litterata  :  Reportagen  :  Der Narr und sein König  
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Wie gewohnt trat Eberhard Görner konzentriert und gut gelaunt vor das Zschopauer Publikum. Er las mehr als anderthalb Stunde aus der Geschichte von der Begegnung des gebürtigen Österreichers Joseph Fröhlich und dem sächsischen Kurfürsten August dem Starken. Görners Sprache malt uns nicht jedes Detail in »realistischer« Weise aus, vielmehr vermag er seine Geschichte im Kopf des einzelnen Lesers und Zuhörers auf individuelle Weise bildhaft assoziierbar zu machen. So hört jeder Zuhörer eigentlich eine andere Geschichte. Aber das ist noch nicht alles: Görner liest vielleicht auch jeden Abend seine Geschichte etwas anders. Er geht in den Rollen seiner Figuren auf und weicht nach unseren Beobachtungen mehrfach vom Buchtext ab, verändert hier und da den Text. Jede Lesung präsentiert so einen etwas veränderten, einen lebendigen Text. Einen Text aus der Erzählung für die Erzählung. Das ist Dichtung.

 
 

Das Publikum im fast völlig gefüllten Schlossaal, nur die erste Reihe blieb halb leer (!), dankte Eberhard Görner am Ende sein Engagement mit herzlichem Beifall. Im Anschluss entwickelte sich ein Gespräch zwischen Publikum und Autor.

 
 

Nach dem Ende der Veranstaltung nutzten viele Gäste die Möglichkeit ein Buch zu erwerben und sich das Buch vom Autoren signieren zu lassen.


 
 

Kommentar
August der Starke ist immer noch die bekannteste Gestalt der sächsischen Geschichte. Die Zahl der Bücher über den Kurfürsten ist unüberschaubar. Was bringt das Buch Eberhard Görner Neues?
Der Kurfürst wird von Görner, der seine Idee zum Fröhlich-Buch nach eigenen Angaben von Karin Brandauer, der Frau von Klaus-Maria Brandauer hat, nicht in monarchistischer Weise verklärt dargestellt. Aber gleichzeitig bedient sich Görner auch nicht der bürgerlichen und proletarischen Ressentiments gegenüber dem Adel. Görners Stil erinnert eher an den Friedrich Schillers, der beispielsweise im »Don Karlos« König Phillip als Mensch behandelte, und versuchte den König zu verstehen. Görner versucht König August ebenso zu verstehen. D.h. nicht, dass er seine sexuellen Eskapaden oder die orgiastische Ernährungsweise beschönigt oder rechtfertigt. Gleichzeitig hebt Görner erstmals den Hofnarren aus Österreich auf die Augenhöhe des Königs. In Görners Darstellung wird deutlich, dass der Narr in den letzten Lebensjahren des Königs im vom Karrierismus, der Eitelkeit und der Selbstüberschätzung der Eliten geprägten »Hof-Staat« einer der wenigen Personen war, die dem König menschlichen Geist und christliche Liebe nahe bringen konnten. Auf diese Weise vermag Görner, wie nebenbei, ein neues Bild von der Regierung Augusts aus dem Dunkeln der Geschichte zu erleuchten. Wir begreifen, was es bedeutete, dass Dresden im 18. Jahrhundert zu einer europäischen Metropole heran wuchs. Wir erkennen die kulturellen Potenzen der sächsischen Politik, die eben auf Geist, nicht auf primitive militärische Gewalt setzte. Die Beförderung des Geistes verursacht auch Kosten, doch niemals solche wie Waffen und Krieg. Wir ahnen auf einmal, dass es dem Kurfürsten mit dem Streben nach der polnischen Königskrone um eine kulturelle Partnerschaft zwischen Polen und Sachsen ging, nicht um »Eroberung«. Wir lernen das Verhängnis der preußischen Politik aus dem Verhältnis eines Vaters zu seinem, in dessen Augen missratenem Sohn verstehen.
Das alles wird uns aus dem Munde eines gelernten Müllers aus Österreich nahe gebracht, der mit seinem Wissen und seiner kommunikativen Kompetenz ganze Universitäten und den Hof-Staat weit überragte.
Hier ergibt sich die Frage, ob nicht Eberhard Görner dem Leser aus dem Munde des Narren selbst Weisheit nahe bringen will? Denn Görner projiziert ein beeindruckendes Bild Sachsens als europäischen Macht mit geistiger Grundlage, und als Alternative zum bloß militaristischen Geist Preußens. Warum eigentlich? Als reiner Selbstzweck? Nein! Daran anzuknüpfen, das wäre wohl des »Schweißes der Edlen« im heutigen Dresden wert, auch wenn sie in der Kinderzahl leider hinter Kurfürst August zurückstehen müssen, keine Hufeisen verbiegen können usw. usf. Aber der Geist aus der »Gewichtsklasse« von Joseph Fröhlich, der wäre doch sicher selbst bei prekärer Haushaltslage »erschwinglich«. Oder?
Eberhard Görner, der am 7. September 1944 in Niederwürschnitz geboren wurde, hat im Jahr seines 65. Geburtstages ein beeindruckendes, zum Weiterdenken anregendes Werk vorgelegt. Herzlichen Glückwunsch.
Johannes Eichenthal

