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Olaf Stoy eröffnete am 20. Juni eine Ausstellung mit Malerei und Grafik von Christina Eichler. Die gelernte Porzellanmalerin versucht sich seit einigen Jahren an freien Themen. Die informative Ausstellung  ermöglicht einen Überblick des Schaffens der Künstlerin.

 
 

Laudatio von Olaf Stoy: »Aus dem Pinsel entspringt ein Wesen«
Kürzlich las ich in der Sächsischen Zeitung unter der Überschrift »Der Adel der blauen Schwerter« über die generationsübergreifende Verbundenheit einer Familie zu ihrem dreihundertjährigen Brötchengeber. Dass ich in Christina Eichler ein Mitglied aus einer dieser Malerfamilien kenne, wusste ich da noch nicht. Dies erfuhr ich erst anläßlich des Aufbaus ihrer Ausstellung hier in Bannewitz.
Alles begann mit ihrer Großmutter die in der Meissner Manufaktur als Blumenmalerin arbeitete, der folgte ihre Mutter, die ebenfalls Blumenmalerin wurde und sich später auf Vögel spezialisierte. Es lag also nahe, dass sich auch Christina und ihre Zwillingsschwester Claudia in der Manufaktur um eine Lehrstelle bewarben. Folgerichtig lernte Christina Blumenmalerin und Claudia Früchtemalerin. Als Claudia schließlich Andreas heiratete kam ein weiterer Porzelliner zur Familie hinzu, denn der arbeitet seinerseits als Modelleur in der Manufaktur.
Also wenn das keine beispielhafte Dynastie an Manufakturisten ist, dann weiß ich auch nicht.
Was Wunder also, dass Christina Eichler schon sehr früh Kontakt zur Kunst bekam. Ihre Mutter zeichnete auch zu Hause. Beim Porträtieren sah ihr Christina über die Schulter und begeisterte sich für die Leichtigkeit der Strichführung. Damals sprang also der Funke über.
1986 bis 1989 absolvierte Christina ihre Lehrausbildung mit der Spezialisierung Blumenmalerei, erlernte die Grundlagen der Anatomie, Farblehre, Aquarelltechnik und zeichnete vor der Natur.
1990 zog sie von Coswig nach Dresden.
Heraus aus der kleinstädtischen Umgebung, sog sie alles was die Kunst- und Kulturstadt zu bieten hatte, in sich auf wie ein Schwamm. Sie besuchte viele Ausstellungen und entwickelte ihre ganz persönlichen Vorlieben für bestimmte Künstler und ihre Techniken. Vor allem der Meißner Künstler Manfred Wünsche half ihr dabei von der »Mitzelei« der Porzellanmalerei in freiere Gefilde zu wechseln. Dies bewerkstelligte er mit einem ganz simplen Trick: er riet ihr einfach zur Benutzung eines breiteren Pinsels. Im gemeinsamen Austausch – vor allem beim (wie sie es nennt) »Landschaftern« lernt Christina hinzu. Sie beschäftigt sich mit Öl- und Aquarellmalerei auf Grundlage des Impressionismus.
Auch beruflich ging es weiter: So spezialisierte sie sich auf Motive aus »1001 Nacht« und arbeitete in der »Künstlerischen Wandgestaltung«.
Ab 2002 besuchte sie einen Zeichenkurs bei Siegfried Adam und befasste sich mit dem Expressionismus. Dem folgte ein Kurs zu grafischen Techniken bei Leonore Adler.
Wie man sieht, Christina Eichler sucht ständig nach neuen Aspekten und Möglichkeiten zur Kunstausübung. Dies vor allem auch als Ausgleich zum Druck der normierten Ansprüche ihrer hauptberuflichen Aufgaben .
In ihrer Freizeit arbeitet sie aus dem Bauch heraus. Hier kann sie Zufall provozieren und zulassen. Dies tut sie zum Beispiel indem sie monotypieartige Abdrücke mit Acrylfarben herstellt, darüber schlierenartige Strukturen legt und diese dann mit Feder oder Fineliner zum Motiv hin konkretisiert. Auf diese Art entstehen Landschaften und Stillleben. In letzter Zeit haben sich lebendige Wesen in die Sujets geschlichen. Meist sind es Tiere die ihrem Pinsel entspringen. Katzen, Eulen, Schnecken, Muscheln, Pferde oder Schmetterlinge – sie leben in lichten Interieurs, gesponnen aus frühlingshaften bis sommerlichen Farbarabasken, fast feengleich jenseitig. Diese kleinen Welten wirken auf eine ursprüngliche Weise authentisch, frei von den Lügen der Menschenwelt. Franz Marc meinte dazu: » Kunst ist ja nichts als künstlerischer Ausdruck unseres Traumes. Je mehr wir uns ihr hingeben, desto mehr werden wir uns der inneren Wahrheit der Dinge unseres Traumlebens bewusst, dem wahren Leben, das die Fratzen verachtet und nicht sieht.«
Als kleiner Einblick in ihr grafisches Schaffen zeigt Christina neben der Malerei vier Drucke in ganz verschiedenen Techniken. Die Bandbreite reicht hier von der Kaltnadelradierung, über Strichätzung und White Ground bis zur Aquatinta. Auch hier ist die Tierwelt Anreger und Motivgeber.
Christina Eichler mag es, wenn sie ihren Empfindungen freien Lauf lassen kann - vom Herzen, in den Kopf, über die Hand zum Pinsel aufs Papier. Jedes gelungene Blatt ist Selbstbestätigung und Selbstvergewisserung. Ihre Arbeit in der Manufaktur hält ihr dafür den Rücken frei. So kann sie sich druckfrei ihrer eigenen Kunst widmen. Aber man sollte sich ja immer höhere Ziele setzen, denn noch schöner wäre es, wenn sich irgendwann einmal die Möglichkeit ergeben würde, Beides zu vereinen – will heißen: Christinas Malerei auf einem Stück blau geschwertertem Porzellan ...
Unmöglich? Wer weiß? Als Künstler sollte man an Wunder glauben!
Jetzt noch ein paar Worte zu den »Hand(gemachten)Tellern«. Wie in jedem Jahr nutze ich die Ausstellungseröffnungen zum Sommerfest der Künste auch dazu, um neue Arbeiten meines Kurses »Kreative Porzellangestaltung« vorzustellen. Seit einiger Zeit haben wir uns dem Thema Teller zugewandt.
Nun mag man sagen, das gab es ja schon. Natürlich gab es das schon.
Interessiert haben wir das Projekt »Künstlerinnenrunde« der Kreativen Werkstatt aus Dresden verfolgt und die dabei entstandenen Keramikteller begutachtet. Unweigerlich regte sich daraufhin der Wunsch ähnliches aus Porzellan machen zu wollen. Also drehte ich ein Gipskernstück und goss eine Gießform davon ab.
Im Herbst des vergangenen Jahres stellten wir dann die ersten Teller her.
Vor allem Regine Kunze ist hier zu danken, die durch ihre Beharrlichkeit das Entstehen einer gewissen Stückzahl forcierte, um genügend verglühte Teller zum Dekorieren zur Verfügung zu haben. Die ersten elf Exemplare können wir dementsprechend heute hier präsentieren. Am Schönsten ist ja immer, wenn man in dieser Anhäufung die Bandbreite der persönlichen Handschriften auf demselben Format studieren und vergleichen kann.
Da sehen wir die bunten floralen Arrangements von Angelika Grießing, die feinnervigen Gravuren von Regine Kunze, einen frechen Unterglasurfarbwirbel von Ursula Feist, die rhythmisierten Fahnendekore von Sabine Hagedorn, das kobaltblaue Baumpaar von Margit Eichler und eine segmentierte Landschaft mit »Glanzgoldereignis« von mir selbst. Vervollständigt werden die erwähnten Stücke durch zwei Teller mit Spritzdekor, der eine, mit der sich andeutenden Sonnenfinsternis ist von Angelika Grießing und der andere, der »Hand-Teller« ist von mir.
In der Hoffnung auf einen halbwegs trockenen und tornadofreien Kunstfest-Sonntag, danke ich für ihre Aufmerksamkeit und erkläre die Ausstellung hiermit für eröffnet.

