Sehr geehrte Damen und Herren,
wir wollen das Interesse der Leser auf einige Zeitschriften richten helfen. Das Spektrum reicht von Umweltfragen über Buch- und Literaturgeschichte, Regionalgeschichte bis hin zur Fahrzeuggeschichte. Der »rote Faden« dieses Querschnittes ist der Versuch zur Vereinigung der Gegensätze Konservation (Bewahren) und Innovation (Erneuern) in der Innokonservation.

Vom 22. bis zum 24. Januar findet in Ludwigsburg die 40. Antiquariatsmesse „Antiquaria“ statt. Traditionsgemäß veröffentlichten die Organisatoren einen Messekatalog. Auf 168 Seiten findet der Leser die Vorstellung der teilnehmenden Antiquariate und ihrer Programme. In dieser Zusammenstellung wird uns von den Antiquarinnen und Antiquaren ein individueller Einblick in die Buch- und Kulturgeschichte gegeben, der uns nur selten zuteil wird. Zahlreiche Abbildungen ergänzen die Darstellung. Darüber hinaus findet der Leser natürlich auch wichtige Informationen zur Messeorganisation.
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Die Zeitschrift „79Oktan – Das Magazin für Ostoldtimer“ veröffentlicht im Heft 4/2025 wieder mehrere interessante Artikel. Unter der Rubrik „Kurz gemeldet“ wird des verstorbenen Formgestalters Dietmar Palloks (1941–2025) gedacht. Nach Maschinenschlosser-Lehre und Abitur studierte er an der Hochschule für angewandte Kunst in Berlin Weißensee. 1975 erhielt er an dieser Hochschule eine Dozentur. Seine Produktgestaltung reichte von Stern-Radio Berlin, über den Bau von Fluss-Fahrgastschiffen bis hin zu zur MZ-ETZ 250. 1987 erhielt er den Designpreis der DDR.
In der gleichen Rubrik wird daran erinnert, dass sich im Mai 1970 Verantwortliche der Automobilwerke Eisenach, Sachsenring Zwickaus, des WTZ Karl-Marx-Stadt und Ministeriumsmitarbeiter in der Nähe Mühlhausens trafen, um über die völlig eigenständige Entwicklung eines Vierzylinder-Viertakt-PKW mit 1,1, und 1,3 Liter Hubraum zu beraten. Die Grundlagen entstanden seit 1968 in Eisenach. Die Entwicklung wurde später eingestellt.
In der Rubrik wird anlässlich seines 110. Geburtstages auch an Ewald Dähn (1915–2012) erinnert. Nach Maschinenschlosser-Lehre bei Simson ging er zu Junkers nach Dessau. Im Weltkrieg diente er bei der Luftwaffe. Nach der Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft begann er 1946 bei Simson als technischer Zeichner, ab 1951 als Konstrukteur und von 1960 bis 1980 als Leiter der Abteilung Forschung und Entwicklung. Er war Hauptkonstrukteur der Schwalbe und des S 50. Auch nach dem Eintritt in den Ruhestand verfasste er zahlreiche Fachbücher.
Der Leitartikel des Heftes von Axel Schmidt und Eckhard Griebel, der auch auf der Titelseite angekündigt wird und sich über 14 Seiten erstreckt, trägt die Überschrift „Reise, Reise. Die Omnibusse Ikarus 55 und 66“. Die aktuellen Fotos stammen von Detlev Müller. Seit 1956 prägten die Reisebus- (Ikarus 55) und die Stadtbus-Variante (Ikarus 66) das Straßenbild der DDR. Der Entwurf stammte vom ungarischen Industrie-Formgestalter György P. Horváth. Der Entwicklungsingenieur Béla Zerkovitz setzte die Konstruktion gegen alle Einwände durch. Hergestellt wurden die Busse im ungarischen Mátyásföld und später in Székesfehérvár.
Das fünfte Treffen der Ikarus-Fangemeinde findet am 9. Mai 2026 im ungarischen Tapolca, in der Nähe des Balathon, statt.
