Essay

Gert Hofmann zum 85. Geburtstag

 

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In seiner Geburtsstadt Limbach wird die Erinnerung an den Schriftsteller und Dichter Gert Hofmann wachgehalten. Hier nach der Lesung einer Hofmann’schen Novelle durch Siegfried Arlt (erste Reihe, 3. v. re.) in der Gaststätte Stadt Wien, in unmittelbarer Nähe des Geburtshauses Gert Hofmanns, im Jahre 2012.

Dr. Gert und Eva Hofmann kehrten hier bei ihrem Besuch vom Juli 1990 in Limbach-Oberfrohna ein. Das Ehepaar saß damals an Tisch 2.

Am 1. August 1972 schrieb Gert Hofmann das Vorwort des Kataloges zur Ausstellung mit Werken des spanischen Malers Castillo. Es erscheine ihm unmöglich etwas über Castillos Werk zu sagen, ohne sich zugleich in eine grundsätzliche Kontroverse über die Situation der zeitgenössischen Kunst zu verstricken. Castillos Meisterschaft stehe fest in einer dem Anschein nach überholten traditionellen, bürgerlich-kulinarischen, vorkulturrevolutionären Konvention.

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Copyright Foto: Ursula Hasenkopf/München

 

Denn seit ein paar Jahren hätten die formalen Kriterien des Kunstwerkes ihre Gültigkeit verloren. Kunst sei nunmehr das, was eine Gesellschaft in einem bestimmten historischen Augenblick als Kunst ausstelle, kaufe und konsumiere, sei es ein Dürer oder eine Fettecke.

Castillo verstehe sich nicht als Propagandist einer Idee sondern als Handwerker, der wisse, dass er Luxusgegenstände für eine kleine Zahl von Leuten produziere, in deren Leben Kunst wirklich eine Rolle spiele. Castillo sei ein Künstler, der bilde und nicht rede. Auch das lasse ihn abseits stehen in einer Zeit, durch die sich ein gewaltiger Strom öffentlichen Kunstgeschwätzes ziehe. Was Castillo zu sagen habe, sage er mit Farben, Pinsel und Tusche.

Die Werkausstellung könne kein Novitäten-Kabinett, kein Schlager der Saison sein, sie könne weder avantgardistisch provozieren, noch ein Vorwand für verbale Akrobatik zur Weltveränderung durch Künstler sein, weder die Ästhetik des Trivialen zeigen, noch mache sie für Hundert Mark pro Quadratzentimeter das Elend des Proletariats sichtbar.

Statt dessen könne die Ausstellung zeigen, was Vielfalt innerhalb einer Kontinuität der individuellen Entfaltung sei. Die Ausstellung zeige einen Erben der abendländischen Tradition, der seine Erbschaft nicht verworfen hat.

Was Gert Hofmann hier zu Ehren seines Malerkollegen sagte, das entspricht grundsätzlich auch seinem Selbstverständnis als Schriftsteller. Diese Grundhaltung durchzieht alle Schaffensperioden.

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Copyright Foto: Ursula Hasenkopf/München

 

Im Jahre 1957 formulierte Hofmann sein Selbstverständnis in einer Dissertationsschrift unter dem lapidaren Titel »Interpretationsprobleme zu Henry James«. Hofmann hob den Prozess der Dramatisierung des Romans bei James heraus. Mit dem Übersteigen der realistisch-beschreibenden Epik verbunden ist der Verzicht auf Aktualismus. Der Künstler solle sich ein Sujet aus der jüngsten Vergangenheit suchen, an das sich die Leser noch erinnern. Dialoge bilden die Struktur dieser Art von Texten. Die Mehrdeutigkeit der Sprache soll Assoziationen ermöglichen. Der Schriftsteller ist hier ein Sprachschöpfer.

Nach Hofmanns Jugendauffassung war es nicht mehr möglich einen Roman im klassischen Sinne zu schreiben. Er zitierte gern Thomas Mann: Heute wird alles als Roman bezeichnet, was garantiert keiner ist.

So konzentrierte sich Gert Hofmann auf Hörstücke, Hörspiele, Fernsehspiele und Theaterstücke. In den Jahren 1960–1992 wurden 43 Hörspiele Gert Hofmanns von deutschen und internationalen Radiosendern z.T. mehrfach produziert und gesendet, sieben Theaterstücke aufgeführt und vier Fernsehspiele gesendet.

Das erste eigenständige Hörspiel Gert Hofmanns, »Die Beiden aus Verona«, inszenierte und sendete der Bayerische Rundfunk 1960.