 
 

Ausschnitt aus einer Arbeit von Christina Eichler

 
 

Im Anschluss stellte Olaf Stoy die Ergebnisse eines Porzellan-Teller-Workshops vor.
Die Besucher verfolgten interessierte die kleinen Geschichten, die Olaf Stoy zu jedem Teller erzählte.
Man staunt immer wieder über die Energie, die in dieser kleinen Galerie steckt.
Olaf Stoy betreibt diese Galerie ja nur nebenbei. Er experimentiert mit dem Material Porzellan, verkauft die besten Stücke aus seiner Produktion, gibt sein Wissen in Kursen weiter, ist als Schriftsteller tätig (erst am 9. Mai 2010 erhielt er beim Kammweg-Literaturwettbewerb einen dritten Preis) und bestreitet selbst Ausstellungen. Alles aus eigener Kraft.
Das ist bemerkenswert.
Johannes Eichenthal

Information
Atelier für Kunst und Gestaltung
August-Bebel-Straße 2
01728 Bannewitz

www.olafstoy.de


 
 

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Neues in der Vitrine
Ausstellungeseröffnung bei Olaf Stoy
 

Am 20. Juni war es in Bannewitz schwer, einen Parkplatz zu finden. Das Straßenfest zog Besucher aus nah und fern in großen Haufen an. Schließlich sahen wir endlich den Schriftzug »Vitrine« und das Atelier für Kunst und Gestaltung von Olaf Stoy in der alten Hutfabrik. Der gelernte Porzellangestalter betreibt hier seine Werkstatt und ermöglich Künstlerkollegen Ausstellungen in der kleinen Galerie.
An diesem Tag konnte die Galerie die Besucher kam fassen. Die zu spät kamen, die mussten draußen warten.


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