litterata  :  Reportagen  :  Reportagen von 2007  :  Versteigerung eines Werkes der freiwilligen Isolation  
Veranstaltungen
Freundeskreis
Reportagen
Mironde Verlag
      login
  E-Mail  
  Passwort  
      login
  Registrieren Sie sich hier oder bearbeiten Sie Ihr Profil
Suche  
   

Aber was weiß man schon über die eigene Welt der Autisten, vielleicht ist sie so phantastisch und voller Abgründe die erforscht werden wollen, dass es für Autisten vielleicht gar keinen Anreiz gibt in unsere Wirklichkeit zurückzukehren, wirft Christoph von Friedl als durchaus interessanten Gedanken in die Runde. Als Künstlerin sehnt man sich manchmal danach alles Unwichtige - wie Geld verdienen, damit man seine Rechnungen bezahlen kann – auszublenden und sich voll und ganz einer Sache widmen zu können. Dagrun Hintze arbeitet derzeit, der Regiearbeit am Theater überdrüssig, an ihrem ersten Roman. Zum Abschluss ist man mit Dirigent Michael Klaar einer Meinung, dass jeder seine eigene kleine Welt hat. Wie kann man sich ein Urteil erlauben, da man doch nur seine eigene kleine Welt kennt?

Der Künstler Markus Huemer befindet sich selbstredend fortwährend in einem Zustand der freiwilligen Isolation. Für seine Arbeit ist es unabdingbar. Eine Alternative gibt es für ihn nicht. Er hat das Bild „Ich hätte auch ein kommunikatives Bild malen können“ für die Versteigerung gestiftet.

Als Überleitung von Diskussion und Versteigerung ergreift Edelbert Köb, Direktor des MUMOK, das Wort. Seine Aufgabe ist es dem Publikum das zu ersteigernde Objekt näher zu bringen. Doch der erwartete hochtrabende und mit den üblichen Anglizismen und Fremdwörtern durchsetzte Vortrag bleibt aus. Statt dessen… Ein Holzrahmen, Leinwand und ein bisschen Ölfarbe … getreu dem Konzept der Sendung mit der Maus folgen nun kindgerecht aufbereitete Ausführungen. Sehr erfrischend und durchaus amüsant. Ohne auf die durchlaufene Ausbildung und Jahre der Tätigkeit im Kunstbereich zu verweisen, nimmt er selbst keine Interpretation des modern verarbeiteten Waldstücks vor. Er stellt all seinen Erläuterungen voran, dass er des Künstlers Absicht und Handeln schlichtweg bei ihm persönlich erfragt habe.

Die Versteigerung beginnt und kommt auch recht schnell wieder ins Stocken. Zur Auflockerung der aufkeimenden Spannung im Saal merkt der Direktor des MUMOK an, dass das Bild doch sehr groß und ein geeigneter Ort wohl doch eher schwer zu finden sei. Kurz gesagt, er würde gern angemessene Räumlichkeiten zu Verfügung stellen, schließlich würde ja auch erst eine Schenkung steuerliche Vorteile bringen. Dies und die aufgezeigte Möglichkeit, der Moderatorin Andrea Schurian, das Bild mit mehreren Parteien gemeinsam zu ersteigern verfehlt seine Wirkung nicht. Es geht zum Preis von achtzehntausend Euro an drei Parteien über die Bühne.

Geld für die engagierte Arbeit des Vereins: Die Integration von Menschen mit autistischer Wahrnehmung und die unterstützende Begleitung ihrer Familien.

Genoveva

www.autistenhilfe.at

 
 

Copyright © 2009 Mironde Verlag.
Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Die Nachrichten sind nur für die persönliche Information bestimmt. Jede weitergehende Verwendung ist untersagt.

Versteigerung eines Werkes der freiwilligen Isolation
zur Versteigerung eines Werkes von Markus Huemer zugunsten der österreichischen Autistenhilfe
 

19:05 Uhr erster Stock in der Österreichischen Nationalbank Wien. Ein junger Mann begrüßt mich mit der überschwänglichen Anpreisung von CD’s. Meine erste persönliche Begegnung mit einem Menschen mit autistischer Wahrnehmung. Die offene, direkte und ungezwungene Art fasziniert. Michael beweist wahres Verkaufstalent. Fürsorglich erbietet er sich sogar die Garderobe der hereinkommenden Damen und auch des ein oder anderen Herrn entgegenzunehmen.

Der Saal füllt sich. Im Anschluss an die einleitenden Worte, vor allem Dankesworte der Präsidentin des Dachverbandes für Autistenhilfe Jutta Steidl, hat sich der neue Sozialminister Dr. Erwin Buchinger Zeit genommen. Fernab der verbreiteten Klischees die Politikern anhaften, ist er vor allem eines – menschlich.

Es folgt eine Diskussionsrunde. Geladen sind vier Künstler, die als Schriftstellerin, Maler, Dirigent und Schauspieler eine große Bandbreite der Kunstszene abdecken, aber augenscheinlich einer zu diskutierenden Gemeinsamkeit zum Thema Autismus entbehren. Autismus, die unfreiwillige Isolation, der Rückzug in eine - die eigene Welt. Eine Welt fernab störender Überflutung durch die Außenwelt, die auch Künstler für einen bestimmten Zeitraum ihres Schaffens herbeiführen – nur eben freiwillig.

Artikel versenden
Artikel drucken
Mapsite
litterata