litterata  :  Reportagen  :  Konzert in der Dresdner Frauenkirche  
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Wolfgang Bönitz beschreibt die Luftangriffe auf Dresden in der Sprache der Wissenschaft. Die Wissenschaft kann im Idealfall Ereignisse nüchtern, kalt und sachlich dokumentieren. Der Autor, ein im sächsischen Lunzenau geborener Maschinenbau-Diplomingenieur, handhabte das Handwerkszeug eines Historikers vorbildlich. Er ging in seinem Buch, dessen Manuskript 1999 von führenden Luftkriegshistorikern wie Horst Boog positiv begutachtet wurde, nicht nur erstmals ausführlich auf das Schicksal der Zivilbevölkerung ein sondern er nahm sich auch des Elends der meist sehr jungen Flugzeugbesatzungen an. Die westlichen Alliierten verloren bei solchen Angriffen im Zweiten Weltkrieg etwa 70.000 Flugzeuge und 170.000 Mann Besatzung.
Dennoch vermag uns Wissenschaft selbst wenn sie, wie bei Wolfgang Bönitz, nicht politisch oder wirtschaftlich instrumentalisiert wird, nur die Faktizität von Ereignissen zu beschreiben. Eben weil Wissenschaft ein Moment von skeptischer Vernunft ist, deshalb kann sie keinen Sinn, keine Hoffnung stiften. Allein die Fakten und Zahlen, so wichtig sie für die Analyse der Wirklichkeit sind, helfen uns in unserem Leben nicht weiter. Ohne Hoffnung können wir nicht leben. Zur Hoffnung auf eine bessere Welt sind aber nur Poesie und Religiosität fähig.

 
 

Am 13. Februar 2010, Punkt 22.00 Uhr, begannen alle Kirchenglocken von Dresden zu läuten und die Frauenkirche öffnete ihre Pforten für die Besucher. Mit Kerzen, Orgel- und Chormusik wollte man diese Nacht begehen.
Unter der Leitung von Kantor Matthias Grünert sang der Kammerchor der Dresdner Frauenkirche zum ersten Mal Walter Jurmanns Friedensbotschaft FÜR EINE BESSERE WELT – die auch die erklärte politische Botschaft des jetzigen Präsidenten der USA, Barack Obama, ist. Anlässlich seines Besuches in Dresden besichtigte dieser auch die Frauenkirche.
Walter Jurmann, ein deutscher Jude aus Wien, ist wohl einer der bedeutendsten Filmkomponisten des 20. Jahrhunderts. Wien, Berlin, Paris, Hollywood lauten seine Lebensdaten. Musik im Exil war seine Rettung. Dass seine kompositorische Hoffnung FÜR EINE BESSERE WELT zum ersten Mal in der Frauenkirche zu Dresden, in Anwesenheit seiner Witwe Yvonne Jurmann, die für dieses Konzert extra aus Los Angeles anreiste, aufgeführt wurde, begeisterte Dr. Eberhard Burger, den (Wieder-)Erbauer der Frauenkirche.
»Die Musik von Walter Jurmann«, erklärte Frauenkirchen-Kantor, Matthias Grünert, »hat sich wunderbar in unser Gedenk-Konzert integriert, und deshalb werden wir FÜR EINE BESSERE WELT in den kommenden Jahren in unser Programm für die Dresdner Gedenk-Nacht aufnehmen.«
Das Gedenk-Konzert in der Frauenkirche ermöglicht Erinnerung in poetischer Form, Katharsis und Vergebung. Es geht um die Erinnerung an die Leiden der Bevölkerung und die der Flugzeugbesatzung. Erst wenn man auch Mitleid für die Opfer der anderen Seite empfindet, erst dann ist man der Gefahr für die eigene Psyche entronnen, die sich im Hass verbirgt. Poesie und Religiosität sind geeignet, aus der jährlichen Erinnerung an das schreckliche Ereignis eine Er-Innerung, eine Ver-Innerlichung zu ermöglichen, um Hoffnung auf eine besser Welt zu schöpfen.
Johannes Eichenthal

 
 

Nach dem Konzert dankte Kantor Matthias Grünert im Namen des Kammerchores der Dresdner Frauenkirchen Frau Yvonne Jurmann, der Witwe des Komponisten Walter Jurmann.
 

