Reportagen

Leseabend in Waldsassen

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Die Stadtbücherei von Waldsassen hatte für den Abend des 5. Dezember zu einer Lesung eingeladen und ein Programm herausgegeben. Doch diese Veranstaltung nahm einen ganz anderen Verlauf. Wie durch ein Wunder tauchte plötzlich ein Gast im roten Gewand auf. Aber der Reihe nach.

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Die Bücherei ist in einem historischen Gebäude im Stadtzentrum untergebracht und mit großzügigen Räumen ausgestattet: Ein Bildungs-Zentrum der besonderen Art.

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Aus dem dritten Stock erklangen Gitarrenklänge. Nathalie Horn signalisierte so den unkundigen Besuchern den Veranstaltungsort und stimmte auf die Veranstaltung ein.

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Marianne Kunz, die Leiterin der Stadtbücherei Waldsassen, begrüßte die Besucher und die beiden Gäste Hermann Friedrich und Dr. Andreas Eichler.

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Andreas Eichler dankte der Stadtbücherei und dem deutsch-tschechischen Stammtisch in Eger für die Einladung zu dieser Veranstaltung. Er erinnerte an die Uraufführung eines Dokumentarfilmes von Prof. Eberhard Görner über das Kloster Waldsassen. Professor Görner habe die Bekanntschaft mit dem damaligen Spiritual des Kloster, Pater Dr. Gabriel K. Lobendanz OCist., vermittelt. Aus der Zusammenarbeit sei in der Erzgebirgs-Kammweg-Reihe ein kleines Büchlein mit dem Titel Kloster-Aphorismen entstanden. Man habe das Buch auch in diese Reihe aufgenommen, um kulturelle Kontakte über das Erzgebirge hinaus nach Oberfranken und Tschechien zu knüpfen. Die für 2010 vorgesehene Premiere eines weiteren Kammweg-Büchleins mit dem Titel »Weihnachtsgeschichten« musste wegen einer Erkrankung des Autors leider ausfallen. Seit 2011 lebt Pater Gabriel im Pflegeheim St. Vinzenz in Innsbruck. Dort hatte am 27.11.2015 ein weiterer Aphorismen-Band des Paters Premiere. Der Titel lautet: »Auch die Zweifel wollen gelobt werden«. (Im Hintergrund wurde eine Beamer-Präsentation mit Fotos vom diesem Tag gezeigt.)

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Der Chemnitzer Schriftsteller Hermann Friedrich las darauf einige Aphorismen aus dem neuen Buch von Pater Gabriel und zwei Weihnachtsgeschichten.

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Plötzlich, wie aus dem Nichts, erschienen zwei unerwartete Gäste in der Veranstaltung. Einer stellte sich als Bischof Nikolaus in der Begleitung eines Engels vor. In Ermangelung von Schweizer Gardisten wurden zwei Gäste aus Sachsen, zwei sächsische Schweizer, beauftragt hinter St. Nikolaus Aufstellung zu nehmen. Hermann Friedrich durfte die »Waffe« des Heiligen, ein kleines Rütchen, halten. Andreas Eichler wurde für die Verwahrung des Bischoffsstabes verantwortlich gemacht.

Nikolaus sprach zu den Gästen im Saal: Warum seid Ihr denn nicht zu Haus und wartet auf Sankt Nikolaus? Warum tut Ihr grad heute lesen? Seid Ihr am End᾿ nicht brav gewesen? Habt Ihr Euch wohl hierher versteckt und glaubt, Ihr werdet nicht entdeckt? Ihr, die Ihr da versammelt seid: Hier gibt᾿s wohl keine braven Leut? Belohnen darf ich nur die Braven, wer böse war, den muss ich strafen.

Sag an, mein liebes Engelein: Hier muss ich wohl gestrenge sein?

Engel: Sankt Nikolaus, Ihr täuscht Euch sehr. Die Leute kamen alle her, dass man Geschichten hier erzähl‘ vom lieben Pater Gabriel. Geschichten, die er aufgeschrieben. Brave Leute sind sie alle, die hier versammelt in dem Saale. Es sind die Guten und die Frommen, die heute sind hierhergekommen, zu hör᾿n die weihnachtlichen G’schichten, die Pater Gabriel tat dichten.

Nikolaus: Nun, hört gut zu, was ich erzähl᾿ vom großen Engel Gabriel. Vom Gabriel geschrieben steht: Er flog herab nach Nazareth. Maria sollte hier auf Erden

dereinst die Mutter Gottes werden. Bei Euch in der Basilika, da steh᾿n die beiden heut noch da. Genauso, wie es damals war, so sieht man sie am Hochaltar.  Aus weißem Marmor und aus Gold, der Gabriel mit der Jungfrau hold … und weil die beiden wunderschön, fast wie lebendig anzusehn, drum steh᾿n sie auch ganz vorne da bei Euch in der Basilika.

Engel: O weh, so war das nicht gemeint: Die Leute, die hier sind vereint, die kamen wegen der Geschichten, die Pater Gabriel tat dichten … Dies wurde heut hier vorgelesen. Ein Pater ist der Gabriel, ein Pater, und auch sehr beliebt, – was es sogar im Kloster gibt …

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Nikolaus: Nun ja, dann Pater – und kein Engel. Ein Pater ist doch auch kein Bengel.

… ist Pater Gabriel zu loben, weiß man dies auch im Himmel, droben. Drum mein ich, wer gekommen heut – vermutlich – sind’s doch brave Leut᾿! Vor Strafen will ich Euch verschonen und Euch stattdessen reich belohnen. Dass keiner weint, und jeder lacht, hab jedem ich was mitgebracht. Mein Engel, teil᾿ jetzt bitte aus die Gaben des Herrn Nikolaus.

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Bürgermeister Bernd Sommer dankte dem Nikolaus, dem Engel, den Gästen und Aktiven dieses besonderen Abends. St. Nikolaus sagte etwas von weiteren Terminen. So, schnell, wie Nikloaus und Engel erschienen waren – verschwanden sie wieder in der dunklen vorweihnachtlichen Nacht.

Johannes Eichenthal

Information

Neuerscheinung

Gabriel K. Lobendanz: Auch die Zweifel wollen gelobt werden

14,0 × 20,5 cm, 88 Seiten, fester Einband, Fadenbindung, Lesebändchen.

Durchgehende Buchgestaltung mit einem Druck von Birgit Eichler

VP 19,00 € ISBN 978-3-937654-53-9

Noch lieferbar

Edition Kammweg Band 7

Pater Gabriel K. Lobendanz OCist: Weihnachtsgeschichten

Herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Eberhard Görner

Engl. Broschur, 12,4 × 18,6 cm, 2010, 160 S.

Mit Silberstift/Aquarell-Illustrationen von Hans-Jürgen Linge

Verkaufspreis: 4,75 €

ISBN 978-3-937654-43-0

Edition Kammweg Band 4

Pater Gabriel K. Lobendanz OCist: Kloster-Aphorismen

Herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Eberhard Görner

Engl. Broschur, 12,4 × 18,6 cm, 2009, 96 S.

Mit neun Kaligraphien von Birgit Eichler

Verkaufspreis: 4,75 €

ISBN 978-3-937654-39-3

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