Technologie

Dezentral ist die Alternative

 

Der 31. Januar war ein kalter Wintertag. Die eisige Kälte ließ uns am frühen Morgen vom heißen Sommer träumen. Aber selbst unsere Träume wären höchstwahrscheinlich erstarrt, hätte uns an diesem Tag nicht die Vernunft gesagt, wir sollten doch einmal nach Leipzig auf das Messegelände fahren. Unsere Autoheizung vertrieb die Kälte schnell. Für Träume war keine Zeit mehr und wir rätselten, was sich hinter den Messenamen TERRATEC und ENERTEC verbergen könnte. Später lasen wir dann, dass Terratec sich mit nachhaltiger Ressorcennutzung (Wasserversorgung, Abwasserentsorgung, Abfallentsorgung, Sanierung, Recycling, einschl. Planung) und Enertec sich mit neuesten Entwicklungen alternativer Energieerzeugung und Energiespeicherung befasst (beide in Messehalle 4). Gleichzeitig fand die Fachmesse für Biogas in Messehalle 2 statt und die Gesellschaft für Biogas hielt ihre Jahrestagung auf dem Messegelände ab. Konzentrierter konnte man Informationen in diesem Spektrum wohl kaum anbieten.

In der Messehalle 4 fanden wir eine entspannte Athmosphäre. Fast ausschließlich Fachbesucher informieren sich sehr gründlich. Verschiedene Aussteller zeigten Blockheizkraftwerke.

Erfreulich viele Aussteller aus Mitteldeutschland demonstrieren die technologische Leistungsfähigkeit unserer Region.

Am Stand der Firma Motoren- und Energietechnik aus Dessau

Der Stand der Firma Lambda GmbH Leipzig

Kommentar

In Presseberichten klagte die Biogasbranche über Akzeptanzverluste bei der Bevölkerung. Die Kritik richtet sich vor allem gegen die Nutzung von Flächen zum Biomassenbau, die vormals dem Nahrungsmittelanbau dienten. Aber einerseits kann Biogas auch aus Pflanzenabfällen gewonnen werden. Andererseits entstehen in der heutigen Landwirtschaft Biogase im Zusammenhang mit Gülle. Zudem gibt es auch »Biogase«, die bei industriellen Prozessen in Kläranlagen, Deponien und anderen entstehen.

Wenn es heute darum geht, dezentrale Lösungen für alternativer Energieumwandlung und deren dezentrale Nutzung zu schaffen, dann wird man um eine Kombination verschiedener Verfahren nicht umhinkommen: Sonnenkollektoren, Windräder, Wasserräder, Blockheizkraftwerke und andere Verfahren sind denkbar. Genau das steht aber in Leipzig zur Debatte. Das Konzept dieser Leipziger Messe für dezentrale, alternative Energiegewinnung und Nutzung ist auf der Höhe der Zeit und ausbaufähig. Sie wird zum Magneten für alle weitsichtigen und nachhaltig denkenden Menschen werden. Unser Dank gilt den Organisatoren.

Johannes Eichenthal

 

Information

www.terratec-leipzig.de

www.enertec-leipzig.de

 

Literaturhinweise

120920ZVFG

Karin Heinrich/Steffen Heinrich: Stromgewinnung mit Klärgas. Das Stirling-Kraftwerk

23,4×30,5 cm, 58 Seiten, fester Einband, Fadenbindung, Lesebändchen

23 Farbfotos, 14 farbige Abbildungen, 5 Tabellen und 7 Diagramme

VP 29,00 €

ISBN 978-3-937654-71-3

 

Der Zweckverband Frohnbach erprobt seit dem Jahre 2010 in Niederfrohna (Sachsen) ein leistungsstarkes Stirling-Motor-Blockheizkraftwerk (BHKW) zur Verstromung von Klärgas als Alternative zum Otto-Motor-BHKW. Einer aufwendigen Entfernung von Siloxanen aus dem Klärgas sowie regelmäßiger und besonderer Wartungsmaßnahmen bedarf es bei einer solchen Maschine nicht, denn die Verbrennung findet außerhalb des Motors statt. Das Aggregat hat weder Zündkerzen noch Ventile und kommt zudem ohne Schmiersystem aus. Es ist für mehr als 100.000 Betriebsstunden konstruiert. Einmaliger jährlicher Service (Inspektion) reicht aus. Im Vollast-Betrieb hat das Stirling-Motor-BHKW eine maximale elektrische Leistung von rund 38 kW bei einer thermischen Nutzleistung von rund 120 kW gezeigt. Der thermische Wirkungsgrad liegt sowohl im Teillastbereich als auch unter Vollast bei nahezu gleichbleibend etwa 70 Prozent. Es sind elektrische Wirkungsgrade von deutlich über 20 Prozent und Gesamtwirkungsgrade von rund 90 Prozent erreichbar. Der maximale Durchsatz an Klärgas beträgt etwa 27 m3N/h. Bislang läuft das Stirling-Aggregat problemlos. Die im Stirling-Motor-BHKW verwirklichte kontinuierliche äußere Verbrennung mit interner Luftvorwärmung läßt sich mittels Lambdasonde gut regeln und führt zu sehr geringen Abgasemissionen. Somit liegt der Einsatz des Stirling-BHKW auch für die Verstromung diesbezüglich wesentlich problematischerer und in der Zusammensetzung weitaus stärker schwankender Brennstoffe, wie Synthese-, Fackel- bzw. Deponie- sowie Schwachgase nahe.

 

120920ZVFH

Karin Heinrich/Steffen Heinrich: Das Kleinkläranlagen-Handbuch

23,4 × 30,5 cm, fester Einband, Fadenheftung, Lesebändchen

312 Seiten, 69 Farbfotos, 62 farbige Abbildungen, 17 Tabellen, 1 Karte, 27 Formularvordrucke, Sachwortverzeichnis

VP 48,00 €

ISBN 978-3-937654-34-8

 

Die Autoren nehmen den Leser mit auf eine Expedition durch den Dschungel der rechtlichen und technischen Bestimmungen in Sachen Kleinkläranlage. Im Dschungel bleibt vieles im Dunklen. Aber die Autoren kennen den Weg.

Mit dem 31. Dezember 2015 endet eine Übergangsfrist für veraltetet Kleinkläranlagen. Ab dem

1. Januar 2016 fordert der Gesetzgeber von Grundstückseigentümern, die nicht an zentrale Kläranlagen angeschlossen sind, den Nachweis einer Abwasserklärung nach dem Stand der Technik, d.h. ein vollbiologisches Verfahren. Das betrifft in Sachsen etwa 150.000 Grundstückseigentümer. Für diese Betroffenen ist das Buch geschrieben. Aber auch andere werden davon Nutzen haben.

Dank ihrer Erfahrungen bringen die Autoren Licht in den Dschungel mit dem Ziel, dem Grundstückseigentümer den für ihn passenden Weg zu zeigen. Voraussetzung ist allerdings die Bereitschaft, sich mit den nicht immer einfachen Fragestellungen zu befassen.

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