Am 7. Februar 1961 fand die Premiere von Hofmanns erstem Theaterstücks »Advokat Patelin« am Freiburger Wallgrabentheater statt.

Am 23. Januar 1963 ging in Bristol die Uraufführung seines zweiten Theaterstückes »The Borgemaster« (Der Bürgermeister) über die Bühne. Im Lauf der Jahre 1963/64 spielten Bühnen in ganz Westeuropa und in der Tschechoslowakei dieses Stück. 1965 produzierte der WDR zusammen mit SWF und BR eine Hörspielfassung des »Bürgermeisters«. Der SDR produzierte noch im Jahre 1965 eine Fernsehspiel-Fassung.

In jenen Jahren inszenierten Regisseure, wie Ivan Nagel in München oder Helmut Qualtinger in Hamburg Gert Hofmanns Theaterstücke. Seine Hörspiele errangen nationale und internationale Preise.

In einem begeisterten Brief sprach Werner Klippert vom Norddeutschen Rundfunk, nachdem er einen Entwurf des Hörspieles »Der Lange Marsch« gelesen hatte, davon, dass Gert Hofmann eine Erneuerung des Hörspieles eingeleitet habe: »Mir scheint, dass Sie auf dem Wege sind, mit Ihren großen chorischen Stücken fast so etwas wie eine neue Epoche im Hörspiel einzuleiten oder wenigstens eine neue Form einzuführen, Motto: die Wiederentdeckung der Epopöe.«

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Copyright Foto: Ursula Hasenkopf/München

 

In seiner Dankesrede anlässlich der Entgegennahme des renommierten Hörspielpreises der Kriegsblinden am 26. April 1983 demonstrierte Gert Hofmann sein nahezu charakteristisches Understatement: »Also keine neue Technik, keine neue Tendenz, keine neue Kunsttheorie … obwohl es natürlich viel interessanter ist, wenn man … von etwas Neuem und Künftigen reden kann, der Weltgeist raunt da immer gleich mit. Und wer möchte nicht endlich aus dem Alten heraus und hinein in das Künftige, das Neue? Ich gebe gern zu, dass es mir schwer fällt, so zu denken, dafür bedeutet mir manches Alte zuviel. Dass man vieles nicht mehr machen kann, weil es ausgeleiert und abgegriffen ist, weiß ich natürlich auch. Meine Innovationen sind unauffälliger, diskreter.«

Im Nachwort zu vier Hörspieltexten Gert Hofmanns, die 1981 unter dem Titel »Die Überflutung« (identisch mit dem Titel eines der vier Hörspiele) veröffentlicht wurden, schrieb Christoph Buggert, Leiter der Abteilung Hörspiele im Hessischen Rundfunk, Gert Hofmann durchaus die Rolle eines Erneuerers zu. »Gert Hofmann bedient sich der traditionsreichen Form des Lehrstückes. Dass Instrumentarium dieser Gattung … wird variantenreich eingesetzt. Was aber verweigert wird, ist das traditionsreiche Kernstück der Gattung, die Lehre selbst. Eher ist ein grundsätzlicher Zweifel an Lehren aller Art die ‚Lehre’ dieses Lehrstückes. …« Im Detail stütze sich Gert Hofmann auf eine neuartige Technik, um den Leser permanent in das Geschehen einzubeziehen: »… die Technik, dass der Text die Differenz zwischen Außen- und Innenrede aufzuheben versucht, dass er ausprobieren hilft, was wir zum Thema fühlen und zu sagen haben, … macht den fast ausschließlich monologisierenden Text auch zum Hör-Spiel: Unsere Imagination und unser Nachdenken über uns selbst spielen mit.«

In diesem Zusammenhang verweist Buggert auf eine ähnliche Technik in Hofmanns Roman »Die Fistelstimme«. Tatsächlich ist der Erzählstil das übergreifende Moment in Gert Hofmanns Gesamtwerk.

Eines der letzten und schönsten Hörspiele Gert Hofmanns inszenierte der SDR vom 20.–26. September 1990: »Das allmähliche Verstummen des Kinoerzählers in der Tonfilmzeit«, eine Szene aus dem Kinoerzähler-Roman. Die Hauptrolle sprach der für die Rolle des Großvaters prädestinierte Schauspieler Rolf Hoppe. Die Erstsendung erfolgte am 7. Oktober 1990. In der Stimme Rolf Hoppes lebt Karl Hofmann, der Stummfilmerzähler des Limbacher Apollo Kinos, auf einzigartige Weise weiter.

