litterata  :  Reportagen  :  Chemnitz ist das Tor zum Erzgebirge  
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Die Ankündigung der Lesung durch die Universitätsbibliothek Chemnitz hatte zahlreiche Gäste in das ehemalige »Heizhaus« der TU Chemnitz gelockt. Darunter auch die Leiterin der Universitätsbibliothek, Frau Angela Malz (1. Reihe, 2. v. re.) und die Leiterin der Stadtbibliothek, Frau Elke Beer (1. Reihe, 1. v. re.)

 
 

Professor Eberhard Görner, der das Buch »Weißes Gold im Erzgebirge?« bereits in Aue, Meißen und Schneeberg vorstellte, trug wieder lange Abschnitte vor. Wir haben in früheren Reportagen darauf verwiesen, dass ein Vorzug des Herausgebers darin besteht, trockene statistische und wissenschaftliche Zusammenhänge in einem poetisches Licht erscheinen zu lassen. Zudem vermochte der gebürtige Erzgebirger, wie ein großer Verleger, in diesem Buch Autoren verschiedener Fachbereiche zusammenzubringen, die sich wahrscheinlich nie begegnet wären.
Zudem unternimmt Görner seit fünf Jahrzehnten Ausflüge in die Sächsische Geschichte nicht der »reinen Vernunft« willen, sondern um erstarrtes kulturelles Leben wieder flüssig machen zu helfen.
So ließ er auch an diesem Abend im Kopf der Zuhörer das Bild von Veit Hans Schnorr dem Jüngeren als eines Unternehmers des 17. Jahrhunderts, des Barock, entstehen, der technische und geistige Universitätsstudien zu verbinden vermochte, der mit Künstlern, Wissenschaftlern und Forschungsreisenden befreundet war, der eine große Bibliothek anlegte, Mineralien und Fossilen sammelte, der die harte körperliche Arbeit im Berg selbst kannte und Mildtätigkeit walten lassen konnt. Das alles erschien in der Schilderung Görners nicht als Belastung, sondern als Voraussetzung erfolgreicher unternehmerischer Tätigkeit.
Oder Papst von Oheim. In Görners Schilderung wurde dieser hohe Bergbeamte wieder lebendig, der seine Führungstätigkeit mit tiefen technologischen und chemischen Kenntnissen zu verbinden vermochte.
Nicht zuletzt, und darauf verwies Görner mit großem Ernst, war August der Starke ein Kurfürst, der seine strategischen Fähigkeiten auf universelle Interessen und universelle Bildung gründete. Er vermochte die Grundlagenforschung in Sachen Mineralogie, Lagerstättenerkundung, Brenn- und Schmelzprozessen in großer Breite zu finanzieren und zu führen, konnte sie aber auch zeitweise auf einen einzigen Punkt konzentrieren, wie im Falle der Porzellanerfindung. »Was die Chinesen können, dass können wir schon lange«, war sein Credo.
Obwohl Görner sehr lange gelesen hatte, beteiligten sich die Zuhörer mit Fragen und Meinungsbekundungen am Denkprozess. Damit erreichte der Abend auch eine interessante Vielstimmigkeit.
Eberhard Görner dankte am Ende noch einmal allen Beteiligten und besonders den Städten Aue, Freiberg und Schneeberg, die in großer Weitsicht das Entstehen des Buches unterstützten.

 
 

Kommentar
Professor Eberhard Görner, der außerhalb Sachsens beständig für die sächsische Kultur wirbt, war an diesem Abend als eine Art Tröster der beschädigten Chemnitzer Seele tätig. Man ist ja heute in solchen Dingen etwas skeptisch. Aber Görner kennt die sächsische Kultur, deshalb muss er sich auch nicht in eine leer-formale Unternehmensberatersprache flüchten. Görner ist Optimist, deshalb muss er nicht vom »positiven Denken« reden. Görner lässt statt dessen den gesunden Menschenvorstand zu Wort kommen: Chemnitz ist das Tor zum Erzgebirge. Über Jahrhunderte war diese einfache Wahrheit Konsens. In den letzten zwanzig Jahren wollte man jedoch alles anders machen. Doch an der geographischen Lage von Chemnitz kann man nichts ändern. Das Schicksal der Region Erzgebirge und das der Stadt Chemnitz ist voneinander abhägig. Ohne die beständige Infragestellung der Tradition und deren Erneuerung aus dem Fundus des kulturellen Erbes, kann es keine Identität einer Region geben. Die heute so beliebte PR-Branche vermag dagegen nur »bunte Abziehbilder« zu liefern.
Nicht zuletzt macht uns Professor Görner wieder einmal deutlich, dass eine gediegene Allgemeinbildung und überragende Spezialkenntnisse zwar Gegensätze sind, die sich jedoch bedingen. Die Führungspersonen des 17./18. Jahrhunderts verfügten über beides. Leichter kann man jedoch Kompetenz nicht erwerben.
Johannes Eichenthal

 
 

Information

Die nächste Lesung aus »Weißes Gold im Erzgebirge wird Professor Görner durchführen:

am 27.10.2010 in der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur in Dresden

am 19.11.2010 im Dresdner Lignerschloss

Görner, Eberhard (Hrsg.): Weißes Gold aus dem Erzgebirge? Veit Hans Schnorr von Carolsfeld (1644-1715). ISBN 978-3-937654-57-7
www.mironde.com

www.wirtschaft-im-erzgebirge.de

 
 

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Chemnitz ist das Tor zum Erzgebirge
Lesung mit Professor Eberhard Görner
 

Nach 20 Jahren der Deindustrialisierung, so Professor Eberhard Görner zum Abschluss seiner Lesung aus dem Buch »Weißes Gold im Erzgebirge?«, sei es an der Zeit, dass sich die Erzgebirgsregion wieder der eigenen kulturellen Voraussetzungen, d.h. seiner Identität bewusst werde. Und Chemnitz, so der Medienprofessor, sei nun einmal das Tor zum Erzgebirge. Das Schicksal der Stadt ist mit dem der Region verbunden, so wie sich die Gegensätze von Stadt und Umland gegenseitig bedingen. Das eine kann es nicht ohne das andere geben.

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