Feature Reportagen

BAUEN-UND-ENERGIE-MESSE WIEN

Am Sonntag, dem 28. Januar, ging in Wien die Bauen-und-Energie-Messe zu Ende. Etwa 40.000 Besucher nutzen die Angebote der 450 Aussteller, um sich über Neuentwicklungen und bewährte Standards zu informieren. Tausende interessante Detailinformationen über neue Baumaterialien, Bauverfahren und Energieumwandlungsmethoden strömten auf die Besucher ein. Am Ende hatte man nicht nur an den zahlreichen Prospekten schwer zu tragen, sondern vielleicht noch schwerer an der Vielzahl der neu entstandenen Fragen.

Begonnen hatte die Messe am Donnerstag, dem 25. Januar mit einem Branchengespräch über Stadt- und Regionalentwicklung. Die Moderatorin sprach mit DI Stephan Barasits, Geschäftsführer Wiener Standortentwicklungs GmbH, Martin Haller, Caramel Architekten ZT GmbH, und Dr. Walter Leiss, Generalsekretär des Gemeindebundes Österreich.

Johann Arsenovic, der Vizepräsident der Wirtschaftskammer Wien, dankte in seiner Eröffnungsansprache zunächst der Mannschaft der Wiener Messe für die gute Arbeit im Hintergrund. Danach verwies er darauf, dass Wien, mit derzeit 1,8 Mio Einwohnern, die am schnellsten wachsende Stadt in der DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) sei. Jedes Jahr müssten derzeit allein 100 zusätzliche Schulklassen neu aufgestellt werden.

Matthias Boeckl, der Chefredakteur der Fachzeitschrift »Architektur Aktuell«, eröffnete im Anschluss den Fachdiskurs. In mehreren Vorträgen und Gesprächen stellten Architekten und Planer interessante Projekte vor. (Modul-Holzbau, Ziegelbau, Standards und Normen, Massiv-Holzbau, Digitales Planen, Photovoltaik.)

Isabella Burtscher, die Moderatorin von »Architektur Aktuell«, befragte den Architekten Martin Haller, von Caramel Architekten Wien, nach dem von ihm und zwei Kollegen entwickelten Entwurfs-Hilfsprogramm EVA. Haller betonte, dass es ihm um den digitalen Variantenvergleich beim Entwurf größerer Projekte ab 50 bis 60 Räumen gehe. Er wolle Platz im Kopf des Architekten für seine eigentlichen Aufgaben schaffen. Die letztlich ausgewählte Variante könne man am Ende problemlos in ein Zeichenprogramm exportieren. Er arbeite mit Archicad, aber der Export sei über die IFC-Schnittstelle auch in andere übliche Programm möglich. Auf Nachfrage antwortete Haller, dass man nach Nutzer-Korrekturen mittlerweile die Version 1.5 erreicht habe. Auf dieser Basis sei nun auch der internationale Vertrieb in englischer Sprache geplant.

Auch der Mironde Verlag nahm an dieser Messe teil. Alfred Hagenauer, der Geschäftsführer der A-Null-Bausoftware GmbH Wien, geht hier mit der Verlegerin Birgit Eichler den aktuellen Technik-Katalog des Verlages durch. A-Null und Mironde veröffentlichen gemeinsam eine Handbuch-Reihe zur Einführung in das digitale Bau- und Planungsprogramm Archicad. Für 2018 ist ein neues Handbuch zum Thema »Twinmotion« geplant.

Neben dem Buch zum Stirling-Motor wurde von Fachbesuchern am häufigsten die Einführung in das digitale Planen und Bauen von Christoph Eichler »BIM-Leitfaden. Struktur und Funktion« nachgefragt. »Building Information Modeling«, so Christoph Eichler, ist eine etwas unglück­liche Umschreibung für modellgestütztes, digitales Planen und Bauen. Einerseits sind digitale Modelle immer nur Abstraktionen der Wirklichkeit, andererseits bedürften diese Modelle der didaktischen Aufbereitung, um den Anwendern die Arbeit mit verschiedenen Abstraktionsstufen überhaupt zu ermöglichen. Ein Grundproblem besteht in der mangelnden Strukturierung erfasster Daten. Doch ohne Strukturierung ist die Masse heutiger Daten nutzlos. Ein wichtiges Problem ist auch die mangelnde berufsbegleitende BIM-Ausbildung für Personen in Schlüsselpositionen und die fehlenden Kapazitäten an Fachhochschulen. Christoph Eichler fasst zusammen: »BIM ist das digitale Werkzeug der Sprache der Bauwirtschaft im 21. Jahrhundert: zentrale Analyseinstanz, Kom­mu­ni­kation und gleichzeitig Prozesssteue­rung. Diese geht auf den Kontext unserer mensch­lichen Sprache zurück, vermag die verschiedenen Fachsprachen zu integrieren, und wird auch unser künftiges Denken prägen: Wir werden mit dieser Sprache lernen können und das computergestützte Verfahren weiter prä­zisieren. Der Computer kann nur ‹rechnen›, im menschlichen Sinne lernen, können nur wir Menschen. Unsere Lernfähigkeit wird aber auch in einem Maße gefordert, wie wir es noch nicht kennen. »Digitales Planen und Bauen« ist kein bloßes Additiv bisheriger Arbeitsstrukturen in der Bauwirtschaft, vielmehr ist es eine Art von Katalysator für den tiefgreifenden Strukturwandel.

Kommentar

Die Bau- und Energiemesse beeindruckt allein von den Gewichten der Exponate her. Manche Aussteller brachten halbe Häuser in die Messehallen. Darüberhinaus ist diese Messe ein seltenes Zusammentreffen von Menschen mit Fachwissen auf hohem Niveau. Dem gemeinen Messebesucher kann bei den Branchenschwergewichten Hören und Sehen vergehen. Deshalb ist der Architekten-Fachdiskurs, den die Zeitschrift »Architektur Aktuell« organisierte, nicht hoch genug zu schätzen. Die vielen Einzelinformationen müssen in Zusammenhänge gebracht werden. Wir brauchen innere Bilder, um die Detailinformationen auch einordnen zu können. Insofern wird auf der Messe deutlich, dass punktuell digital verfügbares Wissen am Ende für uns ohne Bedeutung bleiben muss, weil wir es nicht strukturieren können. Unter diesem Aspekt ist die Bauen-und-Energie-Messe ein Bildungsereignis ersten Ranges.

Clara Schwarzenwald

Information

Die Bauen-und-Energie-Messe ist vom 14.–17.2.2019 geplant.

www.bauen-energie.at

www.architektur-aktuell.at

www.a-null.com

www.mironde.com

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