litterata  :  Reportagen  :  Weihnachtsgeschichten von Pater Gabriel  
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Im Renaissance-Saal hörten wir schon Cembalo Klänge. Lukas Heinig übte noch. Eberhard Görner, Filmemacher, Autor und Medien-Professor, saß gedankenversunken unter den ersten Gästen, und hörte einer Scarlatti-Sonate und einem Auszug aus Bachs wohltemporiertem Klavier zu. In einer Art Meditation bereitete sich der Herausgeber des heute vorzustellenden Buches auf seinen Auftritt vor. Doch dann brach Lukas Heinig sein Spiel ab, sprach kurz mit Professor Görner, und setzte sich ans Klavier.

 
 

So kam es, dass nach der Begrüßung durch Uwe Hastreiter von der Chemnitzer Stadtbibliothek, Lukas Heinig, entgegen der Ankündigung, nicht auf dem Cembalo, sondern auf dem Flügel spielte. Aber die Gäste hörten es mit sichtlichem Wohlgefallen. Heinig ging von bekannten Melodien aus und machte aus ihnen Jazz-Melodien. Die Zuhörer waren begeistert.

 
 

Eberhard Görner nahm gut gelaunt auf dem Leser-Stuhl Platz und erklärte, wie es zu dem Buch mit dem Zisterzienser-Pater Gabriel K. Lobendanz kam. Den Pater, einen promovierter Theologe und Philosophen, hatte er vor einigen Jahren bei Dreharbeiten zu seinem Dokumentarfilm »Ruhen in der Zeit« kennen gelernt. Bereits im vergangenen Jahr gab Görner Aphorismen des Paters unter dem Titel Kloster-Aphorismen heraus. Heute lebe Pater Gabriel wieder bei den Zisterziensern im Stift Stams in Tirol.
Die Weihnachtsgeschichten des Paters kämen leise daher. Doch gerade das mache den literarischen Reiz aus. Alle Geschichten handelten vom Wunder der Geburt Jesu. Damit, so Görner, könnte der heutige Leser assoziativ erfahren, dass im Menschen auch ein göttlicher Funke angelegt sei. Die Geschichten des Paters er-innerten uns daran, in uns nach dem Göttlichen zu suchen.
Dann las Görner, anders als angekündigt, die Geschichte von zwei römischen Legionären, die während ihres Militärdienstes von der Geburt eines ganz besonderen Kindes hörten, und die Geschichte vom alten Hirten Samuel, der in der Nacht, auf dem freien Feld bei seiner Herde, Zeichen am Himmel sah. (Man konnte bei der Gestalt des alten Hirten fast etwas an Pater Gabriel denken.)
Görner vermochte es, wie immer, seine Zuhörer zu verzaubern. Die Lesung nahm fast den Charakter eines literarischen Gottesdienstes an.
Auf eine entsprechende Frage antwortete Görner dann auch, dass er vor allem durch seinen Dokumentarfilm über das Leben im Kloster Waldsassen begriffen habe, dass das Christentum zum kulturellen Erbe Europas gehöre. Später habe er bei Papst Benedikt gelesen, dass das Christentum das Erbe der griechischen Kultur bewahrt habe. In der Tat seien es die ersten Klöster gewesen, die in den Wirren der niedergehenden römischen Kultur, das kulturelle Erbe bewahrten. Dies geschah eben in kleinen, selbständigen Einheiten, in denen die Mönche und Nonnen körperliche Arbeit, geistige Arbeit und Meditation ausübten.
Mit dieser Organisationsform sei das kulturelle Erbe bewahrt und in einem Neuansatz auf die Höhe der Zeit gebracht worden. Noch heute, so Görner, könne die klösterliche Kultur uns Anregungen geben, wenn wir unser europäisches Erbe bewahren wollten. Allerdings sei dies nur möglich, wenn man sich dem ganzen europäischen Erbe neu zuwende und es auf eine neue Weise zur Tradition forme.
Ein Zuhörer warf ein, dass doch die heutige Massenkultur und das Niveau der Parteien und Eliten eher einen Niedergang, wie den der römischen Kultur erwarten ließen.
Görner räumte ein, dass es viele Anzeichen für diese Tendenz gäbe. Es sei aber, so Görner, in niemandes Interesse, wenn Europa sein kulturelles Niveau und seine Erneuerungsfähigkeit aufgäbe.
So klang der Abend nachdenklich aus. Görner musste, wie immer, eine längere Zeit die Bücher signieren. Die Zuschauer warteten geduldig, bis sie an der Reihe waren.

