litterata  :  Reportagen  :  Ruhen in der Kino-Zeit  
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Um 17.15 Uhr begrüßte Sven Weser (auf dem Foto rechts) im Programmkino-Ost, Schandauer Straße, in einem ausverkauften Kinosaal den Regisseur Prof. Eberhard Görner zur Premiere des Filmes »Ruhen in der Zeit«. Der Film dokumentiert den Alltag der Nonnen des Zisterzienserinnen-Klosters in Waldsassen.

 
 

Das Programmkino Ost bestreitet ein ambitioniertes Programm. In den fünf Kinosälen finden insgesamt 500 Besucher Platz. Ein Blick in das Programm lässt uns erkennen, dass neben den Filmen für ein Massenpublikum auch der besondere ästhetische Geschmack eine Chance erhält.

 
 

Der völlig ausverkaufte Kinosaal, spät gekommene Besucher nahmen mit den Treppen(-Sitzen) vorlieb, ließ zugleich ahnen, dass es im östlichen Teil von Dresden ein nicht kleines Publikum für das Besondere gibt. Unter den Zuschauern war auch Dr. Eberhard Burger, der Leiter des Wiederaufbaustabes der Dresdner Frauenkirche.
Filmemacher Eberhard Görner trat nach dem Film denn auch sehr erfreut vor die Besucher, um ihnen für das große Interesse zu danken. Auf den ersten Blick sei die Welt des Klosters weit entfernt von unserem Alltag. Aber die Idee des Klosterlebens sei in unserer von der »Globalisierung« dominierten Welt notwendig. Für den »zweiten« Blick auf diese Alternative sei das Zisterzienserinnen-Kloster Waldsassen prädestiniert.
Neben dem Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche und der Hallensischen Franckeschen Stiftungen sei der Wiederaufbau des Klosters Waldsassen einer der »Leuchttürme« im Prozess der Wiedervereinigung Deutschlands. Alle drei Projekte seien aus dem Bewusstsein des Glaubens heraus entstanden.
Auf Nachfrage fügte Görner an, dass im Februar auch das Buch zum Film »Ruhen in der Zeit« beim Verlag Schnell & Steiner in Regensburg erscheinen werde.
Von Pater Dr. Gabriel Lobendanz OCist, der im Film zu Wort komme, seien bereits »Kloster-Aphorismen« erschienen. (Prof. Görner ist der Herausgeber dieses Buches.) Im Film blieb uns der promovierte Philosoph und Theologe Pater Gabriel mit seiner, auf den Schweizer Theologen Hans Urs von Balthasar zurückgehenden Definition des im Alltag in den unterschiedlichsten Konnotationen verwendeten Begriffes »Liebe« in Erinnerung: Liebe bedeute, den Anderen in die Freiheit zu entlassen.
Das erinnerte uns, wir wissen nicht warum, an die Formulierung Johann Gottfried Herders: Der Mensch sei der erste Freigelassene der Schöpfung.
Ohne Zweifel trugen vor allem die Äußerungen von Pater Gabriel im Film dazu bei, dass wir aus diesem Film Wärme, Licht und Freude mitzunehmen vermochten in den dunklen, kalten Winterabend.
Auf Nachfrage erläuterte Görner, dass er durch Zufall mit dem Kloster Waldsassen in Kontakt gekommen sei. Er habe anlässlich seines 100. Geburtstages einen Film über den Begründer der IG Druck und Papier Karl Richter mit dem Titel »Die Gedanken sind frei« gedreht. In dessen Jugenderinnerungen aus der Wanderschaftszeit sei das Kloster Waldsassen und seine berühmte Bibliothek aufgetaucht. Als er daraufhin in der Waldsassener Bibliothek drehte, habe ihn das Kloster fasziniert. Mittlerweile gebe es in der Bibliothek eine Lesereihe mit dem Titel »Religion und Literatur«, in der bedeutende Schriftsteller aufträten.
Ein Zuschauer fügte an, dass er 1972 durch Zufall das Zisterzienser-Kloster Osek in Böhmen entdeckt habe. Abt Bernhard habe ihn damals durch das Kloster geführt und ihn sehr beeindruckt. Der Film über das Kloster Waldsassen sei für ihn anrührend, weil Görner die Verbindung zwischen Waldsassen und Osek aufzeige und den Abt zu Wort kommen lassen.
Eben dieser Abt Bernhard war an jenem Abend unter den Gästen. Obwohl von schwerer Krankheit gezeichnet, demonstrierte seinen wachen Geist: Sein Lebensziel sei es, das Kloster Osek wieder zu beleben. Es gäbe inzwischen einen großen Freundeskreis, aber noch keine Arbeitsgrundlage. Leider könne er, der nun in einem Pflegeheim lebe, die Bemühungen nur noch aus der Ferne mit Ratschlägen unterstützen. Er sei aber zuversichtlich. Der Film helfe dieses Ziel zu realisieren.
Eberhard Görner ergänzte, dass der tschechische Staat Osek inzwischen auf die Liste der nationalen Denkmäler gesetzt habe. Bis zum Jahre 2012 solle die groß angelegte Restaurierung von Kloster Osek fertig gestellt sein.
Das Projekt sei zudem bedeutsam, weil die Zisterzienser im 12. Jahrhundert die Kenntnisse zur Erkundung von Erzlagerstätten und die Bergbautechnologien nach Böhmen und Sachsen gebracht hätten. In diesem Lichte werde die sächsische Geschichte inzwischen neu untersucht.
Ein Zuschauerin wünschte sich, dass Eberhard Görner 2012 einen Film über Kloster Osek drehen könne. Sie freue sich schon darauf.
Mit einem herzlichen Applaus verabschiedete das Publikum den Regisseur, Drehbuchautoren und Buchautoren Eberhard Görner. Wieder einmal wurde aber deutlich, dass Görner als sächsischer Kulturbotschafter unterwegs ist und als Einzelkämpfer ganze Institutionen ersetzt.
Johannes Eichenthal