Information
Eberhard Görner: Der Narr und sein König. Der Taschenspieler Joseph Fröhlich in Dresden. Chemnitzer Verlag 2009. ISBN 978-3-937025-49-0
Eberhard Görner: Himmel aus Stein. George Bähr und die Frauenkirche zu Dresden. Chemnitzer Verlag. 7. Auflage 2009. ISBN 978-3-937025-12-4
www.chemnitzer-verlag.de

Eberhard Görner: Am Abgrund der Utopie. Gespräche. Aufsätze. Selbstporträts. Faber und Faber. Leipzig 2007. ISBN 978-3-86730-037-7
www.faberundfaber.de

Eberhard Görner als Herausgeber
Eberhard Görner, Uwe Schneider, Klaus Walther (Hrsg.): Ortstermin. Bilder aus dem Stollberger Land. Mironde-Verlag 2008. ISBN 978-3-937654-28-7

Eberhard Görner (Hrsg.): Pater Gabriel K. Lobendanz OCist: Kloster-Aphorismen.
Mironde-Verlag 2009. ISBN 978-3-937654-39-3
www.mironde.com

Eberhard Görner als Regisseur
Im Kloster Waldsassen präsentierte Eberhard Görner 2009 die Filme »Ruhen in der Zeit« und »Im Herzen Europas«. Die DVD beider Filme wird im November 2009 im Handel sein.
Zu beiden Filmen ist ein Buch in Vorbereitung.
www.e.g.filmproduktion.de

Bereits 2007 drehte Eberhard Görner mit Unterstützung des Freistaates Thüringen den Film: KZ Mittelbau-Dora. Erinnerungen an die Hölle. (Mit Rolf Hoppe in der Landschaft seiner Kindheit, historischen und aktuellen Dokumentaraufnahmen u.a.)

 
 

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Der Narr und sein König
Eberhard Görner las aus seinem neuen Buch
 

Auch am Abend des 13. November 2009, einem Freitag, ruhte Schloss Wildeck im Dunkeln hoch über dem Fluss und der Stadt Zschopau. Der Förderverein der Zschopauer »Stadtbibliothek Jacob Georg Bodemer« hatte zu einer Lesung von Eberhard Görners neuestem Buch »Der Narr und sein König«, in das Schloss Wildeck eingeladen. Eberhard Görner, der tagsüber an der Hochschule für Wirtschaft und Technik in Dresden den Lehrverpflichtungen seiner Medien-Professur nachkommt, hatte bereits am 11. November in der Universitätsbibliothek Chemnitz und am 12. November im Rathaus von Niederfrohna gelesen. Das Interesse seiner Leser ist dem Anschein nach groß.

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