litterata  :  Reportagen  :  G. H. Schubert in Weimar  
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Foto: Das Weimarer Goethe-Schiller Denkmal

Im Vortragsraum des Schillermuseums begrüßte Frau Dr. Ulrike Bischoff an diesem Abend Dr. Andreas Eichler zur Vorstellung des Buches »G. H. Schubert - ein anderer Humboldt«. Eichler erklärte dem Weimarer Publikum, das dem Anschein nach von Schubert bisher kaum etwas gehört hatte, dass 2010 der 150. Todestag Schuberts war. Er habe 2008 mit einem Kollegen einen Diskussionsbeitrag zur Schubertschen Herder-Rezeption während der Tagung der Internationalen Herder-Gesellschaft in Jena gehalten. Aus diesem Vortrag sei das Buch entstanden. Schubert wurde am 26. April 1780 im Pfarrhaus der St.-Christopherus-Kirche im sächsischen Hohenstein geboren und starb am 30. Juni/1. Juli 1860 in der Nähe von München. Schubert sein ein polyglotter Geist von enzyklopädischer Bildung gewesen. In einem Brief vom 24. Dezember 1826 an Rudolph Wagner schrieb Schubert, dass Alexander von Humboldt und sein Entdeckerreiseleben ihm ein Leben lang als Vorbild erschienen. Er habe aber nie gewagt, mit diesem in Kontakt zu treten. Schubert habe seit seiner Gymnasialzeit in Weimar eine besondere Nähe zur Familie Herder besessen, Zusammen mit dem jüngsten Herder-Sohn Emil erfuhr Schubert eine Art von Privatunterricht bei Johann Gottfried Herder in sieben Abendvorträgen. Die Mitschriften Schuberts wurden von Bernhard Suphan in Band XXX der Sämtlichen Werke Herders aufgenommen.
Später wurde Schubert ein Teil der so genannten Frühromantik-Bewegung, und sogar einer der Stichwortgeber dieser Bewegung.
Eichler meinte, dass gerade die Nähe zur Familie Herder und die Beteiligung an der romantischen Jugendrevolte Schubert besonders interessant gemacht hätten. Eine Untersuchung dieser Beziehung sei heute bedeutsam. Georg Lukács hatte 1954 die Romantik in seinem Buch »Die Zerstörung der Vernunft. Der Weg des Irrationalismus von Schelling zu Hitler« als Ursprung des modernen Irrationalismus« verurteilt. Aber Lukács sah selbst ein, dass das Schema Rationalismus-Irrationalismus nicht tragfähig ist. Isaiah Berlin, ein in Riga geborenen britischer Ideen-Historiker, führt den Irrationalismus-Vorwurf bis in sein 1998 erschienenes Buch »Die Wurzel der Romantik« weiter. Hier dehnt er den Ursprung des »Irrationalismus« sogar auf Hamann, Kant und Herder aus. Die »Tageszeitung« vom 23.09.2010 behauptete in einem Artikel sogar, dass man bei Herder schon »alle Vorteile gegen Roma und Juden« fände, die dann zur Massenvernichtung geführt hätten.
Das sei die Lage, meinte Eichler, mit der man sich heute auseinandersetzen muss.

 
 