 
 

Nach der Diskussion verabschiedete sich Eberhard Görner tief bewegt von Abt Bernhard OCist.



Information
Programmkino Ost, Dresden, Schandauer Straße 73, Tel. 0351 3103782
www.programmkino-ost.de

Eberhard Görner veröffentlichte zwei Dokumentarfilme über das Kloster Waldsassen mit dem Titel »Ruhen in der Zeit« und »Im Herzen Europas«. Die beiden Filme sind über das Kloster Waldsassen beziehbar www.abtei-waldsassen.de

Der Film über den Gewerkschafter Karl Richter trägt den Titel »Die Gedanken sind frei«.
www.e.g.filmproduktion.de

Eberhard Görner als Autor
Eberhard Görner: »Der Narr und sein König. Der Taschenspieler Joseph Fröhlich in Dresden«. Chemnitzer Verlag 2009. ISBN 978-3-937025-49-0

Eberhard Görner: »Himmel aus Stein. George Bähr und die Frauenkirche zu Dresden.«
Chemnitzer Verlag. 7. Auflage 2009. ISBN 978-3-937025-12-4

www.chemnitzer-verlag.de

Eberhard Görner: »Am Abgrund der Utopie. Gespräche. Aufsätze. Selbstporträts.«
Faber und Faber. Leipzig 2007. ISBN 978-3-86730-037-7

www.faberundfaber.de


Eberhard Görner als Herausgeber

Eberhard Görner, Uwe Schneider, Klaus Walther (Hrsg.): »Ortstermin. Bilder aus dem Stollberger Land.« Mironde-Verlag 2008. ISBN 978-3-937654-28-7

Eberhard Görner (Hrsg.): Pater Gabriel K. Lobendanz OCist:
»Kloster-Aphorismen.« Mironde-Verlag 2009. ISBN 978-3-937654-39-3

www.mironde.com
 

 
 

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Ruhen in der Kino-Zeit
Nachdenken mit Eberhard Görner
 

Der 7. Februar 2010 war in Dresden ein Sonntag wie jeder andere. Trotz des frostigen Winterwetters floss das Wasser recht schnell die Elbe hinunter. Die Königlich-Sächsische Flotte lag derweil im Dresdener Hafen vor Anker. Touristenbusse hielten vor Museen und Gaststätten des nach barockem Muster wieder entstehenden Stadtzentrums, das man für eine Filmkulisse halten könnte, wenn da nicht ab und an »Investoren« ihre »tollen Projekte« zusätzlich in die historische Stadt hineinpressen würden. Allein die »modernen« Bauten lassen schon heute ihren Verfall ahnen. In diesem Fall tröstet uns der Gedanke.

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