Schloss Wolkenburg
Reportagen

HISTORISCHE SCHREIBMASCHINEN

Der 27. August war ein warmer Sommertag. Für den Abend hatte Schloss Wolkenburg zur Eröffnung einer Sonderausstellung eingeladen. Das Schloss, hoch über dem Tal der Zwickauer Mulde, umgeben von einer Parklandschaft, in der Skulpturen aus der Eisenkunstgießerei in Lauchhammer ihren Platz gefunden haben, erstrahlte in der Abendsonne. In der ersten Etage des Pallas versammelten sich die Besucher. Hier sollte eine Sonderausstellung historischer Schreibmaschinen aus der Sammlung Erik Halumbireks eröffnet werden.

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Frau Dr. Barbara Wiegand-Stempel, die Leiterin des Museums, begrüßte die Gäste zur Ausstellungseröffnung. Trotz seiner Jugend habe der Sammler Erik Halumbirek bereits mehrere Jahre historische Schreibmaschinen gesammelt, repariert und wieder zum Laufen gebracht. Interessanterweise, so Frau Dr. Wiegand-Stempel, interessierten sich auch andere junge Menschen wieder für Schreibmaschinen, wie auch für Schallplatten und mechanische Fotografie. Die mechanische Technik der Schreibmaschine ermögliche Unabhängigkeit vom Strom oder auch vom Netz. Die Mechanik übe eine faszinierende Wirkung auf den Betrachter aus. Bei der Bedienung unterscheide sich die Schreibmaschine im Tastendruck von der der Computertastatur. 

Die Erfindung der Schreibmaschine erfolgte ursprünglich in Europa, vor allem im Bemühen Schreibmöglichkeiten für Blinde zu schaffen. Die massenhafte Vermarktung gelang dagegen in den USA. Von dort kam die Maschine als Industrieprodukt um 1900 wieder zurück nach Europa. Sächsische Hersteller hatten danach einen großen Anteil bei der Schreibmaschinenherstellung.

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Die Gäste verfolgten gespannt die informativen Reden im historischen Ambiente.

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Erik Halumbirek fügte an, das er sich bereits vor Jahren für alte Geräte und ihre Mechanik interessierte. So sei er zur historischen Schreibmaschine gekommen. Begonnen habe er mit dem Sammeln von Schreibmaschinen sächsischer Hersteller. Mit der Zeit seien es 200 bis 300 Maschinen geworden, von denen 38 hier ausgestellt werden. Von seinem Vater habe er Unterstützung für diese Sammel-Leidenschaft erfahren. Natürlich stehe er auch im Austausch mit anderen Sammlern.

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Nun eröffnete Frau Dr. Wiegand-Stempel die Ausstellung.  

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Die erste sächsische Schreibmaschine »Ideal« wurde von der Dresdner Fahrrad- und Nähmaschinenfabrik »Seidel & Naumann« hergestellt.

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Auch die Chemnitz Fahrzeug- und Maschinenfabrik Wanderer stellte Schreibmaschinen unter dem Markenname »Continental« her.

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Aus den USA stammen einige experimentelle Maschinen mit runder Tastatur u.ä.

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Auf der Heimfahrt erinnerte ich mich, dass der Medienwissenschaftler Friedrich Kittler, der 1943 in Rochlitz geboren wurde, und der auch an Universitäten in Frankreich und den USA lehrte, unter dem Titel »Aufschreibsysteme 1800/1900« die Voraussetzungn von 1800 und 1900 verglich. In der Tat veränderte die Schreibmaschine auch die Gedankenwelt des Schreibers. Eine Idee, die mit der Feder zu Papier gebracht wird, erfährt eine andere Ausformung als eine, die mit der Maschine geschrieben wird. Später ergänzte Kittler seinen Ansatz um die Situation um 2000. Mit dem Computer wird der Unterschied zur Handschrift noch deutlicher: das Schreiben erfährt an Tempo. Man kann folgenlos löschen und kopieren. Das Rechtschreibsystem mischt sich ein. Einzelne Worte werden geändert. KI will uns die ganze Idee abnehmen. Der Autor wird bedeutungslos. Das Denken ist oberflächlich, durchschnittlich, kompatibel und austauschbar. 

Die Vorgänge, die in unserer Seele bei der Anfertigung einer Handschrift ablaufen, sind andere als beim Schreiben mit der Schreibmaschine oder beim Computer. Vielleicht will uns das Schicksal mit der Schreibmaschinenausstellung dazu ermuntern, wieder einmal die Mechanik zu nutzen? Oder wir schreiben als Gegensatz zur Computerarbeit ab und zu wieder einmal mit der Hand?

Johannes Eichenthal

Information

Die Sonderausstellung ist noch bis zum 10. Januar 2027 zu sehen. Öffentliche Führungen finden am 25.10.2026, 14 Uhr, am 12.12.2026 14 Uhr und am 10.01.2027 14 Uhr statt.

www.schloss-wolkenburg.de

Die Litterata – Technik und Poesie in Mitteleuropa – ist ein Feuilleton des Mironde Verlags (www.mironde.com) und des Freundeskreises Gert Hofmann.

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One thought on “HISTORISCHE SCHREIBMASCHINEN

  1. Maschinenschreiben verlangt wie Handschreiben Konzentration auf das, was man tut und tun (schreiben) will. Die Nichtkorrigierbarkeit erfordert ein anderes, langsameres und sachbezogeneres Denken. Für Menschen, die mit Tastatur und vollautomatischer Rechtschreibkorrektur aufwachsen, eine echte Herausforderung. Aber es lohnt sich, die Sache mal zu probieren. Nur Mut!

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