Innokonservation
Rezension

NEUES AUS ZEITSCHRIFTEN

Sehr geehrte Damen und Herren, 

wir wollen das Interesse der Leser auf einige Zeitschriften richten helfen. Das Spektrum reicht von Umweltfragen über Buch- und Literaturgeschichte, Regionalgeschichte bis hin zur Fahrzeuggeschichte. Der »rote Faden« dieses Querschnittes ist der Versuch zur Vereinigung der Gegensätze Konservation (Bewahren) und Innovation (Erneuern) in der Innokonservation.

Innokonservation

79Oktan – Das Magazin für Ostoldtimer – erinnert in der Rubrik »kurz gemeldet« an den im Dezember 2025 verstorbenen Konstrukteur Günter Bragulla (Jg, 1934). Er absolvierte nach einer Autoschlosserlehre ein KfZ-Ingenieurstudium in Zwickau und begann 1956 als Konstrukteur im Karosseriewerk Halle. Als Leiter der Konstruktionsabteilung und der Forschungs- u. Entwicklungsabteilung zeichnete er für Busse und LKW (Robur u.a.), aber auch für den Wartburg Tourist 353 verantwortlich. Mit dem Ende des Karosseriewerkes Halle musste er mit 57 Jahren in den Vorruhestand gehen. Seine umfassenden Erfahrungen und Kenntnisse setzte er u.a. als Berater für die Zeitschrift 79Oktan ein. Ebenso wird daran erinnert, dass 1976 in der Tatarischen ASSR, in einem neu errichteten LKW-Werk der erste Kamas-LKW vom Band lief (6 × 4, 210 PS, V 8-Dieselmotor). Im RGW gab es einen großen Bedarf an mittelschweren LKW. Bis Anfang der 1990 Jahre wurde das Kamas-Werk eines der größten LKW-Hersteller der Welt. 79Oktan gratuliert in dieser Rubrik auch Täve Schur zu seinem 95. Geburtstag, den er am 23. Februar 2026 beging. Die Titelgeschichte »Skoda 110 R – unvergessliches Coupé« erhellt die näheren Umstände, die zur »ungeplanten« Entwicklung dieses Fahrzeuges führten. Das Škoda-Zweigwerg in Kvasni wurde von der Zentrale ins Abseits gestellt, ging jedoch in die Offensive. Die Formgestalter Eduard Belik und Jiři Kubec entwickelt den Entwurf und 1968 firmierte dieser als Škoda 1100 MB Coupé« und als Škoda 110 R ging er in die Serienproduktion. In der DDR stand das Fahrzeug nicht auf der Importliste. Aber eine Lieferung nach Finnland, die wegen Qualitätsmängeln nicht abgenommen, und im Überseehafen Rostock zwischengelagert wurde, gelangte auf diesem Umweg auf den DDR-Markt. 1984 bildete sich sogar ein 110 R-Club in der DDR. In einem Artikel wird der Versuch der Simson-Werke, eine neue Fahrzeugkategorie zu besetzen, dargestellt. Im Jahre 1968 hatte der Student an der Kunsthochschule in Weißensee Rudolf Kaisers einen Entwurf für ein klappbares Mofa, das in den Kofferraum eines Trabants passte, vorgestellt. Ausführlich wird das Schicksal des Entwurfes behandelt. Ein weiter Artikel lässt uns die Firma Paul Deckwerth aus Wurzen entdecken. Der Fachbetrieb für Busaufbauten bot ab 1951 Kleinbusse an, die aus Wracks von Wehrmachts-Kübelwagen hergestellt wurden. Eine Holzkonstruktion bildete den Rahmen. Es entstanden zahlreiche Varianten für gewerblich dringend benötigte Fahrzeuge. Schwerlast-Kraftfahrer vom Wohnungsbaukombinat Suhl, die einst Platten für den DDR-Wohnungsbau auf die Baustellen transportierten, kommen in einem weiteren Artikel zu Wort. Das anfänglich genutzte Schwerlast-Zugfahrzeug Tatra 141 konnte die Anforderungen im WBK nur schwer erfüllen. Die Fahrer berichten von abenteuerlichen Erlebnissen. Der KrAZ 256 B 1, der Sommer wie Winter extremsten Anforderungen gerecht wurde, ersetzte später den Tatra. Eine Geschichte über den Export von MZ-Motorrädern nach Thailand überrascht den Leser. Es folgen weitere interessante, gut illustrierte Artikel.