Es ist also nicht verwunderlich, dass sich die Hörspielfachleute besonders verdient um die Bewahrung des Hofmannsche Werk machen. Uns ist noch in Erinnerung, mit welchem Engagement Katrin Wenzel 2011 Hörspiele und Reden Gert Hofmanns im MDR-Figaro zur Aussendung brachte. Sie kam zudem selbst nach Limbach-Oberfrohna, um sich ein Bild von der Geburtsstadt Gert Hofmanns zu machen.

Bei Deutschlandradio Kultur konnte man in den letzten Jahren auch Hofmannsche Werke hören. »Wie Kaiser Wilhelm mit Kara ben Nemsi auszog, um das Fürchten zu lernen« war im vergangenen Jahr eine Sternstunde des Hörspiels. In diesem Jahr sendet Deutschlandradio Kultur bis Ende Januar an den Sonntagen um 18.30 Uhr die Lesung von Hofmanns Roman »Auf dem Turm«.

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Copyright Foto: Eva Hofmann

 

Die Wiederentdeckung Gert Hofmanns als Literat und Philosoph steht allerdings noch aus. Gerade die Kommerzialisierung von Kunst, die Gert Hofmann 1972 als Problem kennzeichnete, erscheint als größtes Hindernis.

Der kommerzialisierte Kunstbetrieb schreitet heute über alle Besonderheiten regionaler und nationaler Traditionen hinweg. Manch einer hält die damit einhergehende Nivellierung für den Fortschritt auf dem Wege zur Herausbildung einer allgemeinen »Weltkultur«. Doch es handelt sich in Wirklichkeit lediglich um die Bemühungen der multinationalen Massenkulturindustrie um Vereinheitlichung von Produkten, Geschmack und Konsumenten. Dabei geht es nicht um die Beförderung von Individulität sondern um die Herausbildung einer Art von Individualitäts-Ersatz: dem marktkonformen Narzismus.

Die allgemeine Menschheitskultur existiert, wie jedes Allgemeine, nirgendwo in Reinform. Wir finden die allgemeinen, verbindenden Momente nur in den Besonderheiten der nationalen und regionalen Kultur.

Wir brauchen deshalb eine Vorstellung von allgemeiner Menschheitskultur, die den Reichtum des Besonderen aufzunehmen und zu bewahren vermag. Die europäische Idee der Humanität, wie sie exemplarisch von Johann Gottfried Herder bewahrt und erneuert wurde, stellt eine solche Möglichkeit des gemeinsamen Lernprozesses der Kulturen dar, die keinen zwingt seine Besonderheiten aufzugeben.

Unser europäisches kulturelles und literarisches Erbe können wir aber nur als Ganzes annehmen oder ablehnen. Die Ablehnung des Erbes vermag kein Mensch ernsthaft durchzuhalten. Selbst wenn ein Bruch mit dem Erbe offen proklamiert wird, wie von den Nihilisten und Futuristen um 1900, dann ist es in der Regel ein Vorwand, um eine selektive Auswahl treffen zu können. Heutige Massenkultur trägt in der Regel »Patchwork-Charakter«.

Wenn man sich das europäische literarische und kulturelle Erbe aktiv aneignen will, dann muss man die nationalsprachliche Basis der Erbschaft unserer Zeit beachten. Nationalkultur ist nicht nur ein Entwicklungsstadium, sondern viel mehr noch eine Schicht unseres Erbes. Darunter gibt es weitere Schichten unserer Sprache. Diese Schichten gilt es zu erschließen. Sprache stiftet jedoch Gemeinschaft und grenzt gleichzeitig aus. Unsere Muttersprache ist die Verbindung zu anderen Sprachen und gleichzeitig eine Besonderheit: wir konstituieren uns als Individuum in unserer Muttersprache und nicht in Bewusstsein. Im Lichte der Tradition können wir uns als Individuum konstituieren, wissen aber, dass wir unsere Existenz nicht uns selbst verdanken, dass wir in einer Kette von Generationen stehen.

Gert Hofmann war ein Literat und Philosoph, der das abendländische Erbe »nicht ausschlug«, wie er es auch seinem Kollegen Castillo bescheinigte. Deshalb kann uns das Hofmannsche Werk im 21. Jahrhundert helfen, aktiv an der europäischen Idee der Humanität zu arbeiten. Diese Arbeit tut Not. Allein durch große geistige Anstrengung könnte Europa die Funktion einer kulturellen Brücke zwischen West und Ost, Süd und Nord ausfüllen, die von unserer geographischen Lage vorgegeben ist.

