Reportagen

Schubert in Zwickau

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Buchhandlung und Antiquariat von Gabriele Hertel sind in der Zwickauer Hauptstraße 22 gelegen, eigentlich ist die »Straße« eine Fußgängerzone. In regelmäßigen Abständen finden hier Lesungen statt.

 

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Der Besucher der Buchhandlung, wenn er eine Treppe emporgestiegen, ist völlig überrascht. Auch hier Bücher über Bücher. Ein Sofa lädt zum Verweilen ein. Doch heute sind Stuhlreihen aufgebaut, die aber kaum für den Besucherandrang ausreichen.
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Gabriele Hertel begrüßt Andreas Eichler, einen promovierten Philosophen, der heute in Leben und Werk von Gotthilf Heinrich Schubert einführen möchte. Ich musste ja nun schon x-Mal von diesem Vortrag berichten, schließlich bin ich der Praktikant und Eichler ist mein Chef, dennoch war ich gespannt, wie er es anstellen würde, als die übergroße Mehrheit der Zuhörer signalisierte, dass sie noch nie von diesem Schubert gehört hatten.

 

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Eichler begann seinen Vortrag mit einem Publikumslob. Wir bekämen alle einmal Alzheimer. Das erste Symptom sei aufkommendes Desinteresse für Neues, Unbekanntes. Die Anwesenden könnten insofern sicher sein. Sie hätten sich darauf eingelassen etwas Neues kennenzulernen.

Nun folgte sein üblicher Vortrag, den er hier und da, je nach Publikumsresonanz etwas ausbaute. Der selbst gewählte Weg des 1780 geborenen Pfarrerssohnes Schubert, trotz eines väterlichen Patriarchen, die eigene Wahl des Gymnasiums in Weimar, des Medizinstudiums und letztlich des Studienortes Jena. Die Fußwanderungen ins heimatliche Hohenstein zu Weihnachten und Ostern. Das Studium aller Naturwissenschaften, Medizin, Mathematik, Philosophie,und Theologie. Der frühe aber unergiebige Ruhm in Dresden, die erlösende Stelle eines Realgymnasium-Direktors in Nürnberg, die Berufung auf den Naturgeschichts-Lehrstuhl in Erlangen (u.a mit den Kollegen Schelling und Rückert). Das Wachsen der Lehrbuch-Publikationen in gewaltigen Auflagen. Die Berufung nach München, der Titel eines Geheimen Hofrates, Mitgliedschaft in mehreren Akademien, personaler Adel, naturwissenschaftliche Erziehung der Kinder des Königshauses usw,. usf.
Nicht zuletzt konnte sich Schubert auch die Reisen leisten, von denen er früher immer träumte. Anlässlich seiner Beerdigung Anfang Juli 1860 traf sich die halbe deutsche Geisteswelt in München.
Schubert, so Eichler, sei wahrscheinlich das größte wissenschaftliche Schwergewicht aus der Region Chemnitz-Erzgebirge. Er habe sich über das große Interesse des Publikums in Zwickau gefreut.

 

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In der kleinen Diskussion kam Eichler natürlich, wir hatten es befürchtet, auf Johann Gottfried Herder zu sprechen. Zudem gesteigertes Interesse einzelner Zuhörer. Es wollte kein Ende nehmen, so dass Frau Hertel kurz entschlossen dem Referenten dankte und die Diskussion in den kleinen Kreis verlegte.

 

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Eichler stand tatsächlich noch eine ganze Zeit Rede und Antwort, signierte Bücher usw. usf. Ich war erstaunt. Was die Umgebung einer schönen, wohlsortierten Buchhandlung ausmacht. Auf der »Hauptgasse« hätte wohl keiner in Zwickau ein Interesse für diesen Schubert gehabt.

 

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Auch der Literaturwissenschaftler Prof. Reiner Neubert (li.), seine Gattin und der Nestor der Schubert-Forschung in der Region, Wolfgang Hallmann aus Hohenstein-Ernstthal (2. v. re.), waren an diesem Abend extra zum Vortrag gekommen.
Johannes Eichenthal

Information
Andreas Eichler: G.H. Schubert – Ein anderer Humboldt
Format 22,5 × 22,5 cm, fester Einband, Fadenheftung, runder Rücken, Lesebändchen, 96 Seiten
23 zum Teil farbige Abbildungen und Fotos. Zehn zum Teil unbekannte Briefe zwischen Schubert und der Familie Herder, kommentierte Wiedergabe der Hodegetischen Abendvorträge Johann Gottfried Herders auf Textgrundlage einer Mitschrift Schuberts.
ISBN: 978-3-937654-35-5
Zu beziehen in jeder Buchhandlung oder direkt beim Verlag www.mironde.com

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