Information

79Oktan – Das Magazin für Ostoldtimer. 1/2026, ISSN2511-5952, www.79oktan.de

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Die »Marginalien. Zeitschrift für Buchkunst und Bibliophilie«, von der 1956 in Berlin gegründeten Pirckheimer-Gesellschaft herausgegeben, bringen in ihrer Ausgabe 2026/2 auf 128 Seiten eine Vielzahl von Informationen. Sabine Knopf berichtet über eine Ausstellung mit Goethe-Autografen, die der Leipziger Bibliophilen-Abend unter dem Titel »Dichterikone. Goethe sammeln, erforschen, verehren, vermitteln« organisierte. Rainer Stamm berichtet über Gestaltungsaufträge des Krefelder Kaiser-Wilhelm-Museums für Peter Behrens. Das Antiquarehepaar Annemieke und Gerhard Leyerzapf resümieren nach der Aufgabe ihres Amsterdamer Antiquariats »Die Schmiede«. Im Interview mit Markus Brandis, dem Vorsitzenden des Verbandes Deutscher Antiquare, geht es um teure, seltene Bücher und Auktionen. Exlibris und Lesezeichen werden thematisiert. Agnes Kunze berichtet über eine Werk-Ausstellung des Magdeburger Künstlers und Illustrators Wilhelm Höpfner. Ekkehard Schulreich begleitet den Künstler Konrad Henker in die winterliche Bergwelt Österreichs zu eisigen Naturstudien. Sylke Wunderlich erinnert an die verstorbenen Künstler Manfred Butzmann und Bernd Frank. Im letzten Teil stellen Hans Rabenbauer und Matthias Haberzettl das Programm für das 53. Pirckheimer-Jahrestreffen vom 11. bis 13. September 2026 in Nürnberg, der Heimatstadt des Namensgebers der Gesellschaft, vor.

Information

Marginalien, Zeitschrift für Buchkunst und Bibliophilie. Quartus-Verlag, Bucha 2026.

