Innokonservation
Rezension

NEUES AUS ZEITSCHRIFTEN

Sehr geehrte Damen und Herren, 

wir wollen das Interesse der Leser auf einige Zeitschriften richten helfen. Das Spektrum reicht von Umweltfragen über Buch- und Literaturgeschichte, Regionalgeschichte bis hin zur Fahrzeuggeschichte. Der »rote Faden« dieses Querschnittes ist der Versuch zur Vereinigung der Gegensätze Konservation (Bewahren) und Innovation (Erneuern) in der Innokonservation.

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Die Nummer 124 der Zeitschrift „Das Zündblättchen. Überelbsche Blätter für Kunst und Literatur“ erschien mit Lyrik der albanischen Dichterin Blerina Rogova Gaxha (Übertrag Zuzanna Finger) und Grafik von Gabriele Stolz.

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E-Mail-Adresse: diedreizeichen@aol.com 

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Die Zeitschrift „79Oktan – Das Magazin für Ostoldtimer“ veröffentlicht im Heft 3/2025 wieder mehrere interessante Artikel. Von Toralf Munk und Eckhard Griebel (Text) und Marcel Haseney (Fotos) stammt die Titelgeschichte der Ausgabe: „Befehl 93. Die BMW R 35 aus Eisenach“. Die Autoren skizzieren die komplizierte Ausgangssituation. Im Jahre 1942 war die gesamte BMW-Motorrad-Produktion von München nach Eisenach verlagert worden. In München wurden fortan ausschließlich Flugzeugmotoren gefertigt. In Eisenach sollte die schwere Seitenwagen-Maschine R 75 gefertigt werden. Nach Kriegsende begannen die US-Armee in München und die Rote Armee in Eisenach mit der Demontage der Werke. Der Unterschied bestand darin, dass in Eisenach noch Maschinen, Teile, Unterlagen für die Produktion ziviler Fahrzeuge vorhanden waren. In Thüringen stationierte Einheiten der Roten Armee ließen sich aus den Lagerbeständen Motorräder in Einzelfertigung herstellen. Um weitere Demontagen zu verhindern und einen Neubeginn der Fahrzeugproduktion starten zu können fuhr eine Eisenacher Delegation am 3. September 1945 nach Berlin Karlshorst, um beim SMAD-Oberkommandierenden Marshall Georgie Konstantinowitsch Shukow vorzusprechen. Dieser ließ dem Anschein nach gründlich recherchieren. Am 13. Oktober 1945 erließ er den Befehl Nr. 93, der die Produktion von jährlich 3000 PKW 326 und 3000 Motorräder R 35 anordnete sowie den Bezug von Material und Energie regelte. 1947 begann man in Eisenach mit dem Aufbau eigener Zulieferung. 1955 waren 80.000 Motorräder R 35 vom Band gelaufen. Ein Artikel informiert über den in Werdau entworfenen LKW AZ 47, der ein Nachfolger des H 6 sein sollte, jedoch vom W 50 ersetzt wurde. Ein Artikel dokumentiert die Einsätze der AWE-Rallye-Abteilung. Martin Deus informiert über eine kleine Firma im sächsischen Lunzenau, die in der DDR Hebebühnen für die Kraftfahrzeugreparatur herstellte und dabei eine „tragende“ Rolle spielte. Diplomingenieur Fritz Hage aus dem Rheinland kaufte 1947 eine Schuhfabrik und reparierte Rundfunkgeräte, später kaufte er eine Schlosserei zu, wechselte zur Herstellung von Behältern, Wärmeöfen und Einrichtungen für Kühlschiffe. 1958 gründete Hage eine Kommanditgesellschaft (KG). 1964 ergab sich die Möglichkeit die Produktion von Hebebühnen der „Hydraulik Rochlitz“ zu übernehmen. Noch einmal stellte sich Hage um. Er kaufte Maschinen und Geräte: eine 62-Tonnnen-Stanze, Schlagscheren, Abkantbänke, Blechpressen, Revolverdrehbänke u.a. 1972 wurde Hage der Betrieb entzogen und dem VEB Germania Karl-Marx-Stadt zugeordnet, produzierte aber bis 1990 1,5-Tonnen-Scherenhebebühnen, wie zuvor. Erst die Währungsunion brachte das „Aus“ für diese Art der Produktion. 

