Reportagen

Lieblingsbuchhändler der Leser und Autoren

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Wer am Abend des 15. Oktober noch einmal schnell in die Schwarzenberger Buchhandlung Bücherwelt schauen wollte, der stand vor einer verschlossenen Tür.
Warum?

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Im Schwarzenberger Ring-Kino begrüßte Buchhändler Michael Schneider um 19.30 Uhr den Erfolgsautor Andreas Eschbach, der geradewegs von der Frankfurter Buchmesse kam, vor 100–150 Zuhörern.

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Eschbach begann ohne große Vorrede aus seinem neuen Buch »Todesengel« zu lesen.
Mit seinem Thema berührt er das Spannungsverhältnis von Jugendgewalt, Selbstjustiz und Recht. Wie in vielen anderen Büchern baut Eschbach die Geschichte aus relativ kurzen Kapiteln auf, die für den Leser oder Zuhörer zunächst in keinem erkennbaren Zusammenhang stehen. Eschbachs Sprache ist effizient, kein Wort zu viel. Er beherrscht das Handwerk des Schreibens virtuos. Mitunter fühlt man sich an Vorbilder aus dem englisch-amerikanischen Sprachraum erinnert. Thomas Pynchon wäre ein Beispiel.
Aber das Zentrum dieses Schreibens bleibt eigenartig leer.
Eschbach beherrscht selbstverständlich professionell den Aufbau von Spannung. Seine Bücher verfügen über eine Art von Architektur, wie ein komplexes Computerprogramm. Langsam bauen sich im Kopf des Hörers die Umrisse eines Bildes auf. Da bricht Eschbach mit einer zentralen Frage des Haupthelden die Lesung ab.
Klar, wer wissen will, wie die Geschichte weiter geht, der muss das Buch lesen.

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Aber die Veranstaltung ist noch nicht zu Ende. Gut gelaunt beantwortet Andreas Eschbach Fragen des Publikums nach allen möglichen Einzelheiten seines Schreibens. Man hat den Eindruck unter Schriftsteller geraten zu sein, die auch einmal so schreiben können wollen, wie der Meister.

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Die Fragestunde dauert in der Tat etwa eine Stunde. Michael Schneider dankt dem Helden und eröffnet 21.15 Uhr die Signierstunde. Schon herrscht großer Andrang.

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Für jeden Leser hat der Autor ein gutes Wort …

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… und ein paar freundliche Zeilen übrig.

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Die »Bücherversorgung« lag in den Händen dieser freundlichen Damen. Nach ihren Worten nutzten viele Besucher die Möglichkeit zum Buchkauf.

Kommentar
Es ist für die Kultur der Region ohne Zweifel von Bedeutung, dass einige Buchhandlungen mit anspruchsvollen Lesungen hervortreten. Im Unterschied zu subventionierten staatlichen Kulturbetrieben tragen diese Familienunternehmen die enorme Risiken solcher Veranstaltungen selbst. Aber die Besucher danken es ihren Lieblingsbuchhändlern, die sich zunehmend als »Kultur-Agenturen« unserer Zeit profilieren, und die Autoren und Leser in den direkten Kontakt bringen.
Johannes Eichenthal

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