ISSN 0025-2948; www.pirckheimer-gesellschaft.org

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Das Heft 2/2026 der Zeitschrift »Austro-Classic. Das österreichische Magazin für Technik und Geschichte« bringt auf 146 Seiten wieder einen Blick in das Oldtimer-Clubleben. Man findet Beiträge über Automobilmessen in London, Paris, Maastrich und anderen Städten. Ein Artikel verweist auf eine Ausstellung in Dessau, anlässlich des Zusammenschlusses der Dessauer Junkers Luftverkehr AG und der Deutschen Aero Lloyd AG zur Deutschen Luft Hansa AG am 6. Januar 1926. Eine Beitrag widmet sich dem 20. »Mille Miglia Storico«, dass in Italien 400 historische Automobile eine Start ermöglicht. In einem Artikel wird die Geschichte des Motorrades P (Puch) 800 erzählt. Das schwerste im 20. Jahrhundert in Österreich gebaute Motorrad wurde 1936 in die Serienproduktion überführt, jedoch bereits 1938, nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich wieder aufgegeben. Die deutschen Behörden verfügten, dass nur BMW und Zündapp schwere Motorräder bauen dürfen. Ein Artikel von Matthias Marschik und Edgar Schütz dokumentiert mit zahlreichen Fotos den Um- und Ausbau des Wiener Straßennetzes im 20. Jahrhundert. Aus der Vielfalt ragt jedoch wieder der Austro-Classic-Titel-Artikel heraus, den Alexander Korab verfasste: »Succès Français. Die Unternehmungen der Familie Peugeot von 1945 bis 2000«. Seit 1890 baut die Firma Peugeot Kraftfahrzeuge und ist damit die älteste, noch existierende Automarke der Welt. Von Fahrrädern über Motorräder zu den Autos verlief auch hier die Entwicklung. Ar­mand Peugeot (1849–1915) war der erste im Unternehmen, der mit der Autoproduktion begann. 1912 übergab er seinem Großneffen Robert Peugeot (1873–1945) die Unternehmensführung. 1928 folgte ihm Jean-Pierre Peugeot (1896–1966). Der führte die dreiziffrige Modellcodierung ein. Die erste Ziffer bezeichnet die Fahrzeugklasse, in der Mitte steht eine Null und die Endziffer bezeichnet die Modellgeneration. Auf Jean-Pierre folgte Roland Peugeot (1926–2016). Der Autor macht die breite und Diversivität der Produktpalette deutlich. Fahrräder wurden ab 1896 gebaut. In großer Zahl waren Tour-de-France-Sieger mit Peugeot-Rädern unterwegs. Herausragend vielleicht Eddy Mercks, der Weltmeister von 1967. Die Fahrradproduktion wurde 1998 von »Cycleurope« übernommen. Peugeot kaufte die Markenrechte jedoch zurück und vertreibt seine Räder wieder selbst. Motorräder wurden von 1899 bis 1959 produziert. Danach Mopeds und Roller. Die PKW-Produktion erfolgte von kleinen, einfachen, zuverlässigen und preiswerten Fahrzeugen bis hin zu Oberklasse-Stars. Noch eine Besonderheit: Ab 1959 stellte Peugeot PKW mit Dieselmotor her. Der legendäre 403 brachte in dieser Ausstattung den Durchbruch. Der Peugeot 204 verfügte ab 1968 über den kleinsten Dieselmotor der Welt (1255 cm3/40 PS). Zwischen 1969 und 1971 war er das meistverkaufte Auto Frankreichs. Heute ist Peugeot kein Familienunternehmen mehr, sondern Teil der Stellantis-Gruppe mit Sitz in Amsterdam. Zur Gruppe gehören auch die Marken Alfa Romeo, Fiat, Abarth, Citroen, DS Automobiles, Opel, Vauxhall, Jeep, Chrysler, Dodge, Ram, Mopar, Lancia und Maserati.

Information

Austro-Classic. Das österreichische Magazin für Technik und Geschichte. 2/2026, www.austroclassic.net