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Das Geburtshaus Gert Hofmanns, nur 50 Meter von der Gaststätte Stadt Wien entfernt, wurde zwar auf die Landesdenkmalliste gesetzt, dennoch aber leider abgerissen.

 

Für die literarische Entwicklung Gert Hofmanns spielte vielleicht seine Großmutter Maria, eine gebürtige Wienerin, die wichtigste Rolle. Sie liebte Bücher und Geschichtenerzählen. Wir können vermuten, dass sie ihrem Enkelsohn Geschichten vorlas. Es ist kaum anzunehmen, dass sie dabei im sächsischen Limbach ihren Wiener Dialekt aufgab. So nahm Gert Hofmann bereits als Kleinkind verschiedene Dialekte wahr. Gert Hofmann war wohl eher ein unauffälliger Schüler. Als er wegen einer politisch interpretierten Äußerung von der Schule verwiesen wurde, nahm er bei einem Sprachlehrer Privatunterricht. Die besondere Sprachbegabung Hofmanns wurde schlagartig deutlich als er 1950 an der Leipziger Spezial-Sprachschule gleichzeitig die Abschlüsse in Französisch, Russisch und Englisch ablegte. Allein der Abschluss in einer Sprache war an dieser Schule schon sehr schwer zu bewerkstelligen.

Bereits in seinem ersten Semester las Gert Hofmann, nach Aussagen seines Studienfreundes Günter Johne, klassische Werke des europäischen literarischen Erbes in der Originalsprache. Auf die Umstände, die Gert Hofmann zunächst zur Dramatik führten, haben wir verwiesen. Die Anerkennung als Literat ist heute immer noch verbunden mit dem Genre der Prosa. Mit der Novelle »Die Denunziation« veröffentlichte Gert Hofmann im Salzburger Residenz-Verlag 1979 sein erstes Prosastück. In den nächsten Jahren folgte ein wahres Feuerwerk an Novellen, Erzählungen und Romanen. Am bekanntesten ist vielleicht sein Roman »Der Kinoerzähler«. Seine Novelle »Die Rückkehr des verlorenen J. M. R. Lenz nach Riga« wird von Kennern mit dem »Lenz« von Georg Büchner auf eine Stufe gestellt. Der Roman »die kleine Stechardin« wird von vielen Lesern als schönstes Buch Gert Hofmanns angesehen.

Am 29. Januar will der Freundeskreis eine Tafel zur Erinnerung an die Einkehr Gert Hofmanns am 24. Juli 1990 an der historischen Gaststätte Stadt Wien anbringen.

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Bereits am Vorabend des 85. Geburtstages Gert Hofmanns soll in der Stadtbibliothek Limbach-Oberfrohna ein Hörspiel aufgeführt werden. Ursprünglich schrieb Gert Hofmann »Unser Mann in Madras« als Theaterstück. Veröffentlicht wurde es erstmals im Frankfurter Fischer Verlag unter dem Titel »Kündigungen. 2 Einakter«. Das Schweizer Radio DSR produzierte das Hörspiel im Sommer 1969.

»Unser Mann in Madras« spielt dem Anschein nach in den 1950er Jahren. Hofmann verzichtet auf die Bestimmung der Details. Das Stück ist zwar als Dialog angelegt, und der Manager Siegel spricht auch ab und zu über Wechselsprechanlage mit seiner Sekretärin, doch eigentlich ist es ein Monolog. Sein Telefon-Gesprächspartner in Madras kommt nicht selbst zu Wort. Der Manager interpretiert die Antworten seines Gesprächspartners. In Madras hat sich eine Katastrophe ereignet. Auch dazu verzichtet Hofmann auf jeden Versuch einer Festlegung. Der Hörer kann vermuten, dass es sich um einen Atombombenabwurf handelte. Aber auch andere Gründe sind nicht ausgeschlossen. Wie auch in anderen Stücken Hofmanns kommt der »Hauptheld« nicht zu Wort. Gleichzeitig zeigt Hofmann seinen Helden in einer Extremsituation, die er dem Anschein nach auch nicht überlebt. Der Monolog des Managers macht uns auf indirekte Weise deutlich, wie banal dieser in der Situation an seinem Kollegen in Madras vorbeiredet. Im Kopf des Hörers ergeben sich Assoziationen, die ihn an sein eigenes Verhalten in Extremsituationen, an seine eigenen Fehlleistungen, erinnern, die uns zugleich aber auch unsere Gewissheiten nehmen, Abgründe eröffnen, uns in Frage stellen, und letztlich dadurch eine Neufindung ermöglichen.

