Der 13. Mai war ein verregneter, kalter Maitag, der jedoch durch einzelne Sonnen-Lichtblicke aufgeheitert wurde. Am Abend kamen erstaunlich viele Besucher in das Limbach-Oberfrohnaer Esche-Museum »Das Esche«.
Hier sollte eine Ausstellung mit Werken des 1944 in Pleißa, einem Ortsteil von Limbach-Oberfrohna, geborenen Malers Peter Schettler eröffnet werden. Er studierte an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden mit Diplom-Abschluss in Tafelmalerei bei Erich Hering, Paul Michaelis, Jutta Damme, Gerhard Kettner, Günter Horlbeck, Hans Mroczinski. Seit 1970 arbeitete er als freischaffender Künstler in Karl-Marx-Stadt. 2021 verstarb er in Chemnitz.

Mit einer musikalischen Umrahmung durch das Voicepoint-Duo begann die Veranstaltung. Frau Dr. Barbara Wiegand-Stempel, die Leiterin des Museums, begrüßte danach die Gäste im Saal, der oberen Etage der ehemaligen Fabrik, mit großen Fenstern, viel Licht, weitem Ausblick, und führte in die Ausstellung mit dem Titel »Peter Schettler. Landschaft verinnerlicht.« ein. Sie begrüßte auch die Schwester des Künstlers, Frau Regine Schettler, die den weiten Weg aus Hamburg zurückgelegt hatte.

Bürgermeister Robert Volkmann begrüßte die Gäste im Namen der Stadtverwaltung.

Dr. Paolo Cecconi, der Leiter des Chemnitzer Stadtarchivs, das den Nachlass des Künstlers aufbewahrt, schilderte die Umstände, unter denen die Kooperation zwischen Archiv und Museum zustande kam.

Blick aus den Fenstern …
Alexander Stoll, Kustos und Kurator der »Neuen Sächsischen Galerie« und der »Sammlung Erzgebirgische Landschaftskunst«, war die Rolle des Laudators vorbehalten. Mit zwei drei Sätzen stimmte er die Gäste ein: Der Blick durch eines der Fenster, eine Hinterhoffassade, die vom Wind dahingejagten Wolken, das wechselnde Licht – all das hätte Peter Schettler sofort zum Skizzenblock greifen lassen, das war sein bevorzugtes Sujet. Schettler sei ein Einzelgänger gewesen, ein stiller noch dazu. In einer Publikation über Künstler in Karl-Marx-Stadt aus dem Jahre 1981 sei er lediglich in einem Halbsatz erwähnt worden und mit keiner Abbildung vertreten gewesen. Nach 1990 habe er an etwas mehr Ausstellungen teilgenommen. In Chemnitz engagierte sich die Galerie Weise für sein Werk. Selbst im Kulturhauptstadtjahr 2025 sei Peter Schettler in Chemnitz nicht wahrgenommen worden.
Dafür aber 2026 um so mehr in Limbach-Oberfrohna.

Die Ausstellung zeigt auf begrenztem Raum, auf kluge Weise gehängt, einen Werküberblick.
Schettler habe, so Stoll, auch nach seinem Studium die Dresdener Tradition weitergeführt. Obwohl einzelne Stiche und Drucke zu finden sind, sei Schettler vor allem Maler geblieben. Vorwiegend habe er in Öl gearbeitet. Zwischen Skizze und Gemälde konnten bei ihm schon einmal mehrere Jahre liegen. Zugleich war Schettler aber auch ein begeisterter Fotograf mit dem Spezialgebiet »Unterwasser-Fotografie«.
Die Ausstellung im »Esche« zeige erstmals Skizzen und Ölgemälde nebeneinander. Dadurch könne man die Arbeitsweise Schettlers erahnen. Er habe nicht einmalige Eindrücke festhalten wollen, sondern das Dauerhafte, die Ewigkeit. Auch seine Rahmen habe er selbst gebaut. Für die größten Formate bürgerte sich in der Neuen Sächsischen Galerie der Ausdruck »Schettler-Rahmen« ein.

Im Hintergrund: »Höhen bei Seitenhain« (1981, 130 × 150 cm)
Seine Palette sei viele Jahre eher dunkel geblieben. Nach 1990 habe sie sich etwas aufgehellt.
In seinem Werk werde die Betonung der Horizontalen sichtbar. Das ziele auf Dauerhaftes und verleihe den Bildern etwas Kontemplatives. Das Bild »Große Industrieanlage« erinnere an Caspar David Friedrichs »Mönch am Meer«, wobei bei Schettler nicht einmal ein Mensch sichtbar war.
Peter Schettler habe sich öffentlichen Auftragsarbeiten entzogen, und nach eigenem Plan gearbeitet. Am Ende kaufte das Bezirkskunstzentrum jedoch regelmäßig Werke Schettlers auf, die in eigener Regie entstanden waren.
Schettler habe asketisch gelebt und diszipliniert gearbeitet, um das Zeitlose und Schöne, das unaufgeregt Daherkommende, darzustellen. Um die Methode Schettlers verständlich zu machen zitierte Stoll die Weimarer Herzogin Anna Amalie, die darauf verwiesen hatte, dass sich das Wesen der Kunst dem menschlichen Verstand entziehe und am ehesten als »göttliches Geschenk« begreifbar sei.

