litterata  :  Reportagen  :  Buchmesse Wien 2010  
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Foto: Burkhard Spinnen (1. v. re.)  in der Diskussionsrunde

Die Buchmesse Wien findet in diesem Jahr zum dritten Male statt. Das Messegelände wurde erst in den letzten Jahren ausgebaut. Gut organisierte öffentliche Verkehrsmittel lassen uns schnell zum Ziel kommen. Die U2 bis zur Station Krieau. Beim Verlassen des Gebäudes steht man direkt vor dem Eingang der Messehalle D. 250 Aussteller sind hier in diesem Jahr vertreten. Auf mehreren Podien finden öffentliche Diskussionen statt. Da sehe und höre ich Burkhard Spinnen, wie er engagiert und kenntnisreich für die lebendige Vermittlung der deutschen Sprache streitet. Einen solchen Deutschlehrer wünscht man der Jugend. Doch Spinnen setzt noch einen drauf: Sprachkompetenz ist die Seele unserer ganzen Bildung, nicht nur die des Deutschunterrichtes. Nach der Diskussion, im Vier-Augen-Gespräch, kommen wir zufällig auf Johann Gottfried Herder. Welch ein Augenblick. Es gibt sie noch, die Gelehrten, die den genauen historischen Text kennen und gleichzeitig auf der Höhe der Zeit sind.

 
 

Foto: Von links: Frau Weiss,  die Leiterin des Bröslbär-Verlages, »Kommissar Meller« und Birgit Eichler, die Leiterin des Mironde-Verlages.

Plötzlich finde ich mich in einem unbekannten Winkel der Buchmesse etwas im Zwielicht wieder. Der Stand taucht plötzlich auf. Ein Mann tritt an mich heran – es ist Kommissar Meller aus Mödling. Zwei Frauen stehen bei ihm. Ob ich wüsste, wie der Mann hieß, der einen Gang nach Canossa absolvierte. Ehe ich nachgedacht hatte, war der Kommissar verschwunden. Auch den Stand konnte ich später nicht wieder finden. Ob es diesen Ort wirklich gegeben hat?

 
 

Wie eine Fata Morgana schwebt da ein grünes Etwas in der Mitte der Halle. Es ist der Stand des Königreiches Saudi-Arabien. Männer sitzen auf dem Diwan und schlürfen schwarzen Kaffee. Nur die Plastikbecher erinnern an den Verfremdungseffekt. Doch da klingt orientalische Musik an unser Ohr. Ein Veranstaltungspodium ist wie ein weißer arabischer Palast dekoriert. Schauspieler stehen auf der Bühne. Nina Quintero Herrera als Scheherezade, Peter Fuchs in der Rolle der des Schahryar und Heinrich Krcek als Erzähler. Hier wird das Stück »Die letzte der 1001 Nächte« gespielt. Unter den Zuschauern saudische und österreichische Offizielle. Mit fast kindlicher Begeisterung wird die Fabel aufgenommen, wonach die Fähigkeit zum Geschichtenerzählen Schehezerade nicht nur das Leben rettet, sondern auch das des bis dahin harte Herz des Schahrayar erweichen und erobern lässt. Mit den Klängen einer kleinen Kapelle (Bashir Mirzo und Patrick Feldner) und der Stimme von Hazar Mirzo geht dieser orientalische Traum in Mitten des Messegewühls zu Ende.

 
 

Foto: Der Leserstuhl im Café Sargfabrik ist hier noch leer

Die Wiener Buchmesse kann man gut an einem Tag kennen lernen, ohne Stress. Zudem fand in der Woche vom 15.–21.11. eine Lesefestwoche statt. Lesungen an verschiedenen Orten, wie man es auch aus Leipzig kennt. Ich ging nichts ahnend in mein Wiener Lieblingscafe »Sargfabrik«. Was wurde gelesen? Andreas Eichler »G. H. Schubert – ein anderer Humboldt«. Ich verrate nicht zuviel, wenn ich darauf verweise, dass er wieder bei Herder endete. Naja.
Johannes Eichenthal



Information

www.buchwien.at

Burkhard Spinnen: »Auswärts Lesen. Mit Literatur in die Schule. Residenz Verlag St. Pölten/Salzburg 2010. 9783701715480

Der Bröselbär-Verlag gibt die Kriminalromane von Wolfgang Weiss heraus.
www.wolfgang-weiss.at

www.sargfabrik.at

 
 

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Buchmesse Wien 2010
Ein Reisebericht
 

Der November zeigte sich in diesem Jahr bis in die zweite Dekade so herbstlich, wie wir es eigentlich vom Oktober gewohnt sind. Ich lenkte das Auto in Richtung Wien. Das Vogtland zog vorbei und die fränkischen Wälder. In Regensburg ging es über die Donau in Richtung Passau. Bis dahin läuft die Autobahn ein Stück an dem großen Fluss entlang. Ein Rastplatz lag direkt am Flussufer. Die Wassermassen wälzten sich stromabwärts. Ein schwer beladener Lastkahn schwamm leicht wie eine Feder dahin. Auf der Autobahn dröhnten wieder die schwer beladenen LKW aus aller Herren Länder auf der rechten Spur. Ab- und zu blockieren sie mit Überholmanöver eine zweite Spur. Steile Berge stürmen sie, wie eine Panzerarmee, immer noch mit knappen 100 km/h empor. Ein Schelm, der hier an Schadstoffausstoß denkt. Ein einziger LKW verursacht Straßenschäden wie 70.000–80.000 PKW.

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