Reportagen

Chemnitz liest Heym

Stefan Heym wurde als Hellmuth Fliegel  (vgl. Lexikon Deutschsprachiger Schriftsteller von den Anfängen bis zur Gegenwart, Leipzig 1972 Bd. 1, S. 368. Andere Schreibweise Helmut Flieg) am 10. April 1913 in Chemnitz geboren. 1933 musste er ins Exil gehen, zunächst in die Tschechoslowakei, dann in die USA. Neben vielen anderen Berufen zum Lebensunterhalt war er auch immer als Journalist tätig und wurde zu einem Studium an der Universität Chicago eingeladen. Ab 1943 war er Soldat der US-Armee, nahm an der Landung in der Normandie teil und war zuletzt Offizier im Stab der 12. Armeegruppe von General Omar Bradley, der die 1., 3. und 9. US-Armee unterstellt war. Die Armeegruppe überschritt Ende März 1945 den Rhein in der Hauptstoßrichtung Berlin. Am 30.3.1945 wurde Berlin als Ziel aufgegeben und die 12. AG erhielt den Befehl zum 90°-Schwenk auf der Höhe von Kassel, mit neuer Hauptstoßrichtung Leipzig-Chemnitz-Erfurt.

Am Morgen des 14. April 1945 erreichten Spitzen der 4. US-Panzerdivision der legendären 3. US-Armee unter General Georg F. Patton auf der Autobahn A 4 die Höhen vor Chemnitz. Hier stoppte die Front für einige Wochen, bis sich die US-Armee wieder zurückzog. Die Höhen vor Chemnitz waren der östlichste Punkt, den die US-Armee auf ihrem Vormarsch von 1945 besetzte.

Für Demokratisierung und gegen Krieg setzte Stefan Heym sein eigenes Leben ein. 1948 veröffentlichte er den Roman »The Crusadors« (deutsch: Kreuzfahrer von heute, 1950) in dem er die Landung und den Vormarsch der US-Armee aus seinem Erleben heraus schilderte. In bester englischer Tradition vermochte Stefan Heym gut lesbar zu erzählen. Aus seiner Feder kamen in den Folgejahren zahlreiche weitere Bücher, keines war aber derartig mit seinem Schicksal verwoben, wie die »Kreuzfahrer«.

Im Jahre 2001 verstarb er. Nach seinem Tod wurde in Chemnitz eine Internationale Stefan-Heym-Gesellschaft gegründet, die einen der höchst dotierten deutschen Literaturpreise vergibt.

Aus Anlass des 100. Geburtstages organisierte die Stadtbibliothek Chemnitz in Zusammenarbeit mit der Stefan-Heym-Gesellschaft am 28. Februar eine Leseaktion in der ganzen Stadt. An 21 verschiedenen Orten wurde aus Stefan Heym-Büchern gelesen.

Uns liegen Berichte von einigen Veranstaltungen vor.

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Regina Röhner las in der Buchhandlung »Agricola & Humboldt« im Tietz/Moritzstraße 20 aus Stefan Heyms »Der kleine König, der ein Kind kriegen musste und andere neue Märchen.«

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Utz Rachowski las in der Buchhandlung am Brühl, Elisenstraße 5, vor einem kleinen aber sachkundigen Publikum aus dem »König-David-Bericht«.

Chemnitz liest Heym Buchdienst Chemnitz

Im Buchdienst Chemnitz, Augustusburger Straße 101, lasen Katrin Albrecht (»Kunstration« und »Gedulden«) und Hermann Friedrich (»Der kleine König, der ein Kind kriegen musste.« und »Wie es mit Rotkäppchen weiterging.«).

Chemnitz liest Heym Buchdienst chemnitz

Etwa 20 interessierte Zuschauer (hier nur ein Teil) verfolgten die Lesung.

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In der Buchhandlung »Lessing und Kompanie«, Franz-Mehring-Straße 8, las Dr. Andreas Eichler (Mitte zwischen den Inhabern der Buchhandlung) aus »Schwarzenberg«.

 

Kommentar

Ohne Zweifel erlangte die Stadtbibliothek Chemnitz und die Stefan-Heym-Gesellschaft mit der Leseaktion große Aufmerksamkeit. Ein schöner Auftakt für das Jubiläums-Jahr. Nach Angaben der Veranstalter wirkten etwa 2000 Vorleser und Hörer mit. Den Organisatoren ist zu danken. Vielleicht kann man so etwas wiederholen? Am 13. April 2015 jährt sich zum Beispiel der Geburtstag des ebenfalls in Chemnitz geborenen Stefan Hermlin zum 100. Male. Lassen wir uns überraschen.

Johannes Eichenthal

 

Weitere Information

www.stefan-heym-gesellschaft.de

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