Reportagen

Mit Matthias Biskupek im Augustinerkloster

Bereits in früheren Jahrhunderten zogen sich Menschen mitunter in die Ruhe und Stille eines Klosters zurück, um die Weisheit zu finden, die sie im Alltag oft nicht bemerken. Das Evangelische Augustinerkloster im Herzen der Stadt Erfurt ist heute ein solcher Rückzugsort, ein »geistiges Fitnesscenter« gewissermaßen. Auch der Landesverband Mitteldeutschland des Börsenvereins des deutschen Buchhandels wählte in diesem Jahr das Kloster für seine Jahrestagung. Das Augustinerkloster heißt zwar Kloster, doch hier leben keine Mönche mehr und Ordensregeln existieren wohl auch nicht.

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Die Tagung war schon fortgeschritten, als in der Dämmerung des 30. Juni Matthias Biskupek das Wort »ergriff«.

Weil wir den Titel nicht verstanden hatten, glaubten wir zunächst einen der üblichen Vorträge über Altersvorsorge hören zu müssen. Doch Biskupek verkündete keine »Regeln« für den »cleveren Rentner«, sondern er ließ die Hörer an seinem Lebensweg teilhaben.

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Im Rückblick konzentrierte er sich auf die Jahre 1950, 1965, 2001 und 2013. Nach einleitenden Worten, mit denen er uns hermeneutisch erklärte, wie wir den folgenden Text verstehen könnten, las er jeweils eine Geschichte. So wählte er das Jahr 1950, weil es sein Geburtsjahr ist. 1965 bot einen Einblick in seine Schulzeit. Einen Klassenkameraden nannte er: Hellmut Sachse. Heute würde der Ausnahmegitarrist Hellmut »Joe« Sachse heißen, meinte Biskupek.

Und so ging das weiter …

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Im Fortgang der Erzählung vergangener Lebensgeschichten wurde uns in dieser Abenddämmerung langsam unser Alter und die Vergänglichkeit unseres Lebens bewusst. In katholischen Kirchen finden wir oft eine Uhr, die uns an die vergehende Zeit erinnern soll. Einer Uhr bedurfte Matthias Biskupek nicht. Allein das Wort! (Oder war das Bruder Martin?)

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Unverständlich war mir, dass die Mehrzahl der Zuhörer bei einem solchen ernsten Vortrag, einer Predigt gewissermaßen, schmunzelte und sogar laut lachte. Doch in seiner »Gelassenheit« fochten Matthias Biskupek solche Störung nicht an. Er verzog keine Miene. Sein Habitus strömte vollkommene innere Ruhe aus. Und so entließ er uns denn in den Erfurter Abend.

Johannes Eichenthal

 

Information

Matthias Biskupek: Der Rentnerlehrling. Meine 66 Lebensgeschichten. Satiren

Mitteldeutscher Verlag. Erscheint im August 2015. 320 S.,VP 19,95

ISBN 978-3-95462-538-3

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