeführt. Kameramann Markus Stoffel vertrat an diesem Abend den Regisseur. Der Film, der eine Fortsetzung des am 28. März diesen Jahres in Waldsassen uraufgeführten Streifens »Ruhen in der Zeit« ist, thematisiert die Bedeutung der Zisterzienserklöster für die kulturelle Entwicklung Europas. Von Kloster Waldsassen aus wurden die Töchterklöster Sedletz (1183) und Osseg/Osek (1185) gegründet. Neben zahlreichen Kulturtechniken brachten die Nonnen und Mönche auch geologische und mineralogische Kenntnisse, sowie die Bergbautechnologie in den Erzgebirgsraum.

Kommentar
Der Film transportiert eine eigentümliche Faszination, die die Klosterkultur heute wieder auf viele Menschen ausstrahlt. Sinnvolle Arbeit mit dem ganzen Herzen, gleichzeitig Meditation und Besinnung – im Klosterleben ist so etwas möglich. Es drängt sich die Frage auf, warum ein sinnvolles Leben und Arbeiten in unserem Alltag so selten ist? Vielleicht, weil »multinationalen Finanzschwindler« (Egon Ohlsen nach der Krise der 1970er Jahre) nicht nur unser Geld, sondern auch den Geist Europas verzockt haben? Damit ist jedoch in unserer Zeit das ganze Modell des Konsum-Wachstums fragwürdig geworden. Aber erst wenn etwas fragwürdig geworden ist, beginnen wir auch zu fragen.
Buchvorstellung und Film laden den Einzelnen dazu ein, einen anderen Lebensweg zu suchen, nach unserem Sein zu fragen.
Wie schreibt Pater Gabriel: »Gott lächelt vermutlich, über deine hochgestochenen Visitenkarten, die Aufführung von Titeln, die angestrengte Selbstdarstellung und deine verzweifelt-positive Selbstüberschätzung.«
Dem Anschein nach beginnt die Konzentration auf das Wesentliche im Leben mit der Überwindung des Egoismus und der ausschließlichen Ich-Bezogenheit. Also genau an dem Punkt, den heutige Markt-Ideologen mit dem Kern einer falsch verstandenen Aufklärung gleichsetzen. Gewiss ist das Ich-Bewusstsein eine Stufe unserer geistigen Kindheits-Entwicklung. Man kann als Erwachsener jedoch nicht beständig in dieser kindlichen Stufe verharren, ohne kindisch-narzistisch zu werden. Oder ist das etwa der Zustand der heutigen Oberschicht? Dann bedürfte es erst recht einer Umkehr, einer Kehre, einer Wende. Doch auch diese kann nur eine Kehre im Leben der vielen Einzelnen sein.
Johannes Eichenthal

Information
Pater Gabriel K. Lobendanz OCist: Kloster-Aphorismen.
Mironde-Verlag 2009. ISBN 978-3-937654-39-3
www.mironde.com

www.abtei-waldsassen.de

Der Film »Im Herzen Europas« von Professor Eberhard Görner wird am 18. und 25. Oktober 2009, jeweils um 15.00 Uhr nochmals im Cineplanet Tirschenreuth aufgeführt.
Die DVD beider Filme wird im November 2009 im Handel sein.
Zu beiden Filmen ist ein Buch in Vorbereitung.
www.goerner-film.de

Eine erste Rezension der Klosteraphorismen findet sich in Heft 4/2009 des Bücher-Journals LESART.
www.lesart-online.de

 
 

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Sein und Zeit
Nachdenken mit Pater Gabriel
 

Am 10. Oktober kündigte sich bereits die bevorstehende Herrschaft des Winters an. Der kalte Wind trieb schwere, dunkle Wolken heran. Der Sommer verteidigte sich tapfer. Hin und wieder gelang es der Sonne sogar noch einmal hervor zu lugen. Doch allein die Übermacht der Wolken verhüllte die reizvolle Landschaft der Oberpfalz in staubfeinen Wassernebel. Die untergehende Sonne tauchte Berge und Wälder gegen den Nebel in ein romantisches Licht. Durch dieses Naturschauspiel hindurch fuhren wir zur Zisterzienserinnen-Abtei Waldsassen. Der Legende nach gründete Bernhard von Clairvaux im Jahre 1133 dieses Kloster. Die Mönche kamen aus dem Kloster Volkenroda. Seit 1863 besteht die Zisterzienserinnen-Abtei.

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