Foto: Das Weimarer Schiller-Haus, Teil des Schiller-Museums

In einem zweiten Teil zitierte Eichler ausführlich aus Briefen und Lebenserinnerungen Schuberts. Man konnte die Begeisterung mitempfinden, die Schubert bei seiner Wanderung nach Weimar empfand. Weimar nannte Schubert »das deutsche Athen«. (Sicher ein Missverständnis, denn die Athener zwangen einen Sokrates zum Gift-Selbstmord und hätten um ein Haar auch den Aristoteles ...) Schubert meinte vielleicht eher den Götter-Wohnsitz »Olymp«. Die Atmosphäre am von Karl August Böttiger geleiteten Gymnasium muss das Lernen enorm befördert haben. Herder selbst korrigierte die schriftlichen Abschlussarbeiten der älteren Schüler. Die Arbeit Schuberts hob er besonders hervor, weil dieser eigene Gedanken entwickelte und einen großen Fleiß gezeigt habe. Schubert hatte in seiner Arbeit in Anlehnung an Herders »Ideen zu einer Philosophie der Geschichte der Menschheit« mit eigenen Gedanken das Ziel formuliert, die Natur als ein organisches System zu erfassen.
Schubert berichtete davon, dass die Mutter des Regenten, Herzogin Anna Amalia, die besten Schüler regelmäßig empfing. Den Weimarer Gymnasiasten und Jenaer Studenten hätten alle Konzerte und Theateraufführungen in Weimar kostenfrei offen gestanden. Die Familie Herder nahm auch die Freunde ihrer Kinder in den Familienkreis auf. So saß auch Schubert mit am Tisch, wenn Wieland oder Jean Paul die Familie Herder besuchten. In Schuberts Erinnerungen finden wir interessante Schilderungen des Herderschen Familienlebens. In Weimar lernte Schubert bereits viele Personen des großen Geisteslebens kennen. Seine Schulkameraden nahmen später zum großen Teil Führungspositionen ein.
Gemäß der Familientradition sollte Schubert Theologie in Leipzig studieren. Der Form nach kam er ab Ostern 1799 dem väterlichen Wunsch nach. Aber in Wirklichkeit hörte er Vorlesungen zur Mathematik, Physik, Chemie, Biologie, Zoologie, Geschichte u.a. An den Vater schrieb er, dass Herder meine, die Naturwissenschaften vertrügen sich mit der Theologie. Mit Unterstützung seiner erwachsenen Schwestern erreichte Schubert beim Vater, dass er zur Medizin wechseln durfte, und im gleichen Verfahren erreichte er auch, dass er ab Ostern 1801 in Jena bei Ritter und Schelling studieren durfte. Der Pfarrerssohn und gelernte Apotheker Johann Wilhelm Ritter war ein ungewöhnlicher Physiker mit Interessen von der Theologie über die Naturwissenschaften bis hin zur Literatur. Ebenso der junge Wilhelm Joseph Friedrich Schelling. Schuberts Erinnerungen lassen noch 50 Jahre später die Aufbruchstimmung erahnen, die in der Jugend um 1800 an der Universität in Jena herrschte.
In Briefen an Emil Herder schrieb Schubert in jener Zeit, dass er sich große Ziele in der Wissenschaft stellte und Schiffsarzt werden wollte, um die Welt kennen zu lernen, wie Alexander von Humboldt.
Bereits 1803 wurde Schubert als Mediziner promoviert. und ließ sich in Altenburg als praktischer Arzt nieder. Das Ziel des Schiffsarztes hatte er aufgegeben. Statt dessen heiratete er recht schnell. Aus finanziellen Gründen musste er sich jedoch um zusätzliche Einnahmen bemühen und schrieb einen Unterhaltungsroman. Mit Hilfe des Freundes Ritter fand Schubert einen Verleger. 1804 erschien im Verlag von Ferdinand Dienemann und Comp. in Penig anonym »Die Kirche und die Götter«. Erst fünf Jahre vor seinem Tod bekannte sich Schubert zur Autorenschaft an diesem Roman. 1804 waren bei Dienemann auch die italienischen und spanischen Erzählungen von Sophie Mereau-Brentano erschienen. 1805 erschien im gleichen Verlag der Roman »Nachtwachen« mit der fingierten Verfasserangabe »Bonaventura«. Schubert deutete in seinen Lebenserinnerungen, unmittelbar nach dem Bekenntnis zu seinem Roman an, dass er den Verfasser der »Nachtwachen« kannte.