Gewiss, das ist nicht jedermanns Sache. Wirkliches Selbstbewusstsein ist jedoch nicht ohne die Fähigkeit zu haben, sich in Frage zu stellen.

Johannes Eichenthal

 

Zur Biographie

Gert Hofmann wurde am 29. Januar 1931 in Limbach bei Chemnitz geboren

1945 von der sowjetischen Besatzungsmacht inhaftiert und in der Folge von der Schule religiert. Darauf Setzerlehre und privater Sprachunterricht. Wohnt bei der Großmutter.

1948–50 Besuch der Leipziger Sprachschule (Abschluss mit drei Diplomen) und Abitur am Leipziger Petri-Gymnasium

1950/51 Studium der Slawistik an der Universität Leipzig

1951–57 Studium Englisch, Deutsch, Französisch, Soziologie an der Universität Freiburg/Breisgau. Erste literarische Arbeiten.

1957 Promotion mit einer Arbeit in Anglistik »Interpretationsprobleme zu Henry James«. Gleichzeitig Hörstücke und Hörspiele für den Rundfunk

1961 Tätigkeit als Germanistik-Dozent des DAAD in Frankreich und England

Theaterstücke (u.a. Inszenierungen von Helmut Qualtinger und Ivan Nagel)

1965 Aufenthalt in den USA

1971 Germanistik-Dozent in Jugoslawien. Die Familie wohnte im österreichischen  Klagenfurt

1979 erster Prosaband veröffentlicht: »Die Denunziation«. Es folgen »Die Fistelstimme« (1980), »Fuhlrotts Vergesslichkeit« (1981), Gespräch über Balzacs Pferd« (1981), »Auf dem Turm« (1982), »Unsere Eroberung« (1985), »Der Blindensturz« (1985), »Die Weltmaschine« (1986), »Veilchenfels« (1987), »Vor der Regenzeit« (1988), »Der Kinoerzähler« 1990), »Tolstois Kopf« (1991), »Das Glück« (1992), »Die kleine Stechardin« (1994 postum).

1981 gab Gert Hofmann seine Dozenten-Tätigkeit auf und wurde freier Schriftsteller

1982 Umzug nach Erding bei München

am 1. Juli 1993 verstarb Gert Hofmann in Erding. Er hatte bis zuletzt an dem Lichtenberg-Roman »Die kleine Stechardin« gearbeitet. (Der 1. Juli ist der Geburtstag von Johann Christoph Lichtenberg)

Gert Hofmann erhielt u.a. den Harkness Award 1965 (verbunden mit einem 2-Jahres-Stipendium in den USA, G.H. weilte mit Familie 1 Jahr in Yale/New Haven und 1 Jahr in Berkeley/Kalifornien), den Ingeborg-Bachmann-Preis 1979, den Alfred-Döblin-Preis 1983, den Hörspielpreis der Kriegsblinden 1983, den Literaturpreis der Stadt München 1993.

Über Gert Hofmann

Michael Hamburger: »Sein Mitleid besteht in diesem Einfühlungsvermögen, das sich jedoch nirgends an der Oberfläche zeigen darf. Das wäre nur Ablenkung vom Wesentlichen und ein Verfallen in Sentimentalität.«

Christopher Middleton: »Erzählerstimme oder -stimmen erzählen die ganze Welt – alles geht hervor aus dem Aufruhr, der Genauigkeit, der Unmittelbarkeit von Hofmanns Stimmen«

Klaus Walther: »Ein Erzählstil, der in der deutschsprachigen Literatur der Gegenwart seinesgleichen sucht …«

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One thought on “Gert Hofmann zum 85. Geburtstag”

  1. Ein schöneres Denkmal für Gert Hofmann lässt sich nicht denken – es ist lebendige Pflege seines Lebens und Werkes und erinnert mich an eine durchaus vergleich-bare edle Haltung die Jan Philipp Reemtsma für Arno Schmidt empfindet.
    Dabei finden Ihre Überlegungen zur Bewahrung der Kulturen in ihrer Eigenheit und Besonderheit meine ungeteilte Zu-stimmung, so wie sie die Sprache zur Signatur des Geistes und damit zum ureigensten Besitz einer Nation zählen, so versteht sich Weltkultur auch nur aus dem Erhalt des Reichtums und der Fülle der einzelnen Kulturen aller Völker dieser Erde. So verstehe ich auch Hofmanns Schaffen als produktive Aneignung des Erbes im Konsens mit der Pflicht de Tages in seiner unverwechselbar eigenen Sprache. ars.

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