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79Oktan – Das Magazin für Ostoldtimer. 3/2024, ISSN2511-5952, www.79oktan.de

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Das Heft 5/2025 der Zeitschrift „Austro-Classic. Das österreichische Magazin für Technik und Geschichte“ bringt auf 146 Seiten wieder einen Blick in das Oldtimer-Clubleben und zahlreiche Classic-Rallyes durch beeindruckende Landschaft und Einkehr bei Spitzengastronomen. Wolfgang und Ulli Buchta präsentieren dem Leser zudem auf 22 Seiten ein Kapitel aus der Firmengeschichte von Opel. Auf anschauliche und fundierte Weise beschreiben Sie die Entwicklung des Modells „Manta“. Der Anstoß für diese Art von Auto, ein Zweitürer mit langer Motorhaube und kurzem Heck, sei vom Modell „Ford Mustang“ ausgegangen, das der junge Ford-Manager Lid Anthony „Lee“ Iacocca entwickeln ließ und 1964 für 2368 Dollar auf den Markt brachte. Der Start war erfolgreich, statt der prognostizierten 240.000 Exemplare wurden fast 700.000 verkauft. In Deutschland bot Ford 1969 aus rechtlichen Gründen das Fahrzeug nicht unter dem Namen „Mustang“ sondern unter „Capri“ an. 

Der neue Trend brachte die langfristige Planung der Firma Opel, die ein Weiterführen des erfolgreichen Kadett-Modell als Variante C (Ascona) vorsah, zum Scheitern. Aus der bloßen Coupé-Variante des Modells Ascona wurde eine eigenständige Entwicklung des Zweitürers mit langer Motorhaube und kurzem Heck. Opel Designer George Dallion, der die Entwicklung leitete, suchte lange nach Signet und Name des neuen Fahrzeuges. Er flog eigens nach Paris und sichtete stundenlang Filme des Meeresforschers Jacques Cousteau – bis er Aufnahmen eines Teufelsrochens mit dem Namen „Manta“ sah. Ab diesem Zeitpunkt standen Name und Signet des neuen Fahrzeuges fest. Am 16. September 1970 hatte der Opel-Manta seine Premiere. 

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Austro-Classic. Das österreichische Magazin für Technik und Geschichte. 6/2024, www.austroclassic.net

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Die von der Pirckheimer-Gesellschaft e.V. herausgegebenen „Marginalien. Zeitschrift für Buchkunst und Bibliophilie“ erschien in der 258. Ausgabe (2025/3). Auf 128 Seiten wird wieder ein breites Spektrum der Literaturgeschichte vorgestellt. Erik Glossmann beschreibt das Leben Erich Mühsams. Jürgen Overhoff schildert Darstellungen von Sklaverei und Sklavenhandel in Bilderbüchern der Aufklärung. Bernhard Hampf stellte historische Ausgaben in der Bibliothek der Regensburgischen Botanischen Gesellschaft vor, u.a. In der Rubrik Rezension finden wir den vielleicht interessantesten Artikel der Ausgabe. Fritz Jüttner analysiert kenntnisreich und nachvollziehbar die Ergebnisse des Klopstock-Jahres 2024. Er geht auf ein Klopstock-Handbuch, Klopstock-Biographie von Klaus Hurlebusch, Kai Kaufmann und Axel Kahrs, einen Tagungsband, ein Zeitschriften-Sonderheft u.a. ein. Biographien und Tagungsbände sind ohne Zweifel sehr verdienstvoll. Doch die wichtigste Frage ist, wie Arno Schmidt nicht müde wurde hervorzuheben: Warum soll man heute noch einen Originaltext Klopstocks lesen? Eine Antwort bekommen wir von Gotthold Ephraim Lessing. Dieser überschrieb am 1. August 1777 sein Projekt mitteldeutscher Sprach- und Literaturgeschichte mit einer Art Vermächtnis Klopstocks: »Von den Minnesängern bis zu Luthern ist ein weiter Weg. Ich hatte nie der Muße genug, um zu sehen, ob dort auch Rosen an den Dornen wären. Du mußt ihn auf deiner Wanderschaft gehen.« (Lessing Werke und Briefe in 12 Bdn. DKV, Frankfurt 2001. Bd. 10, S. 431). Johann Gottfried Herder führte Klopstocks und Lessings Ansatz fort. So ist uns Klopstocks Denken gegenwärtig. Heute stehen wir vor der gleichen Aufgabe: wir müssen den Weg einer literarische Wanderung durch Mitteldeutschland gehen. Klopstocks Texte besitzen die notwendige Qualität, die geeignet ist, über die Jahrhunderte immer wieder neu interpretiert werden zu können. Darum geht es. Jeder Leser sollte sich selbst ein Bild machen können. Empfohlen seien hier die soliden Ausgaben: Friedrich Gottlob Klopstock: Ausgewählte Werke. Mit einem Nachwort Friedrich Georg Jüngers (!). Wissenschaftliche Buchgesellschaft. Darmstadt 1969 und Friedrich Gottlob Klopstock: Werke in einem Band. Herausgegeben von Karl-Heinz Hahn (!). Aufbau-Verlag Berlin und Weimar 1983 (4. Auflage). 

