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Matthias Lehmann, der Wirt des »Prellbockes« begrüßte, mit etwas Ehrfurcht und ohne die üblichen Späße, in seiner fast bis auf den letzten Platz besetzten Bahnhofsgaststätte den Doyen der ostdeutschen Verleger und erfahrenen Autoren Elmar Faber. Dieser las aus seinem soeben erschienenen Erzählungsband »Nürnberger Pakete«. Die Geschichte des Gymnasiallehrers Dr. August Aegidius ließ von Anfang an das Verhängnis ahnen. Ein melancholischer Ton durchzog das Gewebe. Am Ende war man doch vom Verhängnis überrascht.

 
 

Nach einem kurzen Schweigen begannen die Zuhörer zu fragen. Diese oder jene These wurde in die Runde geworfen, das Für und Wider erörtert, Interpretationen erprobt, kurz: es entstand ein mehr als einstündiger Disput. Gott und die Welt kamen ins Spiel. Der Autor lächelte, warf hier und da ein Wörtchen ein, und war zufrieden ob der Assoziationsfähigkeit seines Textes. Das ist eben Literatur: die Beförderung von Geist und Träumen, aber auch die Einsicht, dass wir uns alle im »Transit« befinden.

 
 

Zur Zeremonie gehört das obligatorische »Mützen-Foto«. Der Gastgeber offeriert dem Ehrengast eine Eisenbahnermütze seiner Wahl aus der reichhaltigen Sammlung. Elmar Faber hätte auch einen guten Reichsbahndirektor abgegeben. Oder? (Der Umschlag des Bandes »Nürnberger Pakete« zeigt übrigens einen Viadukt mit überquerendem Eisenbahnzug. Es lief wahrscheinlich von Anfang an alles auf diesen Abend im »Prellbock« hinaus. Der Zufall gar nur vorgetäuscht? Ein Fake?)

 
 

Im Zeremoniell nicht fehlen darf auch der Eintrag ins Gästebuch. Alle sind gespannt, was Elmar Faber wohl schreiben wird. Oder fügt er gar eine Zeichnung an?
Sei es, wie es sei. Ohne Zweifel war dieser Abend ein Ereignis. Die kleine Bahnhofsgaststätte »Zum Prellbock« vermag aus eigener Kraft authentisches ein kulturelles Niveau zu ermöglichen, das der öffentlich-subventionierte Hochkulturbetrieb in der Hatz nach Quoten, mit den ausufernden Kosten und in manieristischen Windungen schon lange nicht mehr erreicht. Zurück in die Bahnhofsgaststätten!
Johannes Eichenthal

Information
Elmar Faber: Nürnberger Pakete. Erzählungen. Berlin 2009.
Verlag Das Neue Berlin.
ISBN 978-3-360-01962-2

 
 

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Transit
Elmar Faber las in der Bahnhofsgaststätte ZUM PRELLBOCK
 

Karl Marx musste einst auf das Wort »Lokomotive« zurückgreifen, um seinen Anhängern die Bedeutung von »Revolution« erklären zu können. Die Lokomotiven der Geschichte fuhren auf Eisensträngen. Die Bahnhöfe waren die Schnittstellen des normalen Lebens mit den Gleisen der Industriellen Revolution. Hier kreuzten sich die Lebenswege der Passagier, der Nachrichten und Güter. In den Bahnhofsgaststätten trafen sich die Intellektuellen. Auf immer scheint diese Welt verweht. Doch es gibt in Deutschland noch einen solchen Kommunikationspunkt: Die Bahnhofsgaststätte »Zum Prellbock« im sächsischen Lunzenau. Am 25. März war zufällig der Verleger und Autor Elmar Faber hier im Transit.

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