litterata  :  Reportagen  :  Kurt Teubner in Schlettau  
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Hier wurde an diesem Abend eine Ausstellung mit Werken von Kurt Teubner eröffnet. Dieser wurde 1903 in Aue geboren, besuchte ab 1917 die Königliche Zeichenschule in Schneeberg, musste diese jedoch abbrechen, um eine Arbeit aufzunehmen und Geld zu verdienen. Um künstlerisch tätig sein zu können, musste Kurt Teubner in den 1920er und 1930er Jahren als Dekorateur, Reklamemaler, Hausierer, Lineoliumleger und Gehilfe in Farbengeschäften den Lebensunterhalt verdienen. Er wurde nach 1933 mehrfach verhaftet und 1944 als Bausoldat eingesetzt. Er desertierte jedoch und erlebte das Kriegsende. 1945 gehörte er in seiner Geburtsstadt Aue zu den Mitbegründern des »Kulturbundes zur demokratischen Erneuerung Deutschlands«. Ab 1970 wandte er sich verstärkt der Collage und nach 1978 auch der Assemblage zu. Kurt Teubner verstarb 1990 in Aue.

 
 

Steffen Meyer, einer der beiden Sekretär des Kulturraumes Erzgebirge-Mittelsachsen, dankte am Ende der Ausstellungseröffnung der Familie Teubner und vielen Helfern, die zum Gelingen der Werkpräsentation beigetragen hatten.

 
 

Die Arbeiten Teubners assoziierten bei uns Erzgebirgslandschaft, raues Klima und harte Winter. Die Grundlage für ein solches Assoziationsvermögen ist handwerkliche Meisterschaft. Wo dieses Assoziationsvermögen fehlt, reduziert sich Kunst, wie Georg Lukacz sagte, auf ein rein nach außen gewendetes Interesse am Exotischen, so wie es uns in der Gegenwart massenhaft belästigt.
Bei Kurt Teubner findet man dagegen noch alte Tugenden eines Künstlers. Hier ist alles echt. Keine der heute üblichen Marotten und Mätzchen. Kein sentimentaler Kitsch. Die Kühle herrscht in der Darstellung vor. Seine Winterbilder ließen uns selbst in der Sommerhitze erschauern ...

 
 

Kommentar
Dem Kulturraum Erzgebirge ist wieder ein Ereignis gelungen. Das Werk Kurt Teubners repräsentiert ein Moment der künstlerischen Selbstverständigung der Erzgebirgsregion im 20. Jahrhundert. Die Kunst lotete Denkmöglichkeiten aus. Phantasie ist eine Voraussetzung für die technologische Kreativität.
Ohne die Kunst der Region wären die technischen Innovationen in der Erzgebirgsregion nicht möglich gewesen. Dies wird oft vergessen. Neben den technischen Leistungen gehören deshalb auch die künstlerischen Leistungen des Erzgebirgsraumes hervorgehoben. Die Ausstellung mit dem Werk Kurt Teubners erinnert uns an diesen fundmentalten Zusammenhang unserer Identität. Dies gilt es gegen die Reduktion unserer Kultur auf Räuchermännel-Schwibbogen-Nussknacker-Niveau der Tourismusmanager, der größten Feinde unserer Kultur, immer wieder hervorzuheben.
Das künstlerische Niveau Kurt Teubners ist eine Entdeckung. Dafür möchten wir Steffen Meyer und seinen Kollegen danken.
Johannes Eichenthal


Information
Noch bis zum 3. Oktober sind die Bilder von Kurt Teubner in Schlettau zu sehen.
Sammlung Erzgebirgische Landschaftskunst, Schloss Schlettau, Schlossplatz 8, 09487 Schlettau
www.schloss-schlettau.de
www.kr-erzms.de

