litterata  :  Reportagen  :  Porzellan: Unikat und Serie heute  
Veranstaltungen
Freundeskreis
Reportagen
Mironde Verlag
      login
  E-Mail  
  Passwort  
      login
  Registrieren Sie sich hier oder bearbeiten Sie Ihr Profil
Suche  
   

Foto: Eva Kühnert, die Museumsleiterin, eröffnete die Ausstellung

Im Jahr 300 der ältesten Porzellanmanufaktur Europas wird in unzähligen Ausstellungen in Sachsen, Bayern und Berlin der barocken Pracht gehuldigt. Ikonen der frühen Porzellankunst wie Kändler, Höroldt oder Kirchner dominieren die Säle vom Japanischen Palais in Dresden, der Albrechtsburg in Meißen oder dem Porzellanikon in Selb.

 
 

Foto: Ein Unikat-Objekt von Else Gold aus Meißen

Doch es gibt auch lebende Künstler die mit Porzellan arbeiten!
Das nahe bei Chemnitz gelegene Schloss widmet sich in einer kleinen, aber feinen Präsentation dem zeitgenössischen Porzellanschaffen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Polen, Tschechien, Japan und Korea. Auch nach dreihundert Jahren suchen und finden Künstler neue und verblüffende Lösungen um dem »Weißen Gold« ihren persönlichen Stempel auf- bzw. einzudrücken.
Die gesamte Spannbreite zwischen unikater Porzellanplastik bis seriell hergestelltem Geschirr wird durch eine aufschlussreiche Auswahl an Ausstellungsstücken illustriert.
So gibt es Wandbilder von Monika Grajda und Olaf Stoy zu sehen – Einzelstücke die der Zufälligkeit eines lyrischen Augenblicks entsprungen zu sein scheinen. Stoy zeigt im Kontext dazu drei aus Porzellan und Terrakotta kombinierte Büsten, sowie sein Schachspiel »anima mechanica«.
Für ihre »Amöbenfelder« sammelte Else Gold den profanen Produktionsabfall abgeschnittener Eingüsse und verquickte diese akribisch zu dicht komponierten Reliefs.
Leider sind die zauberhaften Märchengestalten von Jindra Viková etwas stiefmütterlich auf einen zu hohen Wandsims verbannt worden, so dass eine eingehendere Betrachtung ohne Leiter praktisch ausgeschlossen ist. Kirsten Jäschkes »Flokati« hat dagegen einen recht guten Platz in einem Erkerzimmer gefunden. Die Künstlerin scheint die 25-teilige Wandarbeit geradezu aus Porzellanmasse »gehäkelt« zu haben.

 
 

Foto: Wandbild »Tautropfen« von Monika Grajda und Büste »Märtyrer« von Olaf Stoy -

Neben diesen Unikaten gibt es Ausstellungsstücke zu bewundern, die schon eher zur Kleinserie hin tendieren. Zum Beispiel die aus einer witzigen Grundidee entwickelten Windlichter mit dem Titel »Last Christmas« von Barbara Schmidt. Als Reminiszenz an vergangene Weihnachten sammelte die Gestalterin diverse Tannenbaumenden und setzte diese in dünnwandig-durchscheinendes Porzellan um.
Für die fragilen Bechervariationen von Gabriele Hain ist viel Platz geschaffen worden, so dass diese ihre Lebendigkeit im Spiel von Licht und Schatten sehr schön entwickeln können. Ebenso die plissierten Vasen von Andreas Steinemann, die Gefäßobjekte von Karin Bablock oder die intarsierten Becher von Kap-Sun Hwang.

 
 

Foto: Die Besucher lauschten aufmerksam der Erklärung von Olaf Stoy, einer Art Grundkurs in Porzellangestaltung

Vermutlich ist es der Schmuck, gestaltet von Susanne Bauer, Brigitte Veittinger und Karin Bablock, der die Schnittstelle hin zur seriellen Herstellung aufzeigt. Die Stücke leben von witzigen Verknüpfungen der Einzelformen mit Naturabgüssen, Neonfäden, Miniaturkorken oder Silberdraht.
Mit den Gefäßen von Vladimir Groh und Yasuyio Nishida schließt sich dann folgerichtig der Kreis. Im Spiel mit individuellem Glasur- und Farbauftrag, spitzgepunkteten Oberflächen und platinbemalten Henkeln und Füßchen setzen die Beiden optische und haptische Kontraste.
Platin nutzt auch die italienische Designerin Paola Navone, die u.a. das Reichenbacher Kaffeeservice »New Baroque« mit einer Komposition aus spiegelnden Oberflächen und biskuiten Scherben ins hier und jetzt holt. Überhaupt scheint die Bereitschaft der Thüringer Porzellanmanufaktur zur Zusammenarbeit mit Designern interessante Früchte zu tragen, denn auch vom Hamburger Gestalter Gerd Sommerlade sind einige Stücke zu sehen. Diesen Mut wünscht man anderen Porzellanherstellern auch.
Die Porzellanfabrik KAHLA ist allerdings inzwischen für sein innovatives Wirken, vor allem im Bereich modernen Gebrauchsporzellans bekannt. Mit Barbara Schmidt verfügt das Unternehmen über eine renommierte Designerin.
Die Klaffenbacher Schau zeigt, dass Porzellan heutzutage ein adäquater Werkstoff für künstlerische Plastik, Objektkunst oder Installationen sein kann, genauso gut wie für ein praktisches Frühstücksgedeck aus Tasse, Untertasse und Teller. Diese aber dann bitteschön elegant gestaltet und pfiffig dekoriert.
Bodo Scheunemann



Information
Die Ausstellung ist noch bis zum 29. August 2010 geöffnet.
www.wasserschloss-klaffenbach.de


Studios
Karin Bablok, Bonn (D), Susanne Bauer, Chemnitz (D), Else Gold, Meißen (D), Monika Grajda, Celestynów (P), Vladimir Groh, Brno (CZ), Gabriele Hain, Haslach (A), Kap-Sun Hwang, Seoul (KOR) / Kellinghusen (D), Kirsten Jäschke, Dresden (D), Yasuyio Nishida, Tokyo (J), Barbara Schmidt, Berlin (D), Andreas Steinemann, Lenzburg (CH), Olaf Stoy, Rabenau (D), Brigitte Veittinger, Mähring (D), Jindra Viková, Prag (CZ)

Manufakturen
Porzellanmanufaktur Kahla – Design von Barbara Schmidt, (D)
Porzellanmanufaktur Reichenbach – Design von Paola Navone (I) und Gerd Sommerlade (D)

 
 

Copyright © 2009 Mironde Verlag.
Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Die Nachrichten sind nur für die persönliche Information bestimmt. Jede weitergehende Verwendung ist untersagt.

Porzellan: Unikat und Serie heute
Ausstellungseröffnung im Wasserschloss Klaffenbach
 

Sonntags, 11 Uhr vormittags: Das Thermometer zeigt 43 Grad Celsius in der Sonne. Dieser 11. Juli scheint einer der gefühlt heißesten Tage des Jahres werden zu wollen. Selbst die dicken Mauern des Wasserschlosses Klaffenbach können der brütenden Hitze kaum widerstehen. Und so werden zur Eröffnung der Ausstellung »Porzellan – Unikat und Serie heute« auch nur leichte Getränke und Obst gereicht.
Die hier ausstellenden Porzellankünstler sollten allerdings Erfahrung mit hohen Temperaturen haben.

Artikel versenden
Artikel drucken
Mapsite
litterata