Der 7. März war ein schöner Frühlingstag. Die Stadtbibliothek Schwarzenberg hatte zu einer Autorenlesung eingeladen. Der Berliner Autor Günter Höhne stellte seine eben erschienene Robert-Lenz-Biographie vor. Erfreulich viele Besucher hatten sich dazu eingefunden. Der Architekt Robert Lenz hatte das Wohn-und Arbeitshaus der Familie Brockhage entworfen. Nach der Buchvorstellung waren Führungen durch das Haus Brockhage angekündigt.

Die mehr als 60 sachkundigen Besucher erwarteten mit Spannung die Vorträge.

Der erfahrene Formgestaltungs-Buchautor und Journalist Günter Höhne (Jg. 1943) skizzierte die Biographie des Architekten Robert Lenz (1907–1964). Dieser zählte zu den ersten Studierenden, die 1926 im gerade eröffneten, von Walter Gropius entworfenen Dessauer Bauhausgebäude immatrikuliert wurden. Höhen und Tiefen seines späteren Lebens und des beruflichen Schicksals als Architekt und Dinge-Gestalter erfuhr er unter vier Gesellschaftssystemen des deutschen 20. Jahrhunderts: in der Weimarer Republik, unter der Nazidiktatur sowie in den west- und ostdeutschen Nachkriegsrepubliken. Obwohl einige seiner Werke der Moderne vor allem in den Wiederaufbau-Jahren im Land Brandenburg seinerzeit hochgelobt wurden und bis heute existieren und genutzt werden, geriet er nach seinem frühen Tod im Alter von 57 Jahren in Vergessenheit. In Schwarzenberg war er zu Beginn der 1960er Jahre auch als Architekt an der Entwicklung einer neuen Taktstraße für Waschmaschinen-Automaten beteiligt.

Anna Franziska Schwarzbach, die älteste Tochter der Eheleute Brockhage, erlebte in ihrer Kindheit die Arbeit von Robert Lenz. Zu dessen bemerkenswertesten noch existierenden Architekturentwürfen in der DDR zählt der damalige Um- und Erweiterungsbau des Atelier- und Wohnhauses des Holzkünstlers und Produktgestalters Prof. Hans Brockhage und dessen Familie. Es entstand ein funktional durchdachter und gewitzter Entwurf, der auch umgesetzt werden konnte.
Im Anschluss führten Anna Franziska Schwarzbach und ihr Bruder Paul Brockhage die Besucher durch ihr Elternhaus.
Clara Schwarzenwald
Die Litterata – Technik und Poesie in Mitteleuropa – ist ein Feuilleton des Mironde Verlags (www.mironde.com) und des Freundeskreises Gert Hofmann.
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Information
Stadtbibliothek Schwarzenberg: https://www.schwarzenberg.de/de/stadtbibliothek.html
Günter Höhne: Robert Lenz. Architekt zwischen Bauhaus und Planwirtschaft. 12,5 × 21 cm, 126 S., brosch. zahlr. Abb. Verlag am Park, Berlin 2026 ISBN 978-3-89793-400-9