1805 zieht Schubert mit seiner jungen Frau nach Freiberg, um noch einmal bei Abraham Werner Mineralogie und Geognosie zu studieren. 1806 geht es weiter nach Dresden. Schubert arbeitet an Buchprojekten zur Naturgeschichte. Er schließt Bekanntschaft mit Adam Müller, Heinrich von Kleist, Ludwig Tieck, Johann Gottfried Seume, Caspar David Friedrich Julius Schnorr von Carolsfeld, Gerhard von Kügelgen und vielen andern Vertretern der Romantiker-Generation. Schubert hielt mit allen Bekannten lebenslange Freundschaft. Er galt als Verkörperung des Romantiker-Ideals der Freundschaft. Auch die untereinander verstrittenen Freunde bedachte Schubert mit gleichbleibender Zuwendung. In den Schubertschen Erinnerungen fínden wir einprägsame Schilderungen seiner Künstler-Freunde.
Schubert publiziert in der Zeitschrift »Phöbus«. Auf Einladung Adam Müllers hält Schubert im Winter 1807/1808 im Palais Carlowitz Vorlesungen unter dem Titel »Nachtseiten der Naturwissenschaft«. Hier spricht er sich gegen die Illusion aus, dass man die Natur allein mit mathematischen Methoden verstehen könne und plädiert für die Aufhebung der unsinnigen Disziplingrenzen bei der Untersuchung der einen Natur. Schubert spricht sich für die Bewahrung des Wissens der Naturvölker aus und verurteilt imperiale Kriege und die damit verbundenen Zerstörungen. Am Ende definiert er, dass die Morgenröte eines neuen Zeitalters schon sichtbar seien. Doch vor Anbruch eines neuen Tages gelte es eine »Nachtwache« zu überstehen. Es werde noch einmal sehr kalt.
Mit diesen Vorträgen wurde Schubert berühmt. In der Arnoldschen Buchhandlung in Dresden erschienen die Vorträge 1809 als Buch. Schubert wurde eine Art von Stichwortgebern der Romantik. Um 1816 wurde Schubert in einschlägigen Lexika bereits als Prominenter erwähnt.
Doch auch die Schwächen Schuberts seien in den Vorträgen bereits vorhanden. Er wandte sich modischen Themen, wie dem Magnetismus, der Geisterseherei u.a. mit der Begründung zu, dass es hier um »Grenzphänomene« gänge. Aber die Wissenschaft hat es immer mit Grenzphänomenen zu tun. Bereits hier wird Schuberts spätere Hinwendung zu religiösen Sekten in Ansätzen sichtbar.
Trotz seiner Popularität hatte Schubert in Dresden jedoch kaum finanzielle Einnahmen. So nahm er im November 1808 sofort den Ruf auf eine Rektorenstelle eines Nürnberger Gymnasiums an, den ihm sein Freund Friedrich Wilhelm Joseph Schelling vermittelte. Anfang Januar 1809 verließ die Familie Schubert Dresden.
1810 schrieb Schubert aus Nürnberg an Emil Herder anlässlich des Todes von Johann Wilhelm Ritter, dass ihre Generation mit der Hoffnung auf ein neues Zeitalter gescheitert sei. Auf absehbare Zeit werde sich auch keine neue Chance ergeben.
Schubert veröffentlichte 1814 eine »Symbolik des Traumes«, in der er auf typisch romantische Art nach »Ur-Traum-Symbolen« suchte. Sigmund Freud schätzte dieses Buch und nannte Schubert in der 3. Auflage seiner Traumdeutungen den »alten Traumforscher«. Der Großvater Hermann Hesses war so von dem Buch begeistert, dass er sich eine Büste Schuberts in sein Arbeitszimmer stellte.
1830 erschien Schuberts »Geschichte der Seele«. Auf der Basis seiner medizinischen und naturwissenschaftlichen Kenntnisse hält Schubert gegen die Mode der kopflastigen »Bewusstseins-Philosophie« am Begriff der Seele fest, weil der Mensch mit allen Sinnen die Welt erkennt, nicht nur mit dem Kopf. Für diese Gesamtheit der Sinne wurde der Begriff Seele überliefert.
Eichler fügte hier an, dass Schubert dass Jugendideal die Natur als ein organisches System erfassen zu wollen aufgab und sich mehr und mehr der bloßen Vermittlung zuwandte. Seine Bücher nahmen den Charakter von bloßen Lehrbüchern an. Schubert, so Eichler, habe zunehmend die empirische Verbreiterung der Basis mit dem Fortschreiten in den Grundlagen der Wissenschaft gleich gesetzt. Schubert erhielt zunächst eine Professur in Erlangen, ab 1827 eine Professur in München. Der Geheimrat-Titel und das Adels-Prädikat wurden ihm verliehen. Mehrere Akademien nahmen ihn als Mitglied auf. Er beriet das bayerische Königshaus, war als Prinzenerzieher tätig. Er verstarb hochgeehrt. Seine Beisetzung wurde zu einem Treffen der Geisteswelt des 19. Jahrhunderts.

