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 In den Hallen erwartete den Besucher eine beinahe labyrinthische Raumlandschaft, gebildet von schneeweißen Wänden die eine angenehme Abfolge von Situationen produzierten. Die Exponate stammten aus den gängigen Genres Skulptur, Installation, Malerei und Photographie. Einige von ihnen waren dem einen oder anderen schon aus der Presse bekannt und vielleicht lag es auch nur daran, dass niemand von irgendwas so wirklich in den überraschten Zustand versetzt wurde, dass ihm das Blut in den Adern gefror wie den Griechen beim Anblick der lebensechten Holzstatuen des Daidalos. 

 
 

Die Exponate erfüllten ihre – von aller Welt erwartete – „sozialkritische" Aufgabe. Da mal ein Containerfrachterprofil, dort die Erinnerung an den Hunger in der Welt. Aber das war es dann auch. In der Nähe jedes Exponates wurden Informationsblätter dargereicht die erklärten, was der Künstler sich dachte und was andere darüber dachten. Dies sollte ein klein wenig die Phantasie anregen, um die Kauf-Summe zu erahnen. Dieser Zettel hat das Potenzial dazu, so manchen Besucher intensiver zum Nachdenken anzuregen als die Exponate. Er erkennt den Irrtum, dem er unterlaufen ist, als er diese nett aufbereiteten Hallen betrat. Diese Veranstaltung verfolgt andere Ziele als ein Museum oder eine Sammlung. Aber der Fehler liegt beim Besucher und setzt eine gewisse Naivität voraus. Wir befinden uns in der Schweiz und wenn wir dort über Kunst reden, dann denken wir auch an Preise. Diese Kunstmesse liegt also am für sie besten Platz. Auch deshalb wird sie wohl die wichtigste Kunstmesse überhaupt sein. 

 
 

Gegen 19 Uhr schließt die Messe ihre Tore und entlässt den Besucher mit einem umfangreichen Eindruck von zeitgenössischer Kunst. Kunst? Sollte die Messe nicht eigentlich Kunsthandelsmesse heißen? In der Neuen Zürcher Zeitung ist an dem Wochenende zu lesen, dass es die europäische Sozialdemokratie verpasst habe, die Finanz- und Wirtschaftskrise für sich zu nutzen. Nach dem Besuch der Art Basel 40 beschleicht den Besucher der Eindruck, dass die sozialdemokratischen Politiker nicht die Einzigen sind die das verpasst haben. Die zeitgenössische Kunst hat es auch verpasst. Sie hat sich jahrelang zu stark auf Handel, Geld und Kapitalismus ausgerichtet – kopulierte förmlich mit dem Finanzsystem. Banken schmückten sich mit  Kunstsammlungen und Künstler mit steigenden Verkaufspreisen. Kunstmessen waren der Ort des Geschehens, so dass vor einigen Jahren Jean Baudrillard und Peter Sloterdijk solche Veranstaltungen gar als „Fitness-Studios des Kapitalismus" bezeichneten. 

 
 

Im Jahr 2009 wirkt die zeitgenössische Kunst wie gelähmt von ihrem Trip der letzten Jahre.  In der Literatur sind unter solchen Umständen schon Wunder geschehen. Wir sind gespannt.

Die Art Basel 41 findet vom 16. zum 20. Juni 2010 statt. Nahezu 300 Galerien aus Afrika, Asien, Europa, Latein- und Nord-Amerika mit über 2.500 Künstler sollen vertreten sein.
Harry Frandzen

www.artbasel.com


 
 

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Midlife Crisis
Die Art Basel wird 40.
 

In beinah jedem Feuilleton war in den letzten Wochen in immer nervöser werdender Folge über das anstehende Ereignis der Kunstbranche geschrieben worden. Die Art Basel 40. Selbstverständlich konnte auch gleich nach dieser Jubiläumseröffnung von kaufwütigen Prominenten berichtet werden die wiederum von prominenten Künstlern kauften. Eine günstige Gelegenheit die Veranstaltung auch anderen Zielgruppen – fernab der braven Feuilletonleser – schmackhaft zu machen. Diesen und anderen Umständen verdankt die Art Basel ein reichlich gefülltes Haus. 61.000 Menschen sollen es gewesen sein, die vom 10. zum 14. Juni 2009 die Basler Messehallen besuchten. Wer am Samstag Nachmittag ein sogenanntes Evening Ticket für umgerechnet etwa 12 Euro erstehen wollte, musste dafür sogar in der Schlange stehen.

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