Reportagen

Summe und Rest

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Im Göpfersdorfer Kulturgut Quellenhof wurde am 30. Januar eine Ausstellung mit Malerei von Wolfgang Mehnert (Freiburg/Breisgau) eröffnet. Günter Lichtenstein (re. im Bild) befragte den Künstler vor dem Publikum nach Leben und Werk.

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Der aus Niederfrohna stammende Wolfgang Mehnert fühlte sich in Göpfersdorf sichtlich wohl.

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Durch das Interview bedingt ließ Wolfgang Mehnert seine vorbereitete Rede beiseite und es entwickelte sich ein interessantes Gespräch.

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Nach der Eröffnung wurde im kleinen Kreis weiter gefachsimpelt.

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Der Künstler präsentierte größere Bildformate auf Leinwänden. Seine bevorzugte Technik sind Ölmalerei und Mischtechnik. Es ist eine Auswahl von Werken zu sehen, die zwischen 1995 und 1999 entstanden.

Auf der Heimfahrt durch das Altenburger Land haben wir Zeit zum Nachdenken. Es ist schon erstaunlich, welch anspruchsvolle Veranstaltungen die kleine Gemeinde Göpfersdorf auf die Beine bringt. Ein Besuch der Galerie-Ausstellung ist unbdedingt zu empfehlen.

Johannes Eichenthal

 

Information

Einzelne Werke sind auch verkäuflich. Die Preise bewegen sich zwischen 200,– und 14.000,– Euro. Die Ausstellung ist noch bis Ende März zu sehen. Am 27.3.2015 lädt das Kulturgut Quellhof zur Ausstellungseröffnung mit Malerei und Grafik von Mathias Schroller aus Dresden ein. (Garbisdorf Nr. 6, 04618 Göpfersdorf)

 

Die nicht gehaltene Rede von Wolfgang Mehnert

Summe und Rest

Was geht eigentlich in einem vor, wenn man sich der Kunst, in meinem Fall der Malerei hingibt? Wenn das Visualisieren von Dingen, Gedanken, Situationen oder eben dem was einem bewegt zur normalen Arbeit wird? Wie könnte man diese Arbeit oder das malen von Bildern erklären? Ich will es versuchen.

Das erstellen, das fertigen, das Machen von Bildern ist der Prozess einer Reihe von unendlich vielen Beobachtungen und noch mehr einer Kette von JA- und NEIN-Entscheidungen, an deren Ende (so in den meisten Fällen) eine JA-Entscheidung steht.

Obwohl ein Bild irgendwann fertig (im Arbeitsprozess) abgeschlossen ist, trägt es immer einen REST in sich, der auf das nächste Bild verweist, oder konkreter,  in dem schon das nächste Bild liegt.

Dieser REST, das Übriggebliebene, das Unabgeschlossene und zugleich immer wohlvertraute, zwingt mich (so zu sagen) von einem Bild zum nächsten.

Die  Frage – warum malst du?– ist also im Grundsatz beantwortet.

Aber es bleibt immer die Frage: Was ist der Rest?

Beim Malen empfinde ich zwischen dem Material und mir eine physische Verschmelzung. Ein Zustand, in dem ich von mir absehe und eher Werkzeug bin.

In diesem Zustand des Weg-seins, entstehen Inner-Räume, deren Betreten mir durch die Realität auf den ersten Blick verwehrt ist. Räume aus Farbe, Formen, Linie, in denen ich bin,  jetzt und hier,  und die mir die Schnittpunkte zwischen subjektiver Wirklichkeit, innerem Befinden und die im Alltag gesammelten Wahrnehmungen aufzeigen,  zum Gegenstand werden lassen.

Und dabei wächst immer ein nicht gemaltes, vielleicht sogar nicht verstandenes, oder neu erfragtes, ein Rest (zwischen mir und dem Bild).

Ich möchte mich an der Einordnung meiner Malerei in eine  bestimmte Stilrichtung nicht beteiligen, das dürfen gern andere übernehmen. Für mich ist das Spannungsfeld von Figuration beziehungsweise Gegenständlichkeit und Abstraktion das Feld der Auseinandersetzung mit meiner Arbeit: Vielleicht kann ich anhand einer kleinen Geschichte ein Beispiel nennen. Ich möchte sie Ihnen gern vortragen.

– Es ist fünf Uhr morgens, ein Schleier aus Kerosin, Abgasen und Morgendunst löst sich vom nassen Asphalt des Rollfeldes. Langsam gibt die endende Nacht die Türme der Stadt frei. Um mich herum emsiges Treiben.

Ich, eingebettet im großen Vogel.

Rötlich und blau vermischen sich am Horizont. Kurz vor dem Start, das Dröhnen der Motoren, die Triebwerke kommen auf Touren, werden laut und lauter und mit zunehmender Geschwindigkeit überträgt das Fahrwerk die Unebenheiten des Rollfeldes ins Innere, bis dieser riesige Blechvogel endlich abhebt.

Es ist wie eine physische Erleichterung, jetzt sind wir in der Luft!

Blick aus dem Fenster; der Flughafen von oben.

Und dort die Stadt. Als wolle der Pilot sie uns zeigen fliegt er einen eleganten Bogen, Frankfurt wacht auf, die Hochhäuser, wie ein Architekturmodell der Landschaft eingepasst, Verkehrsadern verdichten sich zu einer linearen Struktur und Vororte hängen wie ungeschliffene Perlen seitlich an den Straßenfäden.

Die Stadt verschwindet und die Zeichnungen werden farbiger. Wir steigen immer noch bis die Wolkendecke die Sicht nach unten abzuschneiden beginnt.

Luftig – weiße, fast noch durchsichtige Schleier drängen sich ins Bild und  lösen sich auf, schließlich ein geschlossener »Teppich«, teils an Tiefschnee erinnernd, teils  auch wattebergig und mit Streifen durchzogen, sich von Augenblick zu Augenblick wandelnd, mal kompakt mal weniger voluminös.  Und dann kommt das Blau!

Das strahlende Blau darüber, mysteriös, weit, tief, nah, fern

Während sich das Flugzeug im lichtvollen blauen Raum bewegt schwinden die Stadt und die  Landschaft. Alles unter mir (Alles in mir) löst sich in virtuelle Farbfragmente auf.

Die Bildfläche ist meine Haut, an der sich Sehen und Erleben (Spüren) (treffen, berühren, verbinden, vermischen), neu-formulieren, das ist Gegenstand meiner Arbeit. Eine Lust und ein Muss.

Ich bedanke mich herzlicht für Ihr (zahlreiches) Erscheinen und wünsche Ihnen bei der Begegnung mit meinen Bildern Freude und Neugier.

Freiburg den 6. Januar 2015/ Meh

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