 
 

Abbildung: Der junge Romantiker Schubert in einem Porträt seines Dresdener Freundes Gerhard von Kügelgen

In der Diskussion warf Dr. Günter Arnold ein, dass der enorme Zuwachs an Wissen im 19. Jahrhundert eine philosophische Durchdringung kaum noch möglich gemacht hätten. Herder habe z.B. auf neuere Erkenntnisse des Physikers Herschel auf neuplatonische Weise mit orphischen Hymnen geantwortet.
Eichler antwortet, dass dies zwei Probleme seien. Die Durchdringung der Wissensentwicklung sei keine Frage des Umfanges. Hier gehe um die Methode, wie man ein organisches System untersuche und darstelle. Schubert habe trotz seiner Nähe zur Familie Herder und günstigster Ausgangsbedingungen nicht die Methode Herders weitergeführt. Dies sei ein Fakt. Aber es sei auch keine Schande, denn im Grunde habe nur Georg Friedrich Wilhelm Hegel und Karl Marx diese Methode weiter geführt. Beide vermieden jeden Hinweis auf Herder und entwickelten die Methode nur auf eingeschränkter Grundlage. Hegel bezog sich nur auf die Logik und Marx auf das Kapitalverhältnis. Die Herderschen »Ideen« mit ihrer Verbindung von Natur- und Kulturgeschichte fanden keinen Fortsetzer.
(Herders »Ideen« wurden in der ersten Hälfte des 19. Jahrhundert von breiten Kreisen geistig aktiver Menschen gelesen. Selbst sensible Dichterinnen wie Karoline von Günderrode lasen die »Ideen« mit großer Begeisterung. Vielleicht auch, weil Herder das umfangreiche und tiefe Werk im Anklang an einen Hymnus geschrieben hatte?)
Der Herder-Forschung selbst, die nur auf Bewahren, nicht auf Erneuern angelegt ist, blieb die Methode bislang verborgen. Wolfgang Proß ließ in der bislang aufwändigsten Edition der Herderschen »Ideen«, die im Hanser-Verlag erschienen, die entscheidende Stelle in der Einleitung zu den Ideen unkommentiert.
»Wenn ich also das große Himmelsbuch aufschlage (...) so schließe ich, so ungeteilt ich kann, vom ganzen aufs einzelne und vom einzelnen aufs Ganze.«
In einem Brief an seinen Sohn August wiederholt Herder diese Grundsätze und fügt an: An sich eine kahle Regel, erst in der Anwendung wird sie reich.
In Anlehnung an Leibniz habe Herder die philosophische Bedeutung des Differentials erschlossen. Er stelle die Naturzusammenhänge, dass Allgemeine, deduktiv dar, und gegenläufig, induktiv, das Einzelne, die Tätigkeit der Menschen. So nähere sich Herder von zwei Seiten der Besonderheit vermenschlichter Natur, der Kultur.
Dem Anschein nach ist es nicht nur mit einer komplexen Methode, sondern mit dem gesamten kulturellen Erbe grundsätzlich so, dass wir es nur bewahren können, wenn wir anwenden, d.h. auch verändern.
Das andere Problem sei der »Neuplatonismus«. Herder habe die Platonische Tradition bis in seine Gegenwart weitergeführt. Herder habe Leibniz z.B. gegen Kant verteidigt. Herder habe sich neuen Erscheinungen auf der Basis der Tradition zugewendet. Aber er habe sich geweigert, irgendwelchen »Revolutionen« oder »kopernikanische Wenden« in der Wissenschaft ernst zu nehmen. Revolution sei für Herder ein Prozess in der Tiefe, keine Frage einer Selbstproklamation. Fortschritt sei nur erfolgreich möglich, wenn differenziert bewahrt und erneuert werde. Jede Gleichsetzung von Revolution mit »Aufstand«, »Wende« oder einer »Hau-Ruck-Aktion« führe ungewollt zur Konservierung bestehender Mängel. Hier führte er Kants Einschätzung der Französischen Revolution an: Was oben war ist jetzt unten. Was unten war ist oben. Das Wesentliche ist gleich geblieben.
Aber hinter dem »Neuplatonismus« verberge sich noch ein anders Problem. Herder sei der Meinung gewesen, dass die Poesie die Brücke zwischen Naturwissenschaften und Religiosität zu schlagen vermag, Aus diesem Grunde schätzte er die Naturhymnen von Shaftesbury und Erasmus Darwin. In diesem Lichte sei vielleicht auch sein Hinweis auf »orphische« Hymnen zu lesen.
Auf eine Frage nach dem Generationen-Begriff antwortete Eichler, dass ihm die Grenzen der vergleichenden Wissenschaften bei der Darstellung dessen, was man »Romantik« nennt aufgefallen seien. Gerade die Generation der Romantiker wollte die unsinnigen Disziplingrenzen überwinden. Es sei offensichtlich, dass man eine solche Bewegung erst recht nicht mit den üblichen Schubladen wie »Empfindsamkeit«, »Sturm und Drang«, »Klassik« und »Romantik« einordnen könne. Wo wöllte man Herder oder Goethe einordnen? Etwa in alle Schubladen?
Ein Vergleich der Geburtsdaten zeige, dass die Generation der zwischen etwa 1770 und 1785 Geborenen sich bemühte, sich mit dem Erbe der Generation von Hamann, Herder, Wieland, Goethe, Schiller u.a. auseinanderzusetzen. Im Kern gehe es um die Weitergabe des Erbes im Rahmen der Generationen-Kette. Die »Goldenen Kette der Generationen« sei der einzige Ausdruck, den Hegel mit Hinweis auf Herder verwendete.
Die Romantiker schwankten, wie jede junge Generationen, zwischen einem gänzlichen Verwerfen des Erbes und einer kritiklosen Übernahme. Für die erste Möglichkeit stehe die Hinwendung Friedrich Schlegels zu Kants Transzendentalphilosophie und Fichtes Wissenschaftslehre und für die andere die Tätigkeit Schuberts nach 1808. Beide Extreme laufen auf das gleiche Resultat hinaus.
Interessant ist hier, dass sowohl Fichte als auch Schlegel im Alter von diesen Extremen abkamen. Fichte interpretierte u.a. das Johanns-Evangelium und kam zu ähnliche Ansichten, wie Benedict Spinoza. Friedrich Schlegel verfasste eine Geschichte der alten und neuen Literatur, in deren Aufbau von den »revolutionären Methoden« Kants und Fichtes nichts mehr zu finden ist. Statt dessen verwendet Schlegel einen weiten Literatur-Begriff, schloss die Philosophie ein, und ging vom Generationen-Modell in der Weitergabe des kulturellen Erbes aus.
Dem Anschein nach könne eine Generationsrevolte also nur erfolgreich sein, wenn so viel als möglich vom guten Alten bewahrt und nur maßvoll erneuert wird. Weder »reines Bewahren« noch »reines Erneuern« führen zum Ziel.