Es folgen u.a. ein Artikel über die Entwicklung eines Schwimmwagens für die NVA auf der Basis des LKW Robur. Das Modell mit der Bezeichnung S 15 wurde wenige bekannt. Ein Artikel erzählt von der Entwicklung des ungarischen Motorrades Pannónia 250 TLB. Ein Artikel beschreibt den Export von 12.000 LKW vom Typ W 50 und den Aufbau eines Ausbildungs- und Werkstattsystems in der Republik Angola. Es folgt ein Artikel über den Kleinwagen mit Heckmotor Saporoshez ZAZ 965.
Der für uns interessanteste Artikel schließt das Heft ab. Aus der Feder Ronny Renners stammt ein Kurzporträt Michael Heises. Dieser wurde 1917 in Hofgeismar bei Kassel geboren. Der Vater, ein Kunstmaler, verließ die Familie früh. Die Mutter, eine Schriftstellerin, die mit Rainer Maria Rilke im Briefwechsel stand, verdiente den Lebensunterhalt mit Klavierstunden. 1921 zogen Mutter und Sohn nach Tiefurt. Die Mutter pachtete mit einer Gartenbau-Lehrerin eine Gärtnerei und verkaufte Blumen und Gemüse auf dem Weimarer Markt. Michael Heise erlernte nach der Schule das Feinmechaniker-Handwerk bei Carl-Zeiss in Jena und studierte ab 1936 an der Ingenieurschule in Weimar Automobil- und Maschinenbau. Die Mutter kehrte während des Zweiten Weltkriegs zu ihren Eltern nach Meiningen zurück. Michael Heise betrieb hier einen kleinen Motorradhandel, war Lehrer am Reichsbahn-Ausbesserungswerk und bei der Kreisberufsschule, und auch als Fachjournalist tätig. 1951 erhielt er eine Dozentur an der Ingenieurschule Schmalkalden. Am 15. Oktober 1951 stellten ihn die Simson-Werke als Leiter der Motorrad-Versuchsabteilung ein, um die Entwicklung der AWO 425 voranzubringen. Auf Wunsch der sowjetischen Werksleitung entwickelte Heise eine Rennversion der AWO. Eine Weiterentwicklung, die „Heise-AWO“ mit 500 cm3 Hubraum, wurde nur als Prototyp gebaut. Nach dem Besuch der Internationalen Fahrrad- und Motorrad-Ausstellung in Frankfurt am Main regte Heise die Aufnahme der Moped-Produktion durch Simson an. Diese Umstellung erfolgte auch, 1955 brach Heise seine Tätigkeit in Suhl ab und wechselte in die Bundesrepublik.
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79Oktan – Das Magazin für Ostoldtimer. 3/2024, ISSN2511-5952, www.79oktan.de

Das Heft 5/2025 der Zeitschrift „Austro-Classic. Das österreichische Magazin für Technik und Geschichte“ bringt auf 146 Seiten wieder einen Blick in das Oldtimer-Clubleben. So führt uns eine Reportage zum Palazzo di Varignana (Bologna), zwischen 26. und 28. September 2025 Start und Ziel eines Wettbewerbes zwischen den 37 seltensten und legendärsten Fahrzeugen der Welt. Zu den Minardi Days 2025 trafen sich Rennfahrer verschiedener Generationen. Tagsüber beherrschte der Fahrbetrieb das Geschehen. Ausklingen ließ man den Tag in den Boxen „bei Lambrusco, Parmigiano und Prosciutto“. Der Reporter von des 14. OldtimerGP am Kukuruzkurs in Schwanstadt schildert uns die Atmosphäre einer „Naturstrecke“, ohne Werbetafeln o.ä. Eine Reportage erinnert an das Motorsportfestival am Salzburgring. Die Internationale AVCA-Motorfahrt um den Preis von Melanie Gräfin Khevenhüller-Metsch Erdödy durch Kärnten wurde zum letzten Mal ausgetragen. Ein Reporter berichtete von der „FranzJosefsFahrt für Ultramotorräder bis Baujahr 1929“ in Bad Ischl. In Salzburg fand die 21. Oldtimermesse statt. Der Kabinenroller-Club Österreich (KARO) traf sich in Kaprun zur Ausfahrt. Weitere Reportagen von Fahrten mit mäßigem Tempo durch die eindrucksvolle Landschaft Österreichs schließen sich an. Der Hauptartikel von Oswald M. Posch widmet sich der Geschichte des Roadsters TR 4 aus dem britischen Coventry. Einer der letzten Artikel dieser Ausgabe, aus der Feder Hannes Caroly Schnellers, macht uns auf fassbare Weise die Härte der Radrennen um den Bergpreis auf der Großglockner-Straße, der bekanntesten Bergstraße Österreichs, erlebbar.