 
 

Beim Verlassen der historischen Räume des ehemaligen Klosters erinnerten wir uns daran, dass die Chemnitzer Historiker immer noch annehmen, Kaiser Lothar habe das Kloster einst gestiftet. Dabei war Wiprecht II. der Stifter. Die Benediktinermönche seines Hausklosters Pegau kamen nach Chemnitz. Aber nach dem frühen Tode Wiprechts II. und seines Sohnes mussten sich die Mönche gegen die Bedrängung durch den Bischof von Meißen einen neuen Schirmherren suchen, das war dann Kaiser Lothar.
Das ehemalige Kloster ist noch heute ein ganz besonderer Ort. Man muss dort gewesen sein. Man konnte fast annehmen, dass Pater Gabriel an diesem Abend unter uns weilte. So war der Abend ein Ereignis. Wir bedauern alle, die nicht da waren.
Johannes Eichenthal


Information
Pater Gabriel K. Lobendanz OCist: Weihnachtsgeschichten
Edition Kammweg Bd. 7
Mironde-Verlag 2009. ISBN 978-3-937654-43-0

Eberhard Görner als Regisseur
Zuletzt veröffentlichte Eberhard Görner zwei Dokumentarfilme über das Kloster Waldsassen mit dem Titel »Ruhen in der Zeit« und »Im Herzen Europas«. Die beiden Filme sind über das Kloster Waldsassen beziehbar www.abtei-waldsassen.de

Eberhard Görner als Autor
Der Narr und sein König. Der Taschenspieler Joseph Fröhlich in Dresden. Chemnitzer Verlag 2009. ISBN 978-3-937025-49-0
Himmel aus Stein. George Bähr und die Frauenkirche zu Dresden. Chemnitzer Verlag. 7. Auflage 2009.
ISBN 978-3-937025-12-4
www.chemnitzer-verlag.de
Am Abgrund der Utopie. Gespräche. Aufsätze. Selbstporträts. Faber und Faber. Leipzig 2007.
ISBN 978-3-86730-037-7
www.faberundfaber.de

Eberhard Görner als Herausgeber
Eberhard Görner, Uwe Schneider, Klaus Walther (Hrsg.): Ortstermin. Bilder aus dem Stollberger Land. Mironde-Verlag 2008. ISBN 978-3-937654-28-7

Eberhard Görner (Hrsg.): Pater Gabriel K. Lobendanz OCist: Kloster-Aphorismen.
Mironde-Verlag 2009. ISBN 978-3-937654-39-3
www.mironde.com

 
 

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Weihnachtsgeschichten von Pater Gabriel
Herausgeber Eberhard Görner stellt Buch in Chemnitz vor
 

Bereits am Nachmittag des 8. Dezember regnete es in Chemnitz. Der Boden war durch vorhergehende Schneefälle ausgekühlt. So bildete sich recht schnell auf Straßen und Fußwegen Eis. Wir mühten uns durch die Innenstadt. Aus den Lautsprechern des »Weihnachtsmarktes« leierten abgenutzte Lieder. Der Glühwein dampfte hier im Hektoliterbereich und die Bratwürste brutzelten zentnerweise.
Je weiter diese Kulisse hinter uns zurückblieb, um so deutlicher wurde vor uns der Turm der ehemaligen Benediktiner-Klosterkirche, hoch über dem Schlossteich.

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