litterata  :  Reportagen  :  Die Buchmesse 2010  
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Foto: Links Prof. Eberhard Görner

Professor Eberhard Görner stellte auf der Leseinsel Religion um 17.00 Uhr die Klosteraphorismen von Pater Dr. Gabriel Lobendanz OCist vor. Der Autor war durch seelsorgerische Pflichten leider verhindert an der Vorstellung seines Buches teilzunehmen. Eberhard Görner, der Herausgeber des Bandes, führte die Zuhörer in die Gedankenwelt des Paters ein und trug einige Aphorismen vor.

 
 

Auf der Leinwand: Pater Dr. Gabriel Lobendanz OCist

Prof. Görner spielte über eine Videoleinwand Interviewausschnitte mit Pater Gabriel ein. So war der Autor auf virtuelle Weise gegenwärtig. (Nach Jean Baudrillard wäre dies die eigentliche Realität.)
Der Ausschnitt stammte aus einem Dokumentarfilm über das Zisterzienserinnen Kloster Waldsassen, den Prof. Görner unter dem Titel »Ruhen in der Zeit« im vergangenen Jahr veröffentlicht hatte. (Der Film erlebt gerade in den deutschen Programmkinos seine erfolgreiche Premiere. Ein zweiter Teil trägt den Titel »Im Herzen Europas«.) Als eines der ersten Klöster öffnete sich die Abtei Waldsassen für Filmaufnahmen in ihrer Klausur.
Auf die Frage des Moderators, wie die umfangreichen Bausicherungsmaßnahmen, die in den letzten Jahre in Waldsassen durchgeführt wurden, und der Filmtitel »Ruhen in der Zeit« zusammenpassten, antwortete Eberhard Görner, dass es nicht um äußerliche, sondern um eine innere Ruhe gehe. Die Aphorismen des Pater Gabriel vermögen in uns eine Vorstellung von innerer Ruhe und Gelassenheit zu erwecken. Gleichzeitig sei in der Geschichte des Ordens die innere Ruhe nicht nur spirituelles Ziel, sondern gleichzeitig Voraussetzung für hohe Leistungen in der Buchkunst, der Gartenbaukultur, der Landwirtschaft, der Pflanzen- und Tierzucht, der Technik und Technologie gewesen. So hätten die Zisterzienser z.B. die Bergbautechnologie, die Kenntnisse zum Auffinden von Erzlagerstätten u.ä. ins Erzgebirge gebracht.
Auf die Frage des Moderators, ob er den Klöstern in unserer Zeit noch einmal eine solche Rolle zubilligte, wie sie im 5./6. Jahrhundert ausfüllten, antwortete Eberhard Görner bejahend. Damals hätten die vom Hl. Benedikt gegründeten, dezentral organisierten, auf Selbstversorgung ausgerichteten Klöster die großen Leistungen der antiken Kultur über wirre Zeiten gerettet. Ähnliche Impulse könnten auch von den heutigen Klöstern ausgehen.
Die Worte des Professors hatten auf uns nahezu eine pastorale Wirkung. So klang dieser dritte Messetag für uns meditativ aus. Auch das kann man auf der Buchmesse erleben.

 
 

Foto: Siegfried Arlt (re.) las professionell und engagiert Sagen aus Chemnitz. In der Mitte Moderator Mitko Kobilarov von der CD-Produktionsfirma EOR und ganz links Dr. Andreas Eichler, Lektor des Mironde-Verlages

Der letzte Messetag forderte noch einmal alle Kräfte der Aussteller. Letzte  Reserven wurden mobilisiert, um wieder pünktlich am Stand Kunden begrüßen zu können. Wir mussten etwas suchen, um an diesem Tag eine besondere Veranstaltung zu finden. Doch dann hörten wir die Stimme von Siegfried Arlt. Er las in Halle 3 Chemnitzer Sagen. Die Besucher im Umkreis des Forums waren sichtlich beeindruckt von einer ausgebildeten Sprecherstimme. So traten immer mehr Besucher hinzu, setzten sich und hörten die alten Chemnitzer Sagen. Moderator Mitko Kobilarov verwies darauf, dass die Chemnitzer Sagen unter dem Titel »Der Nix vom Chemnitztal« als Hörbuch vorlägen. Dr. Andreas Eichler, der Lektor des Mironde-Verlages, verwies auf eine ganze Reihe mit Sagenbüchern. Er machte aber auch darauf aufmerksam, dass die dem Anschein nach »veralteten«, unscheinbaren, kleinen  Geschichten über Jahrhunderte den Gesprächsstoff zwischen den Generationen bildeten, und deshalb als Grundlage für die Sprech- und Lesefähigkeit der Kinder fungieren konnten. Hier brachte er, wie ist es von Eichler anders zu erwarten (!), wieder Johann Gottfried Herder ins Spiel. Die Sprechfähigkeit sei nach Herder die Voraussetzung für Denkfähigkeit. In diesem Lichte seien der Anstieg der Analphabetenzahlen in Sachsen und die schwindende Beherrschung eines Mindestwortschatzes bei Achtjährigen ernste Warnzeichen. Notwendig seien weder Computerprogramme, noch Laptops in Kindergärten, noch Millionensummen. Notwendig sei, dass die Bezugspersonen von Kindern das regelmäßige Gespräch pflegten. Das Erzählen, das Weitererzählen und das Neuerzählen alter Sagen, der Gebrauch ungewohnter Worte und die Bekanntschaft mit der Sagen-Landschaft sei die effektivste Methode zur Herausbildung von Phantasie.
Es fällt uns schwer einzugestehen, dass Eichler hier vielleicht wirklich einmal recht hat. Wahrscheinlich verfügen viele Entscheidungsträger in unserer Zeit aufgrund der beruflichen Stress-Bedingungen nicht mehr über wirkliche Phantasie. Anders kann man sich all diese »Projekt«-Aktivismen, die am Ende doch nur Inkompetenz kompensieren sollen, nicht erklären.
Hier brauchte ich ein Glas Rotwein, um wieder auf bessere Gedanken zu kommen.

 
 

Zum Glück bemerkte keiner meine ernsten Gedanken. Im Gegenteil. Man sah dem Publikum das Amüsement an, mit dem es der Erzählung von Siegfried Arlt lauschte. Ganze Familien hörten zu, junge Leute, ältere Ehepaare. »Buchenswert«, hätte der Oberkellner Mager aus dem Weimarer »Elephant« gesagt.
Johannes Eichenthal

 
 

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Die Buchmesse 2010
Der dritteundvierte Tag
 

Der dritte Tag der Buchmesse brachte den erwarteten Besucheransturm. Eine Autowelle rollte heran. Routiniert wurde man in die individuelle Lücke eingewiesen. Die Parkplätze füllten sich unaufhaltsam. Ein Besucherstrom ergoss sich in Richtung Haupteingang. Bunt gekleidete Jugendliche sorgten für lustige Abwechslung. Immer dichter drängten sich die Besucher in den Messehallengängen. Doch am späten Nachmittag ebbte das hektische Treiben langsam ab. Die Bewegungen der Besucher wurden langsamer. Wir lenkten unsere Schritte in Richtung Halle 5, zur Leseinsel Religion.

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