Regina Schettler brachte im Anschluss einige humoristische Verse ihres Bruders zu Gehör und die Mueeumsleiterin lud die Besucher zur Besichtigung der Ausstellung ein.

Vor dem Bild »Große Industrielandschaft« (o.J. 120 × 170 cm): von li.: Dr. Paolo Cecconi, Dr. Barbara Wiegand-Stempel, Regina Schettler, Laudator Alexander Stoll, Bürgermeister Robert Volkmann.
Auf den ersten Blick erkennen wir auf dem Bild im Hintergrund, eine ungewöhnliche Hinteransicht der einst international bekannten Werkzeugmaschinenfabrik »Fritz Heckert«, die Vergänglichkeit, die dunkle Seite der menschlichen Existenz. Der in Limbach geborene Schriftsteller Gert Hofmann zitiert in diesem Punkt gern Henry James. Der Künstler solle unbedingt »aktuelle« Themen meiden. Die Darstellung der Vergänglichkeit menschlicher Existenz sei dagegen per se »ästhetisch« und »schön«. Im Spiel der Farben, von Licht und Schatten macht der Künstler ewiges Werden und Vergehen fassbar. Mitunter finden wir bei Schettler auch die gleiche Ansicht zu verschieden Tages- und Jahreszeiten. Peter Schettler konzentrierte sich ausschließlich auf das Malen. Spektakulärer außerkünstlerischer Aktivismus war seine Sache nicht.

»Große Industrielandschaft« (Ausschnitt)
Entsprach er mit seiner lapidaren Malweise vielleicht sogar mehr der mitteldeutschen Mentalität als die Mehrzahl seiner Kollegen? Kurt Arnold Findeisen beschrieb die Mentalität 1929 im »Hausbuch mitteldeutscher Dichtung« als »von immer wiederkehrendem Missgeschick mit einer gewissen Elastizität des Erlebens und des Erleidens begabt«, als »verbindliche Mittellinie«. Herbert Köhler hatte 1956 in der Kulturbundzeitschrift »Kultur und Heimat« darauf verwiesen, dass sich vor der Besiedlung des Erzgebirgskamms, auf der Linie Zwickau-Chemnitz-Freiberg-Dippoldiswalde, aus der »obersächsischen Mundart« die »niedererzgebirgische Mundart« herausbildete. Diese sei, wie das ganze Obersächsische, durch eine gewisse Nachlässigkeit charakterisiert. Die lapidare Melodie dieser Mundart, die ohne große Gefühlsausbrüche auskommt, und sich auf Wesentliches beschränkt, könne, so Köhler, gar nicht wissenschaftlich erfasst werden.
Diese »niedererzgebirgische Mundart« verschwand in den Städten in den 1920er Jahren und auf dem Land Ende der 1950er Jahre. In seiner Kindheit und Jugend in Pleißa nahm Peter Schettler mit Sicherheit diese Sprachmelodie auf. Vielleicht entspricht sein Malstil sogar dieser Melodie?
Auf jeden Fall ist Peter Schettler mit dieser Ausstellung endlich in seiner Geburtsstadt angekommen. Allen am Gelingen dieser Ausstellung Beteiligten gebührt Dank. Ein Besuch ist unbedingt zu empfehlen.
Clara Schwarzenwald
Information
Das Kabeljournal Chemnitzer Land berichtete in einem sehenswerten Beitrag von der Ausstellungseröffnung: https://www.kabeljournal-chemnitzer-land.de/index.php?option=com_content&task=view&id=6603&Itemid=1
Esche-Museum Limbach-Oberfrohna: https://www.esche-museum.de
Im Mironde-Verlag ist zu dieser Ausstellung ein Katalog erschienen: Barbara Wiegand-Stempel (Hrsg.): Peter Schettler. Landschaft verinnerlicht. (Esche-Museum Limbach-Oberfrohna. Bd. 2. 21 × 21 cm, 48 S., zahlreiche farbige Abbildungen.)
ISBN 978-3-96063-079-1
Der Katalog ist zum Preis von 15,00 Euro an der Museums-Kasse, im Buchhandel oder direkt beim Verlag erhältlich: https://buchversand.mironde.com/p/wiegand-stempel-hrsg-peter-schettler
Die LITTERATA – Technik und Poesie in Mitteleuropa – ist ein Feuilleton des Mironde Verlags (www.mironde.com) und des Freundeskreises Gert Hofmann.
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