litterata  :  Reportagen  :  Kuenstlerbuchmesse in Klaffenbach  
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Foto: Blick in das Buch »Aug um Ohr«

Für das Wochenende vom 4./5. September 2010 war die 10. Künstlerbuchmesse geplant. Es wurden Teilnehmer aus ganz Deutschland erwartet. Eigentlich musste man mit einer Absage rechnen. Man kann es Museumsleiterin Eva Kühnert und ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nicht hoch genug anrechnen, dass sie die Hochwasserschäden in kurzer Zeit beseitigten, um die Messe doch noch zu ermöglichen. Aber was heißt beseitigen. Nach dem der letzte Besucher das Haus verlassen hatte, wurden am Abend die Gebläse im Erdgeschoss wieder eingeschaltet, um die Restfeuchtigkeit aus den Räumen zu vertreiben.

 
 

Der Spanier Salvador Menjibar (vorn links) stellte Bildhauerbücher vor, die plastische Konstellationen ermöglichen. Er nennt sein Prinzip »Polymorphie«. Damit macht er darauf aufmerksam, dass wir alle von verschiedenen Gesichtspunkten an Objekte herangehen und jeder andere Figuren in den gleichen Gestalten sieht.

 
 

Else Gold aus Meißen gibt zusammen mit Wolfgang Herbst die Kulturzeitschrift »Zündblättchen« heraus. In den »Zündblättchen« werden Texte von Autoren aus ganz Europa in Verbindung mit den Arbeiten einer Grafikerin oder eines Grafikers veröffentlicht. Der gelernte Schriftsetzer und Drucker Wolfgang Herbst verbindet alte handwerkliche Satz-Grundsätze mit dem Computersatz. Damit wird es möglich anspruchsvolle Texte und Grafiken zu veröffentlichen, die streng genommen keine Chance auf eine kommerzielle »Vermarktung« hätten.

 
 

Gudrun Wendler (Foto 2. von links) aus Berlin kam zur Premiere ihres Buches »Aug um Ohr« nach Klaffenbach. In einer fulminanten Lesung ihrer lyrischen Texte begeisterte sie das sachkundige Publikums-Ohr in Klaffenbach. Unter den Besucherinnen war auch die bekannte Chemnitzer Künstlerin Dagmar Ranft-Schinke. Im Buch findet das Auge des Leser zudem farbenfrohe Malerei der Künstlerin. Birgit Eichler (Foto 1. von links), die Buchgestalterin, sagte auf unsere Frage, dass ihr der Kunstbuch-Purismus und das Beharren auf Bleisatz nicht ausreiche. Das Medium Buch sei entstanden, um Öffentlichkeit zu erreichen. Die Frage sei für sie nicht ob Computersatz oder nicht. Die Leiterin der Weimarer Bauhaus-Textilwerkstatt Gunda Stölzel habe es so formuliert, dass es kein einfaches »zurück« geben könne. Die Frage sei, ob man alte handwerkliche Grundsätze unter heutigen Bedingungen weiter führe oder sich unter der falschen Flagge der »Modernität« in Formlosigkeit und Beliebigkeit flüchte. So habe sie bei der Gestaltung des Buches von Gudrun Wendler darauf geachtet, für die Sprache der Autorin eine angemessene Schrifttype zu finden, den Satz der Sprachmelodie anzupassen und eine geeignete Papierqualität auszusuchen. Der Digitaldruck in höchster Qualität wurde von der alteingesessenen Druckerei Gröer in Rabenstein ausgeführt. Die Malerei erzeugt im Druck auf dem edlen Papier eine angenehme Haptik. Die Fadenheftung und den Leineneinband führte der renommierte Buchbinder Alexander Geßner in Grüna aus. Die Autorin Gudrun Wendler zeigte sich von der Qualität des Buches hoch erfreut. Für den Leser bietet das Werk einen besonderen Genuss.

Kommentar
Wenn man die Teilnehmer fragt, warum sie jedes Jahr nach Klaffenbach kommen, obwohl das Chemnitzer Publikum nicht in Massen hereinströmt und sie hier kaum Verkäufe tätigen, dann antworten viele von Ihnen, dass man hier Kollegen treffe, mit denen man sich wunderbar austauschen könne. In der Tat versammeln sich hier freischaffende Künstler, Minipressenbetreiber, Klein- und Kleinstverlage. Die Teilnehmerszene widerspiegelt etwas die Situation der Kulturschaffenden in unserem Land. Mehr als 50 % der Beschäftigten im Kulturbereich arbeiten heute schon als kleine Selbständige, ohne fester Gehälter, Urlaubs- und Weihnachtsgeld, ohne Absicherung im Falle von Krankheit und Alter. Sie nehmen einerseits vorweg, was die, die sich heute noch in gut dotierten Angestellten-Positionen-Sicherheiten wähnen, schon mittelfristig erfahren werden. Andererseits muss man konstatieren, dass sich diese Szene auf die Suche nach einer anderen Art zu leben begeben hat. Ein einfaches Leben hat durchaus Luxus, der aber nichts mehr von der alten Wachstums-Wohlstands-Behäbigkeit hat. Man kann in der Szene eine alternative Kultur mit Niveau finden. Hier wird das Wort »kreativ« nicht in sublimentärer Weise missbraucht. Hier wird Kreativität gelebt. Die ausgestellten Exponate sprechen ihre eigene Sprache. Die Künstler sind so souverän, dass sie selbst die Gefahr des geistigen Diebstahls, die hier besonders in Gestalt des gemeinen »Kunsterziehers« durch die Gänge schleicht, großzügig zu übersehen vemögen.
In Klaffenbach kam also ein Teil der so genanten »Kreativwirtschaft« zusammen. Um so erstaunlicher, dass dieses Treffen dem Anschein nach keinem Vertreter des Stadtrates, der Stadtverwaltung und der Kulturbürokratie zu einen Besuch des Wasserschlosses bewegte.
Das ist bedauerlich. In Chemnitz war das schon einmal anders.
Johannes Eichenthal

Information
www.wasserschloss-klaffenbach.de

Salvador Menjibar: www.libroescultorico.com

Else Gold und Wolfgang Herbst: www.elsegold.de; www.weherbst.de

Gudrun Wendler: www.gudrunwendler.de
Gudrun Wendler: Aug um Ohr. Malerei und Poesie.
Herausgegeben von Prof. Eberhard Görner
Schutzumschlag, Handgebunden, Fadenheftung, Leineneinband, Lesebändchen.
Limitierte, nummerierte Auflage in 99 Exemplaren
ISBN 978-3-937654-56-0
VP: 80,- €

 
 

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10. Kuenstlerbuchmesse in Klaffenbach
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Das Wasserschloss Klaffenbach gehörte über Jahrhunderte zu Neukirchen. Als Wasserschloss Neukirchen ging es in die Sagengeschichte der Region ein. Es war einmal, da lebte hier ein hartherziger Schlossherr, der seine schöne Tochter an den reichen, bösartigen und hässlichen Herren auf Burg Rabenstein verheiraten wollte. Als sich die Tochter weigerte, ließ er sie in einen Turm des Schlosses einmauern. Der schlechte Vater starb bald nach seiner grausamen Tat unter größten Schmerzen. In manchen stürmischen Nächten hört man heute noch die Klagerufe des schönen Mädchens im Schloss. Die Schlossbesatzung sorgte sich jedoch in den letzten Wochen weniger um die Erlösung der Prinzessin, mehr um profane Dinge: eine Hochwasser-Flutwelle hatte große Teile der Einrichtung zerstört.

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