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Der Altenburger Geschichts- und Hauskalender 2026, erscheint seit 1646, und seit 1991 in neuer Folge im E. Reinhold-Verlag. Der Kalender beginnt mit einem Kalendarium des laufenden Jahres 2026. Es folgt eine allgemeine Chronik wichtiger Ereignisse des Jahres 2024. Daran schließt sich ein Rückblick auf Kulturereignisse zwischen September 2024 und August 2025 an, gefolgt von einem Rückblick auf Sportereignisse. Dr. Ines Spazier, Dirk Fuhrmann und Gustav Wolf dokumentieren unter dem Titel »Urgeschichte an einer Stromtrasse im Altenburger Land« die Ergebnisse ärchäologischer Untersuchungen, die beim Ausbau einer Stromleitung getätigt wurden. Die getätigten Funde zahlreicher Siedlungsreste konnten die Vorstellung von der Besiedlung des Altenburger Landes seit der Jungsteinzeit, und dessen früher landwirtschaftlicher Nutzung, erweitern. Es folgt ein Artikel zum 1050. Jubiläum der Ersterwähnung Altenburgs aus der Feder Gustav Wolfs. Er verweist auf eine vom deutschen Kaiser Otto II. am 1. August 976 gezeichnete Urkunde, mit der die Erstausstattung für das 968 von Otto I. gestiftete Bistum Zeitz definiert wurde: die Burgen Zeitz und Altenburg neben anderen Besitzungen, Dörfern, den Kaiserpfalzen Dornburg und Memleben u.a. (Neben Zeitz wurden von Otto I. 968 auch die Bistümer Merseburg und Meißen gestiftet. 1028/30 wurde der Bischofssitz von Zeitz nach Naumburg verlegt.) Der Autor erwähnt mehrfach die »Slawenmission« Ottos I.: »Damit eröffnete sich die Möglichkeit für die hier mehrheitlich slawischen Bewohner, mit dem Christentum in Berührung zu kommen.« Waren die mitteldeutschen Slawen wirklich Nichtchristen? Könnte es sein, dass sie mit einem orthodoxen Christentum vertraut waren? Eduard Winter hat dafür umfangreiche Belege gesammelt, dass es hier einen Machtkampf zwischen Rom und Byzanz gab. Könnte es sein, dass die Ostexpansion des ostfränkisch-deutschen Reiches Teil dieses Machtkampfes war? Unabhängig davon brachte die deutsche Ostexpansion im 10. Jahrhundert den Kontakt der althochdeutschen Sprache mit der slawischen Sprache zustande. Aus diesem Kontakt entstand zwischen 11. und 13. Jahrhundert zwischen Braunschweig und Görlitz die mittelhochdeutsche Sprache. Angefangen mit Landgraf Hermann I. begann auch die Elite ab 1200 in Mitteldeutschland die Volkssprache zu sprechen. Bis dahin verstand sich die Funktionselite als »neue Römer« und verständigte sich ausschließlich in Latein. In den alten Reichsländern blieb das auch längere Zeit noch so.

Es folgen auf etwa 200 Seiten verschiedene Artikel zur Altenburger Alltags-, Denkmal-, Kunst-, Sport-, Umwelt und Theatergeschichte. Unter anderem finden wir einen Beitrag Dr. Felix Friedrichs zur Rochlitzer Orgelbaufirma Schmeisser. Das Unternehmen war von Wilhelm Eduard Schmeisser 1844 gegründet worden. Die Firma baute über 100 neue Orgeln in Sachsen. Unter anderem sind Instrumente in den Stadtkirchen von Mutzschen, Geringswalde, Roßwein und Rochlitz erhalten. Die größte Orgel des Unternehmens baute Alfred Schmeisser (1878–1957) mit drei Manualen und 54 Registern für die St. Nikolai-Kirche in Chemnitz. (Die Kirche wurde im März 1945 vollständig zerstört.) Der Autor hebt hervor, dass die Firma Schmeisser auch mit der Reparatur und Wartung der Orgel in der Altenburger Trost-Kirche betraut wurde. Reinhard Schmeisser (1909–1978) war der letzte Firmeninhaber. Mit dessen Übergang in den Ruhestand erlosch die Firmentradition 1975 leider. 

Die Vielfalt, Qualität und Kontinuität diese »Hauskalenders« ist beeindruckend.

Information

Altenburger Geschichts- und Hauskalender 2026. E. Reinhold-Verlag 2025. www.vkjk.de
ISBN 978-3-95755-100-9

Liebe Leserinnen und Leser, wir haben Ihnen ohne Frage einige Anstrengung zugemutet, hoffen aber, dass wir auch Vergnügen bereiteten. Erstens müssen wir die Zusammenhänge unseres Lebens versuchen zu erkennen, wenn wir nicht wie der Spezialist enden wollen, der von immer weniger Dingen immer mehr weiß, und der zum Schluss von NICHTS alles weiß. Zweitens gibt es ohne Anstrengung für uns Menschen kein Vergnügen.

Johannes Eichenthal

Die Litterata – Technik und Poesie in Mitteleuropa – ist ein Feuilleton des Mironde Verlags (www.mironde.com) und des Freundeskreises Gert Hofmann.

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