Austro-Classic. Das österreichische Magazin für Technik und Geschichte. 6/2024, www.austroclassic.net

Die von der Pirckheimer-Gesellschaft e.V. herausgegebene Zeitschrift für Buchkunst und Bibliophilie „Marginalien“ erschien in der 259. Ausgabe (2025/4). Auf 128 Seiten wird wieder ein breites Spektrum der Literatur- und Buchgeschichte vorgestellt. Der Kunsthistoriker Karsten Hommel beschreibt die Geschichte der Kunsthandlung Heinrich Barchfelds in Leipzig. Reimar Riese, emeritierter Professor für Buch- und Verlagsgeschichte, erinnert an den Leipziger Verleger Otto Spamer (1820–1886). mehrere Autoren gedenken mit Nachrufen dem 2025 verstorbenen Kunst-Pressen-Betreiber Jens Henkel. Der emeritierte Professor für Kunstgeschichten Peter Arlt erinnert an das Erscheinen eines „Europa Almanachs“ im Gustav Kiepenheuer-Verlag Potsdam im Jahre 1925. Herausgeber waren Carl Einstein (1885–1940) und Paul Westheim (1886–1963). Der für uns interessantest Artikel stammt aus der Feder von der Lichtdruckerin Janine Kittler und dem Kulturwissenschaftler Michael Barthel: „Zwischen Alchemie, Handwerk und Kunst. Der Lichtdruck und eine der letzten Werkstätten seiner Zunft“. Die Autoren heben hervor, dass die Werkstatt „Lichtkunst-Druck“ im Leipziger Druckkunst-Museum auf großes Publikumsinteresse stößt. Aber kaum einer der Besucher habe Kenntnisse des Verfahrens. Diese Situation erinnere daran, wie schnell Menschheitswissen verloren gehen kann. Neben Leipzig praktiziert nur noch ein Museum in Kyoto (Japan) das Lichtdruck-Verfahren. Was ist Lichtdruck? „Lichtdruck ist ein fotomechanisches, organisches Edeldruckverfahren. Gedruckt wird mittels einer Glasplatte und einer darauf aufgebrachten lichtempfindlichen Gelatineschicht.“ Erfunden wurde das Verfahren, um Fotografien in hoher Qualität bewahren und vervielfältigen zu können. Der Fotograf Josef Albers gründete 1867 die erste Lichtdruckerei in München. In Leipzig praktizierten um 1900 mehrere renommierte Firmen den Lichtdruck. Eine davon war die 1846 gegründete Druckerei Carl Gottlieb Röder. 1890 wurde hier gleichzeitig mit einer Buchdruckabteilung auch eine Lichtdruckabteilung eingerichtet. In den 1920er Jahren druckte die Firma jährlich etwa 50 Millionen Postkarten. Während des Zweiten Weltkrieges wurde das Firmengelände zu mehr als der Hälfte zerstört. 1946 demontierte die sowjetische Besatzungsmacht alle verbliebenen Maschinen. Dennoch gelang der Wiederaufbau aus dem Nichts heraus. Bereits 1947 konnte nahezu alle wichtigen Druckverfahren wieder angeboten werden und 1949 produzierte der Betrieb wieder mehrere Millionen Bücher mit festem Einband. 1972 wurde der inzwischen verstaatlichte Betrieb in die „Offizin Andersen Nexö“ (OAN) eingegliedert. In diesem Großbetrieb konzentrierte man sich auf die Herstellung qualitativ hochwertiger Bücher. Nach der Wiedervereinigung änderten sich die Bedingungen für die gesamte Branche rasant. Die Lichtdruck-Werkstatt wurde glücklicherweise 1994 in das Museum für Druckereikunst aufgenommen, um das Verfahren bewahren zu können
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Marginalien, Zeitschrift für Buchkunst und Bibliophilie. Quartus-Verlag, Bucha 2025.