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Marginalien, Zeitschrift für Buchkunst und Bibliophilie. Quartus-Verlag, Bucha 2024.

ISSN 0025-2948; www.pirckheimer-gesellschaft.org

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Das Amtsblatt der (fiktiven) Gemeinde „Großmützenau“ wird in einer Eisenbahner-Gaststätte mit dem Namen „Der Prellbock“ hergestellt. Deshalb verwundert es nicht, dass auch der Name des Blattes einen, wenn auch eigenen Bezug zur Eisenbahn hat: „Der Lokpfogel“. Allein die Schreibweise des Namens und der Untertitel „pfüffig – pführend – pfolksverbunden“ lassen ahnen, dass es in dieser Redaktion nicht an Humor fehlt, obwohl sich dieser nach allerneuesten Unternehmensberater-Gutachten nicht „rechnet“!!!

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Im Sommer-Heft 2025 der Zeitschrift „Die Kehre. Zeitschrift für Naturschutz“ erschienen Artikel und Debattenbeiträge zum Phänomen des Klimas. Von Michael Beleites stammt ein Beitrag mit dem Titel „Atmosphärische Eintrübung durch ‚globale Verdunkelung’“ (S. 33 ff.). Der Autor verweist darauf, dass der Botaniker Hans-Christoph Vahle bereits 2007 darauf aufmerksam gemacht habe, dass Moose, Pilze und Schnecken, die bislang an beschatteten Orten vorkamen, massiv in andere Milieus drängten. Woran liegt das? Beleites verweist hier auf das Phänomen, das als „Globale Verdunkelung“ (Global dimming) bezeichnet wird. Er zitiert einen Artikel von Beate C. Liepert in der Zeitschrift „Geophysikal Research Letter“ 10/2002: „Durch die anthropogen erhöhte Konzentration von Aerosolen in der Atmosphäre kondensiert mehr Wasser und es entstehen mehr Wolken. Von 1961 bis 1990 hat sich die Sonneneinstrahlung an der Erdoberfläche um geschätzte vier Prozent verringert.“ Beleites fügt an: „Die permanente Beeinträchtigung der Atmosphäre durch industrielle Aerosole, insbesondere aber durch Flugzeugkondensstreifen führt zudem zu einer stärker diffusen Sonneneinstrahlung“ (S. 33). Wie entstehen Kondensstreifen? „Bei der Verbrennung von einem Kilogramm Kerosin in der Flugzeugturbine werden 1,24 Kilogramm Wasserdampf, 3,15 Kilogramm CO2 sowie Stickoxide und Ruß erzeugt. Da in der Reiseflughöhe von zehn bis dreizehn Kilometern Temperaturen von -40 bis -70 Grad Celsius herrschen, bilden sich … Eiswolken, die sich bei höherer Feuchte der Umgebungsluft über große Gebiete ausbreiten und für Stunden oder Tage bestehen bleiben“ (S. 36). Beleites verweist darauf, dass manche Klimaforscher die aus den Kondensstreifen entstehenden Ciruswolken als eine Art „Isolierschicht“ betrachten, die einerseits die Wärme der Sonne reflektieren, andererseits die Wärme der Erde nicht nach oben entweichen lassen (Ebenda). Beleites macht hier darauf aufmerksam, dass nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 für drei Tage sämtlicher Flugverkehr über dem Territorium der USA unterblieb. Es wurde festgestellt, dass in diesen drei Tagen die Differenz zwischen Tag- und Nachttemperatur wieder um 1,1, Grad Celsius zunahm (S. 38).

