litterata  :  Reportagen  :  Was die Chinesen können  
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Ein Bläserquartett im Bergmanns-Habit spielte zur Einstimmung traditionelle Melodien, verstärkte unsere Unsicherheit. Sind wir hier in der richtigen Veranstaltung? Geht es hier wirklich um Porzellan?

 
 

Heinrich Kohl, der Oberbürgermeister der Stadt Aue, löste endlich das Rätsel auf. Der Schneeberger Hammerherr Veit Hans Schnorr von Carolsfeld d. J. lieferte seit Anfang des 18. Jahrhunderts die so genannte »Weiße Erde« aus seiner Auer Grube zur Porzellanherstellung nach Meißen. Die weiße Tonerde – Kaolin – aus Aue verfügte über einen höheren Weißanteil als er in China verfügbar war.
(Das Wort Kaolin kommt aus dem Chinesischen. Der Berg Kaoling war ein Fundort der weißen Erde. Nach dem Berg wurde die Erde benannt.)
Zudem, so der Oberbürgermeister, lieferte Aue auch die Blaue Farbe, die sich zum Bemalen des Porzellans und den anschließenden Brennprozess eignete. Das Auer Blaufarbenwerk sei weltbekannt. Die Nickelhütte befände sich auf dem Grund des ehemaligen Blaufarbenwerkes. Der Saal, in dem wir uns befinden, sei der älteste Teil des ehemaligen Werkes.

 
 

Der Oberbürgermeister ließ es sich nicht nehmen dem Herausgeber des Buches, Prof. Eberhard Görner, den anwesenden Autoren Bernd Lahl, Heinz Sprengel, Dr. Hannes Walter und der Buchgestalterin Birgit Eichler, die das Layout entwarf, welches die verschiedenen Beiträge visuell verbindet (s. Foto), für ihre Arbeit mit einem Blumengebinde zu danken, in denen die Farbe Lila dominierte.

 
 

Foto v. li.: Dr. Hannes Walter, Prof. Eberhard Görner und Bernd Lahl

Prof. Eberhard Görner betonte im Anschluss, dass es ihm eine Ehre gewesen sei, in einem solch renommierten Autoren-Gremium mitarbeiten zu dürfen. Neben den anwesenden Autoren waren Äbtissin M. Laetitia Fech OCist, Claudia Thiel, Hartmut Schnorr von Carolsfeld, Dr. Willi Goder, Olaf Kreßner und Prof. Eberhard Wächtler beteiligt. Zudem trugen die Fotografen Jens Kugler, Gunther Galinsky und Olaf Stoy mit ihren Arbeiten wesentlich zur Qualität des Buches bei.
Görner betonte, dass es ihm wichtig gewesen sei Autoren und deren Texte einzubinden, die heute schon fast vergessen seien. In der Tat hatte Dr. Goder in den 1970er Jahren bei Prof. Wächtler in Freiberg eine Dissertation eingereicht, mit der er die These zu begründen versuchte, dass weder Johann Friedrich Böttger noch Freiherr Ehrenfried Walther von Tschirnhaus allein das Porzellan erfanden. Goder verwies seinerzeit darauf, dass im Erzgebirgsraum seit dem 12. Jahrhundert die Technologien der Lagerstättenerkundung, Förderung, Verarbeitung, Schmelz- und Brennprozesse entwickelt wurden, und dass Kurfürst August dieses technologische Potenzial auf die Entwicklung des Porzellans zu konzentrieren verstand. Der Grundsatz dieses Ausnahmepolitikers war: was die Chinesen können, dass können wir schon lange.

Kommentar
Man muss Görner wieder einmal bewundern: er verstand es eines seiner berühmten Zeitfenster zu nutzen und rückte bejahrte Wissenschaftler in das ihnen gebührende Licht, die von der Öffentlichkeit kaum noch wahr genommen wurden. Damit machte Görner ein weiteres Mal darauf aufmerksam, dass unsere Zukunft davon abhängt, ob wir Phantasie entwickeln können, um uns neue anspruchsvolle Ziele setzen zu können.
Momentan erscheint dieser Kampf Görners fast aussichtslos. Das Fernsehen zerstört wie eine Massenvernichtungswaffe unsere Fähigkeit innere Bilder aufzubauen. Dieser Prozess macht auch vor den heutigen Eliten nicht Halt. Bürokraten und Technokraten beherrschen das Feld. Dem Anschein nach reizen Görner aussichtslose Situationen besonders. Wenn wir nur ein paar solcher Geister in der Politik hätten ...
Johannes Eichenthal

Information
Görner, Eberhard (Hrsg.): Weißes Gold im Erzgebirge? Veit Hans Schnorr von Carolsfeld (1644–1715). ISBN 978-3-937654-57-7
Gedruckt wurde das Buch bei Westermann in Zwickau.
www.mironde.com

 
 

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Was die Chinesen können – das können wir schon lange
Buchvorstellung: Weißes Gold im Erzgebirge?
 

Die Städte Freiberg, Schneeberg und Aue sind als Hochburgen lebendiger Berg- und Hüttenmännischer Tradition bekannt. In mittelständigen Unternehmen dieser Region nutzt man heute die Erfahrung zur Herstellung von modernsten Produkten. Es wunderte uns nicht, dass wir für den 15. Juni zu einer Buchvorstellung in den Festsaal des denkmalgeschützten, restaurierten Gebäudes der Auer Nickelhütte im Ortsteil Niederpfannenstiel eingeladen wurden. Verwundert waren wir allerdings darüber, dass das Buch anlässlich des 300. Jahrestages der Erfindung des Porzellans erscheint. Was hat das Porzellan mit Bergbau und Hüttenwesen zu tun?

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