 
 

Der Buchtitel zeigt die Porträtbüste des älteren Gotthilf Heinrich von Schuberts, die seine Heimatstadt Hohenstein zu seinem 100. Geburtstag, nach einem Modell Maximilians von Widnmanns anfertigen ließ.

Kommentar

Der erfahrene Litterata-Leser weiß, dass wir der »Herder-Manie« Eichlers skeptisch gegenüberstehen. Diesmal bezog er aber erstaunlich viele andere Denker in seine Überlegung ein. Es ist erstaunlich, welche Beziehungen er an Beispiel von Gotthilf Heinrich Schubert deutlich machen kann.
Die Idee von der Kette der Generationen, in der das kulturelle Erbe erneuert und bewahrt wird, die widerspricht allen heutigen Standard-Darstellungen zur Romantik.
Vielleicht sollte sich Eichler einfach einmal mit der Meinung der alten, erfahrenen und einflussreichen Wissenschaftler abfinden. Oder geht es hier auch um einen Generationskonflikt? Sei es wie es sei. Wir wurden durch den Vortrag angeregt wieder einmal über unser kulturelles Erbe nachzudenken.
Am Parkplatz wurden wir vom Besitzer einer fahrenden Imbissbude bedrängt: Wir sollten endlich den Platz frei machen. Er wolle seine Wagen in Position bringen, um noch ein paar Stunden zu schlafen. Und dann? Was ist dann? Dann beginnt der Weimarer Zwiebelmarkt mit Riesen-Rostern, Unmengen Bier und lauter »Volksmusik«.
Das war für uns fast ein Kulturschock. Auf unserer Flucht aus Weimar fuhren noch einmal beim Goethe-Schiller-Denkmal vorbei. Auch dieses inzwischen umringt von Imbiss-Buden. Einen Moment hatten wir das Gefühl, dass Goethe und Schiller erhaben lächelten.
Johannes Eichenthal

Weitere Vorstellungen des Buches G.H. Schubert - ein anderer Humboldt

19. November 2010 in Wien
20. November 2010 Universitätsbibliothek Erlangen

 
 

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G. H. Schubert in Weimar
Buchvorstellung beim Freundeskreis des Goethe-Schiller-Archives
 

Der 7. Oktober war ein milder, sonniger Herbsttag. Bekanntlich erhebt sich die Eule der Minerva erst im Herbst wieder zu ihrem Fluge. Im Klassiker-Städtchen Weimar herrschte eine Art Ausnahmezustand. Die Parkuhren waren mit dem Hinweis überklebt, dass ab dem 08.10.10 Sonderbedingungen gälten? Man konnte schon ahnen, dass irgendetwas Bedeutsames, Großes vor den Toren der Stadt stand. Schon wurden große weiße Kisten mit der Aufschrift »Imbiss« herangerollt. Starke Männer wuchteten Brauerei-Wagen in Position. Unsere Spannung stieg. Was würde wohl kommen?

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