Welche Bedeutung kommt der Erhöhung der Durchschnitts-Temperatur zu? Der Autor argumentiert: „In der Physik werden Auflösung und Verfall unter Bezugnahme auf den Zweiten Hauptsatz der Thermodynamik als Entropie charakterisiert: In abgeschlossenen Systemen herrscht eine Eigentendenz vor, bei der eine Temperaturerhöhung des Systems mit einem Verlust von Struktur, Ordnung und Information einhergeht. Das heißt: Je mehr der Globus durch Verunreinigung der Atmosphäre zu einem abgeschlossenen System wird, desto mehr kommt es zu einer Auflösung natürlicher Strukturen und Ordnungszustände – und desto wärmer wird es hier“ (S. 39). Die Erwärmung der Erde wird in den Medien mit dem Schlagwort „Treibhauseffekt“ beschrieben. Wie entsteht dieser? „Er kommt dadurch zustande, daß die Atmosphäre die von der Sonne ankommende kurzwellige Strahlung weitgehend ungehindert passieren läßt, während sie gegenüber der von der erwärmten Erde reflektierten langwelligen Infrarotstrahlung viel weniger durchlässig ist. Der Grad der Erwärmung über der Erdoberfläche hängt also zum einen davon ab, in welcher Konzentration klimarelevante Gase oder andere Verunreinigungen in der Atmosphäre enthalten sind, zum anderen davon, wie stark das Sonnenlicht an der Erdoberfläche (oder in der Luft) reflektiert wird. Der Umfang der reflektierten Infrarotstrahlung ist abhängig vom Partikelgehalt bzw. der Eintrübung der Luft, vor allem aber davon, ob der Boden mit einer Vegetationsschicht bedeckt ist oder nicht – und wenn nicht, ob er sedimentiert, porös und durchfeuchtet oder glatt und trocken ist“ (S. 39).

Beleites resümiert an dieser Stelle, dass der „Treibhauseffekt“ nicht nur vom Partikelgehalt und der Eintrübung der Luft abhängig ist, sondern gleichzeitig von der Zunahme von Objekten, die Infrarotlicht besonders stark reflektieren: „Das mit dem Wachstum der Städte verbundene Wachstum der bebauten Flächen ist in gleicher Weise für die Überhitzung der Erde verantwortlich zu machen wie die Luftschadstoffe. Das Gleiche gilt für die vor allem durch Flugzeugkondensstreifen bewirkte und mit der ‚globalen Verdunkelung“ einhergehende Lichtdiffusion in der Luft“ (S. 39).

Michael Beleites argumentiert weiter: Der mit der Entropie vergleichbare Begriff in der Biologie ist der der „Degeneration“. Die aufbauenden Prozesse nennt man dagegen Regeneration: „Zur Verringerung seiner Entropie […] muss ein System offen sein, es benötigt dazu seine Umwelt. Das, was von außen hinzutreten muss, damit Organismen und Ökosysteme lebendig sind, nennen Naturvölker ‚Lebenskraft’“ (S. 40). 

Für die Leser, die mehr Informationen zu diesem Thema wünschen sei auf zwei Bücher von Michael Beleites verwiesen: „Umweltresonanz. Grundzüge einer organismischen Biologie“ und „Lebenswende. Degeneration und Regeneration in Natur und Gesellschaft“. (Eine empfehlenswerte Litterata-Rezension von Andrej Schindhelm dazu: https://www.mironde.com/litterata/12762/essay/kehrtwende-vom-kampf-zur-regeneration)

Michael Beleites legte einen nachdenklichen Beitrag vor, der uns selbst zum Nachdenken anregt und in aller Demut darauf aufmerksam macht, dass wir nur zu Gast auf dem Lebewesen Erde sind. Johann Gottfried Herder hat, nach einem Bericht des Weimarer Gymnasiasten Gotthilf Heinrich Schubert, jede Unterrichtsstunde mit dem Salomo-Zitat „Demut ist der Anfang der Weisheit“ begonnen. Könnten wir heute auch damit beginnen?

Information

Die Kehre. Zeitschrift für Naturschutz. www.die-kehre.de

Liebe Leserinnen und Leser, wir haben Ihnen ohne Frage einige Anstrengung zugemutet, hoffen aber, dass wir auch Vergnügen bereiteten. Erstens müssen wir die Zusammenhänge unseres Lebens versuchen zu erkennen, wenn wir nicht wie der Spezialist enden wollen, der von immer weniger Dingen immer mehr weiß, und der zum Schluss von NICHTS alles weiß. Zweitens gibt es ohne Anstrengung für uns Menschen kein Vergnügen.

Johannes Eichenthal

Die Litterata – Technik und Poesie in Mitteleuropa – ist ein Feuilleton des Mironde Verlags (www.mironde.com) und des Freundeskreises Gert Hofmann.

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