Leserkritik
Sehr geehrter Herr Dr. Eichenthal! Ich wende mich in tiefer Besorgnis an Sie, nachdem ich Ihren letzten Bericht in Litterata gelesen habe.
Sie äußern sich dort in verächtlicher Form über Schöpfungen ganzer Generationen erzgebirgischer Menschen, die wesentlicher Bestandteil deutschen Kulturgutes geworden und als dieses in aller Welt bekannt sind. Man könnte sie geradezu als Element deutscher Leitkultur bezeichnen. Gerade von Ihnen hätte ich ein solches Denken nicht erwartet, wo Sie doch sonst jede noch so gering erscheinende Hervorbringung der Nachfahren der Ureinwohner Miriquidis als kulturelleLeistung feiern.Bedenken Sie doch einmal, welche Seinsursachen zur Produktion dieser von Ihnen verachteten Nußknacker und Schwibbögen geführt haben. Und welche Freude und Verzückungen diese Erzeugnisse über die Zeiten hinweg bisher hervorrufen. Noch immer pilgern alljährlich viele Tausende zur Adventszeit in erzgebirgische Ortschaften, um diese hölzernen Waren zu bestaunen und nach dem Genuß des berauschenden Glühweines etc. zu kaufen. Und wenn diese Dinge, wozu selbstredend auch Räuchermännchen und Holzengel gehören, dann im Heim aufgestellt werden und vor sich hinleuchten und qualmen, erfreut sich die Seele eines jeden guten Menschen. Oder etwa nicht? Auch sei bemerkt, daß Nußknacker von Sammlern meist nicht zum Knacken von Nüssen gebraucht, sondern als reine Kultobjekte angesehen werden. Hier ist doch eine tiefe, innige Verbindung der Volks-Seele mit dem materiellen Gegenstand offenliegend. Wie können Sie dies übersehen und ignorieren? Können Sie nicht die Erhabenheit eines Nußknackers, z.B. einen pfeiferauchenden mit Watte-Rauschebart, wahrnehmen? Sicher machen Sie sich auch über Gartenzwerge (die echten!) lustig, die gleichermaßen ein Ausdruck deutschen Denkens und kulturellen Schöpfens sind. Möglicherweise, ich bin aber kein Historiker, gibt es Verbindungen zwischen Märchen, der deutschen Mentalität und Lebensweise und der deutschen Politik, obwohl letztere weder märchen- noch zwergenhaft ist. Die Ursache für Ihr Fehlurteil vermute ich in dem Umstand, daß Sie als (ein Adjektiv lasse ich weg) Herderianer bei Ihrem Meister eben keinen Beleg über Nußknacker etc. gefunden haben. Ansonsten sähe Ihr Urteil über dieses Element erzgebirgischer Volkskunst wohl entgegengesetzt aus. Aber das ist natürlich eine böse, hoffentlich nicht zutreffende Vermutung. Abschließend, und daran erkennen Sie den Grad meiner tiefen Betroffenheit über Ihre gedankenlose Bemerkung, sei Ihnen gesagt, daß ich daran denke, noch einem gewissen Vorbild, mir eine Nußknacker-Armee aufstellen zu lassen, wenn es einmal soweit ist, was hoffentlich noch in weiter Ferne liegen möge.
In der Illusion, Sie zu einer Abkehr von Ihrem Fehlurteil bewegen zu können, sende ich Ihnen und zuvörderst Ihrer Frau Gemahlin die besten Grüße.
H. Rabe

 
 

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Kurt Teubner in Schlettau
Die Sommerausstellung Erzgebirgische Landschaftskunst ist eröffnet
 

Der lang erwartete Sommer des Jahres 2010 erreichte Anfang Juli sein erstes Formhoch. So war auch der 9. Juli ein sehr heißer Tag. Ein Blick auf die Wetterkarte tröstete uns: nicht einmal in Rom, Athen oder Kairo war es wärmer. So schwitzten wir mit einem gewissen Stolz. Selbst am Abend, als wir das erzgebirgische Schlettau erreichten, herrschte noch eine fast afrikanische Hitze. Im Park des Schlettauer Schlosses war man noch dabei ein volksfestliches »Event« vorzubereiten. Doch uns zog es ins Schloss, eine steile Wendeltreppe hinauf, in die Galerie.

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