 
 

Yvonne Jurmann (auf dem Foto ganz li.) besuchte das Konzert gemeinsam mit Frau Dr. Jansen-Brown und Prof. Eberhard Görner, die beide durch Vermittlungstätigkeit die Aufführung von A Better World To Live In ermöglichten. Dafür gebührt beiden Dank.
Frau Dr. Jansen-Brown ist Kulturbotschafterin der Stadt San Antonio/Texas(USA) und war am Zustandekommen eines Partnerschaftsvertrages 2009 zwischen Dresden und San Antonio maßgeblich beteiligt.
Prof. Eberhard Görner, Filmemacher und Autor, arbeitet an einer Walter Jurmann-Biographie, die demnächst bei Seemann-Hentschel in Leipzig erscheinen wird.


Information
Walter Jurmann wurde am 12. Oktober 1903 in Wien geboren, begann nach dem Abitur ein Medizinstudium, brach dieses 1924 jedoch ab und wurde Berufsmusiker. In Zusammenarbeit mit dem Textdichter Fritz Rotter widmete sich Jurmann der Film- und Schlagermusik. Richard Tauber sang seinen ersten Erfolgstitel »Was weißt Du, wie ich verliebt bin«. Jan Kiepura, Hans Albers, Willy Fritsch, die Comedian Harmonists u.a. sangen seine Lieder.
1933 musste Jurmann nach Paris und 1934 in die USA emigrieren.In Hollywood schrieb er vor allem Filmmusik für die Marx-Brothers.
Seine größten Erfolge waren die Filmmusiken für »Die Meuterei auf der Bounty« (1935) und »San Francisco«(1936), in dem der polnischen Komponist Bronislau Kaper Jurmanns Lied »San Francisco« arrangierte.
1943 zog sich Jurmann fast vollständig aus dem Filmgeschäft zurück.
Sein »A Better World To Live In« entstand 1968.
Walter Jurmann verstarb 1971.
Im Jahre 2003 benannte die Stadt Wien die Walter-Jurmann-Gasse in Wien-Liesing nach ihm.
Sein musikalisches Testament FÜR EINE BESSERE WELT wurde bereits von solchen berühmten Sängern wie Placido Domingo und Jose Carreras interpretiert. Zu Ehren des 100. Geburtstages von Walter Jurmann wurde das Oratorium FÜR EINE BESSERE WELT von der Nordwestdeutschen Philharmonie in Köln aufgeführt.


Wolfgang Bönitz: Millenium, Gomorrha, Thunderclap. Zivilbevölkerung im Luftkrieg«. Mironde-Verlag 2001, brosch, 164 S., ISBN 3-9806774-6-X
Das Buch wurde 2003 vom Aufbau-Verlag unter dem Titel »Feindliche Verbände im Anflug« übernommen.

Joseph Heller, der 19-jährig selbst als Bordschütze Luftangriffe der USAAF geflogen ist, beschrieb seine Erlebnisse auf surrealistische Weise in seinem Roman mit dem Titel »Catch 22«. (Catch 22 ist ein Idom für die Bezeichnung einer Sitiuation, die es eigentlich nicht gibt.)
In der Bundesrepublik erschien der Roman bei Rowohlt unter dem Titel »Catch 22«.
Die DDR-Ausgabe trug den Titel »Der IKS-Haken« und wurde von Volk und Welt verlegt.
Der Roman wurde 1970 von Paramount Pictures verfilmt. In der Cinemathek der Süddeutschen Zeitung erschien eine DVD des Filmes 2005 als Nr. 10.

 

 
 

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Konzert in der Dresdner Frauenkirche
Erinnerung und Er-Innerung
 

Wolfgang Bönitz berichtet in seinem Buch »Millenium, Gomorrha, Thunderclap. Zivilbevölkerung im Luftkrieg«, dass die Dresdner Rangierbahnhofanlagen eigentliches Ziel für einen Luftangriff darstellten. Am 13.02.1945 musste in Dresden um 21.39 Uhr Fliegeralarm ausgelöst werden. Flugzeuge des Typs »Mosquito« setzten in 270 Meter Höhe rote Markierungsbomben. 22.13 Uhr begannen 235 britische Bomber mit dem Abwurf von 507 Tonnen Spreng- und 370 Tonnen Brandbomben auf den Stadtkern. Am 14.02. gegen 01.30 Uhr, warfen 551 britische Bomber 965 Tonnen Spreng- und 890 Tonnen Brandbomben auf das ganze Stadtgebiet. Am Vormittag des 14.02. warfen 317 Bomber der USAAF 750 Tonnen Spreng- und Brandbomben und am 15.02. 210 Flugzeuge der USAAF 462 Tonnen Sprengbomben über der Stadt ab. Von den offiziell geschätzten 35.000 Todesopfern sollen nur etwa 100 Soldaten gewesen sein.

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