ISSN 0025-2948; www.pirckheimer-gesellschaft.org

Die Zeitschrift „Schrot & Korn“ berichtet in ihrer Ausgabe 01/2026 wieder über biologische Ernährung und deren Voraussetzungen. Aus der Feder von Ina Hiester stammt ein Bericht über den Dottenfelderhof in Bad Vibel. Seit 1968 werden hier etwa 200 ha bio-dynamisch bewirtschaftet. Neben Futter für die Tiere wachsen hier in verschiedener Fruchtfolge Getreide, Kartoffeln und Gemüse. Seit 1977 züchtet man Biopflanzen. Da diese weder mit Mineraldünger in Kontakt kommen, noch mit Chemie gegen Krankheiten geschützt werden, bedürfen Pflanzen für den biologisch-dynamischen Anbau andere Voraussetzungen. Sie sollen sich die Nährstoffe selbst erschließen und robust sein. Dr. Carl Vollenweider verweist auf das Ziel der Zuchtforschung: „Den Herausforderungen der Zukunft begegnen wir mit Vielfalt.“ Bedroht werden biologisch-dynamischer Anbau und Vielfalt durch gentechnisch veränderte Pflanzen. Aber der Einsatz von Gentechnik bedroht auch die Vielfalt der landwirtschaftlichen Eigentumsformen. So hebt Papst Franziskus hervor, dass die Schäden, die gentechnisch veränderte Getreidesorten am Menschen verursachen können, noch nicht ausreichend erforscht sind, dass zwar bei einigen Anwendungen gentechnisch veränderten Getreides wirtschaftliches Wachstum zu verzeichnen sei, gleichzeitig sei dies aber manchen Orten mit dem Verlust des Kleineigentums verbunden. Die Vielfalt der Eigentumsformen sei jedoch genau so wichtig, wie die kulturelle und die biologische Vielfalt. (Papst Franziskus: Enzyklika Laudato si’. Über die Sorge für das gemeinsame Haus. Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, Bonn 2015, S. 98)
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Das Amtsblatt der (fiktiven) Gemeinde „Großmützenau“ wird in einer Eisenbahner-Gaststätte mit dem Namen „Der Prellbock“ hergestellt. Deshalb verwundert es nicht, dass auch der Name des Blattes einen, wenn auch eigenen Bezug zur Eisenbahn hat: „Der Lokpfogel“, mit dem Untertitel „pfüffig – pführend – pfolksverbunden“. Das Titelblatt der Weihnachts- und Neujahrsausgabe 3/2025 zeigt Cartoons von Manfred Bofinger. Das ist kein Zufall. Im Prellbock-Museum stellen die bekanntesten Cartoonisten ihre Werke aus. Der Prellbock ist eine Hochburg des Cartoons. Manchmal, jedoch nur selten, kann man hier auch den epochale Dichter Ludhardt M. Nebel im Großmützenauer „Prellbock“ treffen.
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Liebe Leserinnen und Leser, wir haben Ihnen ohne Frage einige Anstrengung zugemutet, hoffen aber, dass wir auch Vergnügen bereiteten. Erstens müssen wir die Zusammenhänge unseres Lebens versuchen zu erkennen, wenn wir nicht wie der Spezialist enden wollen, der von immer weniger Dingen immer mehr weiß, und der zum Schluss von NICHTS alles weiß. Zweitens gibt es ohne Anstrengung für uns Menschen kein Vergnügen.
Clara Schwarzenwald
Die Litterata – Technik und Poesie in Mitteleuropa – ist ein Feuilleton des Mironde Verlags (www.mironde.com) und des Freundeskreises Gert Hofmann.

