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Foto: Eigentlich ist die Kläranlagenthematik wirklich nicht lustig ...

Die Lage erforderte also eine aktive Rolle der Abwasserzweckverbände, um dem Grundstückseigentümer Sachkunde zu vermitteln. In der Wirklichkeit zeigen sich jedoch unterschiedliche Reaktionen der Zweckverbände. Der Zweckverband Frohnbach veröffentlichte als einzige Körperschaft ein Kleinkläranlagen-Handbuch zur Ertüchtigung der Grundstückseigentümer. Die Mitarbeiterinnen der Stadtbibliothek Zschopau luden am 3. November Grundstückseigentümer, Zweckverbände und Kommunalpolitiker zu einer Vorstellung des Kleinkläranlagen-Handbuches ein.

 
 

... doch Dr. Steffen Heinrich vermochte selbst noch aus dem Fäkalschlamm Reste von HmR2 (deutsch: Humor) herauszufiltern

Dr. Steffen Heinrich, der Geschäftsleiter des Zweckverbandes Frohnbach, der gemeinsam mit seiner Frau Dr. Karin Heinrich das Handbuch verfasste, trat in der Zschopauer Bibliothek zur Buchvorstellung auf. Mit wenigen Strichen skizzierte er die Komplexität der Ausgangssituation. Der Grundstückseigentümer benötige auf Grund dieser Komplexität ein Gesamtbild, um die richtigen Fragen zu stellen und die richtigen Entscheidungen treffen zu können. Wissenschaft, Hersteller und Gesetzgeber lieferten für sich genommen nur einseitige Bilder. Deshalb seien hier die Zweckverbände in der Pflicht. Die Verbandsgeschäftsstelle wollte zunächst eine Broschüre herausgeben, um eine unabhängige Beratung zu gewährleisten. Letztlich sei nach fünf Jahren Arbeit ein großformatiges 320-Seiten-Buch herausgekommen. Grundlagen, Technik, Bau, Betrieb und Kosten sind die fünf Kapitelüberschriften. In den Anlagen findet der Leser u.a. Formularvordrucke und ein Sachwortverzeichnis.

Dr. Heinrich wählte einige Beispiele aus, um Aufbau und Inhalt des Buches zu verdeutlichen. Sein Fazit lautete, dass es nur darum gehen könne, dem Grundstückseigentümer Sachkunde zu vermitteln. Die Schwierigkeiten bei diesem Unterfangen resultierten auch daraus, dass Kleinkläranlagen in der Regel extremere Anforderungen zu bewältigen haben als Großkläranlagen.
Ein Besucher wollte wissen, für wie viele Personen die kleinste Kleinkläranlage gebaut werde. Dr. Heinrich antwortete, dass die kleinste Anlage für vier Personen ausgelegt sei. Doch diese könne man durchaus auch für einen Zwei-Personen-Haushalt benutzen.
Ein Zuhörer fragte, ob nicht eine Drei-Kammer-Klärgrube auch eine vollbiologische Anlage sei.
Dr. Heinrich antwortete, dass die anaerobe Drei-Kammer-Klärgrube nicht die Anforderungen von aeroben Anlagen erfüllen könne.
Eine weitere Frage zielte darauf ab, auf Biologie beim Klärungsprozess zu verzichten und chemische Fällungen einzusetzen.
Dr. Heinrich antwortete, dass ein solches Verfahren nicht für den massenhaften Dauerbetrieb geeignet sei und aus gutem Grund keine Bauartzulassung erhalten werde. Diese Bauartzulassung sei aber Voraussetzung für einen ordnungsgemäßem Betrieb.
Ein anderer Zuhörer verwies darauf, dass er bei Nachbarn, die eine vollbiologische Anlage betrieben, ein lautes Brummen höre, und ob dieses Geräusch normal sei.
Dr. Heinrich antwortete, dass dieses Geräusch wahrscheinlich vom Verdichter herrühre, und dass es z.B. Gummihängungen oder Dämmungen gäbe, die ein solches Geräusch vermeiden helfen.

 
 

Abschließend verwies Dr. Heinrich auf einzelne Presse- und Leserstimmen zum Buch.
In der Zeitschrift Forum-Neue-Länder erhielt das Buch fünf (Wertung: Man wird deutlich schlauer) von sechs möglichen Punkten. Wahrscheinlich verhinderte der Buchinhalt allein die Höchstnote (Wertung: Labsal für Grips und Seele). Oder hingen die Redakteure etwa noch einem engen Kulturbegriff an?
Eine Leserin meinte, dass es ein Buch für die Frauen sei, denn es gibt viele räumliche Darstellungen und farbige Abbildungen. Dadurch werden auch komplizierte technische Prozess leicht verständlich.
Ein männlicher Leser meinte, dass jeder, der die zehnklassige polytechnische Oberschule absolviert habe, mit dem Buch gut zurecht komme.

Trotz aller Sachlichkeit des Buches und der Verständlichkeit des Vortrages sah man den Gästen des Abends am Ende an, dass die Problematik für alle Grundstückseigentümer mit einer alten Klärgrube eine noch ungeklärte Herausforderung darstellt. Für weit reichende, folgenreiche Entscheidungen braucht der Mensch eben nicht nur ein gutes Handbuch, sondern auch Zeit. Das sollten vielleicht die momentan noch untätigen Zweckverbände bedenken. Das Jahr 2016 wird schneller kommen als wir heute ahnen. Doch bis dahin müssen allein in Sachsen mehr als 150.000 Grundstückseigentümer mit der Umrüstung klar kommen.
Johannes Eichenthal

 
 

Information
Karin Heinrich/Steffen Heinrich: Das Kleinkläranlagen-Handbuch
23,4 × 30,5 cm, 312 Seiten, geb., zahlreiche farbige Fotos und Abbildungen;
VP 48,00 €.    ISBN 978-3-937654-34-8

Erhältlich in jeder Buchhandlung oder direkt beim Verlag (verlag@mironde.com)

www.mironde.com

www.ZVFrohnbach.de

E-Mail: ZVFrohnbach@chemonline.de

www.zschopau.de

 
 

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Kommen Sie klar?
Neues Kleinkläranlagen-Handbuch vorgestellt
 

Nach der Sächsischen Kleinkläranlagenverordnung vom 13. Juli 2007 müssen Betreiber von so genannten Dreikammerklärgruben bis zum 31. Dezember 2015 auf eine vollbiologische Anlage wechseln. Mit diesem Wechsel gehen auch die Verantwortung für Wartung und Kontrolle auf den Grundstückseigentümer über. Eine große Zahl an Entscheidungen wird dem Grundstückseigentümer abverlangt. In anderen Bundesländern endet die Übergangsfrist z.T. bereits am 31.12.2009, aber auch längere Übergangsfristen sind gegeben. Grundsätzlich steht jedoch in Deutschland auf dem Gebiet der Kleinkläranlagen ein Wechsel zu vollbiologischen Anlagen an. Regionale Abwasserzweckverbände haben ein objektives Interesse daran, dass die Grundstückseigentümer die richtigen Entscheidungen treffen. Eine größere Zahl von ineffektiv arbeitenden Kleinkläranlagen würde die Abwasser-Bilanz verschlechtern und eine erhöhte Abwasser-Abgabe an den Freistaat mit sich bringen.


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